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Der Sternengarten

Historischer Roman.
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Produktdetails

Titel: Der Sternengarten
Autor/en: Katrin Burseg

EAN: 9783827076359
Format:  EPUB
Historischer Roman.
Berlin Verlag

13. August 2013 - epub eBook - 656 Seiten

Schloss Gottorf bei Schleswig, 1640: Die junge Sophie kommt an den Hof des Herzogs, um das Gartenhandwerk zu erlernen - ebenso wie der junge Perser Farid, ein Souvenir der letzten fürstlichen Orient-Expedition. Sophie und Farid finden zueinander, doch die Wirrnisse der Zeit gefährden ihr Glück. Denn beider Schicksal verknüpft sich immer enger mit den tollkühnen Plänen des Fürsten, in seinen Gärten das achte Weltwunder zu erbauen. Immer wieder nimmt Sophies Leben dramatische Wendungen, bis sie schließlich erkennt: Für die Liebe ist kein Weg zu weit.
Katrin Burseg, geboren 1971 in Hamburg, studierte Kunstgeschichte und Literatur in Kiel und Rom, bevor sie als Journalistin arbeitete. Sie hat mehrere Historische Romane veröffentlicht, darunter »Das Königsmal« (2008) und »Die Rebellin des Papstes« (2010). Die Autorin ist gerne am Meer, mag Reisen in die Vergangenheit und die überraschenden Abenteuer beim Schreiben. Sie lebt mit ihrer Familie in Hamburg.

