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Tea-Bag

Roman. Originaltitel: Tea-Bag.
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Produktdetails

Titel: Tea-Bag
Autor/en: Henning Mankell

EAN: 9783552057012
Format:  EPUB
Roman.
Originaltitel: Tea-Bag.
Übersetzt von Henning Mankell, Verena Reichel
Paul Zsolnay Verlag

17. April 2014 - epub eBook - 384 Seiten

Jesper Humlin hat es nicht leicht. Zwar ist er ein gefeierter Lyriker, doch sein Verleger besteht darauf, dass er endlich einen Kriminalroman schreibt, der Kurs seiner Wertpapiere ist gefallen, seine Freundin will ein Kind von ihm, und seine Mutter hat eine Agentur für Telefonsex eröffnet. Da lernt er bei einer Lesung Tea-Bag, ein schwarzes Flüchtlingsmädchen, und ihre Freundinnen kennen. Nach und nach erfährt er ihre Geschichten. Ein Roman, der das Gegensätzlichste verbindet - eine Satire auf den modernen Literaturbetrieb und einen Einblick in die illegale Welt der Einwanderer. Ein Buch von wunderbarer Komik und tiefem Ernst - ein neues Genre, in dem Mankell wie in seinen früheren Büchern brilliert.
Henning Mankell, geboren 1948 in Stockholm und aufgewachsen in Härjedalen, lebte als Theaterregisseur und Autor in Schweden und Maputo (Mosambik). Seine Romane um Kommissar Wallander sind internationale Bestseller. Zuletzt erschienen bei Zsolnay "Treibsand. Was es heißt, ein Mensch zu sein" (2015), die Neuausgabe von "Die italienischen Schuhe" (Roman, 2016), "Die schwedischen Gummistiefel" (Roman, 2016) und der frühe Afrika-Roman "Der Sandmaler" (2017). Im Herbst 2018 erscheint sein allererster Roman, "Der Sprengmeister".

 

 

1

 

 

Es war einer der letzten Tage des Jahrhunderts.

Das Mädchen mit dem großen Lächeln erwachte davon, daß sanfte Regentropfen gegen die Zeltplane über seinem Kopf trommelten. Solange sie die Augen geschlossen hielt, konnte sie sich vorstellen, sie sei noch immer daheim im Dorf, an dem Fluß, der das kühle, klare Wasser aus den Bergen brachte. Hinter geschlossenen Lidern ließ sich dieses Gefühl festhalten. Sobald sie jedoch die Augen aufschlug, wurde sie in eine leere, unbegreifliche Wirklichkeit hinausgeschleudert. Dann blieb von ihrer Vergangenheit nichts als ein Bilderreigen der Erinnerungen, wobei die langwierige Flucht, die sie hinter sich hatte, in ruckartigen Sequenzen wiederkehrte. Sie lag regungslos da und bemühte sich, langsam aufzuwachen und die Träume nicht zu verlassen, ohne gut gerüstet zu sein. Die ersten schwierigen Minuten des Morgens entschieden darüber, wie ihr Tag aussehen würde. Im Moment des eigentlichen Erwachens war ihr, als sei sie von Fallgruben umgeben.

Während der drei Monate, die sie sich nun schon im Flüchtlingslager befand, hatte sie ein Ritual erfunden und es täglich Stück für Stück ausgebaut, bis sie die beste und sicherste Art gefunden zu haben meinte, den Tag zu beginnen, ohne daß sie sogleich in Panik verfiel. Hauptsächlich kam es darauf an, nicht sofort von dem unbequemen Zeltbett aufzuspringen, in der falschen Hoffnung, gerade an diesem Tag würde etwas Entscheidendes geschehen. Nichts geschah, das wußte sie inzwischen. Es war die erste und entscheidende Lektion, die sie hatte lernen müssen, nachdem sie sich an dem steinigen europäischen Strand an Land geschleppt hatte und von bedrohlichen Schäferhunden und bewaffneten spanischen Grenzsoldaten empfangen worden war. Ein Flüchtling zu sein hieß,
daß man allein war. Diese Erfahrung galt für alle, unabhängig davon, woher sie ursprünglich stammten oder aus welchen Motiven sie aufgebrochen waren, um sich nach Europa durchzuschlagen. Sie war allein, und sie tat gut daran, nicht zu erwarten, daß diese Einsamkeit enden würde. Sie würde eine Zeitlang davon umschlossen sein, vielleicht eine sehr lange Zeit.

