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Die Spur des Anderen

Roman nach Robinson Crusoe.
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Produktdetails

Titel: Die Spur des Anderen
Autor/en: Patrick Chamoiseau

EAN: 9783884234594
Format:  EPUB
Roman nach Robinson Crusoe.
Übersetzt von Beate Thill
Verlag Das Wunderhorn

7. April 2014 - epub eBook - 270 Seiten

Robinsons Situation ist von schöner Modernität: Er hat sich ganz individuell neu zu erfinden. Das musste wohl die Fantasien all jener Individuen bereichern, die in das Korsett der Gemeinschaften, der Kulturen und Zivilisationen gezwängt waren. Robinson reflektierte bereits die heutige Vereinzelung und ihre Problematik. Die Frage bleibt, wie man sich ohne die Krücke der Gemeinschaft und der Zivilisationsstandards selbst erfinden kann.
Patrick Chamoiseau
Patrick Chamoiseau, geboren 1953 auf Martinique, zählt zu den wichtigsten Schriftstellern Frankreichs. In seinen zahlreichen Texten beschäftigt er sich hauptsächlich mit der kreolischen Kultur und seiner Herkunftsinsel Martinique. Für seinen Roman Texaco erhielt er 1992 den Prix Goncourt, den wichtigsten Literaturpreis Frankreichs.

1. Der Idiot


 

Herr, ich wurde wiedergeboren in jenem Jahr, ich wusste nicht, welches es war, auf meiner vergessenen Insel zur Stunde der Tagundnachtgleiche, wahrscheinlich genau in dem Moment, als ich das Gefühl hatte, mich zwischen zwei Lichtmassen zu schieben: eine ging vom Lodern des Ozeans aus und die andere bestand in dem erbarmungslosen Gleißen des Strandes; was sich da zwischen den beiden vordrängte, war nicht so sehr mein Körper, mein Sonnenschirm, meine Fetzen aus Tierhäuten, meine klappernde Muskete, auch nicht der Säbel, der mir am Ende meines Gehänges an das Bein schlug; nein, es war ein körperlicher und geistiger Hochmut, das Ergebnis einer Einsamkeit von zwanzig Jahren, in denen ich trotz allem das Unglück hatte niederzwingen können;

ich war wieder zu diesem Teil der Insel gegangen, da ich seit einiger Zeit das Gefühl hatte, außer Gefahr zu sein; ich glaubte, das letzte Stadium an Ordnung und Organisation erlangt zu haben, von dem mich nichts mehr zurückwerfen konnte; ich hatte die Dämonen des Blutes, des Fleisches und des Geistes besänftigt, Ängste gezähmt und auch jene Rückfälle überwunden, in denen ich mich so manches Mal gesuhlt hatte wie diese fleckigen Kröten dort unten im Mangrovensumpf; aber wichtiger war: Ich hatte mir die Gabe der Sprache bewahrt; sogar die Fähigkeit zu schreiben; und wenn auch das merkwürdige Büchlein, das ich aus der gestrandeten alten Fregatte geborgen hatte, nie zu meinem klaren Verständnis gelangte, so war ich doch dabei geblieben, es Tag für Tag aufzuschlagen, mit Lust darin zu blättern, regelmäßig darin zu lesen, sowie den liturgischen Brauch zu üben, einige seiner verrätselten Sätze, meist in zufälliger Auswahl, abzuschreiben;