www.katrinburseg.de
Prolog Amsterdam. Zuversichtlich und stolz erhoben sich die Häuser der Schönen in ihrem Rücken. Dächer, Türme und Flaggen kündeten vom Selbstbewusstsein der reichen Stadt. Paläste, Kirchen und der Grachtengürtel aus schimmernden Kanälen schmückten das Bild der Kapitale. Und die Handelsmetropole wuchs - überall stachen Winden und Kräne wie Fabelwesen in den schiefergrauen Himmel. Sophie spürte ein Zittern, das durch ihren Körper fuhr, und sie atmete schwer. So weit also war sie gekommen! Doch das war erst der Anfang. Die Reise würde sie noch weiter führen, über das Meer, durch die Wüste, in den Sonnenaufgang hin ein, bis nach Persien. Bis nach Isfahan. Isfahan - die Perle der Welt! Sie hörte seine Stimme, Liebe und Zuneigung schwangen da rin. Die Sehnsucht ließ sie zusammenzucken, sie stolperte, suchte einen Halt. Ihr Blick fiel auf die Teekisten, die sich auf dem Kai stapelten. Seufzend setzte sie sich auf eine davon und zog den schweren Beutel auf ihren Schoß. Das Buch war darin, ihre Aufzeichnungen und Notizen über das Gottorfer Mirakel, das geheime Wissen über das noch junge Wunderwerk. Auf den Wassern des IJ schwamm das Mittagslicht, von den Reflexionen des Meeresarmes geblendet schloss sie für einen Moment die Augen. Unterwegs? Die fremde Stimme klang freundlich, fast besorgt. Ein Schatten fiel auf sie herab. Sophie öffnete die Augen. Ein älterer Herr stand vor ihr, auf einen geschnitzten Gehstock gestützt. Der schon sprichwörtliche Reichtum der Amsterdamer Kaufleute kleidete ihn in ein teures Gewand, Fuchsfell säumte den Kragen. Unter dem dichten, grauen Bart lugte ein Pfeifchen hervor, der Seewind trug den Rauch davon. Er sah sie unverwandt an. Sein neugieriger Blick ließ für einen Moment den jungen Burschen aufleben, der er einst gewesen war. Ja, Mijnheer. Sie nickte zaghaft und zeigte auf das Handelsschiff der Kompanie, das rechts vor ihnen lag. Ungeduldig flatterte die rot-weiß-blaue Flagge am Heck des Seglers. Morgen legen wir ab ... Hunger? Aus einem Beu
tel, der an seinem Gürtel hing, zog der Alte ein Stückchen Kuchen hervor. Er zwinkerte listig. Der Duft nach Zimt, Anis und Piment stieg ihr in die Nase. Danke. Sie zitterte, als sie nach dem braunen Kuchen griff. Sanft legte er die Süßigkeit in ihre Hände, dann ließ er sich umständlich an ihrer Seite nieder. Isfahan also, brummte er und deutete wieder auf den Segler, der sich an den Festmacherleinen auf und ab bewegte. Bin auch zur See gefahren, als ich noch jünger war. Für die Kompanie ... Damals habe ich Gottes wunderbare Welt gesehen. Aber Isfahan ... Er zog an seiner Pfeife. Was für eine Pracht! Die Moscheen, der kaiserliche Platz, der große Schah Abbas nannte ihn Naqsch-e Dschahan - den Plan der Welt. Der Plan der Welt. Sophie nickte, sie hatte davon gehört. Er hatte ihr davon erzählt, von der gewaltigen Moschee des Schahs, von ihrer weiten Kuppel, den farbigen Fayencen und Mosaiken, die sie schmückten. Die Ornamente zeigten Blumenmotive, Pflanzenranken und Kalligrafien heiliger Texte. Und dann die Farben: Türkis, Kobalt, Lapislazuli und Ocker wechselten einander ab. Die glänzende Oberfläche der Kuppel spielte mit den auf sie fallenden Sonnenstrahlen. Der Schmuck, die Farben, das flirrende Licht erzeugten einen Rausch. Wie Musik - so hatte er es ihr beschrieben. Er hatte die Sehnsucht nach Isfahan nie ganz verloren. Es ist wie ein Blick in das Paradies. Die Stimme des Alten klang wehmütig, er zog noch heftiger an seiner Pfeife. Der Mensch wird da ran erinnert, dass er Kostbares in seinem Inneren trägt. Sophie schwieg, eine Böe zerrte an ihren Kleidern, tollkühn und lachend segelten die Möwen mit dem Wind. Wieder schloss sie die Augen. Dann, wie eine mächtige Welle, rollten Bilder über sie hinweg. Plötzlich sah sie den Sternenglobus vor sich, das Gottorfer Wunderwerk, seinen himmlischen Glanz. Nie zuvor war ein Projekt derartigen Ausmaßes gewagt worden. Als seien sie etwas Lebendiges, zogen Sterne ihre Kreise da rin. In ihrem Kopf hörte sie das Wispern der Zeit
