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Alpengold - Folge 177

Geliebt - und doch betrogen. Empfohlen von 16 bis 99 Jahr…
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Produktdetails

Titel: Alpengold - Folge 177
Autor/en: Sissi Merz

EAN: 9783732502424
Format:  EPUB
Geliebt - und doch betrogen.
Empfohlen von 16 bis 99 Jahren.
1. Aufl. 2014.
Lübbe

14. Oktober 2014 - epub eBook - 64 Seiten

Solange Gerti denken kann, neidet ihre Schwester Susanne ihr auch das allerkleinste Glück. Alles, was Gerti besitzt, das will Susanne haben - vor allem die Burschen, in die Gerti sich verliebt! Und mit List und Tücke gelingt es Susanne, sie in ihr Netz zu locken. Doch als Gerti ausgerechnet am Tag ihrer Verlobung ihren Liebsten in Susannes Armen findet, ist es schlimmer, viel, viel schlimmer! Dieser Verrat soll dem hübschen Madel das Herz brechen ...

Grüß dich, Gerti! Bist heut besonders früh aus den Federn gehüpft, oder warst du gar net erst schlafen? Lukas Fink, der fesche Großknecht vom Seitz-Hof, musterte die Hoftochter anerkennend.

Fleißig war sie, die Gerti, und ein Pfundskerl noch dazu. Im Grunde das einzige Madel, das ihm, dem unverbesserlichen Schürzenjäger, den Schneid abgekauft hatte.

Nachdem die blonde Gerti mit den himmelblauen Augen energisch die Grenzen zwischen ihnen abgesteckt hatte, waren sie gute Freunde geworden. Auch etwas ganz Neues für Lukas, denn dass er mit einem hübschen Dirndl nur befreundet war, das hatte es bislang noch nie gegeben. Aber Gerti war eben etwas Besonderes.

Ich hab bei der Milli gewacht. Du schuldest mir übrigens einen Zehner; das Kalb ist nämlich in der Nacht noch gekommen. Sie gähnte verhalten und schenkte dem hochgewachsenen, feschen Burschen ein freundschaftliches Lächeln. Auf meinen Instinkt kann ich mich allerweil noch verlassen.

Respekt! Lukas beglich seine Wettschulden prompt und meinte dann fürsorglich: Jetzt gehst aber besser ins Bett, damit du noch ein bisserl Schlaf abkriegst. Sonst kippst du uns noch um.

Davon wollte die gelernte Landwirtin aber nichts wissen.

Ich wasch mich rasch und geh dann in die Ernte. Du weißt doch, es gibt Kräuter, die muss man direkt nach Sonnenaufgang schneiden, dann haben sie das beste Aroma.

Lukas lachte auf, doch seine Stimme klang beeindruckt, als er zugab: Deinen Elan sollte ein jeder hier auf dem Hof haben, dann wäre manches anders  Dass sein Blick bei diesen Worten zur Schlafkammer von Gertis jüngerer Schwester Susanne hinaufwanderte und sich beim Anblick des geschlossenen Ladens verfinsterte, war kein Zufall.

Gerti hob nur lächelnd die Schultern und verschwand im Haus.

Der Großknecht aber dachte einmal mehr über die Ungerechtigkeiten im Leben nach, während er die ersten Arbeiten des Tages im Stall erledigte.

Seit drei Jahren war Lukas n
un auf dem traditionsreichen Erbhof im Berchtesgadener Land angestellt. Er hatte sich gleich in die herrliche Landschaft rund um Taufenstein verliebt und ein wenig auch in Susanne Seitz, wie das seiner Veranlagung entsprach.

Lukas war ein fleißiger Angestellter, zuverlässig und ehrlich. Doch was die Liebe anging, da konnte er einfach keiner treu sein. Die bildhübsche Susanne mit dem goldblonden Haar, dem herzförmigen Gesicht und den warmen, rehbraunen Augen hatte ihm vom ersten Moment an ausnehmend gut gefallen. Gerti war ebenfalls hübsch, verblasste aber neben ihrer Schwester.

