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Dunkles Begehren

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Produktdetails

Titel: Dunkles Begehren
Autor/en: Christine Feehan

EAN: 9783838752655
Format:  EPUB
Lübbe

14. Februar 2014 - epub eBook - 397 Seiten

Zweihundert Jahre sind vergangen, seit Gabriel sich und seinen gefährlichen Zwillingsbruder Lucian in der unterirdischen Welt eines Pariser Friedhofs verborgen hat. Durch merkwürdige Erschütterungen in ihrer Ruhe gestört, erwachen die ungleichen Brüder aus ihrem langen Schlaf und kehren in eine ihnen völlig fremde Welt zurück. Als Gabriel völlig geschwächt um seine Kräfte bangt, trifft er auf eine außergewöhnliche junge Frau, die seinen qualvollen Hunger stillt.

Gemeinsam begegnen sie nun Gabriels größtem Feind - seinem eigenen Bruder ...

Kapitel 2


Gabriel betrachtete die Frau, die so still in der dunklen, reichhaltigen Erde lag. Sein Körper reagierte, sobald er in ihrer Nähe war. In all den langen Jahrhunderten seiner Existenz hatte er nie zuvor so empfunden. Er musste Francesca nur ansehen, damit heißes, drängendes Verlagen in ihm aufstieg. Sein Herz und seine Seele riefen nach ihr. Die Empfindungen waren so übermächtig, dass sie ihn erbeben ließen. Es war beunruhigend, plötzlich festzustellen, dass überhaupt jemand so viel Macht über ihn besaß. Gabriel fühlte sich ein wenig überfordert, als er Francesca mit einem telepathischen Befehl weckte.

Francesca regte sich und runzelte leicht die Stirn. Ihre dichten Wimpern flatterten, dann öffnete sie die Augen. Sie waren groß und dunkel. Francesca blickte Gabriel sofort an, als spürte sie, dass er bei ihr war. Nervös presste sie die Lippen zusammen und setzte sich auf. Sie fühlte sich schwindlig, schwankte leicht und legte sich die Hand auf die Stirn.

Sofort schlang Gabriel den Arm um sie, um sie zu stützen. Sein starker Beschützerinstinkt verlangte, dass er sich um sie kümmerte.

Francesca versuchte, ihn von sich zu stoßen. »Lass mich los. Du hast alles ruiniert. All die Jahre, alles, wofür ich gearbeitet habe. Verschwinde.«

Gabriel wich zurück, um ihr etwas Freiraum zu geben, überrascht von dem scharfen Tadel in ihrer Stimme. Sie war offensichtlich verärgert. »Was habe ich ruiniert?«, fragte er leise. Ihr Mangel an Furcht schockierte ihn. Er hatte seine wahre Natur nicht vor ihr verborgen. Er hatte ihr Blut getrunken. Sie wusste es. Er hatte sie weder hypnotisiert noch ihr befohlen, die Geschehnisse zu vergessen.

Francesca studierte sein Gesicht. Er wirkte sicher nicht wie der ältere Mann, den sie zuvor gesehen hatte. Seine
Haut war jetzt glatt, und er sah jung und stark aus. Eine Aura von Macht umgab ihn. Groß und hoch aufgerichtet stand er da, jeder Zoll der unbesiegbare Krieger, der er war. Er hatte markante Züge und dunkel schimmernde Augen. Sein langes schwarzes Haar wurde im Nacken von einem Lederriemen gehalten.

»Ich habe mein Leben für deines geopfert. Du hattest kein Recht, mir dein Blut zu geben. Das hast du doch getan, nicht wahr? Dazu hattest du kein Recht.« In ihren großen Augen glomm ein verborgenes Feuer. Sie ballte die Fäuste, sodass sich die Nägel in ihre Handflächen gruben. Ihr zierlicher Körper zitterte vor unterdrückter Wut. Es war Gabriel. Sie hätte ihn jederzeit ungeachtet seiner Erscheinung erkennen sollen, doch sie hatte ihn nicht erkannt, bis er sie in die Arme genommen hatte. Sie war so besorgt gewesen, dass er ihre Tarnung durchschauen könnte, dass sie diese wichtige Information übersehen hatte.