. Wie in einem Buch blätterte sie in ihren Erinnerungen und suchte nach dem Beginn dieser merkwürdigen Reise, die ihr Leben bislang gewesen war. Schleswig. Das war ihr Fixpunkt, jetzt sah sie ihre Heimatstadt vor sich, die vom Frost überzogene Silhouette. Ja, dachte sie, so hatte alles angefangen, damals, zu einer anderen Zeit. Ein Kind war geboren worden in jener entsetzlichen Winternacht, von der man heute noch sprach. Ein Sturm aus Nordost hatte Schnee vor sich hergetrieben, der die Felder mit einer Kruste aus Eiskristallen überzog. Und auf der Schlossinsel in der Schlei hatte sich ein Ungetüm gegen die Kälte gestemmt: Schloss Gottorf, mit vier Flügeln und drei Geschossen, Trutzburg und Hauptsitz der Herzöge von Schleswig-Holstein- Gottorf, war dem Schneesturm trotzig begegnet. Silbernes Licht drang aus den Fenstern, Eisblumen rankten auf den bleigefassten Scheiben und von den Traufen des Gemäuers wuchsen Zapfen aus Eis in die Nacht - funkelnd, wie Lanzen aus geschliffenem Glas. Noch mehr Bilder strömten auf Sophie ein. Und nun, während sie am Ufer des Ijsselmeeres saß, ihre Augen wieder öffnete und über das Wasser blickte, musste sie da ran zurückdenken. Sie konnte sich nicht gegen die Erinnerungen wehren. Und sie wollte auch nicht allein sein mit diesen Bildern. Wollen Sie eine Geschichte hören, Mijnheer?, flüsterte sie und drehte sich zu dem Alten. Sie sah seinen wachen Blick, die Güte da rin. Ohne seine Antwort abzuwarten, begann Sophie zu sprechen. Sie erzählte von der Geburt des Kindes und von seinen fürstlichen Eltern. Von den Astrologen, die dem Neugeborenen Glück prophezeit hatten und von dem prunkvollen Tauffest, das der Welt die Bedeutung des Hauses und des kleinen Fürstentums vor Augen führen sollte. Eisstückchen trieben auf dem heiligen Wasser, als man den Täufling über die bronzene Schüssel hielt, sagte sie und sah dabei das Schimmern der Kerzen und die Pracht des Schleswiger Doms vor sich. Hofprediger Jacob Fabricius zitterte in seinem dünnen Ornat
, trotzdem ließ er es sich nicht nehmen, das Taufwasser einen Moment in der Hand anzuwärmen, bevor er das Köpfchen des jungen Herzogs damit benetzte und das Sakrament der Taufe vollzog. Der fürstliche Erbe erhielt den Taufnamen Friedrich - ein ebenso großer wie vielversprechender Name, der sowohl bei den Gottorfer Herzögen als auch im Königshaus der dänischen Verwandten beliebt war. Auch das Volk, das dem Spektakel vor dem Dom gefolgt war, hatte dem Täufling und seinen fürstlichen Eltern fröstelnd Respekt gezollt. Als sich ein Sonnenstrahl durch die schwere, eisgraue Wolkendecke verirrt und die Kutsche der herzoglichen Familie für wenige Sekunden golden überzogen hatte, war ein Raunen durch die Menge gegangen. Gott habe ihnen in einem unbedachten Moment einen Engel auf die Erde hi nabgesandt, hatten die Leute ehrfürchtig geflüstert und der Frost hatte ihre Worte in flüchtigen Wolkenbildern davongetragen. Der junge Herzog Friedrich wuchs in dem Bewusstsein auf, dass Familie und Untertanen Großes von ihm erwarteten, fuhr Sophie fort. Sie sah, dass der Alte ihren Worten fasziniert lauschte. Der Junge war wissbegierig und hell, schon früh begann die religiöse Erziehung des Kindes, danach folgten die antiken Autoren, die lateinische und griechische Sprache. Das Wissen des Altertums, die sieben freien Künste, stand ebenso auf dem fürstlichen Stundenplan wie die Theologie, die Königin aller Wissenschaften. Wie es Sitte war, schickte Herzog Johann Adolf seine beiden ältesten Söhne auch auf eine Reise ins Ausland, um dort ihre Erziehung zu vollenden. Die Reisegesellschaft war im Mai anno 1615 gen Süden aufgebrochen, über Frankfurt, Worms und Speyer reisten die Fürstensöhne nach Straßburg und Paris. Nie waren die beiden jungen Kavaliere freier gewesen, nie hatten sie sich glücklicher gefühlt, doch ein Brief aus dem Norden hatte ihr seliges Dasein jäh beendet. Denn auf Schloss Gottorf war der erst einundvierzigjährige Herzog Johann Adolf verstorben. Sobald der junge Herzog die
Nachricht empfangen hatte, legte er Trauerkleidung an und erteilte seinen ersten Befehl. Die Zeit der sorglosen Tagträumereien war beendet. Unter seinem Kommando machte die Reisegesellschaft sich auf den Rückweg nach Schleswig. Im Dezember 1618 erkannten die Ritter Herzog Friedrich ohne vo rangegangene Wahl als ihren neuen Landesherrn an und huldigten ihm, fuhr Sophie fort. Friedrich III., der Erbe von Norwegen, Herzog von Schleswig, Holstein, Stormarn und Dithmarschen, Graf von Oldenburg und Delmenhorst, war bereit, die Welt mit Gottes Hilfe zu erobern. Sophie holte tief Luft, sie zitterte im Wind. Frierend schlang sie das wollene Tuch fester um ihren Körper. Der Alte schüttelte den Kopf. Komm Meisje ..., sagte er und fasste sie sanft am Arm. Komm heute Nacht mit zu mir. In meiner Stube gibt es einen Ofen. Und noch mehr Kuchen und heißen Wein. Und dann erzählst du mir, wie du in diese Geschichte geraten bist.
»Tolle Mischung aus Historie und Drama.«, Tina, Anke Gappel, 09.10.2013

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