Es hatte jedoch nicht lange gedauert, bis Lukas klar geworden war, dass dies nur Äußerlichkeiten waren. Und wenn ein Madel seine ehrliche Zuneigung verdiente, dann die grundgute Gerti, nicht Susanne. Denn die Schwestern waren wie Feuer und Wasser.

Gerti kam ganz nach dem Vater. Martin Seitz war eine Seele von einem Menschen, mit dem man kaum je Streit bekam. Er war in Taufenstein so etwas wie ein Ökopionier, denn er hatte seinen Hof schon vor Jahrzehnten auf biologischen Landbau umgestellt.

Seinerzeit belächelt, hatte er mittlerweile mit hochwertigen Produkten ein gutes Auskommen und war für viele in der Region sogar zum Vorbild geworden. Aber nicht nur für andere Landwirte hatte der Bauer Vorbildfunktion, sondern auch für seine Tochter Gerti. Schon als kleines Madel hatte sie sich für alles interessiert, was auf dem Hof vor sich ging. Und dieses Interesse hatte bis zum heutigen Tag vorgehalten.

In der Zwischenzeit hatte Gerti die Landwirtschaftsschule in Berchtesgaden mit Erfolg absolviert und sich auf den Anbau von biologisch-dynamischen Kräutern spezialisiert. Sie verkaufte diese sogar in einem kleinen Hofladen, den sie sich neben der Remise eingerichtet hatte.

Dass Gerti sich mit Kräutern auskannte, bedeutete aber nicht, dass sich ihre Hofarbeit darauf beschränkte. Wie ihre Nachtwache bei der Milchkuh Milli bewies, packte sie überall mit an, wo es
nötig wurde. Der Bauer war stolz auf seine tüchtige Tochter und machte sich um die Nachfolge auf dem Seitz-Hof keine Sorgen.

Susanne hingegen tat daheim keinen Schlag. Als Kind war sie kränklich gewesen, hatte lange an Keuchhusten gelitten und auch alle anderen Kinderkrankheiten durchgemacht. Als der Doktor eine Lebensmittelallergie bei ihr festgestellt hatte, war es für die Bäuerin beschlossene Sache gewesen, Susanne nun vollends in Watte zu packen, ihr jeden Wunsch von den Augen abzulesen und sie nach Strich und Faden zu verwöhnen.

Martin Seitz war von jeher dagegen gewesen, denn schon früh hatte Susanne egozentrische Züge gezeigt. Sie war ein quengeliges, intrigantes Kind gewesen, das seine Ziele stets erreichte, weil es schon mit fünf Jahren wusste, welche Knöpfe es bei der Mutter drücken musste. Hatte Martin versucht, seiner Frau Veronika die Augen über ihre Jüngere zu öffnen, hatte er auf Granit gebissen.

Ein paar Mal haben wir unser Engerl fast verloren, erinnerte sie ihn dann vorwurfsvoll. Da wird es doch wohl erlaubt sein, die Kleine ein bisserl zu umsorgen!

Der Bauer hatte es schließlich aufgegeben, auch wenn er zusehen musste, wie aus seiner Jüngeren ein verzogenes Biest wurde. Eines aber ging ihm nach wie vor gegen den Strich und sorgte dafür, dass er sich trotzdem beizeiten mit seiner besseren Hälfte anlegte, das war Susannes Verhalten Gerti gegenüber. Dachte Martin nun daran, schwoll auch ihm die Zornesader.

Schon als die Schwestern noch Kinder gewesen waren, hatte Susanne alles mit großer Selbstverständlichkeit für sich beansprucht. Ob das ein Spielzeug gewesen war, die Aufmerksamkeit der Mutter oder ein neues Gewand. Alles war für Susanne da gewesen. Gerti kam stets, wenn überhaupt, an zweiter Stelle. Das gutmütige Madel hatte sich das Verhalten der Schwester meist gefallen lassen. Begehrte Gerti einmal auf, hatte es sofort Streit gegeben. Und wer dafür die Schuld bekam, war klar gewesen.

