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Das wilde Buch

Originaltitel: El libro salvaje. Empfohlen ab 12 Jahre.
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Produktdetails

Titel: Das wilde Buch
Autor/en: Juan Villoro

EAN: 9783446247093
Format:  EPUB
Originaltitel: El libro salvaje.
Empfohlen ab 12 Jahre.
Übersetzt von Juan Villoro, Birgitt Kollmann
Hanser, Carl Gmbh + Co.

29. September 2014 - epub eBook - 240 Seiten

Mit Büchern kann der 13-jährige Juan wenig anfangen, bis er die Sommerferien bei seinem buchvernarrten Onkel Tito verbringt. Der lebt in einer gigantischen Bibliothek und er hat gleich einen Auftrag für Juan: Er soll das wilde Buch finden, ein rebellisches Buch, das sich dem Gelesenwerden widersetzt und lange von niemandem gefunden werden konnte. Juan lässt sich auf das Abenteuer ein. Zwischen sonderbaren Buchtypen entdeckt er die tollsten Geschichten - nur das wilde Buch nicht. Erst als er seine erste Liebe, die Apothekerstochter, von der Magie der Bücher überzeugt und eine Verbindung zum echten Leben herstellt, offenbart es sich ... Ein fantasievolles Jugendbuch über die Liebe zum Lesen.
Juan Villoro, 1956 in Mexico-Stadt geboren, ist Soziologe, Journalist, Literaturprofessor und einer der bekanntesten mexikanischen Autoren. Er hat Romane, Erzählungen und Essays, sowie Kinderbücher veröffentlicht, die vielfach ausgezeichnet und in viele Sprache übersetzt wurden. Von 1981 bis 1984 war Villoro Kulturattaché an der mexikanischen Botschaft in der DDR. Er arbeitet auch als Übersetzer deutscher und englischer Texte. Bei Hanser erschien 2014 sein Jugendbuch Das wilde Buch sowie Gibt es Leben auf der Erde? (2015, Hanser Box). 2016 erschien bei Hanser sein Roman Das dritte Leben.

DIE TRENNUNG


Alles begann mit dem Duft von Kartoffelbrei. Immer wenn meine Mutter schlecht gelaunt war oder einen Grund zur Klage hatte, gab es bei uns Kartoffelbrei. Dann zerstampfte sie die Kartoffeln besonders heftig; wie eine Furie ging sie auf sie los. Dabei entspannte sie sich. Ich habe Kartoffelbrei immer gern gegessen, auch wenn er bei mir zu Hause normalerweise einen Beigeschmack von Problemen hatte.

Als ich an jenem Nachmittag nach Hause kam und mir der Geruch von Kartoffelbrei in die Nase stieg, ging ich gleich in die Küche, um nachzusehen, was los war. Meine Mutter bemerkte mich nicht. Sie weinte stumm.

Ich hätte alles getan, damit sie wieder die lächelnde Frau würde, die ich über alles liebte, aber ich hatte keine Ahnung, womit ich sie wieder froh machen könnte.

Von dem Tag an hörte ich sie nachts schluchzen. Damals fing das auch an, dass ich zu ungewöhnlichen Stunden aufwachte. Bis dahin hatte ich immer wie ein Stein geschlafen, doch als ich dreizehn wurde, ging es irgendwann mit diesem immer wiederkehrenden Albtraum los, meinem »scharlachroten Traum«. Er begann jedes Mal in einem langen, dunklen, modrig riechenden Gang. Am Ende des Gangs flackerte eine Flamme. Ich ging näher, und langsam verstand ich, dass ich wohl in einem Schloss war. Meine Schritte hallten im Dunkeln wider, daran merkte ich, dass ich Eisenstiefel trug. Ich war ein Soldat in einer Rüstung und sollte am Ende dieses Gangs jemanden retten, jemanden, der weinte. Anscheinend eine Frau; ihre Stimme klang angenehm, wenn auch sehr traurig. Ich ging auf dieses Weinen zu, doch ich brauchte ungeheuer lange, um voranzukommen. Mit jedem Schritt schien der Gang länger zu werden. Endlich gelangte ich in einen Raum mit roten Wänden. Scharlachrot, escarlata auf Spanisch, war zu jener Zeit meine Lieblingsfarbe. Allein schon der Klang des Wortes gefiel mir: Escarlat
a!
Irgendwo hier musste die weinende Frau sein, das wusste ich, obwohl ich sie nie zu Gesicht bekam. Bevor ich mich auf die Suche nach ihr machte, trat ich wie hypnotisiert von diesem dunklen Rot auf eine der Wände zu. Erst als ich dicht davor stand, erkannte ich, dass diese Wände von niemandem rot gestrichen worden waren – sie waren durch und durch flüssig. Ich berührte die Fläche mit den Händen, und zwischen meinen Fingern quoll Blut hindurch.

