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Karaoke für Herta

Roman. 1. Auflage.
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Produktdetails

Titel: Karaoke für Herta
Autor/en: Matthias Keidtel

EAN: 9783841207340
Format:  EPUB
Roman.
1. Auflage.
Aufbau Digital

3. April 2014 - epub eBook - 256 Seiten

Mutter ante Portas

"Du sollst nicht kippeln, Junge", befahl Herta, "und setz dich gerade hin, sonst bekommst du einen Haltungsschaden."
"Ich bin siebzig", erklärte Norbert, "ich bekomme keinen Haltungsschaden."
"Es wird jedenfalls Zeit, dass du dein Leben ordnest. Und ich werde dir dabei helfen. Ich werde bei dir einziehen. Anders geht es nicht."

Für Norbert Grützke, einen siebzigjährigen Junggesellen und erfahrenen Verkäufer von Schrauben und Dübeln, kommt es zur Katastrophe. Während er nur in aller Ruhe seinen Lebensabend genießen und sich um seine Sammlung von Miniaturfernsehtürmen kümmern will, beschließt seine resolute Mutter Herta, bei ihm einzuziehen. Sie, neunundachtzig und kein bisschen müde, will endlich sein Leben in Ordnung bringen. Norbert ist verzweifelt. Was soll er tun? Sich ins Krankenhaus einweisen lassen? Zur Therapeutin gehen? Seine Mutter entführen lassen?
Das Verhängnis nimmt seinen Lauf. Dann jedoch macht seine Mutter einen Vorschlag: Wenn er eine Frau fürs Leben findet, zieht sie wieder aus.

Amüsant, turbulent und voller skurriler Weisheiten - ein wunderbarer Roman, nicht nur für Muttersöhnchen

Matthias Keidtel wurde 1967 in Schleswig-Holstein geboren und wuchs in Teheran und Tokio auf. Er studierte Geschichte und Germanistik in Berlin. Nach diversen Nebenjobs als Werbetexter, als Zigarrenverkäufer und Assistent in einer Filmfirma arbeitet er seit 1998 hauptberuflich als Schriftsteller. Als Aufbau Taschenbuch ist sein Roman "Karaoke für Herta" lieferbar. Sein neuer Roman "Frau Endlich geht" erscheint im Herbst 2015. Mehr zum Autor unter www.keidtel.de.

1.


Mutter starb einfach nicht. Die alte Dame steuerte bereits stramm auf die neunzig zu, doch es sah ganz so aus, als würde sie noch weitere zehn Jahre problemlos durchhalten.

Norbert hatte sich gerade zu seinem üblichen Mittagsschlaf aufs Sofa gelegt, als das Telefon klingelte. Seit er Rentner war, klingelte sein Telefon nur noch selten, und eigentlich hatte es auch vorher so selten geklingelt, dass er eine Zeitlang mit dem Gedanken spielte, das Telefon ganz abzuschaffen. Denn wenn er kein Telefon besaß, würde es auch nicht mehr auffallen, dass kaum ein Mensch das Bedürfnis verspürte, ihn anzurufen.

Im Grunde konnte es ihm ja egal sein. Er redete ohnehin nur ungern und fühlte sich selbst bei den wenigen Anrufen in seinem Tagesablauf gestört. Trotzdem hatte er sich zu dieser drastischen Maßnahme nie überwinden können. Insgeheim hoffte er nämlich, dass irgendwann der entscheidende Anruf kam. Zwar wusste er nicht, was der Anrufer ihm genau sagen sollte, aber für Norbert gab es keinen Zweifel, dass so ein Anruf jederzeit möglich war.

Meist war es jedoch nur Mutter, die ihn zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt anrief. Und ungünstig war es eigentlich immer.

»Kannst du mir erklären, warum du so lange zum Telefon brauchst? Du residierst doch nicht in einem Palast!«

Mutter klang wie üblich aufgebracht, als wäre es ungehörig, sie so lange warten zu lassen.

Norbert antwortete wie üblich mit einem kurzen Brummen. Er wusste schon, was jetzt kam, und er hatte keine Lust darauf.

»Du musst sofort kommen, ich habe dir etwas Wichtiges mitzuteilen.«

»Geht das nicht vielleicht auch am Telefon?«, fragte Norbert zaghaft. Seit Jahren bemühte er sich vergeblich um eine telefonische Lösung von Mutters Problemen, allerdings ohne den geringsten Erfolg.

