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Nina X

Roman. Empfohlen ab 14 Jahre.
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Produktdetails

Titel: Nina X
Autor/en: Ewan Morrison

ISBN: 3737411212
EAN: 9783737411219
Roman.
Empfohlen ab 14 Jahre.
1. Auflage.
Übersetzt von Christian Lux
Marix Verlag

1. Oktober 2019 - gebunden - 320 Seiten

Nina X ist die Geschichte einer außergewöhnlichen jungen Frau, die von Geburt an in einer maoistischen Kult-Kommune in "ideologischer Reinheit" erzogen wird und dann in unsere moderne Welt flieht. Über 20 Jahre lang hat Nina X keine Bücher, keine Spielsachen und keine Privatsphäre. Ihre engste emotionale Beziehung unterhält sie zu den Vögeln vor ihrem Zimmerfenster, wenn sie mutig genug ist, die Gipsplatte zu entfernen, die es verdeckt. Nina hat das kleine Haus in London noch nie verlassen. Sie hat nie ein anderes Kind getroffen. Sie hat keine Mutter und keinen Vater; sondern einen Führer und vier Genossinnen. Der allmächtige Führer nennt sie Das Projekt; sie wird von den "falschen Göttern des Kapitalismus" und vom "Kult um das Ich und das Selbst" ferngehalten. Der Führer verlangt von ihr, alles in Notizbüchern festzuhalten, um ihre Gedanken verfolgen zu können; zwingt sie, die Einträge so lange zu überarbeiten und umzuschreiben, bis sie seiner Vorstellung entsprechen. Ihre eigenen Worte werden ausgelöscht, wieder und wieder ...Doch das war damals. Jetzt ist Nina in Freiheit, und alle Regeln haben sich verändert. Sie muss sich immer wieder sagen, dass jetzt alles das Gegenteil von dem ist, was sie gelernt hat - und trotzdem ergibt die Welt immer noch keinen Sinn. Ein geheimnisvoller Roman mit einer exzentrischen, unzuverlässigen Protagonistin, die unsere Welt in einem ganz anderen Licht sieht.
Ewan Morrison, geboren 1968, ist ein mehrfach ausgezeichneter schottischer Schriftsteller, Drehbuchautor und Essayist. Eine unverkennbare Stimme in der britischen Literatur. Jurymitglied des Booker Prize Stuart Kelly bezeichnet ihn als »sprachgewandtesten und intelligentesten schottischen Schriftsteller seiner Generation«. Er ist der Autor von Tales From The Mall, der Trilogie Swung (Swinger, dt. C. Bertelsmann 2008), Distance und Ménage, des Romans Close Your Eyes und der Sammlung The Last Book You Read and Other Stories. 2006 war er Writer in Residence der UNESCO Edinburgh City of Literature in Varuna. Morrison ist als »Provokateur« in seinen öffentlichen Reden und journalistischen Arbeiten bekannt. Viele seiner Artikel sind in den führenden Zeitungen Großbritanniens, Italiens und Deutschlands erschienen. Morrisons Essays sind dafür bekannt, sich rasend schnell zu verbreiten. Nina X ist sein siebtes und ambitioniertestes Buch. # Christian Lux, geboren 1978 in Essen, studierte Buchwissenschaft und Literatur, danach Herausgeber, Übersetzer und Verleger. Seit Jahren betätigt er sich als Vermittler angloamerikanischer Literatur.
Ninas Ursprung Ob Sie es glauben oder nicht, Nina X nahm ihren Anfang damit, dass ich einen Science-Fiction-Roman schreiben wollte, der auf einer abgelegenen Insel spielt, bevölkert von einer Sekte, deren Mitglieder sich mit Human Engineering beschäftigten, die sich mit Human Engineering beschäftigte. Die Sekte war der Meinung, dass sie die alte Welt und alle »kontaminierten« Wörter auslöschen könnte. Sie hatte vor, das Wort »Ich« abzuschaffen, da die Mitglieder glaubten, so jede Form der Selbstsucht überwinden und eine perfekte Generation von Kindern hervorbringen zu können. Ich schrieb daran, als ich einen Artikel über ein maoistisches Kollektiv in London entdeckte, das eine Frau von Geburt an, ihr Leben lang, gefangen gehalten hatte. Die Parallele zu meinem Buch über die »Insel des Ich« war bemerkenswert. Ich entdeckte noch vier weitere maoistische Gruppen in den USA und Europa, die sich zu Sekten entwickelt hatten, und deren Geschichten sehr ähnlich waren. Ich entschied mich dazu, meine mit Linguistik experimentierende Inselsekte in eine moderne Stadt zu versetzen und meinen eigenen Hintergrund als ehemaliger Kommunist (ich war in den späten 80ern Mitglied der trotzkistischen Vereinigung SWP) heranzuziehen, um eine kommunistisch-linguistische