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Das Beileid.Bd.4

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Produktdetails

Titel: Das Beileid.Bd.4
Autor/en: Albert Drach

ISBN: 3552052666
EAN: 9783552052666
Nach Teilen eines Tagebuchs.
Herausgegeben von Bernhard Fetz, Eva Schobel, Ingrid Cella
Zsolnay-Verlag

4. März 2006 - gebunden - 285 Seiten

Der Tagebuchroman "Das Beileid" beschließt die aus ",Z.Z.' das ist die Zwischenzeit" und "Unsentimentale Reise" bestehende autobiographische Trilogie Albert Drachs. Der Krieg ist zu Ende, und dem in Wien geborenen Juden Drach ist es gelungen, den Gasöfen der Nationalsozialisten zu entkommen. Nun, nach Jahren der Flucht, beschließt er, sich einer unglücklichen Liebe wegen das Leben zu nehmen. Das Vorhaben misslingt, doch ist dieser Akt Ausdruck des so verzweifelten wie stolzen Selbstbewusstseins, das die Literatur und die Biographie dieses Schriftstellers kennzeichnet. Sein Weg führt aus dem Exil in Nizza zurück ins Nachkriegsösterreich, wo er einer "Anhäufung der Rührseligkeit und Hinterfotzigkeit" begegnet.
Das Beileid ist fällig, sobald der Leichnam für die Bestattung freigegeben wird oder die Sicherheit eintritt, daß eine solche unterbleibt. Zwar haust man bereits zeitlebens mit seinem Tod, doch erinnert man sich dessen nur, sobald Gefahren darauf hinweisen, wie sie gemeiniglich aus Krankheit, Krieg oder Aufruhr, bei Ungeschicklichkeit aber erst dann entstehen, wenn deren Folgen zum Bewußtsein gelangen.
Eine solche war mir erkennbar geworden, als ich es unterlassen hatte, die beste und letzte Gelegenheit zu nutzen, bei der ich in den Genuß der von mir seit mehr als drei Jahren begehrten jungen Dame Sibylle hätte gelangen müssen. Sie hatte sich mit mir und auf meine Kosten anstatt mit ihrem durch Zank und Verdruß in Wegfall gekommenen Begünstigten auf den größten Ball der Stadt Nizza im dortigen Stadtcasino begeben und vorher ihre für das Fest nicht benötigte Garderobe in meinem schmalen Raum genau gegenüber der Veranstaltungsgebäude hinterlassen, während eine ihr beigegebene Aufsicht, Malaiin oder Mulattin, die ihrige in das Casino mitgenommen. Es war mir ferner gelungen, die ganze Nacht mit ihr unter Ausschluß jedes anderen Partners zu tanzen, wobei mein Knie ihrer vordergründigen Bauart gerade so nahe, als es ihre und meine Bekleidung zuließen, jener Stelle nahetrat, an welcher der Endkontakt unmittelbar zuletzt hätte hergestellt werden sollen, und wir waren beide trotzdem offiziös für das erfolgreichste und bestaussehende Paar erklärt worden, zumal unser inniges Ineinanderstreben von außen nicht hatte erkannt werden können. Sie dankte mir beides, das geheime Behagen und die öffentliche Berühmung, dadurch, daß sie sich bereitfand, mit mir, solange ich es für gut hielt, weiter im Kreise zu schwingen, selbst als die Mulattin zum Gehen mahnte und endgültig erklärte, sie würde bei Nichtbeachtung ihrer Mahnung allein den Heimgang antreten. Ich aber mußte mein Glück gefürchtet und meinen psychischen Tod heraufbeschworen haben, als ich den Tanz abbrach und die Begleit
ung der Malaiin oder Mulattin zuließ, sobald Sibylle ihre nicht für den Ball bestimmten Kleider bei mir abholte. Ehe sie mit dem schwarzen Schatten in die Nacht verschwand, hatte sie noch erklärt, sie würde mich zu ihrer Trauung als Zeugen einladen. Ich bin mithin mit dem rohen Karfiol, sprich Blumenkohl, den ich als Liebesmahl für uns beide vor dem Ballbesuch mit dem Restgeld angeschafft hatte, allein zurückgeblieben. Dabei war die Speise in einem mit Wasser gefüllten Gefäß wohl auf dem einflammigen Rechaud aufgestellt und die Gaszufuhr geöffnet, aber die Zündung unterlassen worden. So mußte, was als Versehen begonnen, als Absichtshandlung schließlich in Kauf genommen, zu einem Erstickungstode führen, den mir die Nazis zugedacht, dem ich aber durch geglückte List seinerzeit entronnen war.
Diesmal ging es überdies um ein Einzelsterben, auch der Anlaß war ein anderer. Nun konnte zwar der Eintritt psychischen Endes durch Dazwischenkunft eines Hindernisses noch unterbrochen werden, doch schien dies unwahrscheinlich. Nebenan, links durch eine Wand getrennt, hauste ein Polizist, der Nachtdienst hatte, seine Frau war ausgegangen oder schlief bereits, deren sechzehnjährige Schwester von der Vermieterin der möblierten Zimmer in den vierten Stock gebracht worden, wo fast täglich amerikanische Soldaten japanischer Abstammung lustige Nächte verbrachten und auf die Zufuhr von Frischfleisch warteten. Rechts vor meiner schmalen Kammer befand sich das Klosett mit Wasserspülung für die ganze möblierte Wohnung, das mit meinem Gelaß das Fenster teilte, so zwar, daß der eine Flügel sich hier, der andere dort befand. Aber nächtlicherweile pflegte sich niemand darin aufzuhalten. Bestand bloß die Möglichkeit, daß unter der Tür das Gas austrat und jemandes Aufmerksamkeit ansprach, der gerade vorüberwollte. Aber bis zum Eintritt meines Letalzustandes war wohl kaum jemandes Heimkehr zu besorgen, und würde selbst eine leibliche Rettung noch durch Außenstehende bewerkstelligt werden, war
