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Bob und wie er die Welt sieht

Neue Abenteuer mit dem Streuner.
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Produktdetails

Titel: Bob und wie er die Welt sieht
Autor/en: James Bowen

EAN: 9783838753331
Format:  EPUB
Neue Abenteuer mit dem Streuner.
Übersetzt von Ursula Mensah
Lübbe

13. März 2014 - epub eBook - 240 Seiten

Wie geht die Geschichte von Bob, dem Streuner weiter?

Seit Bob da ist, hat sich mein Leben sehr verändert. Ich war ein obdachloser Straßenmusiker ohne Perspektive und ohne eine Idee, was ich aus meinem Leben machen sollte. Nun stehe ich wieder mit zwei Beinen auf der Erde, ich habe die Vergangenheit hinter mir gelassen, aber ich weiß nicht, was die Zukunft bringen wird. Ich brauche wohl immer noch Unterstützung, um auf meinem Weg zu bleiben. Zum Glück steht mir Bob mit seiner Freundschaft und seiner Klugheit zur Seite.

Die wunderbare Geschichte der Freundschaft zwischen James und seinem Kater wurde mit "Bob, der Streuner" zum Welt-Bestseller. In seinem neuen Buch erzählt James, wie Bob ihm in harten Zeiten und selbst in lebensgefährlichen Situationen immer wieder den Weg weist.

Mit Fotos von James und Bob

1


Der Nachtwächter


Es war einer dieser Tage, an denen einfach alles schiefläuft.

Los ging es schon vor dem Aufstehen, weil der Wecker nicht klingelte und ich verschlief. Deshalb verließen mein Kater Bob und ich viel zu spät das Haus, um den Bus zu erwischen, der uns täglich von meiner Wohnung in Tottenham, einem nördlichen Stadtteil von London, nach Islington brachte, wo ich die Obdachlosenzeitung The Big Issue verkaufte. Wir saßen gerade mal fünf Minuten im Bus, als die nächste Panne passierte.

Bob saß wie immer auf dem Sitz neben mir und döste mit halb geschlossenen Augen. Plötzlich hob er ruckartig den Kopf und sah sich argwöhnisch um. In den zwei Jahren, die er jetzt bei mir war, hatte ich gelernt, seine Vorahnungen ernst zu nehmen. Sekunden später füllte sich der Bus mit ätzenden Rauchschwaden. Der Busfahrer verkündete mit aufgeregter Stimme, die Fahrt sei hier und jetzt zu Ende. Er forderte uns Passagiere auf, sofort und »auf der Stelle« auszusteigen.

Das darauf folgende Chaos war zwar nicht vergleichbar mit der Evakuierung der Titanic, aber der Bus war ziemlich voll, und alle Fahrgäste drängelten und schubsten mit viel Ellbogeneinsatz zu den Ausgängen. Ich verließ mich lieber auf Bob, und der hatte es gar nicht eilig. Deshalb warteten wir, bis sich der Tumult gelegt hatte, und stiegen als Letzte aus. Eine weise Entscheidung, wie sich schnell herausstellte. Drinnen hatte es zwar bestialisch gestunken, aber es war wenigstens warm gewesen.

Der Bus war genau vor einer großen Baustelle zum Stehen gekommen. Durch diese Lücke in der Häuserreihe pfiffen uns eisige Sturmböen, denen wir Passagiere jetzt ungeschützt ausgeliefert waren, gnadenlos um die Ohren. Zum Glück hatte ich heute Morgen trotz all
er Eile beim Verlassen der Wohnung noch einen besonders dicken Schal um Bobs Hals geschlungen.

Die Ursache für die Rauchschwaden im Bus war schnell gefunden. Es war nur ein überhitzter Motor, aber der Fahrer musste trotzdem auf einen Mechaniker warten. Also standen die meisten von uns über eine halbe Stunde zitternd und frierend am Straßenrand und warteten auf den Ersatzbus.

Der morgendliche Berufsverkehr tat sein Übriges, und so brauchten wir an diesem Tag tatsächlich geschlagene 90 Minuten bis zu unserer Haltestelle in Islington. Wir waren unendlich spät dran. Ich würde die Mittagspause der Geschäftsleute verpassen, eine lukrative Zeit für den Verkauf der Big Issue.