»Du wärst gestorben«, stellte Gabriel schonungslos fest.

»Das weiß ich. Ich habe mein Leben bereitwillig angeboten, damit du deinen Kampf fortsetzen und unser Volk retten kannst.«

»Du bist also Karpatianerin.« Sehr sanft nahm er ihre Hand, öffnete die Finger, einen nach dem anderen, und betrachtete die Spuren, die die Nägel auf Francescas Handflächen hinterlassen hatten. Ehe sie seine Absicht durchschauen konnte, neigte er den Kopf und fuhr mit den Lippen zärtlich über die Stellen.

Die Berührung seiner Lippen, sein warmer Atem schienen Francescas Herz stillstehen zu lassen. Schnell zog sie ihre Hand zurück und warf Gabriel einen aufgebrachten Blick zu. »Natürlich bin ich Karpatianerin. Wer würde dich sonst erkennen? Gabriel. Der Verteidiger unseres Volkes. Du bist der größte Vampirjäger, den unser Volk je gekannt hat. Du bist eine zum Leben erwachte
Legende. Es kostete mich einige Zeit, dich zu erkennen, als es dir so schlecht ging. Man hält dich schon seit einigen hundert Jahren für tot.«

»Warum hast du dich nicht gleich zu erkennen gegeben? Ich hätte dir nie erlaubt, dein Leben in Gefahr zu bringen.« Seine sanfte Stimme enthielt eine deutliche Zurechtweisung.

Francescas blasses Gesicht rötete sich. »Maße dir nicht an, über mich verfügen zu können, Gabriel. Deine Rechte sind vor langer Zeit widerrufen worden.«

Er regte sich. Es war nur ein leichtes Muskelspiel, doch ein deutlicher Beweis seiner enormen Kraft. Francescas dunkle Augen blitzten. Sie war nicht im Geringsten eingeschüchtert. »Ich meine es ernst. Du hattest kein Recht, das zu tun.«

»Als karpatianischer Mann kann ich nicht anders, als dich vor allem Unheil zu bewahren. Warum lebst du überhaupt allein hier, ohne jeglichen Schutz? Hat sich unsere Welt so sehr verändert, dass sich unsere Männer nicht mehr um die Frauen kümmern?« Sein Ton war sanft, klang dadurch jedoch umso bedrohlicher.

Stolz hob Francesca das Kinn. »Unsere Männer haben keine Ahnung von meiner Existenz. Und sie geht auch dich nichts an, also bilde dir nicht ein, dich einmischen zu können.«

Gabriel blickte sie lediglich schweigend an. Er war über zweitausend Jahre alt. Das Bedürfnis, eine Frau zu beschützen, war tief in seiner Seele verwurzelt. Es war ein Teil seiner Persönlichkeit. Und da diese Frau seine Gefährtin war, betrachtete er es nicht nur als seine Pflicht, sondern als sein Recht. »Ich fürchte, Francesca, dass ich dennoch über dich wachen muss. Ich habe meine Verantwortung noch nie vernachlässigt.«

Während sie neben ihm saß, fühlte sich Francesca durch Gabriels Kraft und Größe im Nachteil. Also stand sie auf un
d ging mit anmutigen Schritten durch den Raum, um ein wenig Abstand von ihm zu gewinnen. Ihr Herz klopfte heftig. Francesca hatte längst vergessen, wie es sich anfühlte, nervös zu sein. Sie war kein argloses Mädchen mehr. Sie hatte getan, was keine andere karpatianische Frau jemals erreicht hatte: Unentdeckt war sie den karpatianischen Männern und gefährlichen Vampiren entkommen und lebte ihr eigenes Leben. Und sie hatte nicht die Absicht, es diesem Mann zu gestatten, über ihr Geschick zu bestimmen. »Wir sollten etwas klarstellen, Gabriel: Du bist nicht für mich verantwortlich. Ich bin bereit, dir zu erlauben, diesen Unterschlupf zu nutzen, bis du einen sicheren Ort gefunden hast, doch danach wird es keine weiteren Begegnungen zwischen uns geben. Ich führe mein eigenes Leben, in dem für dich kein Platz ist.«

Gabriel hob erstaunt die Brauen und nannte Francesca damit auf elegante Weise eine Lügnerin. »Du bist meine Gefährtin.« Er spürte die Wahrheit dieser Worte tief in seiner Seele. Sie war seine andere Hälfte, das Licht in seiner Finsternis, die einzige Frau, die für ihn geschaffen war.

