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»... ein Haufen verwilderter Professoren und verführter Studenten«

Das Wartburgfest der deutschen Studentenschaft 1817.
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Produktdetails

Titel: »... ein Haufen verwilderter Professoren und verführter Studenten«
Autor/en: Gerd Fesser

ISBN: 3942115441
EAN: 9783942115445
Das Wartburgfest der deutschen Studentenschaft 1817.
Bussert Dr. + Stadeler

16. März 2017 - gebunden - 124 Seiten

Das Wartburgfest, dessen 200. Jubiläum in das Jahr 2017 fällt, war die erste politische Kundgebung in Deutschland von nationaler Dimension. Zugleich war es ein bedeutendes Ereignis in der Geschichte Thüringens. Das Fest stand im Zeichen des Protestes gegen die Restaurationspolitik der Fürsten und die fortbestehende Kleinstaaterei und erregte gewaltiges Aufsehen. Es war kein Zufall, wenn das studentische Treffen im Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach stattfand. Das Großherzogtum galt als liberaler Musterstaat und Eldorado der freien Presse. Großherzog Carl August, der Freund Goethes, hatte das Treffen genehmigt und den Studenten die Wartburg zur Verfügung gestellt.
Nach dem Fest malten deutsche Fürsten und Regierungen das Phantom einer "Wartburgverschwörung" an die Wand.
Die "Grundsätze und Beschlüsse des 18. Oktober", die im Auftrag des Vorstands der Jenaer Burschenschaft von den Studenten Heinrich Riemann und Karl Müller ausgearbeitet wurden, forderten bürgerliche Freiheitsrechte und die nationale Einigung Deutschlands. Ihre Formulierungen fanden später zum Teil wörtlich in die Paulskirchenverfassung von 1849, in die Weimarer Verfassung von 1919 und in das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland von 1949 Eingang.
I. Das Fest am 18. und 19. Oktober 1817 Der 18. Oktober 1817 war für die Bürger von Eisenach ein großer Tag. Bereits an den beiden Tagen zuvor hatten sich etwa 500 Studenten eingefunden. Es gab damals im Gebiet des Deutschen Bundes nur etwa 8.500 Studierende, und so war immerhin jeder siebzehnte gekommen. Aus der Universitätsstadt Jena waren mehr als 200 Studierende eingetroffen, aus Göttingen über 70, aus Berlin, Gießen und Kiel jeweils etwa 30, aus Erlangen, Marburg und Heidelberg je über 20, aus Leipzig 15, aus Rostock 9, aus Tübingen und Würzburg je zwei, von der Bergakademie Freiberg einer. Unter den Studenten aus Jena waren acht Ungarn und Slowaken, unter den Göttingern einige Letten und Esten, unter den Kielern einige Dänen. Viele der Studenten waren zu Fuß angereist. Die Studenten aus dem 400 Kilometer entfernten Kiel waren 14 Tage lang unterwegs gewesen, waren in Braunschweig, Wolfenbüttel und Mühlhausen eingekehrt und hatten den Brocken bestiegen. Am 18. Oktober nun versammelten sich die jungen Männer gegen acht Uhr auf dem Eisenacher Marktplatz. Eine halbe Stunde später setzten sie sich bei Glockenklang und feierlicher Musik in Marsch. Eine rot-schwarz-rote Fahne mit einem aufgestickten goldenen Eichenzweig und der Aufschrift »Ehre, Freiheit, Vaterland« wurde dem Zug vorangetragen. Die meisten der Studenten trugen lange schwarze Tuchröcke, dazu Barette eine Tracht, die man damals »altdeutsch« nannte. Etliche von ihnen hatten sich einen Vollbart wachsen lassen und trugen das Haar lang. Die Studenten gingen paarweise in langem Zug. An der Spitze des Zuges schritt der Jenenser Student Karl Hermann Scheidler, der zum »Burgvogt« gewählt worden war. Er trug in der Rechten das Schwert der Jenenser Burschenschaft. Ihm folgten die »Burgmänner« Daniel von Binzer aus Kiel, Johann Anton Christian Joseph Lauteren aus Heidelberg, Heinrich August Linstedt aus Leipzig und Karl Christian Wilhelm Sartorius aus Gießen, der »Fähnrich« des Tages Eduard Ernst Karl Graf von Keller aus Jena und die Fahnenbegleiter Georg Heinrich August Crome aus Göttingen, Ernst August Aegidi aus Berlin, Carl Ludwig Sand aus Erlangen und Philipp