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"So geht das Morden täglich weiter"

Erinnerungen des Rotkreuz-Delegierten Carl-August Graf von …
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Produktdetails

Titel: "So geht das Morden täglich weiter"

EAN: 9783791760445
Format:  EPUB
Erinnerungen des Rotkreuz-Delegierten Carl-August Graf von Drechsel 1914-1919.
Herausgegeben von Stefan Schomann
Pustet, Friedrich GmbH

10. September 2014 - epub eBook - 216 Seiten

Als Delegierter des Bayerischen Roten Kreuzes betreute Carl-August Graf von Drechsel im Ersten Weltkrieg den Frontabschnitt hinter Verdun. Ihm unterstanden zahlreiche Ärzte, Schwestern, Pfleger und Helfer, dazu die Mannschaften mehrerer Lazarettzüge. Allein die Bayerische Armee hatte im Verlauf des Krieges über 400.000 Verwundete zu versorgen.
Drechsels privates Tagebuch gewährt einen direkten Einblick in das Räderwerk der Kriegsmaschinerie - aber aus der Sicht der verletzten Soldaten. So liefert es ein faszinierendes Dokument der Rotkreuzarbeit, und zugleich ein Sittengemälde aus den letzten Jahren der bayerischen Monarchie.
Carl-August Graf von Drechsel, 1874-1963, studierter Jurist, war als Rotkreuz-Delegierter fast über die gesamte Kriegsdauer hinweg an der Westfront im Einsatz.

Stefan Schomann, geb. 1962, arbeitet als freier Autor und Journalist, u. a. für GEO, Die Zeit und die FAZ.
2013 erschien seine umfassende Geschichte des Roten Kreuzes Im Zeichen der Menschlichkeit.


Rundreise zu den Lazaretten


Ende August, als alle Delegierten expediert worden sind, reicht die Arbeit für drei Mann nicht mehr ganz aus. Ich bin als Ersatz für den Liniendelegierten K I vorgemerkt.8 Diese Stelle hat Baron Gustav Hofenfels inne, der oft ins Landeskomitee kommt und weitschweifig von seiner Tätigkeit berichtet. Er hat angedeutet, meine Begleitung auf seinen Reisen würde ihm angenehm und nützlich sein. Und da die Herren im Landeskomitee einverstanden sind, ergreife ich gern die Gelegenheit. Von der Lazarettabteilung bekomme ich einen langen Fragebogen mit.

Für diese Reise stürze ich mich zum ersten Mal in meine neue Delegiertenuniform und komme mir anfangs in diesem halbmilitärischen Gewand etwas wunderlich vor. Das Tragen des Säbels und das fortwährende Grüßen wollen gelernt sein. Die ersten Tage muß ich aufpassen, keine militärischen Verstöße zu begehen! Man wird viel angestaunt; denn sowohl meine Uniform wie auch die der Johanniter, die Hofenfels trägt, sind noch ganz unbekannt.

Die Tätigkeit des Liniendelegierten ist, wie so manches in unserer Dienstanweisung, nicht genügend präzisiert. Er soll im Einvernehmen mit dem Linienarzt auf die Verteilung der Verwundeten auf die Lazarette einwirken und außerdem dem Korpsbezirksdelegierten behilflich sein. Da dieser über die Errichtung von Vereinslazaretten zu berichten hat, ist es naheliegend, die angemeldeten Vereinslazarette zu begutachten.

Dieser Tage sind die ersten Massen von Verwundeten aus der Lothringer Schlacht und den folgenden Kämpfen ins Land gekommen, und dabei sind bittere Klagen über die unmenschliche Transportweise und die Überfüllung einzelner Lazarette laut geworden. Obwohl diese Mängel ausschließlich den Militärsanitätsbehörden anzulasten sind und das Rote Kreuz
gar keine Gelegenheit gehabt hat, einzugreifen, ist im Land ein Sturm der Entrüstung über das Versagen der Organisation ergangen. Trotz dieser ungerechtfertigten Beschuldigungen sind unsere Stellen über ihren Pflichtenkreis hinaus bemüht, auch den militärischen Sanitätseinrichtungen zu helfen. Aus diesem Grund besuchen wir auf unserer Fahrt auch einige Reservelazarette und sonstige militärische Stellen.

