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Atacama

Die Reise des Lenny Sterne.
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Produktdetails

Titel: Atacama
Autor/en: Thomas Vogel

EAN: 9783863512286
Format:  EPUB
Die Reise des Lenny Sterne.
Familiy Sharing: Ja
Kloepfer und Meyer

25. August 2014 - epub eBook - 190 Seiten

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Lenny Sterne, gefeierter Klarinettist und Entertainer aus New York, steht im Zenit seiner Karriere, als alles, was ihm lieb, wert und wichtig ist, nach und nach verloren geht.
Thomas Vogel, 1947 in Sindelfingen geboren, studierte Romanistik, Kunstgeschichte und Theologie zuerst am Evangelischen Stift in Tübingen, dann in Heidelberg, Promotion in französischer Literaturwissenschaft übers Chanson der Gegenwart.

Seit 2003 Honorarprofessor am Seminar für Allgemeine Rhetorik der Universität Tübingen. Thomas Vogel arbeitete als Kulturredakteur beim SWR, zuerst in Baden-Baden, dann in Tübingen, wo er die Kulturredaktion leitete und stellvertretender Studioleiter war.

Autor und Herausgeber zahlreicher Bücher, Essays, Hörspiele, Reportagen und Anthologien.

Elaine’s


Lenny Sterne begann zu erzählen. Erzählte der Reihe nach. Von jenem Dienstag also. Es war im Grunde ein Dienstag wie fast jeder Dienstag, sagen wir mal: wie eben all die Dienstage, an denen Lenny Sterne sich mit seinen Jazzkollegen in Bruno’s Bar zum Spielen trifft, Sylvester Brotman, Kontrabass, Sammy T. Dupont am Schlagzeug, Tricky Fred Legof am Saxofon, Leroy Paine, Akkordeon beziehungsweise am Piano. Also, im Grunde, nichts wirklich Außergewöhnliches. Außer vielleicht, dass es schon wieder ein Dienstag ohne Sarah war, seit Wochen schon ohne Sarah, die einfach gegangen war, ausgezogen war, mit ein paar lapidaren Abschiedssätzen, die sie auf den Notizblock in der Küche notiert hatte. Das Einzige, was Lenny Sterne in einem Telefonat mit Sarahs Freundin Jessy nach langem Betteln hatte in Erfahrung bringen können, war, sie wolle in Ruhe gelassen werden. Okay, sie hat Reißaus genommen und vor ihrem Hypochonder und Egomanen das Weite gesucht. Und es war eben ausgerechnet ein Dienstag, an dem sie sich aus dem Staub gemacht hatte, weil sie ganz genau wusste, dass ihr Mann sich dann im Club mit seinen Musikern traf. In der Regel trifft man sich zweimal im Monat zur Jamsession. Und geht anschließend dann noch etwas essen. Da aber an jenem Abend, aus welchen Gründen auch immer, keiner darauf erpicht schien, war es Lenny Sterne auch recht. Ihm stand der Kopf weder nach tiefschürfender Konversation noch nach belanglosem Smalltalk. Also ging er alleine. Denn erstens hatte er den ganzen Tag nichts Nennenswertes zwischen die Zähne bekommen, und zweitens, was sollte er zu Hause, wo ihn eh keiner erwartet. Er hatte sich also ganz auf einen ruhigen Restabend eingestellt. Und ging wie üblich ins Elaine’s, 2nd Avenue, seit Jahren schon sein Stammlokal. Ein Restaurant, Zwischending aus Nobel und Understatement.
Das Lokal ist nicht übermäßig groß, wirkt aber durch die dezente Beleuchtung mittels dezentral angeordneter Milchglaskugelleuchten fast intim. Die Möblierung könnte man am ehesten als einen Bastardstil französischer Provenienz bezeichnen, mit weinroter Samtpolsterung auf den Stühlen und halbrunden Bänken. Insgesamt gibt sich die Atmosphäre betont leise, was durch den hochflorigen, dunkel gemusterten Teppichboden unterstrichen wird.