Heinrich aus Marburg. Es war einer jener sonnigen klaren Tage, die zuweilen den Oktober verklären. Der studentische Zug bewegte sich zur Wartburg hin, deren Konturen sich bereits deutlich aus dem Morgendunst herausschälten. Diese berühmte Burg hatte im hohen Mittelalter die Minnesänger Wolfram von Eschenbach und Walther von der Vogelweide in ihren Mauern gesehen. In den Jahren 1521/22 hatte hier Kurfürst Friedrich der Weise dem von Papst und Kaiser gebannten Martin Luther Zuflucht geboten. Hier hatte der Reformator seine großartige Übersetzung des Neuen Testaments niedergeschrieben. Gegen zehn Uhr langten die Studenten auf der Wartburg an. Im Großherzogtum Sachsen-Weimar, zu dem Eisenach gehörte, bestand eine militärisch organisierte Gendarmerie. Das Tor der Burg war von Gendarmen bewacht, die nur Personen einließen, die eine der 1.000 ausgegebenen Einlaßkarten vorweisen konnten. Auf der Burg wurden die Studenten und Bürger von den leitenden Beamten der Region, dem Präsidenten der Eisenacher Landesdirektion, Philipp Wilhelm von Motz, dem Vizepräsidenten Friedrich-Christian August von Schwendler, dem Polizeiinspektor von Eisenach, Johann Christian Lorenz sowie vom Kastellan der Burg, Wilhelm Bernhard Völker erwartet. Auch vier namhafte Professoren der Jenaer Universität hatten sich eingefunden: der Philosoph Jakob Friedrich Fries, der Mediziner Dietrich Georg Kieser, der Naturforscher Lorenz Oken und der Jurist Christian Wilhelm Schweitzer. Gemeinsam betrat man den »Rittersaal« im Erdgeschoß des Palas. Die Burg war damals in einem recht verfallenen Zustand. Die Studenten waren auf die Burg gezogen, um zwei nationale Gedenktage zu feiern: den 300. Jahrestag von Luthers Thesenanschlag und den vierten Jahrestag der Völkerschlacht von Leipzig. Nach einem kurzen Gebet sang man gemeinsam Luthers Choral »Ein feste Burg ist unser Gott«. Dann hielt der Theologiestudent Heinrich Hermann Riemann die Festansprache. Riemann hatte 1813 im Lützowschen Freikorps gekämpft. 1815 hatte er als Leutnant an der Schlacht bei Ligny teilgenommen und war mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden. Der ernste und bescheidene junge Mann war mittlerweile 23 Jahre alt und galt allgemein als der anerkannte Wortführer der Jenaer Studenten. Riemann pries Martin Luther als einen Streiter für die Geistesfreiheit und würdigte die Kämpfer des Befreiungskrieges von 1813. Zur aktuellen Situation in Deutschland sagte er: »Vier Jahre sind seit jener Schlacht [bei Leipzig 1813] verflossen; das deutsche Volk hatte schöne Hoffnungen gefaßt, sie sind alle vereitelt. Alles ist anders gekommen, als wir erwartet hatten; viel Großes und Herrliches, was geschehen konnte und mußte, ist unterblieben; mit manchem heiligen und edlen Gefühl ist Spott und Hohn getrieben worden. Von allen Fürsten Deutschlands hat nur einer sein gegebenes Wort gelöst, der, in dessen freiem Lande wir das Schlachtfest begehen.« Der letzte Satz bezog sich, wie jeder der Anwesenden wußte, auf Carl August, den populären Großherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach und Freund Goethes. Der junge Redner rief seine Kommilitonen auf, sich nicht etwa mit der deutschen Misere abzufinden, sondern all ihre Kraft für die Einheit und Freiheit des Vaterlandes einzusetzen. Nach Riemanns Vortrag sangen die Studenten den Choral »Nun danket alle Gott«. Fries hatte 200 Exemplare seiner »Rede an die Burschen« drucken lassen und verteilte sie jetzt. Auf Bitte seiner Studenten improvisierte er eine kurze Ansprache. Sie endete mit dem Wahlspruch: »Ein Gott, Ein Deutsches Schwert, Ein Deutscher Geist für Ehre und Gerechtigkeit!