Mit geschlossenen Augen lag sie in dem unbequemen Bett und ließ die Gedanken sich vorsichtig zur Oberfläche hinauftasten. Wie sah ihr Leben eigentlich aus? Mitten in all dem, was unklar und verwirrend war, hatte sie nur einen einzigen Anhaltspunkt. Sie befand sich eingesperrt in einem Flüchtlingslager in Südspanien, nachdem sie das Glück gehabt hatte zu überleben, während fast alle anderen ertrunken waren, alle an Bord des morschen Schiffs, das sie von Afrika herübergebracht hatte. Sie erinnerte sich noch an die großen Erwartungen, die den dunklen Laderaum erfüllt hatten. Die Freiheit hat einen Duft, dachte sie. Der um so stärker wurde, wenn die Freiheit nur ein paar Seemeilen entfernt lag. Freiheit, Sicherheit, ein Leben, in dem nicht Furcht und Hunger und Hoffnungslosigkeit regierten.

Es war ein Laderaum voller Träume, dachte sie mitunter, aber vielleicht wäre es richtiger zu sagen, es war ein Laderaum voll Illusionen. Alle, die da in der Dunkelheit an dem marokkanischen Strand gewartet hatten, in den Händen gieriger und rücksichtsloser Menschenschmuggler aus verschiedenen Erdteilen, waren in der nächtlichen Finsternis zu dem Schiff gerudert worden, das verdunkelt auf Reede lag. Matrosen, die wie Schatten auftauchten, hatten sie zischend in den Laderaum hinuntergescheucht, als wären sie die Sklaven der heutigen Zeit.

Allerdings hatten sie keine Eisenketten an den Füßen getragen, die Fesseln waren ihre Träume gewesen, ihre Verzweiflung, die große
Furcht, die sie dazu getrieben hatte, aus verschiedenen irdischen Höllen aufzubrechen, um sich zur Freiheit in Europa durchzuschlagen. Wie nahe waren sie ihr gewesen, als das Schiff auf Grund lief und die griechischen Matrosen sich in den Rettungsbooten davonmachten und die Menschen, die unten im Laderaum hockten, sich selbst überließen.

Europa hat uns aufgegeben, ehe wir überhaupt angekommen sind, dachte sie. Das darf ich nie vergessen, wie auch immer es mir in Zukunft ergehen wird. Wie viele von ihnen ertrunken waren, wußte sie nicht, wollte es auch gar nicht wissen. Die Schreie, die abgebrochenen Hilferufe, hallten noch wie ein pochender Schmerz in ihrem Kopf wider. Wie sie da in dem kalten Wasser lag, war sie zuerst von all diesen Rufen umgeben gewesen, die dann jedoch nach und nach verstummt waren. Als sie gegen eine Klippe stieß, war ein Triumphgefühl in ihr aufgestiegen. Sie hatte überlebt, sie war am Ziel. An was für einem Ziel? Wovon sie auch geträumt haben mochte, sie hatte es zu vergessen versucht. Jedenfalls war nichts so geworden, wie sie es sich vorgestellt hatte.

In der Dunkelheit an dem kalten spanischen Strand war sie von den Lichtern plötzlich aufflammender Scheinwerfer geblendet worden, dann hatten die Hunde sie aufgespürt, und die Soldaten mit ihren glänzenden Gewehren hatten sie mit müden Augen betrachtet. Sie hatte überlebt. Das war aber auch alles. Weiter geschah nichts. Man hatte sie in ein Lager gesteckt, das aus Baracken und Zelten bestand, mit defekten Duschräumen und verdreckten Klosetts. Jenseits des Zauns hatte sie das Meer gesehen, das sie aus seinem Griff entlassen hatte, aber sonst nichts, nichts von dem, wovon sie geträumt hatte.

