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Max Weber

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Produktdetails

Titel: Max Weber
Autor/en: Dirk Kaesler

ISBN: 3593501147
EAN: 9783593501147
Eine Einführung in Leben, Werk und Wirkung.
4. aktualisierte Auflage Auflage.
3 sw Grafiken.
Campus Verlag GmbH

15. Mai 2014 - kartoniert - 332 Seiten

Max Weber (1864 - 1920) zählt zu den einflussreichsten Denkern des 20. Jahrhunderts. Seine Hypothesen, Begriffe und Methoden sind bis heute wichtige Bezugspunkte im sozialwissenschaftlichen Studium. Der Band führt in die zentralen methodologischen Positionen Webers ein, rekurriert auf Biografie und Werkgeschichte und stellt Webers wichtigste Arbeiten auf den Gebieten unter anderem der Wirtschaftsund Sozialgeschichte sowie der Herrschafts-, Rechts- und Religionssoziologie vor. »Wer sich schnell und zuverlässig über Leben, Werk und Wirkung Webers informieren will, dem steht die vorzügliche Einführung Dirk Kaeslers zur Verfügung.« Wilhelm Hennis, FAZ
Inhalt

Einleitung zur Vierten Auflage (2014) 7

I. Das Leben 16

II. Das Werk 45

1. Studien zur Agrar-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Antike und des Mittelalters 45
2. Studien zur Sozial- und Wirtschaftsverfassung des Wilhelminischen Deutschland 78
a) Untersuchungen zur Lage der deutschen Landarbeiter 78
b) Untersuchungen zur Börse 93
c) Untersuchungen zur Lage der deutschen Industriearbeiter 96
3. Schriften zur Religionssoziologie 106
a) Studien zur Kulturbedeutung des Protestantismus 106
b) "Die Wirtschaftsethik der Weltreligionen" 132
4. "Die Wirtschaft und die gesellschaftlichen Ordnungen und Mächte (Wirtschaft und Gesellschaft)" 195
a) Rechtssoziologie 197
b) "Allgemeine Soziologie" 203
c) Wirtschaftssoziologie 214
d) Soziologie der Herrschaft 219
e) Musiksoziologie 228

III. Die Methode 235
1. Das Konzept des "Verstehens" 236
2. Das Konzept des "Idealtypus" 242
3. Das Postulat der "Werturteilsfreiheit" 248

IV. Die Wirkung 266

V. Verzeichnis der Publikationen Max Webers und exemplarische Sekundärliteratur 282
1. Werkverzeichnis 282
2. Literaturhinweise 314

