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Der Gedanke an das Glück und an das Ende

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Produktdetails

Titel: Der Gedanke an das Glück und an das Ende
Autor/en: Jean-Luc Seigle

EAN: 9783406667565
Format:  EPUB
Übersetzt von Andrea Spingler
Beck C. H.

15. Juli 2014 - epub eBook - 224 Seiten

Der 9. Juli 1961 ist ein einschneidender Tag für die französische Familie Chassaing, für Albert, seine Frau Suzanne und ihren jüngeren Sohn Gilles; der ältere, Henri, ist als Soldat im Algerienkrieg. An diesem Tag wird den Chassaings der erste Fernseher in das Dorf geliefert, weil eine Sendung über den Krieg, in der Henri auftritt, ausgestrahlt wird. Alle werden kommen. Auch erfährt man auf eine geradezu zarte Weise durch Albert, dass Suzanne, die alles Neue liebt, an diesem Tag anfängt, einen anderen Mann zu begehren. Albert weiß, er wird nichts dagegen tun können, er wird mit ihr nicht den Weg in die Zukunft gehen können, weil der Zweite Weltkrieg ihn verändert hat.
Jean-Luc Seigle, 1959 in Clermont-Ferrand geboren, ist Schriftsteller und Drehbuchautor. Er lebt in Nordfrankreich am Meer. Romane, Drehbücher und Theaterstücke gehören zu seinem Werk. Der Gedanke an das Glück und an das Ende ist sein erstes Buch auf Deutsch. In Frankreich wurde es mehr als 80000mal verkauft.

Tagesanbruch


Die Hitze war bereits mörderisch. Nackt, mit weit offenen Augen auf sein Bett hingestreckt, drückte Albert Chassaing den Knopf des Ventilators aus blauem Kunststoff, der auf dem Nachttisch stand. Ein frischer Luftzug war zu spüren. Der Schweiß auf seinem Gesicht, seinem Oberkörper und seinen Schenkeln kühlte ab. Er konnte endlich atmen. Albert arbeitete bei Michelin in der schwarzen Hölle der Gummiherstellung für die Reifen. Der Gummibrei aus dem Kautschuk der Heveabäume des verlorenen Indochina stank und erstickte sie einen nach dem andern. Die vom Ventilator aufgerührte Luft brachte Erleichterung, aber das Gefühl auf seiner Haut rief ihm schließlich seinen Körper in Erinnerung. Das war unerträglich. Diesen Körper, von dem Suzanne schon lange nichts mehr wissen wollte. Jedenfalls kriegte er nicht mal mehr einen hoch. Wenn er Schluss machte, wäre er von alldem befreit. Albert dachte nicht an Sterben, er hatte bloß den Wunsch, Schluss zu machen. Sterben wäre nur das Mittel zum Zweck.

Es war nicht das erste Mal, dass er mit dieser Idee im Kopf aufwachte. Gab es an diesem Morgen mehr Gründe, es zu tun, als an anderen Tagen oder nur etwas, was ihn mehr beruhigte, dass die Idee so ganz von ihm Besitz ergreifen konnte? Wann hatte es angefangen? Hatte es in seinem Leben eine Zeit gegeben, da der Gedanke nicht in ihm war? Vielleicht nach dem Tod seines Vaters, als er plötzlich mit seiner Mutter und seiner kleinen Schwester allein dastand. Das war so weit weg. Fünfzehn war er damals. Im Jahr 1923. Und jetzt hatten wir 1961. Freuden kannte Albert noch, kleine unscheinbare Glücksmomente, flüchtige, nicht mitteilbare Eindrücke. Der Tau, der den Geruch der Erde verströmt. Er liebte nichts mehr als diesen urzeitlichen Geruch, wenn er nach einer Nacht in der Reifenhölle sehr früh morgens aus der
Fabrik kam. Der Gesang der Vögel im Kirschbaum, die nach dem Winter wieder auflebten, oder der Wind, der das Weizenfeld in eine gelbe trockene Dünung verwandeln konnte. Er liebte all diese kleinen Freuden und andere mehr, die Suzanne nicht liebte, schwarze Fingernägel zu haben, wie ein Ochse zu schwitzen und den Dunst der Kühe und des Kuhmists zu riechen. Es war das erste Mal, dass er gleichzeitig ans Glück und an die Idee, Schluss zu machen, dachte. Vielleicht weil dieser Wunsch nach einem Ende schon sehr lange in ihm schlummerte wie eine Kugel, die in seinem Körper steckengeblieben war, ohne ihn zu töten. Er hatte einen gekannt, Armand Delpastre, der lange mit einer deutschen Kugel im Gehirn lebte und der immerzu sagte: «Das Metall, das kennt mich!», und dann in ein großes Gelächter ausbrach, sodass man all seine Goldzähne sah. Ein ulkiger Kerl, dieser Delpastre. Alles ging gut bis zu dem Tag, in Friedenszeiten, als die Kugel ihre Flugbahn vollendete; ein einziger Millimeter hatte genügt, um ihn im Schlaf zu töten. Bei Albert war die imaginäre Kugel direkt neben dem Herzen steckengeblieben.