Lenny Sterne saß mutterseelenallein wie gewöhnlich an einem Tisch im hinteren Teil des Restaurants. Er starrte auf das Glas Wein, das ihm der Kellner bereits unaufgefordert serviert hatte.

Lenny Sterne trug wie fast immer, wenn man sich zum eher privaten Musikmachen traf, seine zweifarbigen, auffällig großen Lieblingsschuhe in Brauntönen, dazu eine weite, beigefarbene Hose mit Bundfalten. Über dem rot-grün-gelb karierten Hemd im Fisherman-style trug er das superleichte, senffarbene Jackett in grobem Fischgrät und Knitwear-Qualität, mit breitem Revers, das Sarah ihm bei Ralph Lauren hatte maßschneidern lassen.

Lenny Sterne wirkte an diesem Abend irgendwie ganz besonders hilflos, ein Ritter der traurigen Gestalt, verwundbar, schmächtig, ein Mann von Geschmack und doch irgendwie auch wieder haarscharf daneben. Sein putzwolliges Haar war zerzaust, und durch das altmodische Brillengestell schauten große, traurige Augen verloren ins Nichts. Er wirkte fahrig und so, als fühlte er sich beobachtet, fast gar peinlich berührt. Im Grunde fühlte er sich so, wie in letzter Zeit immer häufiger. Erst nachdem er einen Teller Nudeln gegessen und dazu ein zweites Glas Chardonnay getrunken hatte, wurde er ruhiger, packte seine Klarinette, die feinsäuberlich zerlegt im Instrumentenkoffer lag, noch einmal aus, um die Funktion einer der Klappen zu überpr&uum
l;fen. Dieses Instrument war sein Leben, war ihm heilig. So absolut heilig, sagen wir einmal, wie ihm David, sein Sohn, Deborah, seine Tochter, und Sarah, seine Frau, seit gut zwanzig Jahren heilig sind. Ein magisches Instrument, wie er nachdrücklich und mit Bescheidenheit immer dann betont, wenn man sein Klarinettenspiel lobt. Schließlich stammt es aus der Werkstatt seines Onkels, einem Klarinettenbauer, mit dem er mütterlicherseits verwandt war. Dessen Vater, Großvater, Onkel und wer weiß, wer sonst noch alles aus der weitschweifig zahlreichen Familie, sie alle waren um die Jahrhundertwende aus Galizien ausgewandert und standen dann eines Tages, irgendwann vor gut hundert Jahren, im Hafen von New York, ohne recht zu wissen, was sie hier eigentlich verloren hatten. Allesamt waren sie Musiker, zuständig für alle Lebenslagen, für den Feiertag ebenso wie für Hochzeiten und Beerdigungen. Und die dann also, nicht faul, ihre Instrumente ausgepackt und zu spielen angefangen hatten, im Hafen, auf der Straße und in billigen Kneipen, und die so bald schon mit kleinen Engagements sich und ihre Familien einigermaßen über Wasser halten konnten. Einer der Söhne war nun wiederum auf die glänzende Idee gekommen, den Instrumentenbau zu erlernen, und die Alten gaben ihren Segen und legten ihr Wissen und ihren Zauber ins Gewerbe. Anders konnte Lenny Sterne es sich nicht erklären, ein Vermögen hatte man ihm schon für dieses Instrument geboten, völlig indiskutable, ja geradezu unsittliche Angebote, die er, klug genug, stets abgelehnt hat, um letztlich selber seinen Profit daraus zu ziehen.