VI. Register 320

Personenregister 320

Sachregister 325


Dirk Kaesler ist Professor emeritus für Allgemeine Soziologie an der Universität Marburg.
Einleitung zur Vierten Auflage (2014)
Am 21. April 2014 wird des 150. Geburtstags des deutschen Gelehrten Max Weber weltweit gedacht, nicht nur in den unterschiedlichsten wissenschaftlichen Disziplinen, sondern auch in der internationalen Medienlandschaft. Diese Tatsache ist erklärungsbedürftig. Denn als der Leichnam des 56-jährigen ordentlichen Professors für "Gesellschaftswissenschaft, Wirtschaftsgeschichte und Nationalökonomie" der Ludwig-Maximilians-Universität München, Max Weber, auf dem Ostfriedhof in München am 17. Juni 1920 eingeäschert wurde, war nur eine kleine Zahl von Familienmitgliedern, Freunden, Kollegen und Studenten zugegen. Er war, nach Ansicht seiner Zeitgenossen, vorzeitig gestorben und hatte es weder vermocht, sein wissenschaftliches Werk abzuschließen noch eine wirksame politische Aufgabe zu übernehmen.
Außer seiner Witwe, Marianne Weber, glaubten damals wohl nur wenige daran, dass Max Weber derjenige deutsche Sozial- und Kulturwissenschaftler werden würde, der 150 Jahre nach seiner Geburt zum national und international unbestrittenen Klassiker einer ganzen Reihe wissenschaftlicher Disziplinen gemacht worden ist. Ungeachtet der unzweifelhaften Tatsache, dass das Gesamtwerk dieses Gelehrten nicht in ein einzelnes Fach passt, also nicht wirklich "diszipliniert" werden kann, wird es dennoch heute in mehrfacher Weise dafür in Anspruch genommen. Kein aktuelles Lexikon, keine Fachgeschichte und kein Lehrbuch aus den Bereichen der Soziologie, Politikwissenschaft, Volkswirtschaftslehre, Ethnologie, Geschichtswissenschaft, Religionswissenschaft und Rechtswissenschaft wird Webers Namen nicht an zentraler Stelle erwähnen und seinen maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung der jeweiligen Wissenschaft hervorheben. So bahnt sich seit Jahrzehnten unverändert der Siegeszug des - wesentlich durch seine Witwe und Nachlassverwalterin Marianne Weber, den US-amerikanischen Soziologen Talcott Parsons und den deutschen Privatgelehrten Johannes F. Winckelmann - der Vergessenheit nur knapp entrissenen frühen deutschen Kultur- und Sozialwissenschaftlers seinen Weg.
Kam die westliche Soziologie schon bald nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges anscheinend ohne die Begrifflichkeit und das Werk dieses Wilhelminischen Gelehrten nicht mehr aus, so ist das Interesse an Max Weber nach dem Ende des "realen Sozialismus" und der damit verbundenen Verabschiedung von dessen Klassikern, Marx, Engels und Lenin, noch zusätzlich im Wachsen begriffen. In dem Maß, wie Sozialismus und Kommunismus als alternative Gesellschafts- und Weltordnungen "besiegt" zu sein scheinen - mit Ausnahme weniger Enklaven, die so klein wie Kuba aber auch so riesig wie die Volksrepublik China sind - wurden Analysen und Diagnosen Webers, der so oft und lange als "bürgerlicher Marx" eingeordnet wurde, immer einflussreicher für das Selbstverständnis der Menschen in der globalisierten (Post-)Moderne. Die "Große Erzählung" des Max Weber von der "Schicksalshaftigkeit" der auf der Verwertung des Kapitals beruhenden kapitalistischen Wirtschaft und vom damit ursächlich verwobenen, unaufhaltsamen, ebenso schicksalhaften Siegeszug des "okzidentalen Rationalismus", mit seiner zunehmenden "Rationalisierung" und "Bürokratisierung" aller Lebensbereiche, liefert in den gegenwärtigen Zeiten die erfolgreiche Vorlage für rele-vante - individuelle wie kollektive - Erklärungen dessen, was mit den Menschen und ihren Gesellschaften geschieht.
Zumindest aus wissenschaftssoziologischer Perspektive wäre es jedoch naiv anzunehmen, dass diese erstaunliche Karriere vom akademischen Außenseiter zum sozial- und kulturwissenschaftlichen Klassiker und Produzenten einer bedeutsamen "Theorie der Rationalisierung" allein das Ergebnis einer sich allmählich und universal durchsetzenden Einsicht in Qualität und analytische Erklärungskraft der Schriften und Reden Max Webers gewesen sei. Gerade aus einer von Max Weber selbst geprägten Perspektive muss danach gefragt werden, welche Personen, Institutionen und Zusammenhänge anzuführen sind, die für diese allmähliche Fabrikation des Klassikers Max Weber verantwortlich waren und sind. Webers eigenem Ansatz folgend, muss die Frage gestellt werden, von welchen "Interessen" - "ideellen" wie "materiellen" - diese Klassikerfabrikation geleitet wurde und wird.