>Wie immer, wenn Herta ihn anrief und in ihre Wohnung zitierte, so hatte er auch dieses Mal alles stehen und liegen gelassen und war sofort hingeeilt. Wie immer auch mit dem Hintergedanken, dass ihr etwas zugestoßen sein könnte. In letzter Zeit ertappte sich Norbert immer öfter bei dem Gedanken, dass es irgendwann ja auch mal vorbei sein müsse. Irgendwann musste Schluss damit sein, dass Mutter ihn immer noch ermahnte, einen Schirm mitzunehmen, wenn es draußen in Strömen regnete, als wäre er ein fünfjähriges Kind. Ein langsamer Abschied seinetwegen, aber eben ein endgültiger Abschied. Zwar schämte er sich, wenn er so etwas dachte, denn eigentlich liebte er seine Mutter, doch weil sie ihn nicht in Ruhe lassen wollte, wuchs von Woche zu Woche seine Hoffnung, dass das Telefon eines Tages für immer verstummte.

Solange sie lebte, war es für Norbert unmöglich, sich frei zu entfalten. Er konnte nicht in seinen abgenutzten, schon etwas muffig riechenden Kleidern herumlaufen, ohne dass Mutter ihn auf seine abgenutzten, etwas muffig riechenden Kleider hinwies. Er konnte sich nicht seiner Fernsehturm-Sammlung widmen, ohne dass Mutter ihm zu verstehen gab, dass derlei Hobbys eigentlich nur für Demenzkranke erfüllende Beschäftigungen seien. Er konnte nicht mal ungestraft eine Woche lang Königsberger Klopse aus Dosen essen, ohne dass sie ihm sein Lieblingsessen vermieste, indem sie erklärte, dass der Nährwert von Dosenklopsen mit dem von Schuhsohlen vergleichbar sei.

Denn um sich zu entfalten, brauchte er vor allem eins: Ruhe. Und zwar absolute Ruhe. Sein Leben musste so abwechslungslos sein, dass es jedem anderen wie der totale Stillstand vorkäme. Erst dann blühte er auf. Erst dann hatte er das Gefühl, vollkommen frei zu sein.

Doch ob es zu seinen Lebzeiten überhaupt noch dazu kommen würde, war inzwischen leider mehr als fragli
ch.

Ihre Wohnungen lagen nur wenige Gehminuten voneinander entfernt im gutbürgerlichen Teil Charlottenburgs. »Das Zentrum der Spießer und Rentner«, wie Mutter bei jeder Gelegenheit gerne behauptete. Dabei waren sie selbst beide Rentner. Norbert hatte vor kurzem im Kreise von ehemaligen Kollegen, Nachbarn und in Mutters Gegenwart seinen siebzigsten Geburtstag gefeiert, laut Herta »eine der langweiligsten Veranstaltungen, die ich je erlebt habe«. Herta war neunundachtzig, fühlte sich aber wie eine junge Frau, die keine große Lust hatte, ihre Zeit mit alten Leuten zu verplempern. Und das Schlimme war, sie schien von Monat zu Monat jünger zu werden.

Die Geburtstagsfeier fand im hinteren Raum eines griechischen Lokals statt, den Norbert aus diesem Anlass gemietet hatte. Es gab ein Büfett mit griechischen Spezialitäten, kurze Ansprachen früherer Mitarbeiter aus der Eisen- und Haushaltswarenhandlung C. Wagner, in der Norbert fast vierzig Jahre gearbeitet hatte, eine Laudatio seiner »Kultur«-Freundin Gerlinde Hagedorn und am Ende ein Fragespiel à la »Wer wird Millionär?«. Der Höchstgewinn betrug 200 Euro, der bei einer internen Sammelaktion seiner Kollegen zusammengekommen war. Norbert hatte allerdings schon bei der 20-Euro-Frage gepatzt. Sie lautete: »Welche italienische Spezialität ist dem Namen nach die südlichste? A: Spaghetti Bolognese, B: Pizza Napoli, C: Parmaschinken, D: Chianti-Wein.«