sicherlich meine Seele bereits mit dem Mädchen Sibylle von mir gegangen.
Denn wenn unter Seele etwas zu verstehen ist, das Menschen von Tieren unterscheidet, welch letztere daher genutzt, das heißt gefressen, enthäutet, ausgeblutet oder als Pet d.i. Liebling gequält und gefangen gehalten werden dürfen (für Juden galt bis vor kurzem mit Ausnahme der Lieblingschaft dasselbe und ich bin einer von ihnen), so muß mein Abschied vom Leben und dessen Inhalt, als der mir allein noch der Besitz von Sibyllen letzte Gegebenheit darstellen konnte, bereits erfolgt sein. Und sollte sich die Seele nicht mehr auf leibliche Dinge beziehen wie solche, die mit dem Wort Liebe bezeichnet oder umschrieben werden, dann hat sie sich schon für immer vom Körper getrennt, lag Todfall vor und war das Beileid fällig. Dasselbe aber mußte gelten, wenn Seele nach der Deutung neuer Philosophie nur Bewußtsein bedeutete. Denn das Denken ist längst durch den Zweifel ersetzt. Wo nun auch kein Zweifel mehr bestehen kann, weil das Unvermeidliche unwiderruflich eingetreten war, hatte sich der Tod vollzogen und war nur noch der Ausdruck des Mitgefühls ausständig.
Fragte sich nur, an wen dieser zu richten gewesen wäre, wenn kein Hinterbliebener sich melden und mangels Verlassenschaft auch kein Anspruchsberechtigter auftreten würde. Hatte aber einer das Sein bloß in Schein verwandelt, das heißt, sich damit abgefunden, als ein Spuk zurückzubleiben, dann wäre es überhaupt fraglich, ob er als Adressat des Beileids würdig sei.
Dieser Ansicht muß auch die Hauswirtin gewesen sein, richtiger die Inhaberin der beiden möblierten Wohnungen im dritten und vierten Stock, als sie aus mütterlichem Gefühle das sechzehnjährige Mädchen von dort oben, wo sie es einem stolzen Japaner zugeführt hatte, wieder herunter zu der Polizistenwohnung brachte und dabei offenbar den Leuchtgasgeruch aus meiner schmalen Kammer in die Nüstern bekam. Sie öffnete daher mit ihrem Nachschlüssel vorerst den großen Wohnraum des Polizis
ten, in den sie die sechzehnjährige Braut verabschiedete, dann offenbar auf dieselbe Weise auch mein kleines Kabinett, in welchem sie jenen Fensterflügel aufschloß, der dazu gehörte, und wohl auch den Gashahn sperrte, um zu verhindern, daß weiter etwas sich in Luft auflöse, das Geld kostet und in der Monatsmiete nicht inbegriffen ist. Dadurch konnte schon die Gefahr der Auffälligkeit für andere und die Vermehrung des bereits eingetretenen Schadens ausgeschaltet werden. Offenbar um für diesen den Verursacher als Ersatzleister stellig zu machen, rüttelte sie aber auch noch an mir, da es zumindest umständlich war, erst den Abtransport der Leiche abzuwarten, um nachträglich jemand anderen für den Ersatz ihrer Unkosten heranzuziehen.
Es hat sich vielleicht bereits herumgesprochen, daß gerettete Selbstmörder oder solche, die sich sonst freiwillig in ihr Absterben geschickt haben, selten aus Anlaß ihrer Rettung Grund zum Frohlocken empfinden. Umso weniger trifft dies für Gespenster zu, die doch nur mit einem Teil ihrer früheren Wesenheit ihren Tod überdauern. Sie stellen vielmehr, wenn schon nicht in weinerlicher, so doch in schaudererregender Pose fest, wie wenig es ihnen zeitlebens geglückt war, mit ihren sogenannten Mitmenschen in einer Weise zu verfahren, daß sie wechselseitig aneinander Freude gehabt hätten, und sie fassen sicherlich als nunmehrige Spukgestalten kaum den Entschluß, sich zu bessern und auf andere behutsamer oder zielbewußter einzuwirken, ja nicht einmal, etwas zu tun, um mit ihnen auszukommen. Und sie werden daher in ihrer neuen Beschaffenheit als nicht mehr voll Lebendige vieles oder alles bedauern, das sie in ihrem früheren Dasein unterlassen haben, ohne aber ihre noch übrigen Taten nach glücklicheren Erwägungen einzurichten. Und sind sie selbst allein die Leidtragenden nach ihrem vorzeitigen Absterben, dann werden sie auch besonders auf die Entgegennahme von Äußerungen des Mitgefühls bedacht sein, obwohl sie im Wege des Rückblicks auf ihr abgebr
ochenes Leben am b

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