Die letzten fünf Minuten Fußweg zu unserem Stammplatz an der U-Bahnstation Angel dauerten leider auch wieder länger. So war das immer, wenn ich Bob dabei hatte. Manchmal lief er an der Leine neben mir her, aber meistens saß er auf meiner Schulter. Da hatte er den besten Überblick, wie ein kleiner Pirat im Aussichtskorb auf dem höchsten Mast seines Schiffes. Sogar in einer Stadt wie London waren wir beide kein alltäglicher Anblick. Deshalb kamen wir selten mehr als zehn Schritte am Stück voran. Immer wieder wurden wir angehalten, weil jemand Bob streicheln oder ein Foto von uns machen wollte.

Gestört hat mich das noch nie. Bob ist ein wunderschöner Kater mit einer ganz besonderen Ausstrahlung, und er genießt die Aufmerksamkeit von Fremden – solange sie ihm wohlgesinnt sind. Aber genau das kann man bei Fremden nie wissen.

Die Erste, die uns aufhielt, war eine kleine Frau mit russischem Akzent. Sie hatte vom Umgang mit Katzen genauso viel Ahnung wie ich vom Vortragen russischer Gedichte.

»Oh, koschka, so hübsch«, säuselte sie bei Bobs Anblick und blieb vor uns stehen. Sie hatte uns in der Camden Passage
erwischt, einem schmalen Durchgang mit vielen Restaurants, Bars und Antiquitätenläden, der auf der südlichen Seite von Islington Green entlangläuft. Ich blieb stehen, damit sie Bob gebührend bewundern konnte, aber sie streckte sofort ihre Hand aus und wollte ihn an der Nase berühren.

Das war ein schwerer Fehler. Bob reagierte instinktiv auf diesen »Angriff«. Er wehrte ihre Hand mit einem blitzschnellen Pfotenhieb ab, wobei er gleichzeitig ein lautes, empörtes »iiiiiauuuuuu« von sich gab. Diese kratzbürstige Reaktion, wenn auch ohne Krallen, hatte die Dame so erschreckt, dass mir nichts anderes übrig blieb, als mir Zeit zu nehmen, um sie zu beruhigen.

»Is’ ok, is’ ok. Ich wollte nur freundlich sein«, stotterte sie, aschfahl im Gesicht. Sie war schon älter, und ich hatte Angst, sie würde gleich mit einen Herzanfall zusammenklappen. »So etwas sollten Sie nie tun, wenn Sie ein Tier nicht kennen«, erklärte ich ihr in ruhigem, höflichem Ton. »Wie würden Sie denn reagieren, wenn ein Fremder Ihnen zur Begrüßung gleich ins Gesicht grapschen würde? Sie haben Glück, dass er Sie nicht gekratzt hat.«

»Ich wollte ihn nicht böse machen«, jammerte sie.

Jetzt tat sie mir leid. »Los, ihr beiden, vertragt euch«, versuchte ich zu vermitteln. Aber Bob hatte keine Lust. Er stellte sich stur. Erst nach einem Versöhnungs-Leckerchen erlaubte er ihr gnädig, ihm sanft über den Nacken zu streicheln. Die russische Frau hörte nicht mehr auf, sich zu entschuldigen, und wollte uns einfach nicht weitergehen lassen.

»Es tut mir so leid, so sehr leid«, wiederholte sie ständig.

»Kein Problem«, versicherte ich ihr wiederholt. Ich wollte einfach nur weiter.

Als wir uns endlich losgeeist hatten und an der U-Bahn-Station
ankamen, legte ich, wie üblich, meinen Rucksack für Bob als weiche Unterlage auf den Boden und drapierte die Zeitschriften, die ich am Vortag von unserem Big Issue-Großhändler erstanden hatte, um ihn herum. Mein Ziel war es, an diesem Tag mindestens zwei Dutzend Magazine zu verkaufen, denn wie üblich waren wir mal wieder pleite.

Aber an diesem Tag hatte sich alles gegen mich verschworen, sogar das Wetter.

Seit dem späten Vormittag hingen unheilvolle, stahlgraue Wolkenbänke über der Stadt. Noch bevor ich die erste Zeitung verkauft hatte, platzten sie auf, und ich musste mit Bob in eine nahegelegene Unterführung zwischen einer Bank und einem Bürogebäude flüchten.