«. Auch Oken ergriff das Wort. Er beschwor die Studenten, nicht auseinander zu gehen, ohne sich im Prinzip über die Gründung einer deutschen Burschenschaft verständigt zu haben. Gegen zwölf Uhr nahmen die Studenten und Gäste im »Minnesängersaal« und den anstoßenden Räumen gemeinsam das Mittagsmahl ein. Dabei wurden zahlreiche Trinksprüche ausgebracht, insbesondere auf die Märtyrer des Befreiungskampfes Ferdinand von Schill, Gerhard von Scharnhorst, Friedrich Friesen und Theodor Körner, auf die Propagandisten des Befreiungskrieges Ernst Moritz Arndt und Friedrich Ludwig Jahn und auf Professor Fries. Nach 13 Uhr zogen die Studenten wieder zur Stadt hinab, wo 14 Uhr in der Georgenkirche ein Festgottesdienst stattfand. Die Regierung in Weimar hatte angeordnet, für alle Fälle den Eisenacher Landsturm bereitzustellen. Landsturmmänner, Studenten und die Leiter der Eisenacher Behörden, zusammen mehr als 1.000 Menschen, nahmen gemeinsam am Gottesdienst teil. Superintendent Johann August Nebe erinnerte in seiner Predigt an die Völkerschlacht bei Leipzig und nahm auch Bezug zum Treffen auf der Wartburg. Nach dem Gottesdienst sangen Studenten und Landsturmmänner auf dem Marktplatz gemeinsam Freiheitslieder. Turner (zumeist Jenaer und Berliner Studenten) führten Laufübungen, Bockspringen, »Ziehkampf am langen Ziehtau« und Kletterübungen vor. Am Abend fand dann auf dem Wartenberg nordwestlich von Eisenach eine »Sieges- und Dankfeier« zur Erinnerung an die Völkerschlacht statt. Die Studenten versammelten sich gegen 18.00 Uhr auf dem Marktplatz und zogen paarweise mit Fackeln zum Berg hinauf. Nur einer der Professoren, Fries, schloß sich ihnen an. Der Landsturm und einige tausend Eisenacher Bürger waren bereits zur Stelle, und es brannten mächtige »Siegesfeuer«. Der Wartenberg bot viel mehr Raum als die Wartburg. Es waren Schaubuden, Zelte und Verkaufsstände aufgebaut, an denen Getränke und Leckerbissen angeboten wurden. Man sang und unterhielt sich, es kam Volksfeststimmung auf. Der Jenaer Student der Philosophie Ludwig Rödiger sprach zu seinen Kommilitonen. Hatte sich der besonnene Riemann mittags bei der Wortwahl um Mäßigung bemüht, so griff Rödiger jetzt die deutschen Obrigkeiten heftig an und klagte das Recht der Studenten auf freie Meinungsäußerung und politische Mitbestimmung ein. »Wer bluten darf für das Vaterland«, so rief er aus, »der darf auch davon reden, wie er ihm am besten diene im Frieden. So stehn wir unter freiem Himmel und sagen das Wahre und Rechte laut. Denn die Zeit ist gottlob gekommen, wo sich der Deutsche nicht mehr fürchten soll vor den Schlangenzungen der Lauscher und dem Henkerbeil der Tyrannen und sich niemand entschuldigen muß, wenn er vom Heiligen und Wahren spricht.« Nach dem warmen Herbsttag hatte es sich unterdessen merklich abgekühlt, und ein eisiger Wind fegte über den Berg. Die Honoratioren, Professor Fries, die Mehrzahl der Eisenacher Bürger und auch ein Teil der Studenten kehrten in die Stadt zurück. Erst jetzt kam es zu jenem Ereignis, welches das studentische Treffen vom 18. Oktober 1817 am meisten berühmt gemacht hat: der Bücherverbrennung. Initia­tor dieses Spektakels war der Student Hans Ferdinand Maßmann, ein Jünger des »Turnvaters« Friedrich Ludwig Jahn, offenbar war Jahn auch der eigentliche Urheber. Freilich wurden keine wirklichen Bücher verbrannt, die ja teuer waren. Maßmann kannte die Jenaer Buchdruckersöhne Robert und Wilhelm Wesselhoeft. Diese vermittelten, daß Maßmann sich mit einigen Berliner Studenten aus der Eisenacher Druckerei Bärecke Stapel von Makulaturpapier beschaffen konnte. Man schnürte dieses Papier zu Bündeln und versah sie mit Deckeln aus schwarzer Pappe. Einer der Berliner Studenten schrieb auf diese Deckel (wohl nach einer Liste, die Jahn verfaßt hatte) in Kurzform die Titel der Schriften, die symbolisch verbrannt werden sollten. An diesem Abend nun traten Maßmann und einige seiner Freunde mit einem großen Korb an eins der Feuer heran. Im Korb lagen die Packen von Makulaturpapier. Maßmann erinnerte die Studenten daran, daß Martin Luther im Jahre 1520 vor dem Wittenberger Elstertor die Bannandrohungsbulle »Exurge Domine« des Papstes Leo X. öffentlich verbrannt hatte. Dann rief er aus: »So wollen auch wir durch die Flamme verzehren lassen das Angedenken derer, so das Vaterland geschändet haben durch ihre Rede und Tat und die Freiheit geknechtet und die Wahrhaftigkeit und Tugend verleumdet haben in Leben und Schriften «. Anschließend verlas er die Namen der Autoren, die auf den Papierbündeln standen. Die umstehenden Studenten riefen jeweils »Ins Feuer!