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Als Gott schlief

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Produktdetails

Titel: Als Gott schlief
Autor/en: Jennifer B. Wind

EAN: 9783955204945
Format:  EPUB ohne DRM
dotbooks

25. April 2014 - epub eBook - 374 Seiten

Meine Hände rutschten zum wiederholten Male von der Wand ab. Ich pochte gegen die Tür, die sich Sekunden vorher geschlossen hatte. Ich wollte schreien: »Lasst mich hier raus!«

München und Wien: Eine Serie brutaler Morde an katholischen Geistlichen schockiert die Öffentlichkeit. Die Opfer werden auf grausame Weise gefoltert und getötet. Am Tatort werden mysteriöse Hinweise gefunden, die jedoch niemand entschlüsseln kann. Kriminalbeamtin Jutta Stern und ihr Partner Thomas Neumann stehen vor einem Rätsel. Was hat die Opfer verbunden? Was treibt den Mörder an? Bei ihren Ermittlungen stößt Jutta auf eine Mauer aus Angst und Schweigen - doch dann entdeckt sie eine Spur, die weit in die Vergangenheit zurückreicht ...

Eine junge Kriminalbeamtin, ein sadistischer Mörder und eine schreckliche Wahrheit ...

Jetzt als eBook: "Als Gott schlief" von Jennifer B. Wind. dotbooks - der eBook-Verlag.
Jennifer B. Wind wurde 1973 in Leoben geboren und wuchs in Wien auf. Sie absolvierte eine Klavier-, Gesangs- und Schauspielausbildung und arbeitete viele Jahre als Flugbegleiterin. Sie schreibt bereits seit ihrer Jugend und veröffentlichte bisher zahlreiche Krimis und Kurzgeschichten. Jennifer B. Wind ist Mitglied im Krimiautorinnen-Netzwerk ,Mörderische Schwestern' und führt den Blog ,Lies und (p)lausch' auf mywoman.at. Heute lebt sie mit ihrer Familie in der Nähe von Wien.

Bei dotbooks ...

1. Kapitel


Wien, Sonntag, 17. April 2011, 5:56 Uhr

Rot auf Weiß.

Zarte Tropfen auf Linoleum. Rot auf Weiß. Klebrige Fußabdrücke auf dem Bodenbelag. Eisengeruch erfüllt den Raum, der sich um sie zu drehen beginnt. Herbert Molaryk kommt mit ausgestreckten Armen auf sie zu. Von der Spitze seines Zeigefingers löst sich ein Tropfen und fällt auf ihren Schuh.

Rot auf Grün.

Der Tropfen rinnt über das Leder und sammelt sich an der Kante des Zehenlochs, bis er überläuft. Die warme Flüssigkeit rinnt auf ihren Zeh und wird auf dem lackierten Zehennagel unsichtbar.

Rot auf Rot.

Jutta sieht auf. Ihr Magen krampft sich zusammen, als ihr bewusst wird, dass Molaryks Hemd blutdurchtränkt ist. Wie ein nasser Sack klebt es an ihm.

Rot auf Blau …

… wird zu Lila. Aus glasigen Augen schaut Molaryk sie an.

»Simon, er …«

Schwindel erfasst sie. Ein Pfeifton erklingt in ihrem Ohr. Sie versucht zu begreifen, was hier vor sich geht. Wessen Blut ist es, mit dem Herbert da besudelt ist?

»Was ist mit Simon?«

Aus Molaryks Kehle dringt nur ein heiseres Krächzen. Dann knicken seine Knie ein. Auf allen vieren hockt er auf dem Parkett und würgt. Jutta kniet sich vor ihn und schüttelt ihn an den Schultern.

»Was ist mit Simon?«

Ein lautes Klatschen folgt. Hat sie ihm wirklich ins Gesicht geschlagen? Warum sagt er auch nichts, sondern hockt nur am Boden und kotzt ihr Büro voll?

»Herbert! Sprich verdammt noch mal mit mir.«

Vertraute Hände legen sich auf ihre Schultern, ziehen sie von Molaryk weg,
umarmen sie und flüstern ihr ins Ohr: »Du musst jetzt stark sein, Mädchen.« Es ist Georg Kunzes Stimme. »Simon wurde niedergestochen.«


Das Bild verschwamm vor Juttas Augen bis auf einen roten Fleck im Zentrum. Ein blutiger Schuhabdruck.

Im Dunkeln tastete sie nach ihrem Mann, bekam aber nur das kalte Laken zu fassen. Mit einem lauten Schluchzen vergrub sie ihr tränennasses Gesicht darin. Sein Geruch war längst verflogen.