An einem schönen Septembermorgen fahren wir zunächst nach Augsburg. Auf der Erfrischungsstelle am Bahnhof9 waltet Tante Annica Reichlin mit unverwüstlichem Humor. Der Ortsdelegierte stellt uns sein Auto zur Verfügung. Wir besehen sechs bis acht Lazarette, von denen nur zwei im Betrieb, die anderen erst im Entstehen begriffen sind. Manche sehr gut, andere dürftig. Hofenfels läßt sich überall auf endlose Gespräche ein, lobt viel zu viel und macht allerhand unvorsichtige Zusagen. Mein Hauptberuf ist es daher, ihn zu bremsen. Seine Sprechlust ist freilich stärker als er selbst, und auch auf der Fahrt kommt er keinen Augenblick zum Schweigen.

Mittags geht es in langsamstem Tempo weiter nach Günzburg. Ein allerliebstes Städtchen, auf hohem Hügel über der Donau, mit stattlichen Kirchen und Klöstern und einem weitläufigen Schloß aus der vorderösterreichischen Zeit. Wie hätte ich diese Reise im Frieden genossen. Jetzt aber berührt mich die altväterliche Behaglichkeit wie ein Gruß aus einer längst entflohenen Zeit. Die Obstbäume biegen sich unter der Segensfülle, Blumen leuchten in den kleinen Gärten wie auch in den Krankenzimmern der bereitgestellten Lazarette. Alles ist vorbereitet bis zum letzten Knopf, und die braven Günzburger sind ganz verzweifelt, daß sie noch immer keine Verwundeten haben. Wir müßten unbedingt welche herbeischaffen! Sonst geht der K
rieg womöglich zu Ende, und alle Vorbereitungen sind umsonst gewesen!

Am nächsten Morgen geht es mit unbeschreiblicher Langsamkeit weiter nach Dillingen. Hier waltet Alf Geldern als Adjutant am Bezirkskommando. Er erwartet uns mit seinem Automobil. Hier sind schon Vereinslazarette belegt, wir werden von Ärzten, Sanitätskolonnenführung und Pflegepersonal festlich empfangen und durch die vortrefflich ausgestatteten Räume geleitet. Es macht mir großen Eindruck, hier Verwundete anzutreffen, die schon im Osten, dann im Westen, und dann wieder im Osten gekämpft haben!

Wir fahren zur Nachbarstadt Lauingen, einst zu Zeiten des Herzogtums Pfalz-Neuburg Universität mit einem über der Donau aufragenden Schloß und stattlichen Patrizierhäusern. Auch hier sind drei große Lazarette zur Verfügung gestellt worden. Doch auch hier herrscht zum Schmerze der Lauinger noch gähnende Leere! Zum Mittagessen sind wir dann in Dillingen Gäste der Landsturm-Eskadron. Deren Offiziere unter manchen Abenteuern aus der Türkei (Fritz Fürstenberg) und aus Argentinien (Karl Pocci) zu den Fahnen geeilt sind. Nachmittags geht es im Schneckentempo weiter. In Donauwörth bleiben wir unwiderruflich liegen. Hofenfels behauptet, hier ein besonders gutes Hotel zu kennen. Es hat aber wohl seine Blütezeit erlebt, als die Donaudampfschiffahrt den Verkehr vermittelte, jetzt ist es ein Gemisch von vergilbtem Glanz und Verwahrlosung. In der Gaststube laufen die Mäuse ungehindert herum. Abends wandern wir durch Obstgärten zum Schellenberg, wo einst Marlborough den Kurfürsten Max Emanuel geschlagen hat; auch mein Ahne, Wolf Michael Drechsel, hat hier mitgekämpft.10 Auch damals schon waren die Engländer und die Bayern Gegner, aber der Haß war gewiß nicht so tief wie heute. Zweifellos haben die Kriege seit Einführung der allgemeinen Wehrpflicht
zugenommen und damit auch der Haß. Da steht jetzt Volk wider Volk, und da die Waffen immer vervollkommnet wurden, wächst die Zahl der Opfer.

Am nächsten Morgen geht es langsam, aber sicher auf der Donautalbahn weiter. Auf das Städtchen Rain am Lech werfe ich einen Blick wehmütiger Erinnerung, denn vor noch nicht zwei Monaten habe ich hier die feierliche Enthüllung der Tilly-Büste mitgemacht11 und die Volksversammlung präsidiert. Anlaß zu einem Rückblick auf die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges – und jetzt stecken wir vielleicht in einer noch schlimmeren Katastrophe!