Das Hochzeitsfoto, das gegenüber dem Bett an der Wand hing, half ihm, sich zu konzentrieren. In ihrem weißen Kleid, das säulenartig an ihr herabfiel, und mit dem Strauß aus weißen Gladiolen und Asparagus, den sie wie ein Kind im Arm hielt, sah Suzanne aus wie eine Marienstatue. Zweiundzwanzig Jahre später lag sie immer noch neben ihm und schlief tief, vielleicht träumte sie sogar. Der Morgen dämmerte kaum. Es roch noch nach Nacht. Er dachte an seine alte Mutter im Zimmer nebenan, die wieder eine schlaflose Nacht verbracht hatte. Er dachte an Gilles, der bestimmt über einem Buch eingeschlafen war, satt vom Lesen, wie ein Säugling an der Brust seiner Mutter. An seinen älteren Sohn in Algerien dachte er nicht.

Albert gehörte zu
den Arbeitern, die noch auf den Dörfern in der Umgebung von Clermont lebten, zu denen, die jeden Abend oder jeden Morgen den Bus nahmen, um zu Michelin zu fahren, alle ursprünglich Bauern, die aber keine andere Wahl gehabt hatten, als ihr Land im Stich zu lassen und in der Fabrik ein bisschen besser zu verdienen, um den Lebensunterhalt für sich und ihre Familie zu bestreiten. Das Land hatte ihre Vorfahren jahrhundertelang ernährt, sie aber ernährte es nicht mehr. Das war rätselhaft. Er blieb trotz allem ein Bauer und hatte immer Wert darauf gelegt, diesen Unterschied zu zeigen. Deswegen teilte er in der Pause gern sein Essen mit den Kollegen, vor allem Wurst und Schinken, die er selbst gemacht hatte. Sein Schinken war in der ganzen Fabrik berühmt, und das Lob, das er jedes Mal dafür bekam, war so viel wert wie alle Komplimente seines Vorarbeiters über sein Tempo. Nach den acht Stunden Fabrik gab es keine größere Befriedigung für Albert, als wieder Bauer zu werden, und das sogar dann, wenn die Landarbeit seine Schlafstunden beschnitt. Im Winter, wenn Kälte und schlechtes Wetter ihn hinderten, draußen zu sein, reparierte er Uhren in einer kleinen Werkstatt, die er sich in seiner Garage, einem von ihm selbst seitlich ans Haus angebauten Schuppen, eingerichtet hatte. Seine Leidenschaft für die Uhrmacherei beruhte auf einem Phänomen, das ihn schon immer faszinierte, nämlich, dass eine stehengebliebene oder gar kaputte Uhr doch wenigstens zweimal am Tag die richtige Zeit anzeigte. Seiner Ansicht nach konnte einzig das Uhrmacherhandwerk ein solches Wunder vollbringen; jeder andere Mechanismus dagegen war, einmal beschädigt, zu nichts mehr zu gebrauchen.