Sekte von Grund aufzu erfinden. Daraus hat sich Nina entwickelt. Ich hatte keine Vorstellung davon, dass ein Kind, dem das Wort »Ich« entsagt wurde, sich so verschieden von uns anderen entwickeln würde. In vielerlei Hinsicht ist Nina wie ein moderner Kaspar Hauser. Sekten und die 70er Mein letzter Roman »Close Your Eyes« drehte sich um eine New Age-Sekte in den entlegenen schottischen Highlands. Als Inspiration diente mir meine eigene Kindheitserfahrung als Sohn von Hippie-Eltern im hohen Norden, weit weg von den korrumpierenden Einflüssen moderner Zivilisation.Meine Schwester und ich waren eine Art fehlgeschlagenes Experiment einer utopischen Form des Social Engineering. 1979 nahm das politische Engagement meines Vaters eine falsche Richtung, das war etwa zur Zeit des Patty Hearst Vorfalls und der RAF.Er wurde Teil der SNLA, einer nationalistischen Bewegung, die Briefbomben an britische Regierungsvertreter verschickte. Mir war seit meiner Kindheit bewusst, wie leicht Idealismus in Extremismus umschlagen kann; wie das Streben nach ideologischer Reinheit zu Paranoia und Gewalt führen kann. Dieses Motiv von Idealisten, die zu Monstern werden und unabsichtlich ihre Kinder verletzen, ist für mich ein Kernthema, nicht nur als Autor, sondern auch als Erwachsener und als Vater. Die Entdeckung Ninas Nina X ist der Versuch, die Ideale meiner Eltern ins Extrem zu führen; das soziale Experiment so weit wie möglich weiterzuspinnen mit einem Kind, dessen Sprache und Verhalten von ihren Genossen überwacht und verändert wird, und das zu jeder Zeit, mit dem Ziel ideologische Reinheit zu erreichen. Nina muss all ihre Selbstkritik in einem Tagebuch verinnerlichen und alle von ihr verwendeten »problematischen« Wörter müssen ausradiert werden. Nina hat eigentlich keine Chance, aber zu meiner Überraschung entwickelte Nina beim Schreiben ein Eigenleben und wurde zu einer Figur, die mir ans Herz wuchs. Ich stellte fest, dass Nina immens neugierig ist, dass sie altklug und frech und durchaus in der Lage ist, Erwachsene zu manipulieren. Erstaunlich war ihre Resilienz in einer Sekte, die jede ihrer Bewegungen und jedes Wort überwachte, in der sie maoistischer Selbstkritik und Gruppenprügel ausgesetzt war, und dass sie das alles dennoch überlebte. Folgeschäden Erst als Nina im Roman frei wird und mit 28 in unsere heutige Welt eintaucht, wurde mir klar, wie schwerwiegend Ninas psychische Schäden in Wirklichkeit sein mussten. Wie das ständige Ausradieren des »Ichs« sogar zu neurologischen Schäden geführt haben könnte. Sie wird von einem querdenkenden, überlebenden Kind im Kollektiv zu einer verängstigten Erwachsenen in einer Welt, die sie weder verstehen, noch bewältigen kann; Autos machen ihr Angst; sie glaubt, dass der Regen Strahlung sei; es ist ihr unmöglich, allein zu essen. Selbst in Freiheit steckt sie in den kleinen sich ständig im Kreis drehenden Abläufen ihrer Gefangenschaft fest. Bei meinen Recherchen erfuhr ich erschreckende Dinge über Wolfskinder (Genie, Kaspar Hauser, der echte Mowgli) und die neuro-linguistische Seite der Gehirnentwicklung. Mir wurde klar, dass die Sekte Nina mentaler Entwicklungsschritte beraubt haben könnte, derer es bedarf, um das volle mentale Wachstum eines Erwachsenen zu erreichen. Ich musste gegen die Figuren des Romans kämpfen, um Nina vor diesem fürchterlichen Schicksal zu bewahren, da ich sie sehr liebgewonnen hatte. Freiheit Ich fand es emotional sehr schwierig, Nina nach ihrer Befreiung dazu zu zwingen, sich mit der modernen Welt auseinanderzusetzen. Sie ist naiv und wehrlos, und sie begeht zahlreiche Verhaltensfehler, wenn sie mit modernen Menschen interagiert. Ich habe viel über die Frauenhäuser und behördlichen Hilfsprogramme recherchiert, die sie »durchlaufen« hätte, und ich stellte fest, dass Nina sich in großer Gefahr befand, im Pflegesystem »durchs Netz zu fallen«. Ich hatte Angst, dass man sie als geisteskrank oder unzurechnungsfähig diagnostizieren würde und dass sie als Obdachlose auf den Straßen Londons enden könnte. Maoistische Sekten Nach zwei Jahrzehnten Geheimhaltung und extremer Zurückgezogenheitwurde in den letzten sieben Jahren die Existenz maoistischer Sekten