Die Insassen des Flüchtlingslagers, all diese Menschen mit ihren verschiedenen Sprachen und Kleidern und den entsetzlichen Erlebnissen, von denen sie Zeugnis ablegten, meist schweigend, zuweilen
mit Worten, verband nur eins: sie hatten nichts zu erwarten. Viele von ihnen befanden sich schon seit mehreren Jahren im Lager. Nirgends gab es ein Land, das sie aufnehmen wollte, und alles, worum sie noch kämpften, war, zu verhindern, daß man sie zurückschickte. Einmal, beim Warten auf eine der drei täglichen Essensrationen, hatte sie mit einem jungen Mann aus dem Iran gesprochen, oder vielleicht auch aus dem Irak – woher die Menschen kamen, ließ sich selten wirklich klären, da alle schwindelten und ihre wahre Identität verbargen, in der Hoffnung, das könnte ihnen zum Asyl in einem Land verhelfen, das aus unberechenbaren und unerklärlichen Gründen plötzlich seine Tore öffnete. Der Mann, der vielleicht aus dem Iran oder aus dem Irak stammte, hatte gesagt, das Lager sei wie eine einzige große Todeszelle, ein einziger langer Todeskorridor, wo eine lautlose Glocke jedem die Stunde schlug. Sie hatte verstanden, was er meinte, sich aber gegen den Gedanken zu wehren versucht, er könnte recht haben.

Er hatte sie mit traurigen Augen angesehen. Das hatte sie erstaunt. Seit sie der Kindheit entwachsen und zur Frau geworden war, hatten alle Männer sie mit Augen betrachtet, die auf die eine oder andere Weise einen Hunger ausdrückten. Doch dieser hagere Mann schien weder ihre Schönheit noch ihr Lächeln bemerkt zu haben. Das hatte ihr angst gemacht. Sie konnte den Gedanken, daß Männer sich nicht sofort für sie interessierten, ebensowenig ertragen wie die Vorstellung, diese lange, verzweifelte Flucht sei vergeblich gewesen. Genau wie alle anderen, denen es nicht gelungen war, durch die Maschen des Netzes zu schlüpfen, und die statt dessen in dem spanischen Auffanglager gelandet waren, klammerte sie sich trotz allem an die Hoffnung, die Flucht würde irgendwann ein Ende haben. Eines Tages würde auf wundersame Weise vor jedem von ihnen eine Person
stehen, mit einem Papier in der Hand und einem Lächeln auf den Lippen, und sagen: Willkommen.

Um nicht vor lauter Hoffnungslosigkeit verrückt zu werden, galt es, sich in Geduld zu üben, das hatte sie frühzeitig begriffen. Und Geduld konnte nur aus dem Gefühl entstehen, daß nichts geschehen würde, und dadurch, daß sie sich aller Erwartungen entledigte. Im Lager kam es oft vor, daß Menschen sich das Leben nahmen oder wenigstens einen ernsthaften Versuch machten. Sie hatten nicht gelernt, ihre Erwartungen wirksam genug zu bekämpfen, und waren schließlich unter der Last zusammengebrochen, die aus der Überzeugung resultierte, alle Träume würden sich sofort verwirklichen lassen.

Jeden Morgen, während sie langsam erwachte, redete sie sich also ein, es sei das Allerbeste für sie, überhaupt keine Erwartungen zu haben. Und nicht preiszugeben, aus welchem Land sie kam. Das Flüchtlingslager war ein einziger summender Bienenstock von Gerüchten, welche Herkunftsländer zur Zeit als diejenigen galten, bei denen man die größten Chancen hatte, mit der Garantie auf Asylrecht entlassen zu werden. Es war, als sei das Lager ein Markt, auf dem verschiedene Länder und Asylmöglichkeiten an einer Börse notiert wurden, die ständig dramatische Veränderungen durchlief. Keine Investition war sicher oder dauerhaft.

Zu Beginn ihres Aufenthalts im Lager hatte Bangladesch ganz oben auf der Liste gestanden. Aus einem den Flüchtlingen unbekannten Grund bewilligte Deutschland auf einmal all denjenigen Asyl, die aus Bangladesch kamen. Einige intensive Tage lang standen schwarze, braune, hellhäutige, schlitzäugige Menschen vor den kleinen Büros an, in denen erschöpfte spanische Beamte hinter ihren Tischen saßen, und wiederholten mit großer Treuherzigkeit, ihnen sei plötzlich eingefallen, daß sie aus
Bangladesch kämen. Auf diese Weise waren zumindest vierzehn Chinesen nach Deutschland gelangt. Ein paar Tage darauf hatte Deutschland »Bangladesch geschlossen«, und nach dreitägigem ungewissen Warten hatte sich das Gerücht verbreitet, Frankreich sei bereit, eine begrenzte Anzahl von Kurden aufzunehmen.

Vergeblich hatte sie versucht herauszufinden, woher die Kurden eigentlich kamen und wie sie aussahen. Doch sie stellte sich gehorsam in eine der Warteschlangen, und als sie an der Reihe war, bei dem rotäugigen Beamten einzutreten, der ein Namensschild trug, auf dem...


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