« und einer der Gefährten Maßmanns schleuderte die Packen mit einer Mistgabel in die Flammen. Betroffen von der symbolischen Verbrennung waren 28 Autoren, deren Schriften den Jüngern Jahns als reaktionär und »undeutsch« galten. Insbesondere vier Autoren, deren Schriften den Flammen überantwortet wurden, waren Gegner der Stein/Hardenbergschen Reformen, verteidigten den Absolutismus und befürworteten die Restauration der Adelsherrschaft. Der Prediger und Professor Friedrich von Ancillon hatte eine Schrift »Über Souveränität und Staatsverfassungen« veröffentlicht. Er war Erzieher des preußischen Kronprinzen und einflußreicher Berater des Königs Friedrich Wilhelm III. Als sein Buch ins Feuer geworden wurde, erscholl unter den Umstehenden der Ruf: »Frohne Du fortan dem Zwingherrn der Hölle!«. Der Staatsrechtler Karl Ludwig von Haller hatte 1816 den ersten Band seines Hauptwerks »Die Restauration der Staatswissenschaften« vorgelegt. Er forderte darin die völlige Wiederherstellung der Feudalordnung und lieferte so dem reaktionären Kreis am preußischen Königshof das geistige Rüstzeug. »Der Gesell will keine Verfassung des Deutschen Vaterlandes!« riefen die Studenten. Der Name »Schmalz« war den Studenten geläufig. Der Professor und einstige Rektor der Berliner Universität, Theodor Schmalz, übrigens ein Schwager des Generals Gerhard von Scharnhorst, legte 1815 die Schrift »Berichtigung einer Stelle in der Bredow-Venturinischen Chronik für das Jahr 1808. Über politische Vereine und ein Wort über Scharnhorsts und meine Verhältnisse zu ihnen« vor. Er bestritt darin, daß der Befreiungskrieg von 1813 in Preußen von einer allgemeinen Begeisterung getragen worden war. Und er denunzierte die damaligen patriotischen Geheimgesellschaften wie den Tugendbund und behauptete, diese Gesellschaften bestünden noch immer und stellten eine Bedrohung für die Monarchie dar. Angesehene Persönlichkeiten Preußens wie der Theologe Friedrich David Schleichermacher, der Architekt Friedrich Schinkel und der Rechtsgelehrte Friedrich Carl von Savigny griffen Schmalz heftig an. Es ging in der Schrift von Schmalz und dann im sogenannten Tugendbundstreit in Wirklichkeit nicht um die Geheimgesellschaften, sondern um die Rolle des Bürgertums im Befreiungskrieg und um dessen Forderung nach mehr politischen Rechten. Der Vorstoß von Schmalz fiel bei Friedrich Wilhelm III. auf fruchtbaren Boden. Der König verlieh dem Autor den Roten Adler­orden und verbot unter Androhung schwerer Strafen jede weitere Debatte über diese Schrift. Auf dem Wartenberg flogen die »Berichtigung « und zwei weitere Schriften von Schmalz ins Feuer. Den Studenten galten die reaktionären Gesinnungsgenossen des Schmalz als »Schmalzgesellen«. Während des Tugendbundstreits hatten nur ganz wenige Publizisten auf der Seite von Schmalz gestanden und seine Schrift gelobt. Einer von ihnen war Karl Christoph Alfred Heinrich von Kamptz, Direktor im preußischen Polizeiministerium und Hauptexponent der reformfeindlichen Kräfte in der hohen Bürokratie. Er hatte den »Codex der Gendarmerie«, eine Sammlung der deutschen Polizeigesetze, herausgegeben, die nun ein Raub der Flammen wurde. August von Kotzebue war ein Schriftsteller von geradezu unglaublicher Produktivität. Er schrieb mehr als 200 Theaterstücke, dazu zahlreiche Romane und Reisebeschreibungen. Es gab im 19. Jahrhundert in ganz Europa keinen zweiten Dramatiker, dessen Stücke auch nur annähernd so oft wie die seinen gespielt wurde. Als Publizist verherrlichte Kotzebue die Restaurationspolitik der Fürsten. Verbrannt