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Das Paradiesghetto

Roman.
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Produktdetails

Titel: Das Paradiesghetto
Autor/en: Eberhard Rathgeb

EAN: 9783446246881
Format:  EPUB
Roman.
Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG

28. Juli 2014 - epub eBook - 240 Seiten

Eliza ist allein. Ihre Töchter haben keine Zeit für sie, nur der Hund leistet ihr Gesellschaft. Sie ist alt, das Leben ist vorbei, doch die Unruhe, die Fragen bleiben. Als Kind war sie glücklich. Mit ihren Eltern ging sie vor dem 2. Weltkrieg nach Argentinien. Sie liebte ihren Vater, aber sie wusste wenig über ihn. Mit ihrem Mann kehrte sie schließlich nach Deutschland zurück. Jetzt schaut sie sich nachts Filme über den Eichmann-Prozess an, die Beschäftigung mit der Judenvernichtung ist ihre Obsession. Sind Lüge und Unwissenheit die Schwestern des Glücks? Diese Frage steht am Ende dieses melancholischen, mit unaufgeregter Selbstverständlichkeit erzählten Romans. Ein großes Buch über das Alter.
Eberhard Rathgeb, 1959 in Buenos Aires geboren, lebt in Norddeutschland auf dem Land. Für seinen ersten Roman Kein Paar wie wir (Hanser, 2013) wurde er mit dem Aspekte-Literaturpreis ausgezeichnet. Zuletzt erschienen die Romane Das Paradiesghetto (2014) und Cooper (2016).

2


Sie saß im Sessel, die Beine ausgestreckt auf dem niedrigen Tisch vor sich, und schaute in die Leere zwischen den Dingen, die sie überleben würden. Ihr blieb nicht mehr viel Zeit. Sie war alt, ohne Hoffnungen, ohne Illusionen und Wünsche. Eine des Lebens müde Witwe, die Tag für Tag weitermachte, obwohl sie nicht weitermachen wollte.

Der Rollladen der Balkontür war heruntergelassen. Seitdem sie allein lebte, hatte sie Angst vor Einbrechern.

Sollen sie kommen, wenn ich weg bin, oder wenn ich tot bin, dachte sie. Aber nicht, wenn ich im Bett liege und schlafe.

Sie sah sich um.

Bei mir gibt es nicht viel zu holen. Bücher. Aber die werden sie nicht interessieren. Einen Fernseher, einen Computer.

Sie konnte sich nicht vorstellen, dass jemand wegen solcher Lappalien bei ihr einbrechen würde.

Es wäre lächerlich, dachte sie.

Die Einbrecher verschwanden aus ihrem Kopf in die Dunkelheit der Nacht.

Sie hörte den letzten Bus am Haus vorbeifahren. Wer jetzt noch von hier wegwollte, musste eigene Mittel und Wege finden.

Ich komme nur mit einem Notarztwagen weg, dachte sie und stellte sich vor, wie sie auf einer Bahre aus dem Haus getragen und in ein Auto geschoben wurde.

Passen Sie doch auf, herrschte sie die Sanitäter an. Ich falle sonst noch herunter.

Kaum waren sie losgefahren, rief sie: Rasen Sie nicht so. Wollen Sie mich umbringen? Ich lasse mich in ein Krankenhaus bringen, in der Hoffnung, dass ich noch zu retten bin, und dann komme ich auf dem Weg dorthin um.

Oder ich sterbe im Krankenhaus, dachte sie. Wie schnell infiziert man sich dort mit einer Krankheit. Man sollte besser zu Hause bleiben.

Sie hatte ihre Aufenthalte in Krankenhäusern immer gut überstanden und hatte keinen Grund, sich über Ärzte und Krankenschwestern zu beschweren oder sich vor ihnen zu ängstige
n.

Im Wohnzimmer brannte nur eine Lampe. Sie versuchte Strom zu sparen.

Ich brauche keine Festbeleuchtung, sagte sie.

Verließ sie ein Zimmer, machte sie das Licht hinter sich aus.

Ich muss das Geld nicht zum Fenster hinauswerfen.

Die Möbel und die Teppiche waren alt und abgenutzt.

Kauf dir neue, baten die Töchter.

