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Handstreich

Roman. 1. Auflage.
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Produktdetails

Titel: Handstreich
Autor/en: Bernhard Jaumann

EAN: 9783841208637
Format:  EPUB
Roman.
1. Auflage.
Aufbau Digital

24. November 2014 - epub eBook - 268 Seiten

Selbst in einer Metropole wie Mexiko-Stadt, wo 22 Millionen Menschen zu überleben versuchen, bekommt man Gänsehaut, wenn ein selbsternannter Rächer Kleinkriminelle auf der Straße hinrichtet oder eine verstümmelte Leiche auf dem Opferstein des Templo Mayor liegt. Und daß der Polizei die Stadt aus den Händen geglitten ist, weiß Kommissar García nicht erst, seit sein Vorgesetzter entführt wurde. Nur langsam tastet er sich an die Wahrheit heran. Im dritten Krimi seiner Serie um die fünf Sinne beschreibt Bernhard Jaumann Brutalität und Sinnlichkeit einer der größten Städte der Welt.
Bernhard Jaumann wurde 1957 in Augsburg geboren. Studium in München. Er war zehn Jahre Lehrer für Deutsch, Geschichte, Sozialkunde und Italienisch in Bad Aibling, unterbrochen von einjährigen Auslandsaufenthalten in Italien und Sydney/Australien. Seit 1997 lebt er in Mexiko-Stadt.Sein erster Kriminalroman, "Hörsturz", erschien 1998; zweiter und dritter Band seiner Krimireihe um die fünf Sinne erschienen 1999 ("Sehschlachten","Handstreich").Foto: © Isolde Ohlbaum

1


In den letzten drei Monaten, von September bis Dezember,

sind aufgrund der Unsicherheit im Distrito Federal achtzehn Prozent

der Hauptstädter Opfer eines Verbrechens geworden

TAGESZEITUNG REFORMA, 7. 12. 1998

Alles fließt, hatte irgendein alter Philosoph mal behauptet. Das war Quatsch. Alles stockte, stand still. Wenigstens galt das für den Verkehr, der sich in der Calle Donceles Richtung Osten staute. Und ähnlich sah es in Tacuba, 5 de Mayo oder in jeder anderen Calle des Centro Histórico von México-Stadt aus. Zu viele Autos, zu viele Menschen. Da floß nichts mehr. Zumindest nicht der Verkehr.

Dem Vengador war das egal. Er sah durch die schmierige Scheibe des Microbusses nach draußen. Rot und zum Greifen nah glühte der Grill eines Imbißstands durch die Nacht. Mit einer Machete säbelte eine dicke Frau Fleischstücke für Tacos al pastor ab. Ein Junge in schmutziger Schürze hackte daneben Kutteln. Am Seitentresen lehnte ein Kunde, beide Hände um eine dick gefüllte Tortilla gekrallt, aus der rote Soße tropfte. Rauch stieg von irgendwo unter dem Straßenmüll auf. Die Passanten schoben einander durch den Trampelpfad, den die am Gehwegrand ausgebreiteten Waren der ambulanten Händler frei ließen. Taschenlampenbatterien, Feuerzeuge, Kunstlederramsch, Stoffpuppen. Eigentlich hatte die neue Regierung des Distrito Federal versprochen, mit den illegalen Verkäufern aufzuräumen, die improvisierten Märkte im Zentrum so zu reduzieren, daß man sich wenigstens einigermaßen bewegen konnte. Damit der Verkehr floß. Damit alles seine Ordnung hatte.

Von hinten hupte es langgezogen. Krachend warf der Fahrer den ersten Gang ein und ließ den Microbus ein paar Meter weiterrumpeln. Dann war wieder Schluß. Stillstand, Leerlauf. Der Sitz unter dem Vengador zitterte im Gleichtakt mit dem Tuckern des Motors. Eine sanfte Massage für das Sitzfleisch. Das konnte er nach dem langen Tag gebrauchen.

Die junge Frau neben ihm rückte d
as Bündel auf ihrem Arm zurecht. Ein schlafendes Kind, dessen Kopf permanent von ihrer Schulter an den Oberarm des Vengadors rutschte, sich auch jetzt wieder an ihn zu schmiegen schien. Die sanfte Berührung ließ den Vengador unwillkürlich die Muskeln anspannen, doch dann sah er, daß das blasse Gesicht des Kleinen wie das eines Toten aussah. Zugekniffene Augen. Wie bei einem totgeborenen Kind, das rechtzeitig eingesehen hatte, daß es zuviel war für diese Welt, für diese Stadt. Für diese Mutter, deren Bauch sich schon über dem nächsten Balg wölbte.