wurde seine »Geschichte des deutschen Reiches von den Anfängen bis zu seinem Untergang«, die der Vielschreiber auch noch verfaßt hatte. Verbrannt wurde auch der »Code Napoléon«. Das war beim deutschen Nationalfest am 18. Oktober 1814 gleichfalls geschehen, so bei Amorbach in Baden, Kreuznach und auf dem Feldberg im Taunus. Man sah dabei in dem Gesetzbuch lediglich ein Symbol der französischen Fremdherrschaft und ignorierte, daß darin wichtige Errungenschaften der Französischen Revolution wie die persönliche Freiheit, die Gleichheit vor dem Gesetz, die Gewerbefreiheit und die Trennung von Kirche und Staat festgeschrieben waren. Auch die Schrift »Die Germanomanie. Skizze zu einem Zeitgemälde« des jüdischen Literaten Saul Ascher vom Jahre 1815 verfiel dem »Feuergericht«. Ascher hatte seinerzeit die Französische Revolution und dann auch die von Napoleon geschaffene Ordnung begrüßt. In seiner Schrift warnte er vor der Deutschtümelei und Judenfeindschaft, die in der patrio­ti­schen Bewegung, namentlich unter den Turnern, verbreitet waren. Er benannte den Philosophen Johann Gottlieb Fichte, Ernst Moritz Arndt, Jahn und die Mitglieder des Tugendbundes als »Germanomanen«. Einer der Studenten rief, als der Name Aschers am Feuer fiel: »Wehe über die Juden, so da festhalten an ihrem Judenthum und wollen über unser Volksthum und Deutschthum spotten und schmähen«. Auch Symbole der absolutistischen Herrschaft und ihres Militärs ein preußischer Ulanenschnürleib, ein hessischer Militärzopf sowie ein nassauischer und ein österreichischer Korporalstock flogen in die Flammen. Wir Heutigen denken beim Wort »Bücherverbrennung« natürlich an die Bücherverbrennung der Nazis am 10. Mai 1933 und an das Wort Heinrich Heines: wo man Bücher verbrenne, werde man schließlich auch Menschen verbrennen. Für die Zeitgenossen von 1817 aber waren Bücherverbrennungen nichts Außergewöhnliches. Das preußische Allgemeine Landrecht von 1794 etwa sah sie als »zweckmäßige Strafe« vor. Und der erwähnte Kamptz empfahl just im Jahre 1817, sie gegen aufsässige Professoren einzusetzen. Auch ist zu beachten: im Jahre 1817 verbrannten nicht die Mächtigen die Bücher der Unterdrückten, sondern die Unterdrückten die Bücher der Mächtigen. Gleichwohl war die Tat Maßmanns und der Seinen ein Exzeß. Nach dem Autodafé sangen die Studenten und Landsturmmänner patrio­tische Lieder. Gegen Mitternacht zogen sie dann den Berg hinunter. Auf dem Marktplatz ließen sie noch den Großherzog Carl August hochleben. Am nächsten Morgen fanden sich die Studenten wiederum auf der Wartburg ein und setzten ihre Debatte fort. Die anspruchsvollste und wichtigste der Reden hielt der Sprecher der Heidelberger Burschenschaft, Friedrich Wilhelm Carové. Dieser Mann war mit 28 Jahren erheblich älter als das Gros seiner Kommilitonen, und sein Horizont war auch weiter. Er stammte aus Koblenz und hatte die tiefgreifenden fortschrittlichen Neuerungen, welche die Franzosen im Rheinland durchgesetzt hatten, schon bewußt miterlebt. Als Zollkontrolleur hatte er im französischen Staatsdienst gestanden. Mittlerweile studierte er Philosophie bei Georg Wilhelm Friedrich Hegel. Der stud. phil. war ein deutscher Patriot, doch jenen undifferenzierten Franzosenhaß, der für Jahn und die Seinen so typisch war, lehnte er ab. In seiner Rede erinnerte er daran, daß der Geist, »der die Ideen von bürgerlicher Freiheit und von Vorurteilsfreiheit erweckte und die Anerkennung der wahren Menschenwürde forderte«, im Jahre 1789 aus Frankreich gekommen sei. Am Nachmittag und Abend des 19. Oktober zerstreuten sich die Studenten nach Osten, Süden, Westen und Norden. Sie alle waren durch die Begegnung mit den Kommilitonen aus fast ganz Deutschland tief aufgewühlt. Unter Tränen ging man auseinander. Für viele der jungen Akademiker waren die beiden Tage von Eisenach das große und prägende Ereignis ihres Lebens.
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