Liebevoll hielt er das Instrument in der Hand, wischte behutsam mit der frisch gestärkten Serviette Fingerspuren weg, betätigte die eine oder andere Klappe, um sie auf ihre uneingeschränkte Funktionstüchtigkeit hin zu überprüfen, als plötzlich ein Fremd
er das Restaurant betritt, ohne Zögern an der Garderobe vorbeizieht und so, als sei er hier zu Hause, geradewegs auf den hinteren Teil des Lokals zusteuert, bis zu dem Tisch, an dem Lenny Sterne bereits saß. Der Fremde hatte jenes präzis undefinierbare Alter älterer Herren, deren charmante Erscheinung sie gut und gern zehn Jahre jünger macht. Soweit das Haar erkennbar war, kräuselte es sich im Nacken. Denn auf dem Kopf saß ein um eine halbe Nummer zu kleiner Hut, in denkbar dunkelstem Blau gehalten, mit einem metallic-grauen Hutband und etwas zu schmal geratener Krempe, die auch über der Stirn leicht nach oben gewölbt bleibt. Den Mantel, den der Fremde nicht ablegen wollte, könnte man als einen Verwandten des Trenchcoat bezeichnen, aus dunklem Gabardine, etwas aus der Mode gekommen, ein Modell, das aber von gewissen Kreisen zwischen Brooklyn und Manhattan immer noch geschätzt wird. Im Gesicht trug er einen Zwei-Tage-Bart, in Silber-Anthrazit-Melange. Auf der markanten Nase saß unkompliziert ein metallenes Brillengestell mit kreisrunden Gläsern. Unter dem offenen Mantel trug er ein weißes Hemd und eine Krawatte, für die der Tag auch schon sichtlich lang war. Alles in allem der unverwüstliche Prototyp eines Übriggebliebenen des späten Abends, schoss es Lenny Sterne durch den Kopf – was sonst? – eine seltsame Mischung aus Penner, Prediger und Businessman, und der also zielstrebig auf den Tisch zugekommen war, an dem Lenny Sterne saß.

»Shalom Mister Sterne und einen schönen guten Abend«, sagte der Übriggebliebene, »Sie …, Sie gestatten doch«, und setzte sich ohne ernsthaft eine Antwort zu erwarten Lenny Sterne gegenüber, der nichts mehr hasste, als belästigt zu werden, und dessen verdutzter Gesichtsausdruck unmissverständlich zu erkennen gab, dass er auf Überfälle dieser Art
nicht optimal vorbereitet war, dann aber trotzdem mit leichter Verspätung ein angesäuertes »Hi!« über die Lippen brachte. Seine Augen suchten nach dem Kellner, der aber weit und breit nirgends zu sehen war.

»War doch nicht etwa reserviert?« meinte der Fremde mit charmantem Lächeln und der unrasierten Stimme eines Robert de Niro.

»Neinnein, nicht dass ich wüsste«, sagte Lenny Sterne gut erzogen beziehungsweise hilflos, was sich gelegentlich gleich bleibt, und räusperte sich verlegen.

»Schön doch, dass man immer wieder mal an den Alten noch denkt, und ihm ein Gedeck hinstellt«, murmelte der Übriggebliebene, wobei sein freundlicher Blick auf Lenny Sterne ruhte.

Dieser hatte keine Ahnung, was der späte Gast damit sagen wollte, nickte etwas verwirrt und dachte: wenn ich Filmproduzent wär, würde ich den schon seiner unglaublichen Stimme wegen vom Fleck weg engagieren. Etwas durchaus Zutrauen Erweckendes lag in dieser Stimme, und Lenny Sterne spürte eine unwiderstehliche Aura, die es ihm schwer machte, unbeeindruckt zu erscheinen. Er bot ihm in seiner Verlegenheit ein Glas Wein an, was der Fremde bereitwillig akzeptierte, und schon war man miteinander ins Gespräch gekommen.

»Ich bin vernarrt in Euer Klarinettenspiel!« sagte der Übriggebliebene plötzlich.

Um Gottes Willen, dachte Lenny Sterne, erst kommt das Kompliment, und gleich im Anschluss wird er dir dann seine ganze Lebensgeschichte auftischen, die ganze Misere einer Existenz, die nichts Gescheiteres zu tun weiß, als spät abends in Bars herumzuhängen und sich ein Opfer auszugucken, bei dem man sich noch auskotzen kann, bis sich dessen Mitleid rührt und er zum Schluss noch Seelendoktor oder Arbeitsamt oder beides zusammen spielen darf.

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p>»Aber«, fuhr...


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