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Ein schottischer Sommer

Roman.
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Produktdetails

Titel: Ein schottischer Sommer
Autor/en: Maryla Krüger

EAN: 9783955203153
Format:  EPUB ohne DRM
Roman.
dotbooks Verlag

2. Juli 2013 - epub eBook - 326 Seiten

"Ryan blickte mir einen Moment lang in die Augen. Ich wollte eigentlich an meine Telefonnummer denken, aber das Einzige, was ich dachte, war: Wie kann jemand nur so verdammt grüne Augen haben?"



Johannas Reportage mit dem Titel "Wer's glaubt, wird selig" schlägt hohe Wellen - so hohe, dass sie tatsächlich gebeten wird, in den hohen Norden der Highlands zu kommen. Dort soll sie an einer Untersuchung seltsamer Bewandtnisse auf Caitlin Castle teilnehmen. Mit ihr kommt ein Team aus drei sogenannten Geisterjägern. Einer von ihnen ist Ryan, und Jo verliert sich sofort in seinen wunderschönen grünen Augen. Doch als plötzlich eine Frau erscheint, die Ryan besser zu kennen scheint, flüchtet Jo sich in die Arme seines Bruders Marlin. Aber Ryan will Jo nicht widerstandslos aufgeben. Wird es Jo gelingen, sich trotz aller Ränkespiele für den Richtigen zu entscheiden?



Romantisch und gefühlvoll: Eine wunderschöne Liebesgeschichte vor der Kulisse der schottischen Highlands!



Jetzt als eBook: "Ein schottischer Sommer" von Maryla Krüger. dotbooks - der eBook-Verlag.
Maryla Krüger, geboren 1974 in Parchim (Mecklenburg), schrieb mit zwölf Jahren ihre ersten Geschichten auf der alten, mechanischen Schreibmaschine ihrer Mutter. Nach der Schule wurde sie jedoch Bürokauffrau, widmete sich aber weiterhin ihrer Leidenschaft fürs Schreiben. Während ihrer Zeit als freie Autorin für ein Musikmagazin verlor sie die Angst vor dem eigenen schriftstellerischen Talent und eines Tages, in einem völlig verregneten Urlaub, begann sie ihren ersten Roman zu schreiben. Sie ...

Ein Jobangebot

Schottland – Edinburgh – drei Wochen später

Es war ein geräumiges Vorzimmer mit zwei großen Fenstern, die einen herrlichen Blick auf den Park boten. Die Wände waren nur zum Teil tapeziert, ansonsten hatte man die alten Steinmauern naturbelassen. In anderen Räumen hätte dies wohl gemütlich gewirkt, doch hier hatte ich das Gefühl, dass dem Ganzen etwas Verschrobenes anhaftete. An den Wänden hingen vergilbte Fotografien von Männern mit langen Bärten und Zylindern, die seltsame Gerätschaften in die Kamera hielten. Darunter standen in der einen Ecke ein mannshoher Ficus, der unbedingt gegossen werden sollte, und daneben eine lange Reihe Vitrinen, die mit unzähligen Urkunden und Orden, weiteren obskuren Gerätschaften und Unmengen von Büchern gefüllt waren.

In der anderen Ecke blickte das gemalte und lebensgroße Abbild eines altertümlichen Schotten unter seiner keck bis auf das rechte Ohr geschobenen Mütze auf mich herab. Bei genauerer Betrachtung erweckte Braveheart den Anschein, als würde er schielen und einen Drall zur linken Seite haben – so als könne er jeden Moment aus dem Bild kippen. Ich fragte mich, ob das Modell, der Künstler oder alle beide betrunken gewesen waren, und verwandelte mein erheitertes Prusten diskret in ein Räuspern. Die ältere Dame hinter dem Schreibtisch blickte von ihrer Tastatur auf, schob ihre goldene Brille auf die Nasenspitze herab und lächelte mich an. Ich erwiderte das Lächeln, strich mir eine Haarsträhne aus den Augen und versuchte, einigermaßen seriös zu wirken, als mein Blick auf den Nachttopf fiel. Er stand im untersten Regal zwischen einer rostigen Öllampe und der bauchigen Figur einer Schwangeren und war mit kleinen, nackten, tanzenden Teufeln bemalt.