Vier Monate. Konnte es wirklich sein, dass sie Simon schon vor vier Monaten begraben hatte? Der Schmerz war noch so stark, als wäre es gestern passiert. Mit dem Ärmel des Sweatshirts wischte sie sich übers Gesicht und bekam gleich darauf ein schlechtes Gewissen. Es war Simons Lieblingsshirt, das sie zum Schlafen trug. Bestimmt waren jetzt Mascara-Schlieren auf dem gelben Stoff, zusätzlich zu den Ketchup-Flecken der letzten Monate. Trotzdem würde sie es niemals waschen.

Sie blinzelte. Laut Leuchtanzeige des Weckers war es sechs Uhr früh. Die Schlafmittel schienen jeden Tag weniger zu wirken. Sie war jetzt seit halb fünf wach und suhlte sich in den schönen Erinnerungen vor Simons Tod – und den traurigen danach.

Benommen stand sie auf. Mist! Was klebte da an ihrer Fußsohle? Angeekelt schüttelte sie die Pizzaecke ab, die vom Abendessen übrig geblieben war, geriet aus dem Gleichgewicht und stolperte über den Berg aus Schmutzwäsche.

Sie wankte ins Bad. Unaufhörlich strömten weitere Bilder durch ihren Kopf: Simon blutüberströmt auf dem Ambulanzbett, Simon bei der Hochzeit, strahlend und glücklich, Simon an Schläuchen auf dem Bett der Intensivstation, Simon an ihrem letzten gemeinsamen Tag beim Essen, Simon im offenen Sarg.

Jutta drehte den Wasserhahn auf, beugte sich über das Becken und hielt den Kopf unter das kalte Nass.

Wann wür
de der Schmerz endlich aufhören? Nur zwei Jahre hatte ihr Glück gedauert. Zwei Wochen vor dem Unglück hatte sie die Pille abgesetzt, weil sie endlich bereit waren, eine Familie zu gründen. Traurig sah sie auf ihren flachen Bauch herab. Wenn sie wenigstens schwanger wäre, dann wäre ein Teil von ihm noch bei ihr. Sie vermisste ihn unendlich.

Das Klingeln des Mobiltelefons unterbrach ihre Gedanken, aber sie ließ die Mailbox anspringen. Die Kleidung klebte auf ihrer Haut. Müde schälte sie sich aus Shirt, Slip und Achselhemd. Gerade als sie in die Dusche steigen wollte, klingelte es erneut. Sie ging zurück ins Schlafzimmer und hob ab.

»Jutta St-Stern.« Es fiel ihr schwer, ihren Nachnamen auszusprechen, seinen Namen.

»Morgen, mein Sternchen.«

Jutta setzte sich auf den Bettrand. Georg Kunze, ihr Vorgesetzter und Partner beim LKA, war am Apparat. »Tut mir leid, dass ich dich geweckt habe.«

»Ich war schon wach.«

»Schlechte Träume?«

»Komm zur Sache, bitte«, sagte sie und fügte hinzu: »Ich bin nackt.«

»Für Telefonsex haben wir jetzt leider keine Zeit, Jutta, ich brauch dich hier – und zwar pronto.«

»Was ist passiert?« Fahrig kramte sie in der Schublade ihrer Nachtkommode nach Kugelschreiber und Notizblock.

»Sieh es dir selbst an. Kretschmer hat dir die Leitung des Falls übertragen, er konnte dich nur nicht erreichen. Er meinte, es wäre Zeit dafür. Es hat Weihbischof Heuss erwischt. Ich geb dir die Adresse durch, und dann schwingst du deinen hübschen Hintern hierher!«

»Ein Bischof? Du meine Güte!« Jutta notierte sich schnell die Adresse.

»Ja, das kannst du wohl sagen. Und spar dir das Frühstück, wäre schade drum!«

Ein Klicke
n in der Leitung signalisierte, dass Georg aufgelegt hatte.

Mit einem Seufzen erhob sie sich. Nach einer Katzenwäsche mit dem Waschlappen schlüpfte sie in Bluse und Jeans, die zuoberst auf dem Wäscheberg lagen. Der Bund der Hose schlackerte um ihre Taille. Die letzten Wochen hatte sie fast völlig auf warme Mahlzeiten verzichtet. Simon war der Koch in ihrer Ehe gewesen. Sie bürstete ihren kurzgeschnittenen Bob schnell durch und verteilte einen Klecks Haargel darüber; die letzten Reste aus Simons Tube. So bekam dieses Mausbraun wenigstens einen schönen Glanz, und der Geruch verlieh ihr die Illusion von Simons Nähe. Puder, Rouge und Mascara vollendeten das Fünf-Minuten-Styling. Auf Parfum verzichtete sie, stattdessen erfrischte sie sich mit einem Spritzer Deodorant.

