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Melnitz

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Produktdetails

Titel: Melnitz
Autor/en: Charles Lewinsky

EAN: 9783312006380
Format:  EPUB
Roman.
Nagel + Kimche Verlag Ag

14. Februar 2014 - epub eBook - 776 Seiten

Als 1871 nachts ein entfernter Verwandter an die Tür der Meijers klopft, ahnt noch keiner in der Familie, wie radikal sich ihr Leben ändern wird. Über vier Generationen erstreckt sich ihre Geschichte voller Liebesglück und Lebenstrauer, ihr Kampf um Erfolg und Anerkennung. Charles Lewinsky erzählt mit einer Gestaltungskraft, die den Leser unweigerlich zu einem bangenden, hoffenden und fiebernden Teil dieser Familie werden lässt.
Charles Lewinsky wurde 1946 in Zürich geboren. Er arbeitete als Dramaturg, Regisseur und Redaktor. Er schreibt Hörspiele, Romane und Theaterstücke und verfasste über 1000 TV-Shows und Drehbücher, etwa für den Film Ein ganz gewöhnlicher Jude, (Hauptdarsteller Ben Becker, ARD 2005). Für den Roman Johannistag wurde er mit dem Schillerpreis der Zürcher Kantonalbank ausgezeichnet. Sein Roman Melnitz wurde in zehn Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet, u.a. in China als Bester deutscher Roman 2006, in Frankreich als Bester ausländischer Roman 2008. Lewinskys jüngsten Romane wurden für die bedeutendsten deutschsprachigen Buchpreise nominiert: Gerron für den Schweizer Buchpreis 2011, Kastelau für den Deutschen Buchpreis 2014 und Andersen für den Schweizer Buchpreis 2016.

7

Der Artikel, «von unserem Korrespondenten in Paris», schilderte in mitfühlenden Worten die bedrückenden Zustände in der französischen Hauptstadt, die nicht nur die Hungerzeit der preußischen Belagerung hatte ertragen müssen, sondern auch die Gesetzlosigkeit der so genannten Commune und die Gräuel ihrer blutigen Niederschlagung. «Lutetia», so schrieb der Korrespondent in blumiger Sprache, «gleicht einer vom Schicksal schwer geprüften Jungfrau. Gestern noch hüpfte sie mit rosigen Wangen leichtfüßig von Tanzvergnügen zu Tanzvergnügen, und heute schleppt sie sich mit eingefallenen Zügen mühsamen Schrittes durch die Straßen, von Scham über den eigenen Leichtsinn stärker gebeugt als von Sehnsucht nach der verlorenen Pracht.» Von Castor und Pollux, den beiden Elefanten aus dem Jardin des Plantes berichtete der Artikel, deren Rüssel auf dem Höhepunkt der Hungersnot in der englischen Metzgerei auf dem Boulevard Haussmann aufgetaucht waren, «um ein paar reichen Wucherern eine letzte Prasserei zu ermöglichen, während rings umher wimmernde Säuglinge vergeblich nach den verdorrten Brüsten ihrer Mütter tappten». Mit Abscheu, aber auch mit einem gewissen Wohlwollen wurde das Blutbad auf dem Friedhof Père Lachaise geschildert, mit dem die französischen Truppen den Aufstand der Kommunarden endgültig niedergeworfen hatten, «ihr Blut ein bitter notwendiger Dünger, um anstelle der von verblendeten Fanatikern errichteten Barrikaden wieder die zarten Pflänzlein der Ordnung und des Rechts sprießen zu lassen».

Am ausführlichsten befasste sich der Korrespondent mit den bedauerlichen hygienischen Zuständen in Paris. Er beschrieb das Überhandnehmen von Ratten und anderen Schädlingen, das er nicht nur mit dem Zusa
mmenbruch der Müllabfuhr erklärte, sondern auch damit, dass deren natürliche Feinde, Hunde und Katzen, in den Pfannen und Töpfen der darbenden Hauptstädter verschwunden waren, «ja selbst in den angesehensten Lokalen, bei Brébant und bei Tortoni, unter fantastischen Namen auf den Speisekarten gestanden hatten». Da die Wissenschaft sich darüber einig war, dass Ratten durch ihren Kot verheerende Seuchen auslösen konnten – «man denke nur an die Cholera, deren Vandalenstürme auch unser friedliches Land immer wieder überrannt haben» –, hatten die Verantwortlichen strenge Verordnungen beschlossen, um den beiden Katastrophen des Krieges und des Volksaufstands nicht noch eine dritte folgen zu lassen. Alle durch Rattenkot verunreinigten Vorräte an Waren und Produkten – Lebensmittelvorräte gab es ja nach dem Hungerwinter nicht mehr – waren nach einem Dekret der neuen Regierung abzuliefern und unter behördlicher Aufsicht durch Feuer zu vernichten. Diese drakonische Maßnahme hatte zwar bei vielen Händlern und Fabrikanten zu großen Einbußen geführt, wohl auch einige von ihnen in den Ruin getrieben, war aber im Interesse der Volksgesundheit trotzdem allgemein akzeptiert und befolgt worden.