bekannt. Die vier wichtigsten, die ich mir genauer angesehen habe, sind The O. (Die Organisation), über die Alexandra Stein ihre Enthüllungsgeschichte geschrieben hat,The Workers Institute ofMarxism-Leninism-Mao Zedong Thoughtin London; TVIND in Dänemark und die Democratic Workers Party in Kalifornien deren Existenz von der Sektenexpertin Janja Lalich aufgedeckt worden ist. Ich habe Elemente von all diesen Sekten übernommen, um das Kollektiv des Romans zu erschaffen, und habe es mit Aspekten von Sekten wie The Family und The People s Temple (bei dessen Gründer, Jim Jones, oft vergessen wird, dass er in erster Linie Kommunist war) angereichert. In den 70ern hatten maoistische Gruppen die gleiche Philosophie wie internationale Guerilla-Zellen. Während diese Zellen und Kollektive gegen Ende der 90er und Anfang der 2000er immer mehr in Isolation gerieten, waren sie dann endgültig aufgeschmissen, als die Kommunistische Partei Chinas dem puren Maoismus und allen solchen internationalen Abenteuern gänzlich den Rücken kehrte. Eine Art degenerative Krankheit befiel maoistische Gruppen; die gestrandeten Kollektive verwandelten sich in gefährliche sektenartige Strukturen. Autoritär, klein und alles überwachend mit diktatorischen Anführern. Sie richteten sich gegen sich selbst und gingen von der Selbstkritik zur Selbstzerfleischung über. Was sie zu Sekten werden ließ, war ihr Glaube, dass sie den »neuen kommunistischen Menschen« in einer Art ursprünglichem Zustand erschaffen könnten, wenn sie alle Spuren der Vergangenheit ausradierten und jedweden Kontakt mit der äußeren Welt unterbanden. Das hieß, dass die Mitglieder zu 100% unter der Kontrolle ihrer Anführer standen. Eine Reihe vonPraktiken, die dazu geschaffen waren, ein kommunistisches Land zu steuern, wurde nun auf kleine, isolierte Gruppen angewendet. Die Kraft eines totalitären Staates verdichtete sich in einen einzelnen Haushalt. Nina Bei einem Buch mit solch ernstem Thema und so vielen Schrecknissen erhoffe ich mir seltsamerweise, dass die Leser vor allem die Liebe zu Nina mitnehmen; dass sie so wie ich selbst erstaunt sind, wie Nina diese fürchterlichen Situationen ertragen und sich anpassen konnte. Dass sie aber auch die Welt so sehen, wie sie es tut, durch ihre Augen, die manchmal kindlich und unschuldig sind und manchmal tiefere Einsichten bergen. Sie erkennt Makel an uns modernen Menschen, die wir nicht selbst erkennen können. Ebenfalls seltsam ist, dass die Menschen Ninas Missverständnisse bezüglich der modernen Welt erfrischend witzig finden, obwohl Nina selbst lediglich einen einzigen Witz erzählt. Ich würde mir erhoffen, dass die Leser genauso überrascht von dieser warmen, seltsamen Figur sind, wie ich es war, als sie entgegen allen Erwartungen auf dem Papier vor mir auftauchte. Erlösend scheint mir, dass Ninas unschuldige Art den Alltag anzuschauen, ihr unverstellte Perspektiven auf die Absurditäten modernen Lebens ermöglicht, die wir als gegeben hinnehmen. Beispielsweise glaubt sie, dass Frauenmagazine im Wartezimmer beim Arzt von der Regierung herausgegeben werden, um Frauen vorzuschreiben, wie sie zu leben haben. Sie begreift das Konzept Geld nicht und kann nicht verstehen, weshalb Menschen allein essen wollen. Sie ist überrascht, dass sich Hunde im Kapitalismus nicht wirklich gegenseitig auffressen. Und dann findet sie heraus, dass der Vorsitzende Mao nicht der Retter der Welt, sondern ein Massenmörder gewesen ist. Einer der Vorteile, die beim Schreiben aus Ninas unschuldiger Perspektive entstanden, war, dass ich zwei Jahre lang mit meinem eigenen zweifelnden Kopf und Fragen an mich selbst verbringen konnte, wie: Wie wäre es wohl, zum ersten Mal einen Supermarkt zu betreten? Würde ein Krankenhaus bedrohlich oder magisch wirken? Wie wäre es, zum ersten Mal einen Bus zu sehen? Was würde Nina darüber denken, dass Menschen herumlaufen und auf ihre Smartphones starren? Nina sieht unsere Welt mit einer Klarheit, die uns fehlt.
Großer Wurf
Tim Caspar Boehme, taz

Dank der schnörkellosen Übersetzung von Christian Lux entfaltet sich die ungefilterte Wucht auch im Deutschen.
Tim Caspar Boehme, taz
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