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Schriften / Daseinsanalyse. »Existence and Therapy«

Wissenschaft vom Menschen.
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Produktdetails

Titel: Schriften / Daseinsanalyse. »Existence and Therapy«
Autor/en: Ulrich Sonnemann

EAN: 9783866743564
Format:  EPUB ohne DRM
Wissenschaft vom Menschen.
Klampen, Dietrich zu

4. März 2011 - epub eBook - 658 Seiten

Phänomenologische Psychologie und Daseinsanalyse | Der Spezialist als ein psychologisches Problem | Die Menschenwissenschaften und die Spontaneität | Das Leib-Seele-Problem im Lichte phänomenologischer Anthropologie | Die Daseinsanalyse in der Psychotherapie | Unterwegs zu sich selbst | Der Spezialist als moralisches Problem.
geboren 1912 in Berlin, studierte Philosophie, Sozialwissenschaften und Psychologie und promovierte 1934 in Basel. Er emigrierte in die Vereinigten Staaten, lehrte als Professor für Psychologie in New York. 1955 kehrte er nach Deutschland zurück und lebte bis 1969 als freier Schriftsteller in München. In dieser Zeit schrieb er u. a. Das Land der unbegrenzten Zumutbarkeiten, das ein Jahr lang auf der Spiegel-Bestsellerliste stand, und sein philosophisches Hauptwerk, die Negative Anthropologie. Von 1969 bis 1974 war er Dozent an der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film, danach Professor für Sozialphilosophie an der Gesamthochschule Kassel. Er starb 1993.

II Das Gespenst des Nichtseins*
und das Janusgesicht der Reflexion


Kapitel 5

Ursprünge und Themen des Existentialismus  Die Verfassung des Menschen in unserer Zeit  Das Problem der Zeit  Einige Hauptmerkmale von Heideggers Fundamentalontologie  Angst und Sorge und ihre fundamentalontologischen Implikationen  Sein und das Nichts  Dasein als Sein zum Tode und als Entschlossenheit  Die Zweideutigkeiten des Selbsttranszendentseins  Freiheit und Determination  Das Irreführende der Kategorien  Sein und Haben  Der Wirbel der Selbstvergegenständlichung  Existenzen als Weltentwürfe  Der Ort des Therapeuten

Die Krise des Wissens als Folge der Expansion des Wissens in nur einer Dimension des kognitiven Ansatzes ist analysiert worden. In ihrer voraufgehenden Erscheinung, als Krise der Philosophie, ist sie rapide im Aufstieg begriffen seit Kants Zerschlagung der traditionellen Metaphysik, die nach Heideggers Analyse der modernen Wissenschaft voranging im verschwiegenen Nihilismus vergegenständlichender Weltrechenschaften. Während des ganzen neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhunderts sind die Feuer dieser Krise dann am Schwelen; vorm Aufflammen bewahrt sie der atemraubende Erfolg der Erforschung der physischen Natur, die den Menschen mit den Werkzeugen zu Ausbeutung und Manipulation des Seienden (extensio) als der Domäne seines Willens versorgt, die in diesem Stadium mißverstanden werden als Implikatoren auch einer Befriedigung des ursprünglichen Warum in ihm, des Strebens nach endgültigem Wissen, dessen unbeantwortbaren Teil man zunehmend auf fruchtlose Spekulation verweist; da die Ontologie, indem sie ihr eigenes fundamentales Interesse am m>Sein als Suche nach der Totalität des Seienden mißversteht  die Suche der Metaphysik , einzig spekulative Aufweisungen dessen hervorbringt, was aufzuweisen die Wissenschaft offenbar ohne Bemühung solcherart Müßiggängerei in der Lage ist, scheint dieses Verhalten fortschrittlichen Geistes sich in der Tat auf reichlich triftigen Grund stützen zu können. Anzeichen wachsenden Unbehagens des Menschen inmitten dessen, was mit seinem Selbstmißverständnis seines Sicherheitsstrebens korrespondiert: seiner wachsend utilitaristischen Zivilisation, sind im späteren neunzehnten Jahrhundert allmählich im Überfluß vorhanden. Bezeichnenderweise kennt dieses Jahrhundert, als erstes in der Geschichte des Westens, keine eigene Form, keinen Stil: statt dessen ergeht es sich in mehr oder weniger nachahmendem, mehr oder weniger einfühlendem Kultivieren vergangener Seinsweisen; in diesem Prozeß weitet Vergegenständlichung nach und nach ihren Anspruch auf die Axiome des Daseins, die Werte, aus; wie Heidegger zutreffend bemerkt1, wird erst im Verlauf des neunzehnten Jahrhunderts die Rede von den Werten geläufig, das heißt zu einer Zeit, da das, worüber man redet, unbestimmt zu werden begonnen hatte. Die Idee, daß die Vergegenständlichung der Daseinsfundamente nur eine Form ihres eigenen Verfalls ist, setzt eine Denkvorstellung voraus, derzufolge Denken manifestiert wird durch die bedachten Inhalte. Diese existentialistische Vorstellung kam dem ersten radikalen Erforscher des Historismus, Nietzsche, noch nicht in den Sinn. Statt dessen gründet Nietzsche seine Kritik an der Haltung des neunzehnten Jahrhunderts namentlich auf ihre evidenten Auswirkungen auf den Willen: die Richtungssicherheit des Willens, seine Spontaneität, die Unschuld des Lebens, all diese Kräfte, die sich im Menschen von selber verstehen nur, solange er sie fürderhin in Anspruch nimmt, werden als geschwächt gesehen durch den Historismus als die sterile und selbstlähmende Fo
rm, die der menschliche Geist, ist er einmal fehlgeleitet vom Objektivismus, unvermeidlich annehmen muß, da er in dem sich begegnet, was er selber einst geschaffen hat. Wenn es Nietzsches Analyse auch nicht gelingt, zum Kern der Angelegenheit vorzustoßen, macht sie doch ein wesentliches Konstellationsgesetz des Daseins dingfest und nimmt dabei im Umgang mit den Phänomenen auf der sozialhistorischen Ebene voraus, was individuell und klinisch in nicht geringerem Maße die krankhafte Selbst-Bewußtheit vieler unserer typischen Psychoneurotiker betrifft.

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