Ich bin alt, erklärte sie. Was soll ich mit neuen Möbeln und neuen Teppichen anfangen. Davon werde ich nicht jünger.

Wir alle werden älter, sagten die Töchter, die sich dagegen wehrten, älter zu werden.

Ich brauche nichts mehr, dachte sie. Meine Zeit ist um. Nur der Hund hält mich noch am Leben.

Was würde der Hund ohne mich machen, sagte sie.

Der Hund braucht dich, bestätigten die Töchter.

Sonst braucht mich keiner mehr, dachte sie. Hätte ich keinen Hund, könnte ich gehen. Er zwingt mich, weiterzumachen, mich zu bewegen. Ohne ihn würde ich das Haus nur selten verlassen.

Morgens, mittags und abends stellt er sich vor mich und bettelt, dass ich mit ihm eine Runde drehe, sagte sie.

Auf diese Weise kommst du aus dem Haus, sagten die Töchter, die mit Grauen daran dachten, was passieren würde, wenn ihre Mutter sich nicht mehr auf den Beinen halten könnte. Du musst dich bewegen.

Neue Möbel, dachte sie. Der Fernseher funktioniert und der Computer funktioniert auch. Ich brauche keine neue Waschmaschine, keine neue Spülmaschine, keine neue Kaffeemaschine. Ich komme mit dem aus, was ich habe.

Wer früh gelernt hat, Ansprüche zu stellen, sagte sie, der stellt auch Ansprüche im Alter.

Warum bescheiden sein, wandten die Töchter ein, so leise, dass ihre Mutter sie nicht verstehen konnte.

Die Alten können kaum laufen, dachte sie, und kaufen sich ein neues Auto. Sie können nicht essen, ohne zu sabbern, und kaufen sic
h eine neue Spülmaschine. Sie können nicht sitzen, ohne einzuschlafen, und kaufen sich neue Sessel. Sie rennen zum Arzt und kaufen sich neue Kleider. Ihre Tage sind gezählt, und sie gehen auf Reisen. Sie klagen, dass sie nicht gut schlafen können, und sind damit beschäftigt, sich ihre letzten Wünsche zu erfüllen. Sie sind taub und blind und möchten das Leben genießen.

Der Hund ist alt, er hört schlecht, sagte sie, und den Töchtern schien, als wollte sie damit sagen, dass sie sich nicht nur mit durchgesessenen Sesseln zufriedengab, sondern auch mit einem alten und fast tauben Hund.

Eilfertig riefen die Töchter den Hund herbei, und der Hund kam zu ihnen.

Er hört gut, sagten sie zufrieden und warfen ihm einen dankbaren Blick zu.

Er wird nicht mehr lange leben, erwiderte sie.

Da konnte keiner ihr etwas vormachen, sie war alt, sie roch den Tod.

Er kann glücklich sein, wenn er vor mir stirbt, dachte sie und sah den Hund einsam vor ihrem Grab sitzen. Dann sprang er auf und begann mit den Pfoten die Erde wegzukratzen.

Er wird mich ausbuddeln, dachte sie. Es kümmert sich doch sonst keiner um ihn.

Wer bleibt gern allein zurück, sagte sie. Ich weiß, was es bedeutet, allein zu sein. Mir kann keine Witwe etwas vormachen.

Du hast doch uns, warfen die Töchter ein. Wir besuchen dich, wir fragen dich, wie es dir geht, wir rufen dich an.

Es gibt keine lustigen alten Witwen, dachte sie.

Ohne den Hund wäre ich ganz allein, sagte sie. Ein Glück, dass ich den Hund habe. Was würde ich ohne ihn machen.

Ein Glück, dass du den Hund hast, bestätigten die Töchter erleichtert. Was würdest du ohne ihn machen.

Sie ergriffen die günstige Gelegenheit, Abschied zu nehmen, und standen auf.

Bis zum nächsten Mal, sagten sie und sahen ihre Mutter und dann den Hund an.


Wenn sie den Hund nicht hätte, dachten sie und verschwanden.

Sie schaute auf die Armbanduhr. Es war Zeit für sie, ins Bett zu gehen. Das Schlafzimmer lag im ersten Stock. Sie musste eine Treppe hochsteigen.