Zum ersten Mal zeigte Francesca eine Spur von Furcht. Ihre Augen weiteten sich. »Du hast doch nicht das Ritual vollzogen, um uns aneinander zu binden?« Ihre Hände zitterten so sehr, dass Francesca sie hinter ihrem Rücken verstecken musste. Sie hatte sich vor diesem Augenblick gefürchtet, seit sie Gabriels wahre Identität kannte.

»Warum fürchtest du dich davor? Es wäre doch ganz natürlich. Du weißt, dass ich dein Gefährte bin.« Gabriel beobachtete sie genau, er registrierte jede Regung in ihrem Gesicht. Sie empfand Angst. Und sie hatte bereits gewusst, dass sie zu ihm gehörte, ehe es ihm klar geworden war.

Francesca blickte ihn herausfordernd an. »Ich war vor vielen Jahrhunderten
deine Gefährtin, Gabriel. Aber als du den Entschluss fasstest, lieber mit deinem Bruder Vampire zu jagen, verurteiltest du mich zu einem Leben in Einsamkeit. Das habe ich akzeptiert. Es ist schon lange her. Und nun gibt es in meinem Leben keinen Platz mehr für dich.«

Gabriel schwieg, suchte jedoch eine telepathische Verbindung zu Francesca. Er entdeckte lebhafte Erinnerungen an jenen Tag. Er sah sich und Lucian durch ein Dorf von Sterblichen schreiten. Die beiden legendären Vampirjäger. Ehrfürchtig wichen die Leute vor ihnen zurück. Gabriel sah sich selbst, seine schnellen, sicheren Schritte, das lange Haar, in dem eine nächtliche Brise spielte. Ein junges Mädchen erregte seine Aufmerksamkeit, und er wandte den Kopf, ohne seine Schritte zu verlangsamen. Sein dunkler Blick glitt über eine Gruppe von Frauen, doch dann sagte Lucian etwas, das ihn ablenkte. Gabriel wandte sich seinem Bruder zu, setzte seinen Weg fort und blickte nicht zurück. Das junge Mädchen starrte ihm nach, schweigend und verletzt.

»Ich wusste es nicht.«

Ihre Augen funkelten. »Du wolltest es nicht wissen. Das ist ein Unterschied, Gabriel. Doch es ist nicht wichtig. Ich überlebte die Demütigung und den Schmerz. Es ist so lange her. Ich habe viele Jahrhunderte lang ein erfülltes Leben geführt. Jetzt bin ich müde und möchte in die Morgendämmerung gehen.«

Gabriel betrachtete sie mit festem Blick. »Das kommt nicht infrage, Francesca.« Seine Stimme klang ruhig.

»Du hast keinerlei Recht, darüber zu bestimmen, was in meinem Leben infrage kommt. Was mich angeht, hast du alle Rechte verwirkt, als du dich von mir abwandtest. Du weißt nichts über mich. Du weißt nichts über das Leben, das ich geführt habe, über die Dinge, die mich beschäftigen. Ich habe mein eigenes Leben geführt. Ich bin recht
glücklich gewesen und habe viel Gutes tun können. Nun ist es genug. Und die Tatsache, dass du plötzlich beschlossen hast, wieder zum Leben zu erwachen, ändert nichts daran. Du bist nicht meinetwegen zurückgekehrt, sondern für ihn, Lucian. Er hat sich erhoben, nicht wahr? Du verfolgst ihn.«

Gabriel nickte langsam. »So ist es, doch du musst einsehen, dass unsere Begegnung alles verändert hat.«

»Nein, das stimmt nicht«, protestierte Francesca. Hastig öffnete sie die Tür zur Schlafkammer und eilte durch den Gang, der zum Keller führte. Es gefiel ihr nicht, dass Gabriel so leicht mit ihr Schritt halten konnte. Wie konnte er es wagen, so selbstverständlich über ihr Leben zu bestimmen? »Es hat sich nichts verändert. Du hast noch...


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