Nur, und diese Stelle war am Rande der Zeitung mit roter Tinte markiert, nur einige rücksichtslose Geschäftemacher, denen der eigene schmutzige Profit wichtiger war als das Leben ihrer Mitbürger, hatten auch diesmal wieder Mittel und Wege gefunden, um das Gesetz zu umgehen. Diese Leute – der Korrespondent, der bisher von tiefstem Herzen an die natürliche Gleichheit aller Völker und Nationen geglaubt hatte, schrieb es nur widerwillig nieder – waren fast ausschließlich Söhne Abrahams. Sie schmuggelten verunreinigte Waren, Kleiderstoffe beispielsweise, außer Landes, wo sie dann, nur oberflächl
ich gereinigt, von ihren Stammesgenossen an gutgläubige Menschen verhökert wurden. Welch grausiges Erwachen wartete auf diese harmlosen Käufer, die nicht ahnen konnten, dass in den Waren, die sie vermeintlich so günstig erwarben, Tod und Pestilenz lauerten! Der Korrespondent hatte mit Schrecken erfahren, dass auch im idyllischen Baden, wo man sich so fern von Krieg und Revolution glaubte, ein neues Geschäft eröffnet werden sollte, das Stoffe aus keiner anderen Stadt als Paris anbot. Ohne im genannten Fall Anschuldigungen erheben zu wollen, die durchaus – die tief verwurzelte Menschenliebe des Korrespondenten ließ ihn das sogar aus tiefstem Herzen hoffen – unbegründet sein mochten, hielt er es nach Abwägung von Pro und Contra doch für seine Pflicht, im öffentlichen Interesse seine warnende Stimme zu erheben. «Caveat emptor!», schloss er seinen Artikel und setzte für Leute, die des Lateinischen nicht mächtig waren, die Übersetzung dazu: «Möge sich der Käufer in Acht nehmen!»

Janki zerknüllte die Zeitung, besann sich dann aber anders und strich sie auf dem Ladentisch sorgfältig wieder glatt.

Pinchas Pomeranz erlaubte sich die Lektüre des Badener Tagblatts immer erst dann, wenn er nach der Arbeit in der Metzgerei den vorgegebenen Talmudabschnitt, sein tägliches Blatt Gemóre, durchstudiert und verstanden hatte. An diesem Montag war es schon nach acht Uhr abends, als er sich endlich durch einen besonders vertrackten Abschnitt im Traktat Baba Basra durchgekämpft hatte. Es war eine spitzfindige und etwas langweilige Diskussion über die korrekten Maße von Abschrankungen rund um Ziehbrunnen gewesen, aber mittendrin hatte der weise Rabba bar bar Chana ganz unvermittelt angefangen, fantastische Geschichten zu erzählen. Von einem Krokodil war da die Rede, groß wie eine Stadt von sechz
ig Häusern, und von einem Fisch, so riesig, dass ihn die Seefahrer mit einer Insel verwechselten.

Pinchas war durch das Studierte seltsam aufgewühlt und griff mit einer gewissen Erleichterung zur Zeitung. Dabei hatte er kein wirkliches Interesse an den Berichten über die Debatten im Großen Rat oder den Viehauftrieb am Zurzacher Markt, sondern genoss nur die Einfachheit und Gradlinigkeit der Themen. Er hatte sich einen steilen Berg hinaufgequält und tat jetzt gern ein paar Schritte auf ebenem Gelände. Für gewöhnlich entspannte und beruhigte ihn diese Lektüre, aber an diesem Montag war alles anders. Mittendrin sprang er auf und rannte, in Pantoffeln und die Zeitung immer noch in der Hand, aus dem Haus, «wie ein Meschuggener», kommentierte seine Mutter, die ihm gerade ein Stück ganz frischen Honigkuchen an den Studiertisch hatte bringen wollen.