Beginnend mit der unermüdlichen Arbeit Marianne Webers unmittelbar nach dem Tod ihres Mannes bis zum heutigen Tag lassen sich zahlreiche Wissenschaftler identifizieren, die ihre Forschung in den Dienst der Interpretation und Rezeption des Weberschen Werks gestellt haben. Besonders hervorgehoben seien - neben den genannten Hauptprotagonisten Marianne Weber (1870-1954), Johannes F. Winckelmann (1900-1985) und Talcott Parsons (1902-1979) - Friedrich H. Tenbruck (1919-1994), M. Rainer Lepsius, Wolfgang J. Mommsen (1930-2004), Guenther Roth und Wolfgang Schluchter.
Vom eigenartigen Charakter der Kulturwissenschaften im Allgemeinen und von der wissenschaftlichen Soziologie im Besonderen hat wenig verstanden, wer sie als sich kumulativ entwickelnde Wissenschaften bestimmen möchte. Wer seine Kritik daran ausrichtet, dass die Soziologie von solcher Zielvorstellung abweicht, verkennt, dass diese nicht nur eine empirisch basierte Wissenschaft ist, sondern dass sie zugleich immer auch auf einem zeitgebundenen, ideologischen und metaphorischen Rahmenwerk aufsitzt. Daraus ergibt sich eine prinzipielle, nicht aufzuhebende Spannung zwischen den vielfältigen "Theorien" der Soziologie und der sogenannten "Praxis" ihrer Umgebung. Das Werk Max Webers bildet hier keine Ausnahme, schon gar nicht, wenn man sich an dessen eigener Wahrnehmung der prinzipiellen Begrenztheit aller kulturwissenschaftlichen Erkenntnis orientiert: "Alle kulturwissenschaftliche Arbeit in einer Zeit der Spe-zialisierung wird, nachdem sie durch bestimmte Problemstellungen einmal auf einen bestimmten Stoff hin ausgerichtet ist und sich ihre methodischen Prinzipien geschaffen hat, die Bearbeitung dieses Stoffes als Selbstzweck betrachten, ohne den Erkenntniswert der einzelnen Tatsachen stets bewusst an den letzten Wertideen zu kontrollieren, ja ohne sich ihrer Verankerung an diesen Wertideen überhaupt bewusst zu bleiben. Und es ist gut so. Aber irgendwann wechselt die Farbe: Die Bedeutung der unreflektiert verwerteten Gesichtspunkte wird unsicher, der Weg verliert sich in die Dämmerung. Das Licht der großen Kulturprobleme ist weiter gezogen. Dann rüstet sich auch die Wissenschaft, ihren Standort und ihren Begriffsapparat zu wechseln und aus der Höhe des Gedankens auf den Strom des Geschehens zu blicken." (213b, S. 214)
Das Buch, das hier in einer vierten Auflage erscheint, hat selbst bereits seine eigene Geschichte. Die erste Fassung erschien im August 1979 im Verlag C.H. Beck, auf dieser Version basieren die Übersetzungen ins Japanische und Englische. Im Februar 1995 erschien im Campus Verlag eine vollkommen überarbeitete Fassung, welcher zwei weitere Auflagen folgten (1998, 2003), die die Grundlagen für Übersetzungen ins Französische, Chinesische, Italienische und Polnische wurden.
Dieses Buch lädt ein zu einer Exkursion durch Leben und Werk Max Webers. Max Weber gilt heute nicht nur als einer der bedeutendsten deutschen Sozialwissenschaftler, er zählt darüber hinaus zu den wirkungsvollsten Denkern unserer Zeit. Seit Jahrzehnten wird sein nachgelassenes Werk von zahlreichen geisteswissenschaftlichen Disziplinen im internationalen Wissenschaftsdiskurs behandelt. Die Auseinandersetzung mit Max Webers Hypothesen, Begriffen, Methoden und Ergebnissen liefert bis heute einen der wichtigsten gemeinsamen Nenner bei der Definition der wissenschaftlichen Identität internationaler Soziologie.
Das hier vorgelegte Studienbuch setzt sich in textnaher Weise mit Max Webers Biographie auseinander, seinem Werk, seinen zentralen methodologischen Positionen und seiner Wirkung. Es verfolgt im Wesentlichen drei Zielsetzungen:
1. Noch immer wirken in der bisherigen Auseinandersetzung mit Max Weber Tendenzen einer Zersplitterung und Abtrennung. Besonders auffällig ist dabei die Trennung von Leben, Werk und Methode. Mit dieser Arbeit soll eine möglichst umfassende, systematische Darstellung der Verflechtung dieser drei Zusammenhänge angeboten werden.