Der Vengador entspannte sich. Durch den Stoff seiner Jacke drang die Körperwärme des kleinen Rotzlöffels. Er schien noch am Leben zu sein. Der Vengador rückte die Ledertasche auf seinen Knien zurecht und schob den kleinen Kopf zur Seite. Dorthin, wo er hingehörte. Der Kleine wachte nicht einmal auf. Er war es wohl gewohnt, herumgeschubst zu werden. War sicher auch besser, sich möglichst schnell daran zu gewöhnen.

Der Vengador lehnte den Kopf an die vibrierende Fensterscheibe und sah nach draußen. Passanten drängten sich an abblätterndem Putz vorbei durchs fleckige Grau, stiegen über Feuerzeuge, Kunstlederramsch, Stoffpuppen und geflochtene Körbe, die aus dem Boden wuchsen. An der Hausmauer kauerte eine bettelnde Indiomutter mit ihrem Säugling an der Brust und griff nach vorüberstreichenden Rocksäumen und Hosenbeinen.

Der Microbus stand wie festgemauert. Der Fahrer stützte sich mit dem Arm auf das Lenkrad. Wie zufällig kam der Ellbogen auf der Hupe zu liegen. In die Kreuzung zur República de Argentina schienen Autos, Busse und Fahrradrikschas gleichzeitig von allen Seiten und mit dem einzigen Ziel eingefahren zu sein, die über die Kreuzung springenden Fußgänger fertigzumachen. Die Ampel sprang auf Grün, alles stand verkeilt, nichts ging mehr.

Der Vengador zupfte am losen Ende des Informationszettels an der Scheibe des Busses. Er las:

Verehrte Benutzer der öffentlichen Verkehrsmittel!

Wie Sie sind wir an einem schnellen, sicheren und effizienten Service

et cetera, bla bla! Draußen hupte es von überallher. Die Ampel an der Venezuela zeigte Rot. Der Vengador drehte die Augen wieder nach oben und las:

  • Zahlen Sie den Fahrpreis mit abgezähltem Geld!
  • Geben Sie Ihr Ausstiegssignal rechtzeitig!
  • Steigen Sie hinten aus!
  • Verlangen Sie nicht, außerhalb der ausgewiesenen Haltestellen ein- oder auszusteigen!
  • Rauchen Sie nicht!
  • Steigen Sie nicht aus, solange der Wagen sich in Bewegung befindet!
  • Behandeln Sie den Wagen mit Sorgfalt! Beschädigen Sie ihn nicht!
  • Behandeln Sie den Fahrer mit Höflichkeit und Respekt!
  • Lächeln Sie Ihrem Mitpassagier zu! Seien Sie glücklich!

Der Fahrer des Microbusses hupte, aber wohl nur, um seinen Fahrgästen das Gefühl zu geben, um ihr Fortkommen besorgt zu sein. Er war in Ehren ergraut, regte sich nicht auf, nur weil alles stockte. Er wandte den Kopf nach rechts und drückte auf den Knopf neben dem Lenkrad. Zischend und klappernd sprang die Tür auf.

Steigen Sie nicht aus, solange der Wagen sich in Bewegung befindet!

Der Wagen befand sich nicht in Bewegung. Er stand im Stau. Es stieg auch niemand aus. Zwei junge Burschen stiegen zu. Der erste hatte verstrubbeltes Haar, trug ein falsches Tommy-Hilfiger-T-Shirt und eine schmutzig-braune Hose. Seine nackten Füße steckten in schief abgelatschten schwarzen Halbschuhen. Der zweite hatte eine Plastiktasche mit dem Stierkopflogo des Fußballvereins Toros Neza umhängen. Ein dünner Bart zierte seine Visage, aber sonst sah er aus wie einer der dreizehnjährigen Jungs, die in der Colonia Guerrero den geparkten Autos Rückspiegel und Scheibenwischer abmontieren. Der Vengador würde die beiden Juan und Rodolfo nennen. Er hatte die Anonymität satt. Juan und Rodolfo waren schließlich schöne Namen, so gu
t wie irgendwelche anderen. Der mit dem Bart sollte Rodolfo sein.