In Ingolstadt suchen wir den dortigen Festungsdelegierten, Freund Hans Georg Gumppenberg auf. Er weiht uns in die verworrenen Zustände ein, die hier herrschen. Ingolstadt sollte ein auf fünfhundert Lagerstellen vorgesehenes Militärlazarett haben, aber auch dieses war noch nicht fertiggestellt. Da werden von der Linienkommandatur auf einmal dreitausend Verwundete hierher geleitet. Bei unserer Ankunft sind es sogar schon fünftausend, Deutsche und Franzosen in größtem Durcheinander, kaum notverbunden, zusammengepfropft in Güterwägen, ohne Stroh, ohne Pflege! Die Unglücklichen haben Entsetzliches ausstehen müssen. Es war nicht mit einem so enormen Andrang gerechnet worden, und die Verteilung hätte auf mehrere Orte erfolgen müssen. Die Militärärzte leisten das menschenmögliche, und das Rote Kreuz ist freiwillig eingesprungen, indem es dem Lazarett tausende von Betten und Decken überlassen hat. Mit dem Garnisonsarzt besprechen wir die dringendsten Bedürfnisse. Die Hauptansammlung von Verwundeten befindet sich in der noch in Bau begriffenen Zentralwerkstätte am Hauptbahnhof. Der Boden ist frisch zementiert und noch feucht – und da liegen hunderte und aberhunderte von Verwundeten in ihren blutigen und beschmut
zten Uniformen, ein unbeschreibliches Bild! Man hat eben angefangen, Franzosen und Deutsche zu trennen. Nur die Bevorzugten haben Matratzen, dabei sind die Nächte schon empfindlich kühl und die Riesenhalle nicht beheizbar. Ohne Unterlaß wird an zwei, drei Stellen operiert und amputiert. Hier werde ich erst so ganz inne, was für Qualen Tausende zu erdulden haben. Und doch hört man selten einen Schrei, nur ein unterdrücktes Stöhnen und Ächzen.

Daß die Franzosen in der Festung untergebracht worden sind, leuchtet ein. Aber daß auch unsere Leute unter diesen ganz unzulänglichen Verhältnissen leiden müssen, wo ringsum die schönsten Vereinslazarette leer stehen, das übersteigt meinen Verstand!12

Am nächsten Morgen geht es wieder nach Augsburg und von da nach Lager Lechfeld. Streng genommen haben wir hier nichts zu suchen, aber der dortige Kommandant hat wegen verschiedener sanitärer Maßnahmen um Rat gefragt. Und da sich das Gerücht einer Typhusepidemie verbreitet hat, ist Aufklärung erwünscht. Hier ist nämlich das erste große Konzentrationslager errichtet worden, in dem unverletzte Kriegsgefangene untergebracht werden. Daneben auch verdächtige Einwohner aus den besetzten feindlichen Gebieten, leider aber auch aus dem Reichsland Elsaß-Lothringen! Ein Offizier und ein Arzt führen uns durch das stundenweit sich erstreckende Lager. Die Franzosen machen einen guten Eindruck, sie salutieren stramm und sind fleißig bei der Arbeit. Ihre Antworten fallen klar und bescheiden aus. Mit dem Essen, das sie sich selbst kochen, sind sie zufrieden, nur unser Schwarzbrot will ihnen nicht recht passen. Sie haben alle noch die alte, farbenprächtige Friedensuniform, die an Bilder von 1870/71 erinnert. Im Gegensatz zu ihnen machen die Engländer verdrossene, hochmütige Gesichter und unterwerfen sich nur wide
rwillig der Lagerordnung.

In Memmingen lassen wir uns am nächsten Morgen vom Ortsdelegierten drei Lazarette zeigen. Nur eines ist belegt. Die Bürger sind direkt gekränkt über diese schwache Belegung. Doch ihre Wünsche werden bald überreichlich erfüllt werden… Mittags fahren wir mit einem Lokalbähnchen nach Ottobeuren. In blauer Herbstluft blinken die Alpen herüber, auf den Weiden tönen die Kuhglocken, das Land liegt sonnenverträumt im Frieden. Gerade hier hätte, nach den Karten, die wir von kriegsgefangenen Generalstabsoffizieren in die Hände bekommen haben, die Einmarschstraße einer...


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