2. Gerade weil es heute eher unbewusst wirkt, sei daran erinnert, dass es bis vor wenigen Jahren einen wirkmächtigen Argumentationszusammenhang gab, durch den Max Weber als der Repräsentant einer "bürgerlichen Soziologie" stilisiert, oder besser: denunziert wurde. Nun, da dieser Diskurs weitgehend verschwunden ist, erscheint es mir heute noch wichtiger als früher, Max Webers sozialökonomisches Erkenntnisinteresse als durchgängigen Grundton seiner Arbeiten herauszuarbeiten. Verkürzt man Webers Werk auf eine handlungstheoretisch orientierte, ausschließlich "verstehende" Soziologie, auf eine primär "subjektiv" gerichtete Theoriekonzeption in der Soziologie, so verfehlt man, so meine ich, seine Gesamtleistung an entscheidender Stelle. Die Gefahr jenes interpretativen Missverständnisses, die Weber in rein idealistischer Weise halbiert, ihn in diesem Sinn "verbürgerlicht", ist immer noch nicht gebannt. Diesem entgegenzuwirken ist eine der zentralen Absichten meiner Darstellung.
3. Dieses Buch will und kann kein Ersatz für eigene Lektüre sein. Es soll, im Gegenteil, als Wegweiser zur selbständigen Arbeit an Webers Texten dienen. Die teilweise referierende Vorgehensweise ergibt sich sowohl aus meinen didaktischen Erfahrungen als auch aus meiner Absicht, das Interesse auch auf Texte zu lenken, die bislang von der Soziologie weitgehend vergessen worden sind.
Bei der Darstellung des immer wieder beeindruckend umfangreichen Werks Max Webers wird versucht, in einem gerade noch erträglich erscheinenden Grad der Komprimierung sowohl einen Überblick über das gesamte wissenschaftliche Werk Max Webers zu bieten als auch die darin enthaltenen soziologisch relevanten Themen und Thesen herauszuarbeiten. Diese Zielsetzung hat vier Konsequenzen:
1.) Sie erfordert das Abgehen von der chronologischen Reihenfolge des Entstehens der einzelnen Arbeiten. Dadurch soll versucht werden, bestimmte durchgehende Fragestellungen und deren Weiterentwicklung aufzuzeigen.
2.) Der Einführungscharakter dieses Buches erfordert eine künstliche, dem Ansatz Max Webers nicht adäquate Trennung von "Werk" und "Methode". Sowohl durch die Querverweise auf das methodische Vorgehen in den Passagen über das Werk als auch durch Hinweise auf die dadurch gewonnenen Ergebnisse in den Abschnitten über die Methode soll deren enger Zusammenhang verdeutlicht werden.
3.) Aus der ausschließlichen Beschränkung auf das wissenschaftlich-soziologische Kondensat des Weberschen Gesamtwerks ergibt sich der notwendige Verzicht auf die Behandlung eines Bereichs des Weberschen Werks, der für ein Gesamtverständnis unverzichtbar ist: den quantitativ erheblichen Bestand der (tages-)politisch orientierten Arbeiten Max Webers. Die Erkenntnisse jedoch, die sich aus den schon bisher erschienenen Bänden der Max Weber-Gesamtausgabe zu diesem Komplex ergeben, aber auch die bisher erschienenen Bände der Briefe Max Webers, lassen es derzeit geraten sein, den ganzen Bereich noch auszusparen. Stattdessen wird auf die bewährten Darstellungen von Wolfgang J. Mommsen, David Beetham und Gregor Fitzi verwiesen.
4.) Aufgrund des hinführenden Lehrbuch-Charakters dieser Darstellung habe ich mich darum bemüht, den Einfluss rein persönlicher Interpretationen von Werk und Methode zu vermeiden. Die emsige Industrie der zahllosen nationalen und internationalen Weber-(Re-)Interpretationen bedarf keines weiteren Beitrags. Was "Studierende" Max Webers brauchen können, ist eine systematische Rekonstruktion der zentralen Gedanken und Argumentationsketten Max Webers selbst, eine Art Wegweiser zum Max-Weber-Lesen. Die Zahl der klugen Neu- und Umformulierungen Weberscher Gedanken, und sicherlich auch die Menge jener Arbeiten, die sich darauf berufen, dass Weber sie eigentlich hätte schreiben wollen oder zumindest sollen, muss nicht vergrößert werden.
Der Erfolg dieses Lehrbuchs, das nicht mehr als ein solches sein will, verdankt sich wohl auch jener Einschätzung, der zufolge das Zurücktreten hinter die Gedankenketten Max Webers der Sache eher zuträglich ist, als das Trittbrettfahren in einer wuchernden Max Weber-Interpretationsindustrie.
Natürlich fordert eine solche Vorgehensweise Preise. Einer der betrüblicheren ist, dass Max Weber in der nachfolgenden Darstellung zu einem relativ nüchternen, analytischen und sehr soziologisch-
wissenschaftlichen Denker "präpariert" wird. Max Weber war auch so, aber eben nur auch. Der "vulkanische", "dämonische" Weber, der leidenschaftliche Politik-Denker, aber auch der nationalistische Eiferer, sie alle bleiben in der nachfolgenden Darstellung außen vor. Eine "Einführung" ist eine Hinführung und keine Endstation.