Der Kopf des kleinen Hosenscheißers auf dem Arm der Frau nebenan sank wieder zur Schulter des Vengadors herüber. Ein schnelles Achselzucken schleuderte ihn zurück. Der Kleine riß die Augen auf und begann zu heulen. Idiot!

Rodolfo stand neben dem Fahrer und wühlte in seiner Sporttasche.

Zahlen Sie den Fahrpreis mit abgezähltem Geld!

Irgend etwas blitzte in der Tasche auf, und während die Mutter neben dem Vengador ihren Schreihals hin- und herzuwiegen begann, ging vorne alles ganz schnell. Viel zu schnell, um in Ordnung zu sein, doch der Vengador sah jedes Detail wie in Zeitlupe, sah eine Faust sich um einen Machetengriff krallen, eine zweite, sah zwei Klingen aus der Tasche hervorzüngeln, zwei Macheten in der Luft tanzen, und schon griff Juan in den grauen Haarschopf des Fahrers, riß ihm den Kopf in den Nacken und setzte die Schneide an seine Kehle. Rodolfo reckte sich mit erhobenem Messer am Anfang des Gangs und brüllte:

Keiner rührt sich! Wer sich rührt, ist erledigt!

Die Passagiere fielen in ihren Sitzen zusammen, schienen sich durch das Blech der Seitenwände des Busses drücken zu wollen. Niemand schrie, nur das Kleinkind quengelte weiter, und der Fahrer gurgelte unter der Machete Juans Unverständliches hervor.

Behandeln Sie den Fahrer mit Höflichkeit und Respekt!

Der Vengador kannte die Hinweise schon auswendig.

Geldbörsen, Uhren, Schmuck! brüllte Rodolfo, während er hastig die Münzen aus dem Rahmen neben dem Schalthebel klaubte und sie rasch in die Tasche einsackte. Ein paar Pesos klimperten zu Boden.

Und zwar ein bißchen fix! zischte Juan. Die Klinge der Machete schabte an der Kehle des Fahrers auf und ab, als ob er rasiert werden sollte. Mit beiden Händen hielt er sich am Lenkrad fest. Von hinten hupte es wild.

Rodolfo fing auf der linken Seite an. In der ersten Reihe saß einer, der mit Zopf und Anzug auf
Karl Lagerfeld machte. Er hatte die Uhr schon abgestreift und ließ sie in die Sporttasche fallen.

Dein Geld! sagte Rodolfo.

Ich sagte der Fahrgast.

Die Machete stieß herunter, versank in seinem linken Oberarm und zuckte wieder zurück.

Das ist ein Überfall, ihr Scheißer! brüllte Rodolfo. Seine Stimme überschlug sich. Mit aufgerissenen Augen sah der Lagerfeldverschnitt auf das Rot, das aus dem Stoff seines Anzugs quoll.

Die Machete tätschelte seine Wange.

Muß ihn mein Kumpel wirklich umlegen? Vorn beugte sich Juan über den Fahrer und kitzelte ihn mit der Spitze der Machete im Nasenloch. Juan schüttelte den Kopf.

Wegen ein paar Pesos? Weil ein kleines Arschloch den Helden spielen will?

Der Fahrer antwortete nicht, sagte nichts, rührte sich nicht. Das kleine Arschloch in der ersten Reihe verzichtete auf den Heldentod für sich und andere, fingerte lieber mit der Rechten seine Brieftasche aus der Anzugjacke. Rodolfo riß sie ihm aus der Hand. Blut tropfte auf das Plastikpolster.

Behandeln Sie den Wagen mit Sorgfalt! Beschädigen Sie ihn nicht!

Der Vengador saß in der vierten Reihe, neben einer Frau, die eineinhalb Kinder mit sich herumtrug und sich an ihn preßte, als wäre er der Vater der Brut. Das war er aber nicht. Er war der Vengador. Er richtete sich auf, drückte die Frau von sich weg und öffnete den Reißverschluß seiner Ledertasche.

Vor ihm ging nun alles glatt. Rodolfo kam langsam den Gang nach hinten, schnitt ab und zu mit der Machete Stücke aus der Luft und hielt den Fahrgästen die Sporttasche entgegen, in die wie bei der Kollekte in der Kirche die Opfergaben plumpsten.

Na also! lachte Juan von vorn. Er fuhr dem Fahrer mit der linken Hand über den...


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