sehr lange war ich ni
cht mehr dort gewesen, an jenem Ort, wo ich zur Herbst-Tagundnachtgleiche Land berührt und, noch ohne es zu wissen, eine endlose Tragödie ganz ohne Zeugen eröffnet hatte; indem ich den Strand vergaß, ließ ich auf meine Weise die Hoffnung auf ein Entkommen von dieser Insel fahren, fast wie den Schluchzer einer möglichen Rückkehr, so formte sich mein Wille, diese Insel, meine Einsamkeit, meine Verzweiflung, meine Selbstvergessenheit und meine Tränen hinzunehmen, und mir daraus mit viel Arbeit, Ordnung und Vernunft das Material für mein Schicksal zu bereiten; sobald ich konnte, habe ich jenen bitteren Jahren also den Rücken gekehrt, vertan mit dem Spähen nach einem Segel auf dem salzigen Metall, das den Horizont zulötete; diese ersten Jahre waren ohne Leben gewesen, nur davon erfüllt, auf einen Besuch hoffend hin und her zu laufen, und ihn zugleich zu fürchten aus Angst vor den eingeborenen Kannibalen der Gegend; dann habe ich eines Tages dieses Ufer verlassen, einfach so, ohne vorherige Überlegung, zunächst, um mich von diesem Strand und seinem vergeblichen Warten zu entfernen; dann, um das Innere der Insel zu erkunden und sie endlich einmal am Kragen zu packen; aus Sorge, nicht wieder der anfänglichen Furcht zu verfallen, hatte ich diesen Ort von meinen Äckern und Weiden gestrichen und aus meinem großen Zivilisationswerk entfernt; ich ging nicht mehr hin; kam nicht einmal in die Nähe, stieß ihn einfach zurück in seine niedere Wildheit; doch nun, in dem neuen Stolz, in dieser Befreiung, die mir endlich ein erschwindeltes Glück schenkte, konnte ich mit dem Schritt eines Großen Herrn zurückkehren, ungetrübten Sinns, ohne Furcht, nur mit der Befriedigung, in einem einzigen Blick den dramatischen Ort des Beginns und die Herrlichkeit zu erfassen, die ich mit eigener Leistung errungen hatte;

nach all den Jahren kann ich s
agen, da war ich glücklich, ohne vergebliche Hoffnungsduselei, ohne räudiges Bereuen, einfach makellos in meiner souveränen Macht über dieses Fleckchen Erde; ich schaute heiter in die Zukunft; der Gedanke, hier zu sterben, schreckte mich nicht mehr; dabei erinnerte ich mich noch gut, dass diese Aussicht zu meinen ständigen Ängsten gehörte; denn auf dieser Insel hinzuscheiden, hätte meine Leiche den roten Ameisen und haarigen Krabben ausgeliefert, die ich so verabscheute; die Vorstellung von meiner zerfledderten Leiche hatte mich immer mit dem Gefühl niedergedrückt, vollends verflucht zu sein; daher schuf ich als eine meiner erhabenen Gründungsstätten einen Friedhof – hochtrabend dem »Gedenken des Menschlichen« geweiht; ich habe ihn auf einem Hügel aus Felsblöcken in einer windigen Einöde angelegt, dürr und von der Sonne geröstet, wo kein Wurm überlebte, daher von Natur aus unzugänglich für all die Eiterbeulen, welche Kadaver bearbeiten; genau da hatte ich mir ein Loch gegraben, es mit durchsichtigem Baumwollzeug ausgekleidet, daneben hatte ich außerdem eine Brustwehr aus geflochtenem Holz befestigt und mit einem Haufen Steine gefüllt; wenn ich mich in meiner Gruft ausstreckte, konnte ich bequem meine Beerdigung verfügen, indem ich mit einer Liane einen einfachen Mechanismus in Gang setzte; die Steine würden mich dann für alle Ewigkeit begraben, während ein Mast mit einer wehenden Leine an der Spitze allen vier Himmelsrichtungen den Ort meiner Bestattung anzeigte; im Fuß meines Grabkreuzes war ein Schriftstück versteckt zu meiner Person und dem Unglück, das mir widerfahren war;