Immer mehr hatte ich das Gefühl, in einer
schlechten Folge von Versteckte Kamera mitzuspielen. Ich glaubte nicht an Geister und Spuk, und trotzdem hockte ich auf diesem Stuhl, klammerte mich an meine Ledermappe und blickte zum zehnten Mal auf das goldglänzende Türschild. Der Wortlaut blieb jedoch stets der gleiche.

The Royal Crookes Institut für paranormale Phänomene

Edinburgh, Schottland

Leitung: Prof. J. R. Sutherland

Auch die Tatsache, dass ich auf eine Einladung hin hier war, machte die ganze Sache in meinen Augen nicht besser.

Wann hatte ich eigentlich den Weg einer konstruktiven Berufslaufbahn verlassen und den Pfad hin zu einer zum Scheitern verurteilten Karriere eingeschlagen?

Früh!, sagte meine innere Stimme. Sehr früh!

Meine Mutter hatte damals recht gehabt, als sie sagte: „Kind, was willst du nur mit einem Philosophiestudium?“

In meinem jugendlichen Eifer hatte ich natürlich dagegengehalten, doch dreieinhalb Semester später hatte ich mich das Gleiche gefragt und das vierte kurzerhand in den Wind geschrieben. Ich war schon immer so. Meine armen Eltern verzweifelten fast an meinen ach so kurzlebigen Hobbys und Vorhaben: Klarinette spielen, Gitarre, Kontrabass, Ballettunterricht, Tennis, Curling, Mädchenfußball, ein Buch schreiben, Ärztin werden, Tierärztin werden, Kinderärztin werden, Sängerin, Schauspielerin, Popstar. Gemessen an all den Vorhaben, hielt die Absicht, Philosophin zu werden, ziemlich lange an.

Nach dem Abbruch meines Studiums fand ich mich allein in meiner Wuppertaler Einzimmerwohnung wieder, ohne Plan und Einkommen, und überlegte, was ich mit meinem Leben nun anfangen sollte. Ich hatte nicht vor, mich schon wieder von meinen spontanen Launen leiten zu lassen. Wenigstens einmal in meinem Leben wollte ich etwas Sinnvolles, etwas Großes und Bedeutendes tun. Da klopfte Linda a
n meine Tür und überredete mich dazu, für ihren Science-Esquire zu schreiben.

Wäre ich doch nur an jenem Tag nicht zu Hause gewesen.

Die kleine, unscheinbare Zeitschrift über Geister und Spuk hatte sie ein Jahr zuvor ins Leben gerufen, nachdem sie ihre zahnmedizinische Laufbahn an den Nagel gehängt hatte und aus Gründen, die mit einer funktionsgestörten Glühlampe und einer missglückten Beziehung zu einem Marihuana rauchenden Veganer einhergingen, in die Esoterik-Ecke abgedriftet war. Ich begann mit harmlosen Dingen: Botengänge erledigen, kurze Textpassagen schreiben und hin und wieder ein paar Leserbriefe beantworten.

Sechs Monatsausgaben lang lief auch alles glatt, bis Linda auf die grandiose Idee kam, mich ungefragt für diese Feldforschung anzumelden, die in den unterirdischen Gängen der Wuppertaler Ölstadt vonstattengehen sollte. Das Essay, das ich danach für den Science-Esquire schrieb, verbreitete sich wie ein verdammtes Lauffeuer und brachte mich hierher.

Plötzlich ging die Tür zu Professor Sutherlands Büro ein Stück weit auf, und eine sonore Stimme rief: „Und, zum Donnerwetter noch mal, seht zu, dass ihr unter die Dusche kommt!“

Leises Gemurmel und Gelächter folgten, und schlussendlich traten drei Männer nacheinander durch die Tür. Einer von ihnen trug etwas, das einer antiken Stehlampe mit gigantischem Schirm glich. Die anderen hatten Kameras umgehängt. Ihre Kleidung war mit Spinnweben behangen und so verdreckt und staubig, dass bei jeder Bewegung kleine Schmutzwolken aufstiegen und Sand auf den spiegelblanken Parkettboden rieselte.

„Das … war zu erwarten, Jungs“, sagte die Dame am Schreibtisch mit erhobenem Finger, schob ihre Brille auf die Nasenspitze und betrachtete die drei von oben bis unten. „So, wie ihr ausseht, könnt ihr froh sein, dass der Profe
ssor euch nicht schnurstracks von Harrison mit dem Gartenschlauch abspritzen ließ. Ihr wolltet ja nicht hören. Ich hatte euch gewarnt.“

„Das hatten Sie“, erwiderten die drei, lachten und schlugen sich gegenseitig auf die Schultern, wodurch noch mehr Dreck auf den Boden fiel.