Ausblickend möchte ich gerade darum auch hier jenen Gedanken in Erinnerung rufen, der mir unverändert hoch erklärungsbedürftig zu sein scheint. Schon früher betonte ich, dass die Lebendigkeit des "Klassikers" Weber eben darin liegt, dass er die Ergebnisse seiner spezifisch soziologischen Sichtweise nicht in einer abgeschlossenen "Theorie" vorlegte, sondern dass er seine "Versuche der Vermittlung" in immer neuen Wendungen unternahm. Mit diesem Hinweis will ich andeuten, dass sich Max Weber, dieser vermeintlich so nüchterne, trockene, analytische Paragraphen-Soziologe, auch in einen Zusammenhang einordnen ließe, in dem er bislang eher selten gesehen wurde: den der Essayisten. Max Weber, so behaupte ich, unternahm seine unablässigen Versuche der Vermittlung in der Darstellungsform des Essays, jenem Stilmittel also, mit dessen Hilfe ein Gegenstand, ein Thema, ein historischer Prozess in das Zentrum ganz unterschiedlicher Perspektiven und Aspekte gestellt wird. Dabei von besonderer Wichtigkeit ist der experimentelle, hypothetische Charakter des Essays, dessen erklärtes Ziel die Synthese ist, also genau das, was wir weiter unten mit "Vermittlung" bezeichnen.
Betrachtet man den Essay als die dem 20. Jahrhundert angemessene Kunstform, so stünde Weber unmittelbar in einer Reihe mit Autoren wie Georg Simmel, Robert Musil oder Georg Lukács. Ihnen allen wäre der Versuch gemeinsam, zu "vermitteln", Brücken zu schlagen und gerade dadurch neue Wege zu bahnen. Versteht man von hier aus etwa die "Gesammelten Aufsätze zur Religionssoziologie", ja sogar die Teilbereiche des ehemaligen sogenannten Hauptwerks "Wirtschaft und Gesellschaft" als große wissenschaftliche Essays bzw. Sammlungen von Essays, und nicht als umfassende theoretisch-empirische Monographien, so erübrigte sich mancher sterile Interpretationsstreit über "Einheit" oder "Zersplitterung" des Werks.
Gerade die Möglichkeit und Notwendigkeit immer wieder neuer Lesarten und Interpretationen seines Gesamtwerkes sind es auch, die zur Auseinandersetzung mit Werk und Methode Max Webers unablässig anregen und einladen. Jenseits seiner historischen Bedingtheit wird der "Klassiker" Max Weber in seinem uns hinterlassenen Werk ein hervorragender "Prüfstein" für die Bestimmung der professionellen Identität aller Menschen bleiben, die sich im Irrgarten der Sozialwissenschaften weder verlieren, noch sich mit falscher Sicherheit zufrieden geben wollen.
Die ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Werk Webers wird zugleich wegführen von jeder engen, nur disziplinbezogenen Perspektive und hinführen zur (Wieder-)Entdeckung der historischen Dimension gesellschaftlicher Wirklichkeit. Vor allem seine Großen Erzählungen von der "Universalen Rationalisierung" aller Lebensbereiche, vom "Universalen Siegeszug von Kapitalismus und Bürokratie" und vom sich schließenden "Gehäuse der Hörigkeit" der Menschen liefern gedankliche Vorlagen, an denen sich Menschen auch zu Be-ginn des 21. Jahrhunderts noch lange orientieren und abarbeiten werden. Möge dieses kleine Lehrbuch seinen Beitrag dabei auch in Zukunft erbringen.
Gewidmet sei diese Neuauflage dem Andenken an Wilhelm Hennis, der mich erstmals im März 1982 im Münchner Institut für Soziologie aufsuchte, um von mir über den damaligen Stand der Max-Weber-Forschung informiert zu werden, bevor er sich selbst in dieses Feld begeben sollte. Aus diesem ersten Kontakt ergab sich eine bis 2012 anhaltende Folge von Treffen und Diskussionen in München, Freiburg und Hamburg und zahlreichen Briefen, mit denen wir unsere jeweiligen leidenschaftlichen Weber-Forschungen konstruktiv-kritisch begleiteten. Seine Rezension, die er in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (11. April 1995) publizierte und dann auch in seinen letzten Sammelband zu Weber aufnahm, hat der Aufnahme dieses Buches in der Fachwelt geholfen. Der Tod von Wilhelm Hennis am 10. November 2012 ist auch ein großer Verlust für die Max-Weber-Forschung.
Bei Gelegenheit der Vierten Auflage ist ein Wort des Dankes angebracht: Es war Adalbert Hepp, der mir im November 1991 den Campus Verlag als neue Heimat für dieses Buch anbot, das dann zuerst im Februar 1995 erschien. Bedanken möchte ich mich weiterhin bei Judith Wilke-Primavesi, die nun diese weitere Auflage ermöglicht und umsichtig betreut.
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