Daran hatte sich bi
s zum heutigen Tag nichts geändert. Nur dass es nun nicht mehr um Kleinigkeiten ging. So wie Susanne der Schwester früher jedes Eis und jedes Puppenkleid aus der Hand genommen und selbst behalten hatte, so betrachtete sie es nun als selbstverständlich, von den Burschen in Taufenstein umschwärmt zu werden. Und zwar von allen, ohne Ausnahme.

Worüber Veronika großzügig hinwegsah und was sie im Grund noch stolz machte, das gab Martin Anlass zur Sorge. Denn immer wenn ein Bursch sich für Gerti interessierte, dann drängte die jüngere Schwester sich sofort dazwischen. Sie gefiel sich in ihrer Rolle als beste Partie im Tal, auch wenn sie es mit keinem wirklich ernst meinte.

Das hatte bei Gerti schon oft für Kummer gesorgt. Lukas hatte schnell eingesehen, dass man von Susanne besser die Finger ließ. Freilich hatte die Hoftochter sich über sein distanziertes Verhalten geärgert und tat dies noch. Zuerst war Lukas schließlich an ihr interessiert gewesen, was Susanne für ganz selbstverständlich hielt. Dass er sich dann aber mit Gerti angefreundet hatte, hatte sie sehr geärgert. Einzig die Tatsache, dass der Großknecht offensichtlich ein Hallodri war und Gerti doch nicht treu bleiben würde, hatte die eingebildete Hoftochter über diese Enttäuschung ein wenig hinweggetröstet.

Doch dann war es anders gekommen. Zwischen Gerti und Lukas hatte sich keine Romanze entsponnen. Die kluge Jungbäuerin mochte den Großknecht, aber sie hatte ihm von Anfang an klar gemacht, dass sie nie mehr als Freunde sein konnten. Denn einen untreuen Verehrer, den wollte Gerti nicht. Das war für sie das Schlimmste überhaupt, weil Ehrlichkeit und Treue dem Madel über alles gingen.

Für Lukas war das neu und gewöhnungsbedürftig. Während er nun den Melkcomputer überprüfte, lächelte er ein wenig vor sich hin. Gerti hatte Einfluss auf ihn genommen wie kein anderes Madel vorher. Sie hatte ihm gezeigt, wie schön es sein konnte, einfach nur befreundet zu sein, sonst nichts. Schön und dauerh
aft.

Umso härter traf es Lukas jedes Mal, wenn er spürte, dass Gerti ein Kummer quälte, der auf Susannes Mist gewachsen war. Schon oft hatte der Bursch daran gedacht, der hochnäsigen Hoftochter einmal offen die Meinung zu sagen. Doch er ahnte, dass er damit nichts erreichen konnte, im Gegenteil.

Susanne würde vermutlich dafür sorgen, dass er flog. In ihrer Scheinwelt drehte sich schließlich alles nur um sie selbst. Kritik betrachtete sie als Majestätsbeleidigung. Lukas seufzte. Dabei hatte dieses schöne Madel bestimmt keinen wirklich schlechten Charakter. Er war überzeugt, dass sich hinter der kühlen, arroganten Fassade ein Mensch versteckte, der Gerti nicht mal so unähnlich war.

Hätte Susanne ein Mal im Leben mit der Wirklichkeit Bekanntschaft gemacht, wäre diese Seite ihres Charakters vielleicht sogar zum Vorschein gekommen. Es mochte dafür noch nicht zu spät sein. Doch die Bäuerin sorgte dafür, dass dies niemals geschehen konnte. Wie vor zwanzig Jahren stand sie auch heutzutage noch zwischen dem wirklichen Leben und ihrer jüngeren Tochter. Dass sie Susanne damit weiß Gott keinen Gefallen tat, ahnte sie dabei nicht einmal.

Lukas komm, es gibt Frühstück! Das war Gerti, die ihm von der Stalltüre her zuwinkte und dann mit einem gut gefüllten Korb voller Kräuter zum Haus strebte.

Der Großknecht seufzte. Wenn Susanne sich nur ein kleines Scheibchen vom Wesen der Schwester hätte abschneiden können, dann wäre aus dem verwöhnten Biest womöglich ein nettes Madel geworden. Ja, wenn 

***

Als Gerti mit ihrem Korb die Diele betrat, kam Susanne gerade die Stiege...


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