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Machandel

Roman.
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Produktdetails

Titel: Machandel
Autor/en: Regina Scheer

EAN: 9783641143152
Format:  EPUB
Roman.
Albrecht Knaus Verlag

11. August 2014 - epub eBook - 496 Seiten

Regina Scheer spannt in ihrem beeindruckenden Roman den Bogen von den 30er Jahren über den Zweiten Weltkrieg bis zum Fall der Mauer und in die Gegenwart. Sie erzählt von den Anfängen der DDR, als die von Faschismus und Stalinismus geschwächten linken Kräfte hier das bessere Deutschland schaffen wollten, von Erstarrung und Enttäuschung, von dem hoffnungsvollen Aufbruch Ende der 80er Jahre und von zerplatzten Lebensträumen.


Regina Scheer, 1950 in Berlin geboren, studierte Theater- und Kulturwissenschaft an der Humboldt-Universität. Von 1972-1976 arbeitete sie bei der Wochenzeitschrift «Forum». Danach war sie freie Autorin von Reportagen, Essays und Liedtexten und Mitarbeiterin der Literaturzeitschrift «Temperamente». Nach 1990 wirkte sie an Ausstellungen, Filmen und Anthologien mit und veröffentlichte mehrere Bücher zur deutsch-jüdischen Geschichte. Für ihren ersten Roman «Machandel» erhielt sie 2014 den Mara-Cassens-Preis.

1

CLARA

Abschied

Heute Vormittag bin ich über die abgeernteten Felder zur Kirche von Klabow gelaufen, die Hotelbesitzer haben den alten Holzengel mit dem pausbäckigen Gesicht restaurieren lassen, und ich wollte ihn mir ansehen. Emma hat immer behauptet, so wie der Engel hätten ihre Kinder ausgesehen, als sie klein waren. Der abblätternde Goldanstrich ist entfernt worden, die Holzfigur hat ihre Bemalung mit Pflanzenfarben zurückbekommen. Die Wurmlöcher hat der Restaurator versiegelt, nun sieht der Engel aus, wie er vor zweihundert Jahren ausgesehen haben mag, dick und rotbäckig, vergnügt auf den ersten Blick, aber dann sieht man die aufgerissenen Augen, den wie zum Schrei geöffneten kleinen Mund und fragt sich: Was hat der Engel gesehen? Was ist ihm geschehen?

In der Kirche bin ich die Holztreppe mit dem brüchigen Geländer hochgestiegen, habe wie oft schon aus den winzigen Turmfenstern über das wellige Land geblickt. Die neuen Windräder an der Straße nach Güstrow verändern die Landschaft. Die waren noch nicht da, als wir hierherkamen, vor fünfundzwanzig Jahren.

Die Hügelgräber kann man von dort oben nicht sehen, aber auch wenn man vor ihnen steht, erkennt man sie nur, wenn man weiß, dass sie zu dieser Landschaft gehören. Sonst sieht man nur Steinhaufen. Von oben ahnt man sie unter den baumbewachsenen Inseln inmitten der Felder und Weiden, aber manchmal verdecken die Büsche und Bäume auch nur eines der Wasserlöcher, die sie hier Augen nennen. Manche der Hügelgräber liegen versteckt in den Wäldern, die es vielleicht noch nicht gab, als vor mehr als tausend Jahren in dieser Gegend die Obodriten gesiedelt haben, Slawen, die die Göttermutter Baba verehrten. Zwischen den Hügeln liegen wie von Riesen hingeworfene einzelne Steine, Findlinge, man weiß ni
cht, liegen sie schon seit der Eiszeit so da, sind sie Reste von Obodritengräbern oder haben die Germanen sie an ihre Plätze gerollt. Oder der Landschaftsgärtner der Gutsfamilie.

Auf dem Rückweg ins Dorf ging ich ein Stück über die Weiden, an Findlingen vorbei, die mir vertraut geworden sind wie so viele Zeichen in dieser Landschaft. Von oben sahen sie nicht besonders groß aus, aber manche sind größer als ich. Zu Hause habe ich ein Foto, da trägt Michael unsere kleine Tochter Caroline auf der Schulter, und sie berührt den glatt polierten Stein, vor dem ich jetzt stand. Die Kinder nannten ihn Alter Mann. Caroline war zwei oder drei damals, heute ist sie Mitte zwanzig, so alt, wie ich damals war. Bevor ich zur Wegscheide nach Mamerow kam, sah ich noch mehr solcher glatten Steine, auch zerklüftete und aufgesprungene, aus denen etwas wie erstarrte Lava quillt. Wenn man näher an sie herantritt, löst das Steingrau sich auf in unzählige Farbschattierungen, man erkennt bunte Einsprengsel, manche Findlinge sind wie aus bunten Streifen zusammengesetzt, die wieder grau wirken, wenn man weitergeht.