Er dachte, ein Mann müsse alles können: reparieren, bauen, sein Kartoffelfeld bestellen, sich um den Garten kümmern, in dem er neben dem Gemüse gelbe Dahlien und rote Gladiolen zog, damit seine Frau Str&au
ml;uße pflücken konnte; Tiere halten für den Verzehr, vor allem ein Schwein, auch wenn er dieses Jahr keins gemästet hatte, denn es waren noch zwei ganze Schinken da, die im Speicher vor sich hin trockneten, seitdem seine Frau den gekochten Schinken vorzog, den sie in der Metzgerei von Saint-Sauveur kaufte. Das war nicht schlimm, diese Sache mit dem gekochten Schinken, doch für Albert war es das erste Zeichen von Suzannes Widerstand gegen sein stets erklärtes Prinzip: Nahrungsmittel kauft man nicht.

Und auch wenn der holzbefeuerte Herd in die hinterste Ecke der Garage verbannt worden war und nur noch zum Einkochen diente, schlug Albert noch mehrere Ster Holz im Jahr. Man weiß nie! Es brauchte nur ein neuer Krieg auszubrechen zwischen Russen und Amerikanern, wie er es immer befürchtete, und sie würden alle dumm schauen! De Gaulle verachtete er zwar weit mehr wegen dieser dämlichen Idee der Flurbereinigung als für seinen Starrsinn in Algerien, doch in den jungen Kennedy und den alten Chruschtschow hatte er erst recht kein Vertrauen. Sollte das Schlimmste eintreten, wollte er bereit sein, ihm zu trotzen. Vor zweiundzwanzig Jahren hatte er den Deutschen getrotzt, schlimmer konnte es nicht werden. Aber diesmal würde er nur auf sich selbst vertrauen.

Er hatte nie von seinen Kriegsjahren gesprochen, auch nicht von der militärischen Niederlage Frankreichs und noch weniger von seinen viereinhalb Jahren Gefangenschaft in Deutschland. Im Übrigen hatte ihn niemand gefragt, nicht einmal seine Frau. Fünf Jahre verloren im Nebel des Krieges und in der deutschen Heide! Und keinen juckte es. Schlimmer! Man machte sich heute noch lustig über die französische Armee und ihre Maginotlinie. Er war an das Hohngelächter gewöhnt, nur dass es mit der Zeit immer schärfer geworden war, wie Glassplitter, die ihm ins Herz schnitten. Als er aus der Gefangenschaft zurückkehrte,
brauchte er nicht lange, um zu kapieren, dass während seiner Abwesenheit nicht nur die Welt zerstört worden war; auch zu Hause in Assys war nichts mehr so, wie er es Ende 1939 verlassen hatte, und zwar nicht bloß aus den offensichtlichen Gründen, die mit der Geschichte zusammenhingen, sondern weil Suzanne ihren ersten Sohn geboren hatte. Henri war fast fünf, als er ihn zum ersten Mal auf den Arm nehmen konnte; seine Vaterfreude währte genauso lange, bis er seinen Sohn von der Erde hochhob und der Junge anfing zu schreien. Er fand nie wieder Zugang zu diesem Erstgeborenen. Und ohne seine Mutter hätte er bei seiner Rückkehr auch niemals seine Stellung im Haus zurückerobern können. Da war er sich ganz sicher. Zu der Zeit war Madeleine Chassaing noch bei Kräften und herrschte über die Familie; heute war sie nur noch ein dürrer Schatten ihrer selbst und konnte nichts mehr allein tun, nicht einmal sich waschen. Sie wurde wieder zum Kind, und in diesem Abgrund, in den ihr Wesen glitt, verschwand nach und nach ihr ganzes Leben, bis auch die Erinnerung an die Kinder erlosch, die sie geboren hatte. Jeden Tag musste Albert feststellen, wie sehr seine Mutter ihn vergaß, doch seltsam, in Anbetracht des mütterlichen Gedächtnisschwunds gab ihm der Wunsch, aus dem Leben zu scheiden, mehr als alles andere das Gefühl, noch lebendig zu sein.

Unmöglich, noch länger liegenzubleiben. Er schaltete den Ventilator aus und erhob sich behutsam, um ja keinen Lärm zu machen. Suzanne nicht zu wecken. Sie hatte sich im Schlaf aufgedeckt und war wie verknotet in ihr weißes Nachthemd, das auf ihre Schwimmerinnenschenkel hochgerutscht war. Sein Blick verweilte auf dem Hemd, er hätte nicht sagen können, ob es aus Seide, Crêpe de Chine, Georgette oder Satin war, bloße Wörter, die er gehört hatte. Er wusste nur eins, es...


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