Bob ist wirklich sehr belastbar, aber er hasst Regen. Vor allem, wenn es dabei so eiskalt ist wie an diesem Tag. Er scheint bei Regen regelrecht zu schrumpfen. Sein Fell, das sonst hell wie Orangenmarmelade leuchtet, bekommt einen traurigen Graustich. Kein Wunder, dass weniger Leute als sonst seinetwegen stehen blieben. In Folge verkaufte ich auch weniger Zeitschriften.

Den ganzen Tag wollte es einfach nicht mehr aufhören zu regnen. Bob hatte keine Lust mehr, bei diesem Wetter noch länger auf der Straße herumzuhängen. Er bombardierte mich mit vernichtenden Blicken und rollte sich ein wie ein rotpelziger Igel. Natürlich verstand ich seinen Groll, aber ich musste an unsere finanzielle Misere denken. Das Wochenende stand vor der Tür und ich brauchte Geld, um uns bis Montag mit Lebensmitteln und Katzenfutter zu versorgen. Aber mein Stapel an Zeitschriften wurde einfach nicht kleiner.

Die Krönung dieses verhexten Tages war ein junger Polizist, der am Nachmittag auftauchte und ganz offensichtlich ein Opfer für seine schlechte Laune suchte. Das passierte mir zwar immer wieder, aber genau an diesem Tag konnte ich die erzwungene Verkaufspause gar nicht gebrauchen. Ich k
annte das Gesetz. Ich war berechtigt, hier meine Zeitschriften zu verkaufen. Mein Verkäuferausweis war der Beweis dafür, und solange ich kein öffentliches Ärgernis erregte, durfte ich mich hier aufhalten. Vom Morgengrauen bis zum Abendrot. Dummerweise war ihm auch noch langweilig, und so bestand er darauf, mich zu durchsuchen. Keine Ahnung, was er gerne bei mir gefunden hätte, wahrscheinlich Drogen oder eine gefährliche Schusswaffe, aber diesen Gefallen konnte ich ihm leider nicht tun.

Er war sichtlich enttäuscht, aber anstatt mich endlich in Ruhe zu lassen und weiterzugehen, fing er an, mich über Bob auszuquetschen. Ich erklärte ihm, dass mein Kater ordnungsgemäß registriert und gechippt war. Damit konnte ich ihm zwar auch keine Freude machen, aber er zog endlich Leine – mit einer Miene, die fast so grimmig war wie das Wetter an diesem Tag.

Ich hielt noch ein paar Stunden durch, aber nach Büroschluss am frühen Abend, als auch die Angestellten nach Hause geflüchtet waren, gab ich auf. Die Straßen füllten sich mit Pub-Besuchern und randalierenden Jugendlichen.

Ich fühlte mich ausgelaugt und leer: Ich hatte mit Mühe und Not zehn Zeitungen verkauft und nur einen Bruchteil von unserem üblichen Tagessatz eingenommen. Ich habe lange genug von Dosenbohnen zum Sonderpreis und Brot vom Vortag gelebt, um zu wissen, dass ich nicht verhungern würde. Ich hatte noch genug Geld für zwei Dosen Katzenfutter und zum Auffüllen der Gas- und Stromuhren. Aber ich würde am Wochenende arbeiten müssen, um meinen Vorrat an Zeitschriften vor dem Montag loszuwerden. Das hätte ich mir gern erspart, denn der Wetterbericht hatte weiterhin Regen angekündigt, und ich war müde und erschöpft.

Auf der Heimfahrt im Bus wurden mir die Glieder schwer, ein sicheres Zeichen für eine Grippe im Anmarsch. Mir tat alles weh und ich
hatte Hitzewallungen. Na toll, das fehlt mir gerade noch, dachte ich und kuschelte mich tiefer in meinen Sitz, um ein kleines Nickerchen zu halten.

Der Himmel war inzwischen tintenschwarz, sodass man die Straßenlampen früher eingeschaltet hatte. Bob fand das hell erleuchtete London bei Nacht immer faszinierend. Während ich abwechselnd einnickte und wieder hochschreckte, starrte er wie gebannt aus dem Fenster.

Der Verkehr zurück nach Tottenham war genauso schlimm wie am...


"Eine rührende Geschichte" Das Neue Blatt

"Eine ebenso erstaunliche wie lebenskluge Erzählung, die nicht nur Tierfreundinnen das Herz öffnet." Libro Magazin

"Ein 'Samtpfotenroman' mitten ins Herz." Ursula König, Thüringer Allgemeine

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