In einem Bogen lief ich über die Weiden zurück zur Kastanienallee, noch immer habe ich mich nicht daran gewöhnt, dass der alte Kirchweg nun asphaltiert ist und dass schnelle Autos mich überholen. Zum Glück haben sie den Parkplatz des Hotels außerhalb des Dorfes angelegt, gleich neben dem Golfplatz, der früher Schmökenwiese genannt wurde.

Früher. Ich bin schon wie die alten Frauen, die in dem Dorf wohnten, als wir hierherkamen; sie lebten mit Menschen, die nicht mehr da waren, das längst Vergangene gehörte zu ihrer Gegenwart. So geht es mir auch, wenn ich an meinen Katen denke, ein schönes Haus mit einem Badezimmer und großen grünen Kachelöfen, die geölten Fenster aus Lärchenholz, das Fachw
erk innen und außen mit Lehm verputzt. Ich sehe noch immer das zugewachsene Haus, das mir vom ersten Moment an gefiel, in dem der Wind durch die Ritzen pfiff, dessen Fenster mit Brettern vernagelt waren. Für mich toben noch immer meine Töchter als kleine Mädchen durch den Garten, und wenn ich in der Abenddämmerung durchs Dorf gehe, sehe ich Natalja, die Russin, auf der Schlosstreppe stehen, die alte Auguste hinter den Fenstern des Inspektorhauses. Aber Auguste, außer ihrem Schwager Richard die Einzige von den Alten, die noch lebt, wohnt in Basedow in einem Pflegeheim, ich habe sie einmal besucht, aber sie erkannte mich nicht. Ihr Name ist schon auf dem Grabstein des alten Wilhelm eingraviert, nur das Sterbedatum fehlt noch.

Ich hätte statt zu den Findlingen auf den Waldfriedhof vor Klabow gehen können. Aber dort war ich oft, gleich im ersten Sommer habe ich das Grab meiner Großmutter gesucht, sie hat dort einen Stein, der war schon damals verwittert und von Efeu überwuchert. Immergrün wuchs lila blühend bis auf den Weg. Das Immergrün hatte Natalja gepflanzt, die pflegte auch die namenlosen Gräber an der Friedhofsmauer, die Russen und der erschlagene Pole sollen dort liegen. Und deutsche Flüchtlinge, die 1945 bald nach ihrer Ankunft im Schloss gestorben sind. Natalja hatte Feldsteine gesammelt und um die Gräber gelegt. Jetzt hat sie dicht daneben unter Sonnenblumen selbst ein Grab. Ihre Tochter Lena hat ihr einen schönen Granitstein setzen lassen, der seit Ewigkeiten im Düstersee im flachen Wasser lag. Natalja aus Smolensk liegt dort auf dem Waldfriedhof vor Klabow, als müsste das so sein, neben Wilhelm und Emma und all den anderen Nachbarn.