Nach einigen Umwegen fand er Mimi an dem kleinen Abhang über der Straßenbiegung, wo man sich auf einen umgestürzten Baumstamm setzen und bequem wie auf einer Gartenbank den Weg von Baden her überschauen konnte. Nicht dass Mimi mit besonderer Ungeduld auf Janki gewartet hätte, certainement pas, aber es war ein Brief für ihn angekommen, ein Brief aus Paris, und vielleicht enthielt er ja etwas Eiliges, etwas, das keinen Aufschub duldete. Außerdem, und das würde ja wohl noch erlaubt sein, hatte sie das Bedürfnis gehabt, ein paar Schritte in der frischen Luft zu tun; es wurde im Haus immer so furchtbar stickig, jetzt, wo die Tage wieder wärmer waren.

Pinchas kam hinkend angelaufen. Er hatte unterwegs einen Pantoffel verloren und war mit dem fast nackten Fuß auf einen spitzen Stein getreten. Das Rennen nicht gewohnt, bleckte er schwer atmend die Zähne, was seine Zahnlücke noch größer als sonst erscheinen ließ. «Miriam», stieß er mühsam hervor, &l
aquo;du musst...du musst unbedingt...»

Anne-Kathrin hatte es immer gesagt. Schüchterne Männer sparten über Jahre ihr kleines bisschen Mut zusammen und wollten das Ersparte dann in einem Schwung ausgeben. Mimi richtete sich sehr gerade auf und hielt den Kopf ein wenig zur Seite geneigt, eine Geste, hoffte sie, die sie gleichzeitig unwiderstehlich und unnahbar erscheinen lassen würde.

«Du musst unbedingt...mit Janki reden», keuchte Pinchas.

‹Meschugge›, dachte Mimi nicht ahnend, dass Pinchas’ Mutter vor einer Viertelstunde dasselbe gedacht hatte. ‹Meint er, dass ich mir bei Janki eine Erlaubnis für irgendetwas holen muss? Steht da mit seinem Pantoffel, wedelt mir mit seiner Zeitung vor dem Gesicht herum und redet dummes Zeug.›

«Er darf auf gar keinen Fall...»

«Was?»

«Seinen Laden aufmachen. Hier!» Pinchas wedelte noch heftiger. «Lies!»

Mimi verstand zunächst überhaupt nicht, was geschlachtete Elefanten und ekelhafte Ratten mit Jankis Stoffhandlung zu tun haben sollten. Pinchas musste es ihr erklären, was er in talmudischem Singsang mit viel «wenn – dann» und Schlüssen vom Allgemeinen aufs Besondere tat. «Und darum sollte Janki seinen Laden nicht eröffnen!», schloss er, wieder zu Atem gekommen, seine Abhandlung.

«Er hat ihn schon eröffnet. Heute.»

«Oh», sagte Pinchas.

«Seine Waren sind sauber, das weiß ich ganz bestimmt. Sie kommen zwar aus Paris, aber er hat sie beim besten Händler bestellt, obwohl es bestimmt billigere gegeben hätte, und...»

«Alle Waren aus Paris sind sauber», sagte Pinchas. «Das nehme ich zumindest an.»

«Aber hier steht...»

«Wenn ich auf ein Blatt Papier schreiben würde ‹Mir
iam ist hässlich› – würde es dann wahr?»

Natürlich nicht›, dachte Mimi.

«Ich könnte...» Pinchas holte tief Atem und sagte dann ganz schnell, wie jemand, der eine allerletzte Chance nicht vergeben will: «Ich könnte einen ganzen See von Tinte verbrauchen, und es wäre immer noch eine Lüge.»

Mimi verstand jetzt gar nichts mehr.

«Weil du wunderschön bist», sagte Pinchas. So falsch war Anne-Kathrins Theorie von den sparsamen Schüchternen nicht. «Wie eine Herde Ziegen am Berge Gilead.»

«Was für Ziegen?»

«Dein Haar. Und deine Zähne...wie Schafe, die ausnahmslos Zwillinge haben. Übrigens, ich hab mich erkundigt. Meine Zahnlücke kann man wegmachen. Es gibt in Baden einen Arzt, der setzt einem etwas ein, Stiftzahn heißt das, und dann sieht man nichts mehr davon. Es ist zwar...


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