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Landluft für Anfänger - 10

Vaterfreuden. Empfohlen von 16 bis 99 Jahren. 1. Aufl. …
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Produktdetails

Titel: Landluft für Anfänger - 10
Autor/en: Nora Lämmermann, Simone Höft, Nora Lämmermann, Simone Höft

EAN: 9783838747873
Format:  EPUB ohne DRM
Vaterfreuden.
Empfohlen von 16 bis 99 Jahren.
1. Aufl. 2014.
Bastei Entertainment

29. Juli 2014 - epub eBook - 107 Seiten

DAS MUSS LANDLIEBE SEIN - ein digitaler Serienroman in 12 Folgen. Folge 10: Vaterfreuden Endlich, die Pension Hedwig brummt und die Schwestern müssen zeigen, was in ihnen steckt. Doch nicht nur verschrobene ältere und renitente junge Gäste sorgen für jede Menge Trubel. Auch Mias und Iris Vater macht den Neustart der Schwestern zu einer echten Feuerprobe. Steht er doch plötzlich mit einer neuen Frau auf der Matte! Als auch noch wertvolle Gegenstände aus den Zimmern der Gäste verschwinden und Geheimverstecke auftauchen, deren Inhalt die Familienverhältnisse vollkommen auf den Kopf stellt, bleibt keine Zeit für Liebeskummer ... "Landluft für Anfänger" bietet 12 Folgen romantisch humorvolles Lesevergnügen für Fans von Kerstin Gier und Britta Sabbag.

Samstag, 5. Juli


9:00. Vor der Pension am Frühstückstisch


»Muss das sein? Tiere haben meines Erachtens allenfalls in Form von Aufschnitt etwas am Tisch zu suchen!«, herrscht mein Vater Elke an, gerade als ich eine Kanne Kaffee auf den Frühstückstisch stelle. Er spricht gerade leise genug, damit die Gäste an den benachbarten Tischen ihn nicht verstehen. Stein des Anstoßes ist das Gössel, das auf Elkes Schoß sitzt und sein Aufzuchtfutter aus einem Napf pickt. Zwei erschrockene Augenpaare starren Bernd an. Sie gehören den beiden Kindern unserer Patchworkfamilie, die nicht von Elkes Seite weichen, seit sie mit dem Vogel am Frühstückstisch aufgetaucht ist. Trotz der wiederholten Rufe ihrer Eltern. Bis eben haben sie sich darüber gestritten, wer das Gänschen jetzt mal halten darf. Hella klopft meinem Vater begütigend auf den Oberschenkel, während Elke so tief verletzt wie möglich zu ihrem Ex hinüberschaut. – »Du bist so roh und herzlos, Bernd! Das ist mal wieder typisch!« Mein Vater schnaubt. – »Eine Gans ist kein Kuscheltier, die gehört zu ihren Artgenossen und nicht auf den Schoß einer sentimentalen Frau.« – »Wir sind hier alle an die Gesellschaft von Tweety bei den Mahlzeiten gewöhnt«, nimmt Mia jetzt ihre Mutter in Schutz und schiebt trotzig das Kinn vor. – »Ja, das stimmt. Da wirst du dich wohl auch daran gewöhnen müssen.« Das war meine Mutter. Sie und Elke tauschen einen einträchtigen Blick. – »Ihr zwei versteht euch wohl prima, was?«, zischt meine Vater. Ich bin auch überrascht über die Solidaritätsbekundung. Ihren anfänglichen Widerwillen Elke gegenüber hat meine Mutter zwar bereits vor Wochen abgelegt, doch die Tatsache, dass Elke jetzt zum Kampieren unter freiem Himmel verdonnert w