von da an wachte ich über das geringste Absinken meiner Lebenskräfte vom Biss des Fiebers oder anderen heimtückischen Schwächungen meines Körpers und meines Geistes; beim gering
sten Verdacht hielt ich mich in der Nähe meines Grabes auf, bis ich wieder gesund war, doch bereit, mich hineinzulegen, falls die krumme und eisige Spitze der großen Sense sich auf mich richtete; ich durchlebte so manche verzweifelten Momente, in denen ich zu gerne unverzüglich Schluss gemacht hätte, aber der Gedanke, meine Seele in solcher Einsamkeit auszuhauchen, so weit entfernt von allem, was möglich ist, gab mir den Mut weiterzuleben; an diesem Tag hatte ich jedoch vergessen, wo sich dieses Grab befand; ich hatte keine Angst mehr davor, hier zu sterben; ein ansehnlicher Teil der Insel war inzwischen zu meinem Werk geworden, ein schönes Kunstwerk, zu dem mein Tod würdevoll beigetragen hätte, trotz des üblen Treibens der Aasfresser; das Leben eines Menschen hat nur einen Sinn, wenn er es mit dem höchst möglichen Anspruch lebt: weder ein Tier zu sein, noch einer jener Wilden, die die Welt unsicher machen; das war mir gelungen; ich war zum Begründer einer Zivilisation geworden; jetzt, auf dem Strand des Beginns, wollte ich dies verkünden, im Angesicht der Drachen des Lichts und dieser Insel, dieses Ungeheuers grüner Macht;

kaum zu diesem Ausgangspunkt zurückgekehrt, ging mir die Frage nach meiner Herkunft durch den Sinn: ich wusste immer noch nicht, wie ich hier gelandet war, noch wann und warum; ich hatte mir vorgestellt, ich wäre ein Überlebender jenes zerschellten Schiffes, das ich zwischen den Kiefern der Riffe gefunden hatte, nur wenige Kabellängen entfernt von dem Ort, wo ich aufwachte; diese Fregatte habe ich erkundet und geplündert wie eine orientalische Höhle, wie eine Chronik der westlichen Welt, eine Reliquie der gesamten Menschheit, und sie hat mir das Material für den Beginn geliefert oder den Wiederbeginn; aber ich mochte lange die Hinterlassenschaften durchsuchen – Bücher, Pergamente, Register, die über die Jah
re zu Staub zerfielen –, ich fand keinerlei Hinweise darauf, was ich hier sollte, warum ich hier war, woher ich kam und vor allem, wer ich war;

da war jene spannende Zeit gewesen, als ich die Fregatte durchwühlte; es stellte sich heraus, das Wrack war reich an Werkzeug, Waffen, Abbildungen und verschiedensten Gerätschaften, so dass es mir bald zum Tabernakel einer höchst erstrebenswerten Welt wurde, mit der ich meine Vorstellungen lange mästen konnte; das Wasser hatte das Wrack zu drei Vierteln überschwemmt; Sand füllte die unteren Teile aus; die Laderäume blieben unzugänglich, aber wo ich nach Belieben stöbern konnte – bis ein plötzlicher Sturm das Wrack in einen verborgenen Winkel der Zeit beförderte –, habe ich genügend gefunden für den … Wiederbeginn einer Zivilisation … ja, wirklich, ein ganzes Zusammenspiel von Verhaltensweisen, Wertvorstellungen und Körperhaltungen habe ich von diesen abertausend Dingen hergeleitet; zuerst hatte ich, um meine Herkunft festzustellen, gegen sie eine wahre Inquisition betrieben, hatte auf jedem einzelnen von ihnen Hinweise, Namen, Orte, Kennzeichen einer Abstammung gesucht; doch ich konnte nichts entdecken, was sich völlig eindeutig auf mich bezogen hätte; daraufhin stieß ich in meiner köperlichen und seelischen Verzweiflung auf ein Köfferchen zur Geisterbeschwörung und Wahrsagerei; es war randvoll mit Kristallkugeln, eng mit Formeln beschriebenen Papierstreifen für Seancen, Karten, Würfeln, Kaurimuscheln, Zauberstäben, Liebestränken, Puder, Fläschchen und einem Haufen Hokuspokus, dessen richtigen Gebrauch ich nie herausfand; nach den Anweisungen eines vom Wasser zerfetzten Folianten streifte ich mir einige Kleidungsstücke über, die sich an Bord befanden, den Umständen entsprechend mussten sie ja von verstorbenen Seelen stammen;...<
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