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Der Weizen gedeiht im Süden

Roman.
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Titel: Der Weizen gedeiht im Süden
Autor/en: Schulz Erik D., Erik D. Schulz

ISBN: 3862827364
EAN: 9783862827367
Roman.
Originalausgabe.
Acabus Verlag

9. März 2020 - kartoniert - 416 Seiten

Ein Atomkrieg hat das Leben in der nördlichen Hemisphäre vernichtet. In einem hochtechnisierten Bunker in den Schweizer Alpen hoffen 300 Überlebende auf eine Zukunft. Doch Getreidepest und ein soziopathischer Killer nehmen dem Bunker die Lebensgrundlagen. Verzweifelt wagt Dr. Oliver Bertram zusammen mit seiner Tochter und einer kleinen Gruppe die gefährliche Flucht hinaus in den nuklearen Winter. Ihr Ziel ist Afrika, der einzige Ort, an dem menschenwürdiges Leben noch möglich scheint. Eine lange Reise durch einen lebensfeindlichen Kontinent liegt vor ihnen, die die Flüchtlinge nicht ohne Opfer hinter sich bringen können.

Erik Schulz engagiert sich in der Organisation der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges. Seine Expertise für Bunkeranlagen und die Folgen nuklearer Katastrophen sorgt dafür, dass seine Geschichte erschreckend authentisch wirkt.
Erik D. Schulz arbeitet als Allgemeinmediziner und Schriftsteller in Berlin. Besonderen Wert legt er auf realitätsnahe Bezüge mit gründlich recherchierten Fakten, vor allem aber auf Spannung und Unterhaltung durch eine intensive, emotionale Zeichnung seiner Romanfiguren. Schulz ist es ein Anliegen, mit seinem neuen Roman "Der Weizen gedeiht im Süden" auf die zunehmende Gefahr eines Atomkriegs hinzuweisen.
Kapitel 1
Der Notausstieg befand sich in der Nähe eines Bergsees unterhalb des Pischahorngipfels. Die Lage des Sees ließ sich unter dem meterhohen Schnee, der das Hochtal füllte, nur erahnen. Im trüben Licht wirkte die Gipfelpyramide wie eine monumentale Warnung vor den Herausforderungen, die auf die Flüchtenden warteten.
Haemmerli formierte eine Reihe. Er und Isler gingen voran. Nach den ersten stampfenden und wühlenden Bewegungen durch den hüfthohen Schnee wurde allen bewusst, dass dieser Abstieg sich mit nichts vorher Erlebtem würde vergleichen lassen. Vor der Eiszeit hätte der Weg bei einer Wanderung im Sommer wenige Stunden erfordert. Nun sprach Haemmerli davon, dass sie all ihre Kraft aufbringen müssten, um es bis zum Abend ins Flüelatal zu schaffen. Dort würden sie vielleicht Schutz in verlassenen Gebäuden finden.
»Wir müssen den Gegenanstieg da zum Höhenrücken rauf«, beschrieb Haemmerli das erste Teilstück des Weges. »Oben auf dem Pischagrat kommen wir aus dem Tiefschnee raus.«
»Und ne Rast?«, fragte Oliver, der keuchte und dem der Mund einzufrieren drohte.
»In anderthalb Stunden, wenn wir kurz unterhalb des Grats sind. Der Gegenanstieg heißt Verborgen Pischa. Scheißname!«
Die Sonne stieg höher, doch ihre wärmende Kraft drang nicht durch die grauen Wolkenschleier. Zitternd grub sich die Gruppe durch die weiße Hölle, eine Strapaze, die allen schlagartig die fundamentale Veränderung der Welt ins Bewusstsein rückte.
An einigen Stellen ging es über Felsen, wo Schnee lag, der nur bis zu den Knien reichte. Doch die Hoffnung, es könnte nun leichter vorangehen, zerstob nach wenigen Schritten, als das brutale Weiß abermals ihre Hüften umschloss.
Immer wieder wandte Oliver sich um und sah aufmunternd Annabel an, die hinter ihm lief. Ihr Mädchengesicht, das von einer Winterjacke und einer Pudelmütze umrahmt wurde, strahlte Unerschrockenheit aus, obwohl ihr die Anstrengung anzusehen war. Sein Blick streifte kurz zurück in Richtung Bunkerausstieg, da er befürchtete, Wiegeles Männer könnten die Verfolgung aufnehmen. Manchmal irritierten ihn Schatten, die er für durch den Schnee streifende Söldner hielt. Vorerst bräuchten sie nicht mit Angriffen zu rechnen, beruhigte Haemmerli ihn, denn die Wachleute müssten sich erst ausrüsten und vorbereiten. Und Isler und er würden schon das Richtige tun, käme es zu einer Konfrontation.