An dieser Stelle wachte ich immer auf, voller Todesangst.

Dann machte ich Licht, betrachtete die Weltkarte auf meinem Schreibtisch und das letzte Kuscheltier, das nur noch gelegentlich in meinem Bett schlafen durfte. Hätte damals jemand gewagt, mich noch als Kind zu bezeichnen, wäre ich wütend geworden. Mit dreizehn fühlte ich mich schon als junger Mann. Und mein Stoffkaninchen hatte ich nur noch, weil ich an ihm hing, doch ich konnte genauso gut ohne es schlafen und mich allein verteidigen. Nicht einmal in den Nächten des scharlachroten Traums nahm ich es mit ins Bett. Es sah mich dann aus seiner Ecke an, mit diesen Augen, von denen das eine etwas tiefer saß als das andere. Es dauerte jedes Mal lange, bis ich wieder einschlafen konnte, doch nie bat ich mein Kaninchen um Hilfe.

In den Albtraumnächten hatte ich immer großen Durst. Wenn dann das Wasser, das meine Mutter mir jeden Abend auf den Nachttisch stellte, schon leer getrunken war, traute ich mich nicht, in die Küche zu gehen, um etwas zu trinken – gerade so, als wäre sie der Ort aus meinem »scharlachroten Traum«.

Um mich abzulenken, betrachtete ich in solchen Nächten meine Weltkarte. Mein Lieblingsland war Australien, das in der Farbe einer Kaugummiblase eingezeichnet war. In Australien lebten auch meine Lieblingstiere: der Koala, das Känguru und das Schnabeltier.

Was mir an den Koalas am besten gefiel, war ihre Art,
sich an den Ästen festzuhalten. Und so als wäre ich selbst ein Koala im Baum, umschlang ich nach den Albträumen mein Kissen ganz fest. So schlief ich dann irgendwann ein. Das Licht ließ ich brennen.

Dass mir so schreckliche Dinge in den Kopf kamen, hing vielleicht auch damit zusammen, dass ich im Wachstumsalter war. Meine Freunde in der Schule liebten Geschichten von Geistern und Vampiren – ich nicht. Mir reichte mein schrecklicher Traum.

Eines Nachts wachte ich noch erschrockener auf als sonst. Ich machte Licht und untersuchte voller Angst meine Hände, ob sie tatsächlich voller Blut waren. Doch außer den Tintenflecken, die ich aus der Schule mitgebracht hatte, war da nichts. Ich schaute zu meiner Weltkarte hinüber, doch noch bevor ich anfangen konnte, an ferne Länder zu denken, hörte ich ein Schluchzen. Es kam vom Flur her und hörte sich unverwechselbar nach der Stimme meiner Mutter an.

Dieses Mal wagte ich es aufzustehen. Dieses Schluchzen war wichtiger als mein Albtraum und meine Angst. Barfuß ging ich zum Schlafzimmer meiner Eltern.

Mein Vater und meine Mutter schliefen in getrennten Betten. Die Vorhänge vor dem Fenster waren geöffnet, und Mondlicht fiel auf das Bett meines Vaters, das näher am Fenster stand. In meinem Leben habe ich seither viele Betten gesehen, aber kein Anblick hat mich mehr verstört als jener: Das Bett meines Vaters war leer.

Mama weinte. Die Augen hielt sie geschlossen, und so merkte sie gar nicht, dass ich im Zimmer war. Ich ging zum Bett meines Vaters, schlug es auf und legte mich hinein. Es roch wundervoll nach Leder und Rasierwasser. Ich atmete tief ein, und im nächsten Moment schlief ich auch schon. Nie mehr habe ich besser geschlafen als in jener Nacht.

Am nächsten Morgen war meine Mutter gar nicht erfreut, als sie mich im Bett meines Vaters entdeckte. Ich erzählte ihr, ich sei wohl ein Sch
lafwandler und dort gelandet, ohne es selbst zu wissen.