ar, hatte die Fronten zwischen den beiden wieder etwas verhärtet. Aber heute Morgen, direkt nach dem ersten Schock über die Anwesenheit des gemeinsamen Ex, scheint sich zwischen den beiden Frauen eine neue Verschworenheit eingestellt zu haben. – »Bernd, das Kleine ist doch wirklich herzig, jetzt sei friedlich«, sagt Hella und bekommt ein Brummen zur Antwort, was wiederum sowohl Elke als auch meine Mutter sichtbar in Erstaunen versetzt. Sie hatten wohl eher erwartet, dass mein Vater seine Begleitung scharf zurechtweist. Diese Hella scheint ein Händchen für meinen und Mias sonst nicht gerade pflegeleichten Erzeuger zu haben, der sich heute von seiner besonders ungnädigen Seite zeigt. Na ja, mit gleich zwei Exfrauen am Tisch … Andererseits hat er ihnen mit großem Gusto und unverhohlenem Stolz seine neueste – wirklich anziehende – Eroberung vorgestellt. Jetzt wirft er mir einen missbilligenden Blick zu, als ich mich zum Nebentisch begeben will, um ihn abzuräumen. Hier haben zuvor Frau Schaller I. und Frau Schaller II. gefrühstückt, bevor sie in Wanderkluft zu irgendeinem Ausflug aufgebrochen sind. Mein Vater hält mich am Handgelenk fest. – »Kannst du dich nicht mal zu uns setzen, anstatt die ganze Zeit geschäftig zu tun?« – »Vati, wir haben Gäste, und die wiederum haben ein Recht auf ein anständiges Frühstück.« Ich lächle den Vater des Mädchens an, der jetzt an den Tisch meiner Familie tritt, um die Kinder zu ihren Kakaotassen zurückzuholen. – »Noch Kaffee? Alles zu Ihrer Zufriedenheit?«, frage ich und löse meinen Arm aus dem Griff meines Vaters. – »Alles bestens.« – »Jetzt lass deine Tochter ihre Arbeit machen«, höre ich Hella hinter mir leise zu meinem Vater sagen. Er grunzt unwillig. – »Ihre Arbeit! Weißt du, was meine Tochte
r für eine Arbeit aufgegeben hat, um hier am Ende der Welt Leute zu bedienen? Und wieso muss sie eigentlich alles alleine machen?« – »Was willst du denn damit sagen? Glaub bloß nicht, dass Mia sich nicht auch halbtot schuftet!«, fährt Elke schrill auf. Das Pärchen unterbricht sein Turteln, und alle Gäste starren jetzt auf unsere illustre Gesellschaft. Gott, wie peinlich! Fabienne verdreht leidend die Augen und: »Wer ist tot?«, fragt die alte tüddelige Frau Jahnke, wird daraufhin aber von dem – leicht übernächtigt wirkenden – Pärchen beruhigt, dass
noch niemand gestorben sei. Ich kann – zum Glück – nicht verstehen, was mein Vater Elke zu sagen hat. Aber es ist mit Sicherheit nichts Charmantes und scheint das Fass bei Mia zum Überlaufen zu bringen. Sie steht nämlich abrupt auf und verkündet: »Ich gehe putzen! Zufrieden?!« Daraufhin steuert sie mit schnellen Schritten in die Pension, gefolgt von mir und dem abgeräumten Frühstücksgeschirr.