Und der alte Wilhelm liegt nur ein paar Meter entfernt von dem erschlagenen Polen, der ihn gehasst hat. Aber es gibt keinen mehr, der sich erinnern könnte, dass da ein Pole liegt und dass es der kleine Josef war. D
ie Namen der toten Russen kannte sowieso niemand, außer vielleicht Natalja, und das Grab wurde nicht einmal in den Friedhofsbüchern eingetragen, vor ein paar Jahren habe ich danach gesucht. Im Kirchenbuch gibt es eine Eintragung über drei unbekannte und zwei bekannte Kriegsopfer, Sowjetbürger, die im September 1949 auf den sowjetischen Ehrenfriedhof nach Lalenhagen überführt wurden. Aber der alte Pfarrer, der vor fünf Jahren zu Emmas Beerdigung aus Ratzeburg, wo er jetzt lebt, gekommen war, hatte mir beim Kaffeetrinken erzählt, er wisse, in Lalenhagen lägen nicht nur Soldaten der Roten Armee. Dort am Bahnhof wurden Deutsche begraben, Flüchtlinge, die im Barackenlager an Typhus starben, und Tote aus den überfüllten Zügen, die von Tieffliegern beschossen wurden. Auch Soldaten kamen in dieses Massengrab, russische und deutsche, man machte im Mai 1945 keinen Unterschied, es war plötzlich heiß geworden und die Toten mussten unter die Erde. Drei, vier Jahre nach Kriegsende sei dann der Befehl gekommen, die auf den Dörfern beigesetzten sowjetischen Soldaten und Ostarbeiter zu exhumieren und auf den zentralen Ehrenfriedhof nach Lalenhagen zu überführen. Man hat auch in Klabow die alten Gräber geöffnet, aber kein Friedhofsarbeiter war bereit, die Überreste anzurühren. Nur die beiden Russen, die im Mai 1945 im Buchenwald am Wieversbarg auf eine Tellermine getreten waren, hatten einen Sarg. Deren Namen kannte man noch. Der alte Pfarrer erzählte, er habe es damals auf sich genommen, für die anderen Toten mit Sand gefüllte Kisten nach Lalenhagen überführen zu lassen, wo ein Ehrenmal mit rotem Stern errichtet wurde, als lägen da nur Russen.

Sie sagen hier Russen zu allen sowjetischen Soldaten, obwohl, wie der Pfarrer sich erinnerte, bei den Einheiten, die 1945 in diese Gegend kamen, auch Georgier und Mongolen mit Schlitzaugen waren.
Vielleicht waren es auch keine Mongolen, sie nennen hier alle Asiaten Mongolen. Oder Fidschis.

Es hat lange gedauert, bis ich verstand, was sich hinter der Sprache der Leute hier verbarg. Ihr Plattdeutsch konnte ich verstehen, das hatte ich im Seminar gelernt. Aber ich brauchte lange, bis ich ihr Schweigen entschlüsseln konnte. Für manches hatten sie hier keine Worte und für anderes so viele verschiedene. Sogar der Machandelstrauch, nach dem das Dorf benannt ist, hatte viele Namen. Sie nannten ihn Wacholder oder Knirkbusch, Kranewitter oder Quickholder. Auch Reckholder oder Wachandel habe ich gehört, Weckhalter oder Kronabit, der alte Pfarrer nannte ihn Jochandel. Die Flüchtlinge, die 1945 aus dem Osten ins Dorf kamen, brachten ihre eigenen Worte mit für das, was sie hier vorfanden. Die Wolhynier haben den Machandel Räucherstrauch genannt, manchmal auch Feuerbaum. Der alte Wilhelm nannte ihn Kaddig.

Die heute hier wohnen, reden anders. Die Geschäftsführer des Hotels, zu dem das Gutshaus geworden ist, sprechen bemüht Hochdeutsch, aber man hört den schwäbischen Klang sogar, wenn sie mit den Hotelgästen Englisch reden. Und die Direktrice habe ich einmal das Wort Machandel mit Betonung auf der letzten Silbe sprechen hören, als wäre es eine französische Bezeichnung: Machandelle.

Mir ging so vieles durch den Kopf, als ich heute Vormittag aus der Klabower Kirche kam. Ich weiß nicht, wie lange ich auf dem flachen Findling am Waldrand saß, dem meine Töchter den Namen Junger Mann gegeben haben, im Unterschied zum großen Alten Mann. Wenn ich da sitze, vergesse ich die Zeit und höre nur die Rufe der Vögel und den Wind, und je länger ich ihnen zuhöre, umso deutlicher werden auch die Stimmen von Menschen, die hier gelebt haben.

Seit fünfundzwanzig Jahren gehört Machandel, dieses abgelegene Dorf a
uf dem Malchiner Lobus der Endmoräne, zu meinem Leben. Vorher war ich nie hier gewesen. Dabei sind meine Eltern sich hier begegnet, und mein Bruder Jan, das wusste ich immer, wurde im Schloss von Machandel geboren. Aber Jan ist vierzehn Jahre älter als ich, und bei meiner Geburt im Jahr 1960 wohnte meine Familie schon lange in Berlin. Unsere Großmutter, die in Machandel geblieben war, starb kurz danach, es gab keinen Grund mehr für einen von uns, in dieses Dorf zu fahren....


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