»Das fehlt mir gerade noch!«, rief meine Mutter. »Ein Sohn, der schlafwandelt!«

Auf dem Schulweg machte meine Schwester Carmen sich darüber lustig, dass ich im Schlaf durch die Gegend lief. Doch dann fragte sie mich, ob ich ihr das Schlafwandeln nicht auch beibringen könne. Carmen war zehn und glaubte mir noch jedes Wort. Ich erklärte ihr, dass ich zu einem Club gehöre, dessen Mitglieder zu nächtlichen Treffen zusammenkämen. Dabei gingen sie durch die Straßen der Stadt und schliefen doch immer weiter.

»Wie heißt denn euer Club?«, wollte Carmen wissen.

»Der Schattenclub«, antwortete ich. Es war das Erste, was mir einfiel.

»Kann ich da auch mitmachen?«

»Das ist nicht so einfach«, antwortete ich. »Vorher muss man mehrere Proben bestehen.«

Carmen bat mich, sie einmal nachts zu wecken, um sie in meinen Club mitzunehmen. Ich versprach es, tat es aber natürlich nie.

Meine Mutter machte sich Sorgen, ich könne tatsächlich schlafwandeln, und rief ihre Freundin Ruth an. Die hatte während des Zweiten Weltkrieges in Deutschland gelebt und haarsträubendere Dinge erlebt als ein schlafwandelndes Kind. Wenn meine Mutter mit Ruth telefonierte, hörte sie von ihr Geschichten, die so viel schlimmer waren als unsere, dass sie davon gleich wieder ruhiger wurde.

Als ich an jenem denkwürdigen Tag aus der Schule kam, telefonierte Mama mit Ruth, und trotzdem kam aus der Küche der Geruch von Kartoffelbrei. Dieses Mal schienen die schrecklichen Geschichten ihrer Freundin sie nicht beruhigen zu können.

Ich brachte meinen Rucksack in mein Zimmer, ging zur Toilette und wusch mir die Hände (die verflixten Tintenflecke waren immer noch da!). Anschließend ging ich in die Küche, von wo mir dies
er Duft in die Nase stieg, der so verlockend war und doch immer Probleme ankündigte.

Ich blieb in der Tür stehen und sah, dass meine Mutter leise weinte. Ich stellte ihr die Frage, die ich in der Schule tausendmal geübt hatte:

»Wo ist Papa?«

Durch ihre Tränen hindurch sah sie mich an. Sie lächelte wehmütig, als schaute sie in eine schöne, aber zerstörte Landschaft.

»Wir müssen reden«, sagte sie, doch dabei beließ sie es. Sie stampfte nur weiter die Kartoffeln, zündete sich eine Zigarette an, rauchte hastig und ließ Asche ins Püree fallen.

Steif wie eine Statue blieb ich geduldig stehen, bis sie schließlich sagte: »Dein Vater wird eine Weile nicht zu Hause wohnen. Er hat sich ein Studio gemietet. Er hat im Moment sehr viel Arbeit, und wir machen ihm zu viel Krach. Wenn er mit der Arbeit fertig ist, fliegt er nach Paris, wo er eine Brücke baut.«

Aus irgendeinem Grund kam mir der Gedanke, dass mein Vater wohl nie mehr zurückkehren würde in das Bett, das ich im Mondlicht gesehen hatte.

Meine Mutter kniete sich vor mich und umarmte mich. Noch nie hatte sie mich so auf Knien umarmt.

»Du musst keine Angst haben, Juanito«, sagte sie.

Immer wenn sie mich Juanito nannte, passierte etwas Schreckliches. Es war kein Kosename, sondern ein Krisenname. So etwas wie der Kartoffelbrei unter den Namen.

»Mach dir keine Sorgen«, antwortete ich ihr. »Du hast ja mich.«

Etwas Schlimmeres hätte ich nicht sagen können. Sie weinte heftiger als je zuvor und umarmte mich ganz fest, so lange, bis der Kartoffelbrei anbrannte.

Weil meine Schwester nach der Schule noch zur Klavierstunde musste, kam sie erst später nach Hause, als wir schon Pizza aßen. Carmen war bester Laune an diesem Nachmittag, weil sie so viel Pizza essen durfte
, wie sie wollte. Mama hatte nämlich keinen Appetit.

»Ich muss euch etwas sagen«, begann Mama. Sie redete, als würde sie auf jedem Wort herumkauen. »Papa ist auf Reisen gegangen.«

Carmen fand das toll. Vermutlich dachte sie an das neue Stofftier, das Papa ihr bestimmt mitbringen würde.

Es machte mich traurig, dass meine...


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