Zehn Minuten später parkte sie ihren Toyota neben zwei Einsatzfahrzeugen der Polizei, dem Rettungswagen, einem Notarztwagen, Georgs zerbeultem Ford und drei weiteren Fahrzeugen in der Nähe des Hauses des Wiener Weihbischofs Heuss.

Trotz der frühen Morgenstunde drängelten Schaulustige um die rot-weißen Absperrbänder – teilweise nur mit Morgenröcken oder einer hastig über den Schlafanzug geworfenen Jacke bekleidet.

Sie verstand nicht, was diese Menschen dazu bewog, ihre Betten zu verlassen. War es Neugier, Entsetzen, Angst, Sensationsgier oder schlichtweg Langeweile? Sie vermutete eine Kombination von allem.

Die Tatortgruppe hatte bereits mit ihrer Arbeit begonnen. Zwei Männer in weißen Overalls streiften mit ernsten Gesichtern, den Blick auf die Wiese gerichtet, im Vorgarten herum. Zwei Streifenpolizisten standen bei den Absperrbändern.

Die Kokarde an ihre Brust gedrückt, lief Jutta durch die Absperrung die Treppe zum Eingang des Hauses hoch. Die Tür stand offen. Auf den ersten Blick waren keinerlei Anzeichen eines gewaltsamen Aufbruchs z
u erkennen.

An der Tür begrüßte sie bereits Inspektor Herbert Molaryk von der Streife. Herbert hatte oft mit Simon zusammengearbeitet, bis zu jenem verhängnisvollen Tag. Jutta schluckte und betrachtete sein Hemd. Rot auf Blau. Sie konnte ihm immer noch nicht in die Augen sehen. Rot auf Blau. Ein Blinzeln verscheuchte die Vergangenheit, und mit einem Blick auf den Boden nickte sie zur Begrüßung und trat ein.

Der Vorraum war schmal, lang und lichtdurchflutet. Ein Perserläufer lag auf dem Marmorboden. Die Wiener Bischöfe der letzten Jahrzehnte lächelten freundlich aus ihren Bilderrahmen herab. Auf einer Kommode stand, neben einem Kreuz aus Stein, eine schlicht gerahmte Fotografie Papst Benedikts. Rosenkränze in leuchtenden Farben und aus verschiedensten Materialien lagen in einer Glasschale. Im Flur roch es säuerlich, schimmelig und modrig, was von der Messingobstschüssel ausging, die in einer Ecke auf einem Biedermeierbeistelltisch stand. Ein Schwarm Obstmücken kreiste um verdorbene Weintrauben und Äpfel. Durch eine offene Tür konnte sie in eine Wohnküche sehen, an deren Tisch eine Frau saß, in einer Kittelschürze, wie sie Juttas Großmutter immer getragen hatte. Das Gesicht in ihre wulstigen Finger vergraben, schluchzte sie. Ein Sanitäter sprach beruhigend auf sie ein.

»Das ist Frau Baumann«, sagte Georg, als er neben Jutta auftauchte. »Sie war die Haushälterin des Bischofs und hat ihn heute Morgen gefunden, als sie ihn zur Messvorbereitung wecken wollte.«

»Hast du schon mit ihr gesprochen?«

»Nur kurz, sie ist noch ganz durcheinander. Wir können später mit ihr reden.«

»Gut, dann möchte ich mir jetzt gern das Opfer ansehen.«

Georg nickte. »Na, dann komm mal mit.«

Jutta folgte ihm durch einen Wohn
salon in ein anderes Vorzimmer. Die Nussholztüren an beiden Seiten des Flurs waren mit Intarsienschnitzereien versehen.

»Weihbischof Heuss’ Schlafzimmer ist der zweite Raum auf der linken Seite«, sagte Georg und bedeutete ihr vorauszugehen.

Noch bevor sie das Schlafzimmer betrat, schlug ihr ekelerregender Gestank entgegen, eine bedrückende Geruchsmischung aus Leichenaroma, Schweiß, Urin und Fäkalien. Schwach mischte sich der Geruch nach faulen Eiern darunter. Ein leises Summen war ebenfalls zu...