„Herr! Lehre sie Demut, wo ich versagte“, meinte die Dame nur und schüttelte den steifgelockten Kopf.

„Letzter Tag heute, was, Ethel?“, fragte einer der drei und ging um den Schreibtisch herum. „Hätte nicht gedacht, dass das alte Schlitzohr Sie wirklich gehen lässt.“

„Ihm blieb nichts anderes übrig. Mein Pensionsanspruch ist schon seit drei Monaten durch, und nun gehe ich zu meiner Schwester nach Wales und überlasse euch eurem Schicksal.“

„Sie werden uns fehlen“, sagte ein anderer.

„Vielleicht schafft es ja meine Nachfolgerin, euch ein wenig Manieren einzubleuen.“

„Sind wir wirklich so schlimm?“

„Schlimmer!“, rief sie aus, blickte von einem zum anderen, und plötzlich wurden ihre Augen feucht. „Ach Jungs! Ich werde euch auch vermissen.“

Dann lachte sie auf, ließ sich zum Abschied von den Männern auf die Wangen küssen, und ich konnte sehen, wie sie trotz ihres Alters sanft errötete.

Die drei gingen an mir vorbei, ohne mich zu beachten, doch als sie das Vorzimmer verlassen wollten, blickte der mit der Lampe zurück und musterte mich. „Ist alles okay?“, fragte er.

Ich drehte mich um, ob er vielleicht mit jemand anderem gesprochen hatte, doch neben mir befand sich nur ein nackter Kleiderständer. Lächelnd wandte ich mich ihm wieder zu. „Ähm, ja. Warum?“

„Du siehst blass aus. Du musst keine Angst vor ihm haben, hörst du?“ Er wies mit einem Kopfnicken auf Professor Sutherlands
geschlossene Bürotür. „Er ist zwar manchmal etwas exzentrisch, aber nach einiger Zeit lernst du, seine Marotten zu ertragen. Ethel hat es auch geschafft.“

„Ähm. Danke.“ Ich hatte keine Ahnung, wovon er sprach.

Der Lampenmann lächelte und nickte mir zu, was wohl aufmunternd wirken sollte. Einen Moment später schloss sich die Tür hinter ihm.

„Miss Bergman?“, fragte die Vorzimmerdame.

Ich löste meine Augen von der Tür und drehte den Kopf. „Ja?“

Sie lächelte mich an und sagte: „Sie können jetzt hineingehen. Der Professor erwartet Sie.“ Damit erhob sie sich von ihrem Stuhl und holte Handfeger und Schaufel aus einem Schrank.

„Und? Wie ist er so?“, war Lindas erste Frage, als ich sie wie versprochen am Abend anrief. Ich stand am Fenster und beobachtete, wie die Sonne glutrot hinter Edinburgh Castle versank, zuckte mit den Schultern, schob die Vorhänge zu und sagte: „Er erinnert mich an meinen Großvater.“

Linda schnaubte vor Entrüstung. „Jo! Dieser Mann ist eine Koryphäe!“

„Das war mein Großvater auch.“

„Ja, natürlich! Was hat er denn gesagt?“

„Wer?“, fragte ich, schob meinen Koffer beiseite und ließ mich auf das Bett fallen.

„Na der Professor, du Dummchen!“

„Er hat mir noch einmal zu dem Artikel gratuliert. Mir gesagt, dass ich die Kernpunkte von paranormalen Forschungen sachlich und prägnant erfasst habe. Dass ich wohl ein Händchen und ein Näschen für die Arbeit eines Ghosthunters hätte – und er hat mir einen Job angeboten.“

Stille am anderen Ende der Leitung.

„Linda? Hallo?“

Ich schaute kurz auf das Display, aber die Verbindung bestand noch. „Linda, bist du da?“


„Über den Esquire hat er nichts gesagt?“, fragte sie endlich und klang enttäuscht.

Oh, Mist! Ich biss mir auf die Unterlippe. „Ach, weißt du, er hatte nicht allzu viel Zeit.“

„Hm.“

„Hey! Dass er es bis...


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