Da er von Geografie wenig Ahnung hatte, eigentlich hatte er überhaupt keine Ahnung, vor Mutter aber nicht den Eindruck erwecken wollte, dass ihn schon leichteste Fragen überforderten, hatte er, ohne groß nachzudenken, auf D getippt. Obwohl das Spiel damit eigentlich beendet gewesen wäre, hatte man Norbert großzügig eine Ausnahme gewährt. Weil er die meisten anderen Fragen jedoch ebenfalls falsc
h beantwortete, wurden die Ausnahmen zu einer Dauerregelung, an der sich zunächst allerdings niemand groß zu stören schien.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Mutter den ganzen Abend kaum etwas gesagt. Herta thronte am Kopfende der Tafel, als wäre sie der eigentliche Mittelpunkt der Gesellschaft, und verfolgte stumm das Geschehen durch ihre riesigen, eulenhaften Brillengläser. Sie trug hautenge Jeans, einen Samtblazer mit dunklem Paisley-Muster und schweren Indianerschmuck am Hals und an den zierlichen Handgelenken, den sie von einer Amerikareise mitgebracht hatte. Auf diese Weise machte Mutter deutlich, was sie von der Veranstaltung hielt: überhaupt nichts. Ihrer Meinung nach feierten nur Leute Geburtstag, für die es in ihrem Leben sonst nicht viel zu feiern gab. Und dazu gehörte zweifellos auch ihr einziger Sohn Norbert. Norbert wusste, dass er in Mutters Augen versagt hatte. Er hatte versagt, weil er jahrzehntelang ein kleiner Angestellter geblieben war. Er hatte versagt, weil er nicht den Mut gefunden hatte, seine Träume zu verwirklichen. Kurz: er hatte versagt, weil er nicht so geworden war wie Herta Grützke.

Dabei war an allem nur Mutter schuld. Ein Leben lang hatte sie Norbert durch ihre pure Anwesenheit erdrückt. Seit Vaters Tod vor zwölf Jahren war es sogar noch schlimmer geworden. Wenn sie nicht gerade auf Reisen war oder ihre zahllosen Hobbys verfolgte, die von Woche zu Woche wechselten, konzentrierte sie sich auf die Erziehung ihres Sohnes. Leider war die Kontrolle aus Hertas Sicht nicht so umfassend, wie sie es sich wünschte.

»Wenn du damals nicht so früh ausgezogen wärst«, erklärte sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit, »hätte ich dich schon noch hingekriegt.« Da war Norbert aber schon zweiunddreißig, er aß selbstständig und war in der Lage, seine Unterhosen alleine zu kaufen. Dass es Norbert bis heute nicht
gelungen war, sich von Mutter zu lösen, war die eigentliche Niederlage seines Lebens.

Irgendwie war Mutter immer mit von der Partie. So auch bei seinem siebzigsten Geburtstag.

Ursprünglich hatte er seinen Ehrentag nur mit Gerlinde feiern wollen. Ein Besuch im Museum und hinterher den Tag bei Wein, Essen und guten Gesprächen ausklingen lassen. Die Sache ins Rollen gebracht hatte Klaus Hennmaier, unter den Kollegen nur »Henne« genannt. Als er anrief, um sich nach Norberts Geburtstagswünschen zu erkundigen, fühlte sich Norbert genötigt, ihn zum Abendessen einzuladen. Und weil es etwas seltsam gewesen wäre, die anderen Kollegen nicht dazu zu bitten, rief er auch Lutz und Werner an.

Beinahe jeden Tag kamen neue Gäste hinzu. Selbst Nachbarn aus seinem Haus, die Norbert nur vom Grüßen her kannte, lud er spontan zu seiner Geburtstagsfeier ein. Jahrelang war es ihm erfolgreich gelungen, die anderen Hausbewohner auf Distanz zu halten. Mehr als ein freundliches »Guten Tag« war von ihm nicht zu hören gewesen. Wenn man erst damit anfing, sich über das Wetter auszutauschen, kam man schnell auch fürs Pflanzengießen im Sommerurlaub oder das Hüten diverser Haustiere in Frage. Als er noch berufstätig war, hatte er keine Probleme, seinen Nachbarn aus dem Weg zu gehen. Er verließ morgens das Haus und kehrte abends wieder zurück. Seit er vor einem knappen Jahr, viel zu spät, in Rente gegangen war, drohten nun allerdings auch Kontakte am helllichten Tag. Sobald herauskam, dass er nichts mehr zu tun hatte, wurde es brenzlig.

Aus diesem Grund blieb er bis mittags zu Hause und beschäftigte sich mit seinem Hobby, den Fernsehtürmen der Welt. Norbert besaß eine Sammlung von Modellen, die er sich aus der ganzen Welt zuschicken ließ. Er kannte sämtliche Details fast aller namhaften Fernsehtürme auswendig. Technische
Daten, Erbauungszeit und gastronomische Einrichtungen. Vor kurzem war in Tokio ein weiterer Turm hinzugekommen, der sogenannte Sky Tree, mit 634 Metern der höchste der Welt. Ärgerlicherweise hatte er bis heute noch kein Modell entdeckt. Er musste sich mit Fotos aus dem Internet begnügen, die er ausdruckte und an die Wand hängte.

Erst gegen Mittag verließ er das Haus und kaufte rasch das Nötigste ein. Leider entdeckte ihn eines...


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