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Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Packend , ergreifend das Buch hallt nach - von jackdeck - 24.06.2014 zu Jennifer B. Wind „Als Gott schlief“
Die Ermittler werden zu einem grausamen Mordfall gerufen. Ein Wiener Bischof wird auf entsetzlichste Weise ermordet in seiner Wohnung aufgefunden. Das Ermittlerteam um Jutta Stern hat noch nicht mal richtig mit den Nachforschungen begonnen da erreicht sie schon die nächste Hiobsbotschaft. Diesmal ist ein Münchner Priester das Opfer und kurz darauf kommt eine Nonne zu Tode. An jeden der Tatorte liegen Hinweise doch welcher Zusammenhang besteht an den Morden der Gottesdiener. Die Öffentlichkeit ist geschockt und die Ermittler suchen fieberhaft nach Verknüpfungen die alle drei Ofer gemeinsam haben. Als sich eine vage Spur abzeichnet treffen die Fahnder immer wieder auf eine Wand des Schweigen und Verhüllens. Der Ursprung geht tief in die Vergangenheit zurück und dort finden sie Spuren die noch grausamer sind als man es sich vorstellen kann. Kann es wirklich sein das Gott und die Welt ihre Augen vor dem Leid der Kinder verschlossen und niemand ihnen zu Hilfe kam? Welches Ausmaß an leid mussten die noch unversehrten Seelen ertragen, ich musste oft beim Lesen schlucken und innehalten um das Gelesene zu verarbeiten. Beim Lesen war ich einfach nur geschockt über die furchtbaren Schicksale die die Seelen tragen mussten. Ich war sofort mittendrin im flüssigen und packenden Schreibstil der Autorin. Ich kann gar nicht glauben dass es ihr Debüt war. Die Protagonisten sind sehr gut herausgearbeitet und die Handlung ist fesselnd und lässt einem nicht mehr los. Ich würde dem Buch noch mehr Sterne vergeben wenn ich könnte, ansonsten hebe ich mir noch ein paar auf, denn ich hoffe bald wieder etwas von der Autorin lesen zu dürfen.
Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Blick in die menschlichen Abgründe - von Angélique Sa - 15.06.2014 zu Jennifer B. Wind „Als Gott schlief“
Kriminalbeamtin Jutta Stern und ihr Partner Thomas Neumann werden zu einem Tatort gerufen, an dem sich eine grausam zugerichtete Leiche eines Weihbischofs befindet. Es ist der Auftakt einer Reihe weiterer Morde an katholischen Geistlichen. Auf den ersten Blick verbindet diese Opfer, bis auf die Kirchenzugehörigkeit, nichts. Das Team um Thomas steht vor einem Rätsel, auch können sie die sorgsam platzierten Hinweise nicht sofort enträtseln. Nach und nach kommen sie einem schrecklichen Geheimnis aus der Vergangenheit auf die Spur, deren Folgen bis ins Hier und Jetzt reichen... Die Autorin Jennifer B. Wind hat mich mit ihrem Debüt Als Gott schlief mit den ersten Worten gleich in den Bann gezogen. Die Spannung wird sofort aufgebaut und die ganze Zeit auf einem hohen Niveau gehalten. Der Schreibstil ist flüssig und sehr fesselnd. Bei einigen Szenen musste ich schneller lesen, da mein Kopfkino die ganze Zeit lief und die Szenen ziemlich grausam waren... Sie sind so detailliert und gut beschrieben. Die Charaktere sind ziemlich verschieden und entwickeln sich im Laufe des Buches. Das hat mir sehr gut gefallen. Mit Jutta Stern z. B. hat die Autorin eine sehr traurige Frau ins Leben gerufen, die gerade ihren Mann auf tragische Weise verloren hat. Aber mein Liebling ist von Anfang an Thomas Neumann, eine Mischung aus Spencer Reid aus Criminal Minds und Florian David Fitz, die ich beide sehr liebe. Intelligenz und eine schnelle Auffassungsgabe kombiniert mit gutem Aussehen finde ich einfach klasse. Die Rückblenden runden die Geschichte ab, sie geben dem Leser einen gewissen Vorsprung und bringen einem die Not und die Verzweiflung der missbrauchten Kinder näher. Die Autorin beschreibt diese Grausamkeiten sehr einfühlsam, trotzdem beschönigt sie nichts. Das Thema der schwarzen Pädagogik und dem Kindesmissbrauch ist hier gut umgesetzt worden. Beim Lesen spürt man die Genauigkeit der Recherchen, was das Buch so realistisch macht. Selten hat mich ein Buch so berührt und auch noch heute bin ich über diese Abgründe erschrocken. Das Stillschweigen der Kirche geht gar nicht... ich bin froh, dass Jenny über die Missstände schreibt und hoffe, dass ihr Buch von ganz vielen Menschen gelesen wird. Ein absoluter Pagetuner!!!
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