9:30. Suite im ersten Stock


Wenn Bernd so weitermacht, vergifte ich ihn eiskalt beim nächsten Frühstück! Dann kann er mal sehen, wozu seine unnütze jüngere Tochter gut ist, die seiner – ach so makellosen – Vorzeige-Iris auf der Tasche liegt! Wütend zerre ich den Staubsauger über eine Spur zertrampelter Buchstabenkekse, mit denen vermutlich die beiden Kinder irgendeine Botschaft auf den Holzdielen ausgelegt hatten. (Als ich die Kekse bemerkte, stand da nur noch: »Happi Birs…« Der Rest klebte an meinen Sandalen und am Fußboden.) Fehlt nur noch, dass Bernd behauptet, ich hätte Iris auf die ›Schnapsidee‹ mit der Pension gebracht! Aber so viel Einfluss traut er mir wahrscheinlich nicht zu. Schließlich habe ich meine Energien noch nie richtig
lenken können. Wie mir mein Karrierevater damals deutlich machen musste, als er zu meiner Urkundenverleihung in die Universität der Künste kam. Nein, ich muss mich korrigieren: Bernd kam ja nicht extra mir und meinem erfolgreichen Studienabschluss zu Ehren, vielmehr war er zufällig in Berlin. Und als er den Fauxpas bemerkte, lud er mich gönnerhaft zum Abendessen ein. Nur um mich dann immer wieder mal ernsthaft, mal – ach so witzig – scherzhaft zu fragen, was man denn mit einem Abschluss in ›visueller Kommunikation‹ – von einer Kunsthochschule! – so anstelle! Taxifahren, Tellerspülen und Toilettenputzen, war meine schnippische Antwort (von den prekären drei Ts treffen jetzt im Prinzip tatsächlich zwei zu. Arrgh). Nachdem ich die Tür zuknallend das Lokal vor dem Dessert verlassen hatte, haben wir uns drei Jahre lang gar nicht gesprochen. (Bei anderen Studenten aus meinem Jahrgang waren beide Elternteile mit Geschenken zur Urkundevergabe erschienen! Stolzgeschwellte Elternbrüste, wohin man nur sah! Aber Elke turnte ja wieder irgendwo in der Weltgeschichte herum und fragte Monate später: Ach, du bist schon fertig?!) Ich wünschte nur, ich wäre nicht auf die dämliche Idee gekommen, meinem Vater in der ersten Woche bei PINK eine E-Mail von meiner Arbeitsadresse zu schicken. So stolz war ich auf meine erste Festanstellung. Jetzt ist es nur eine Frage der Zeit, bis er sich auch auf diesen Leckerbissen meiner ›misslungenen Lebensplanung‹ stürzt. Ahh!!! Jetzt bin ich vor lauter Wut mit dem Staubsauger gegen die Kommode gedonnert. Gott sei Dank, die Vase scheint heil geblieben zu sein. Aber das Wasser fließt schön bis unter den Teppich der Ausziehcouch. Schnell trete ich mit dem Fuß auf die Aus-Taste des Staubsaugers und verfluche einmal mehr, dass wir uns gegen einen Durchbruch zwischen dem zweiten Zimmer der Suite und dem Bad entschie
den haben. Muss ich doch jetzt umständlich durch das erste Zimmer in den Flur, außen am zweiten Zimmer vorbei und dann daneben ins Bad eilen – huch, ist das ein Chaos hier –, um ein Handtuch zu holen. Erst als ich, zurück am Tatort, selbiges über den Blumenwassersee werfe, sehe ich, dass darin ein Zwei-Euro-Stück badet. Das muss in der Vase gewesen sein. Wer hat das denn dort versteckt? Apropos versteckt … Mein Blick fällt auf die Kommode. Die ist von Martha. Ob sie wohl ein Geheimversteck birgt?!

Nach kurzem Zögern ziehe ich die obere Schublade auf. Ordentlich gefaltete Kinderhosen und T-Shirts. Hoffentlich kommt jetzt keiner. Vorsichtig schiebe ich die Kleidung zur Seite und taste die Wände ab. Kein doppelter Boden, kein Schnappverschluss. In der nächsten Schublade herrscht Chaos. Kleidchen, rosa Strickpullover und Unterwäsche wild durcheinandergewürfelt. Ich hab ja schon davon gehört, dass Jungen im Grundschulalter Ordnungsfimmel entwickeln und Sachen akribisch in Reihen anordnen müssen. Oder hat die Mutter beim Einräumen der zweiten Schublade die Lust verloren? Die anderen Schubladen sind leer. Ich ziehe alle heraus, untersuche die Rückwand von innen, schiebe die Kommode von der Wand weg, klopfe von außen, taste an der Verleimung und versuche sogar das Trumm mit all meiner Kraft zu kippen, um unten auf den Boden zu gucken. Nichts. Auch die Deckplatte lässt sich nicht abheben oder nach außen ziehen. Ha! Vielleicht die Schubladenknöpfe! Schnell baue ich alles wieder zusammen und drehe systematisch alle Messingringe mal nach links und dann nach rechts. Nichts. Keine Geheimtür öffnet sich. Wäre auch zu schön gewesen.

Ich höre Lachen auf dem Gang. Schnell schiebe ich die Kommode wieder an ihren Platz und greife alibimäßig nach dem erstbesten Bettlaken. Mia, Pfeifen ist vielleicht ein wenig übertrie
ben! Die Schritte kommen näher … und gehen vorbei. Einen Moment später schließt sich eine Tür. Das verliebte Pärchen aus dem Doppelzimmer gegenüber. Ups. Jetzt ist mir beim Aufschütteln das Kuschelpferd hinters Bett gerutscht. Als ich es aufheben will, fällt mir an der Wand ein grüner Strich ins Auge. Die Tapete ist an einer Stelle angemalt! Moment … was heißt an einer Stelle?! Das läuft ja hier noch weiter. Die Gören haben ein, ja, was soll das sein, ein Pferd mit drei Beinen in quasi Lebensgröße auf meine Schilftapete gemalt! Spinn ich?!

Zur selben Zeit. Vor der Pension


Eine Sekunde lang war ich versucht, mich für verrückt zu halten. Aber nach so vielen gemeinsam...


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