Das schaffe ich noch, sagte sie stolz.

Sie mochte nicht daran denken, was mit ihr geschehen würde, wenn sie nicht mehr die Treppe hochkommen könnte.

Du musst es schaffen, sagte sie. Dir bleibt nichts anderes übrig. Du kannst nicht im Sessel sitzen bleiben und auf den Tod warten.

Sie wusste nicht, wo sie am liebsten sterben wollte. Sie dachte nicht gern an die Stunde des Todes, und wenn sie daran dachte, zuckte sie mit den Schultern.

Mag er kommen, wann und wo er möchte, dachte sie. Wenn er nur schnell kommt und mich erwischt, solange ich auf meinen Beinen stehen kann.

Müde beugte sie sich nach vorn, den Kopf zwischen die Schultern gezogen, als horchte sie in sich hinein, auf ihre letzten Herzschläge, und verharrte in dieser gekrümmten Haltung der Demut.

Nur nicht schnell bewegen, dachte sie und wartete auf den passenden Moment, sich aus dem Sessel zu stemmen.

Nur nichts überstürzen. Mir wird sonst schwindelig, und ich kippe um.

Sie rieb sich die Oberarme und die Schenkel.

Die Arme sind noch dran, die Beine sind noch dran. Jetzt werde ich versuchen aufzustehen.

Sie drückte sich hoch und stand dann auf den Füßen, unsicher, als könnte sie sofort wieder in den Sessel zurücksinken.

Fall bloß nicht um, sagte sie und beugte sich etwas nach vorn. Halte dich gerade.

Sie würde sich verletzen, wenn sie zu Boden stürzte, sie würde mit dem Kopf gegen das niedrige Bücherregal schlagen, das neben ihr stand. Vergeblich suchte sie nach einem Halt.

Setz dich wieder hin, ermahnte sie sich.

Nichts wäre einfacher gewesen als das. Sie hätte sich nur in den
Sessel fallen lassen müssen. Aber sie gab nicht auf.

Bleib stehen!, rief sie sich zu.

Ich kann nicht im Sessel schlafen, dachte sie. Ich muss ins Bett gehen.

Sie hielt den Kopf schräg und lauschte in sich hinein.

Das Herz funktioniert noch, stellte sie fest.

Das Herz war müde, es gab sich Mühe. Sie sprach ihm und sich Mut zu. Die Knie zitterten, als wären sie noch nicht davon überzeugt, dass sie durchhalten würden. Sie wankte.

Sie bestand nur noch aus Haut und Knochen, sie aß zu wenig. Aber der Körper hielt durch, er war zäh und daran gewohnt, von ihr nicht beachtet zu werden. Er hatte sich gegen ihre Ignoranz am Leben erhalten.

Du darfst nicht sofort nachgeben, sagte sie, als spräche sie zu einem faulen, unwilligen Kind. Du musst durchhalten.

Sie richtete sich auf, straffte den schmerzenden Rücken, mobilisierte alle Kräfte, ein verwundeter Soldat im Feld, der sich nicht geschlagen geben mochte. Die Entscheidung war gefallen. Sie würde sich nicht in den Sessel zurücksinken lassen, sondern ins Bett gehen.

Vergiss nicht, das Licht auszumachen, ermahnte sie sich.

Wie oft war sie die Treppe wieder nach unten und ins Wohnzimmer gegangen, nur um nachzusehen, ob sie das Licht ausgemacht hatte.

Pass auf, wohin du trittst, sagte sie.

Es waren immer die gleichen Sätze, an denen sie sich durch den Alltag bewegte, die ihr Orientierung, Sicherheit und Zuversicht versprachen.

Mich findet hier so schnell keiner, wenn ich umfalle.

Sie stellte sich vor, wie sie auf dem Boden lag, sie konnte sich nicht rühren und hatte Schmerzen. Das Telefon stand weit weg, unerreichbar für sie. Der Hund lief zu ihr und schnüffelte an ihr herum.

Wer sollte mich finden, wenn ich hier liege und mich nicht bewegen kann. Ich kenne niemanden.

Langsam und mit großer Mühe, auf jeder dritten S
tufe eine Pause...


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