Die körperliche Anstrengung drohte Olivers Denken zu blockieren. Er verstand nicht, warum Haemmerli sie bergauf zum Pischagrat führte, der ihm unüberwindlich erschien. Es fiel ihm schwer, seine inneren Widerstände niederzuringen. Auf einmal hielt er es für völlig ausgeschlossen, die Weiten der Alpen unter diesen Bedingungen zu durchqueren. Um sich herum sah er nur mächtige Gebirgsketten, getaucht in trügerische Stille, mit der auch die tödlichen radioaktiven Isotope überall zerfielen, dachte er. Wenige hundert Meter Weg bedeuteten hier draußen eine Ewigkeit; Zeit bekam einen anderen Wert.
Plötzlich schrie Madeleine von Holtzendorff: »Halt!«
Entsetzt zeigte sie auf Carolin, die auf den Rücken gefallen war. Mit geschlossenen Augen lag sie im Schnee, das Gesicht kreidebleich, die Lippen blaurot.
Oliver und Haemmerli stapften zurück und knieten sich zu ihr. Sie atmete flach und schnell. Trotz des Drucks durch die extreme Situation rief Oliver sein medizinisches Wissen ab. Er zog die Handschuhe aus und tastete nach dem Puls. Ihr Herz raste mit über 140 Schlägen in der Minute. Er hielt sich seine Hände vor den Mund und hauchte sie an, um die beißende Kälte zu lindern. Vergeblich.
»Was hat meine Tochter?«, wollte Frau von Holtzendorff wissen. Sie hatte die Augen weit aufgerissen und die Arme vor der Brust verschränkt.
»Einen Schwächeanfall. Wahrscheinlich durch ihre Bronchitis«, stammelte Oliver gegen die klirrende Kälte. An Haemmerli gewandt ergänzte er: »Pause bis sie sich erholt hat!«
»Ja«, pflichtete Madeleine bei, der Tränen in den Augen standen. »Das ist zu viel für sie Und auch für mich!«
»Okay, Rast. Zehn Minuten.«
Haemmerli schnallte sich den Rucksack ab, öffnete ihn und zog eine Thermoskanne heraus, in deren Becher er ein dampfendes Getränk goss. Die anderen kauerten sich in den Schnee, suchten Schutz vor dem eisigen Wind.
»Hier, du zuerst!« Haemmerli gab Annabel den gesüßten Tee.
»Danke.« Das bibbernde Mädchen schlürfte die heiße Flüssigkeit und reichte den Becher rasch an Christian weiter. In diesem Moment schlug Carolin die Augen auf. Sie wirkte verwirrt.
»Sind Sie okay?«, fragte Oliver besorgt und suchte ihren Blick. Eigentlich hielt er Carolin für durchtrainiert. Hatte das Antibiotikum, das er ihr vor drei Tagen gegeben hatte, nicht angeschlagen?
»Seitenstechen und auf einmal so übel«, brachte Carolin mit brüchiger Stimme hervor. »Und dann weiß ich nichts mehr.«
»Geht s jetzt besser?«
»Etwas, aber mir ist kalt Gott, ich halte ja alle auf.« Gequält lächelte sie in die Runde.
»Hier, trinken Sie: Tee mit Zucker. Ist gut!« Oliver half ihr hoch und stopfte Schnee hinter ihren Rucksack, sodass sie aufrecht sitzen konnte. »Für Unbequemlichkeit gibt s keinen Sonderpreis.«
Inzwischen hatte Haemmerli Brötchen ausgepackt und zwei Büchsen Corned Beef geöffnet. Er zerkleinerte die Nahrungsmittel mit dem Taschenmesser und verteilte sie. Alle aßen gierig. Der Kampf gegen die Naturgewalten verbrauchte Energie.
Ingeborg Simpkins saß abseits im schmutzigen Schnee und klagte gepresst: »So habe ich mir das in meinen schlimmsten Albträumen nicht vorgestellt. Ich bin jetzt schon am Ende. Am liebsten würde ich umkehren.«
»Hättest eben mehr ins Fitnessstudio gehen sollen«, entgegnete ihr Mann.
»Nicht im dreckigen Schnee sitzen«, befahl Haemmerli, »da ist die stärkste Strahlung!«
Während Frau Simpkins sich einen neuen Platz suchte und die Eheleute sich weiter befehdeten, grübelte Oliver darüber nach, in welcher Gefahr sich Carolin befand. Selbst ein simpler Infekt war in dieser Situation imstande, ihre Kräfte erheblich zu schwächen. Und sie litt an einer schweren, fieberhaften Bronchitis, wahrscheinlich sogar an einer Lungenentzündung. Wenn sie den Abstieg nicht schaffte, steckte die Gruppe in einem Dilemma. Eine Nacht im Freien bei diesen Temperaturen und in dieser Höhe bedeutete für sie alle das Ende. Irgendwann würde Haemmerli eine Entscheidung treffen müssen.
»Besser?«, fragte Oliver seine Patientin beschwörend.
Diese nickte nur leicht. Mit zwei Fingern tastete er erneut ihre wild pulsierende Halsarterie. Ihre Haut war bedeckt von kaltem Schweiß, und ihr Herz schlug jetzt 120-mal in der Minute immer noch zu schnell, um aufzubrechen.
»Noch fünf Minuten«, wandte Oliver sich mit bittendem Blick an Haemmerli. »Sie ist noch nicht so weit.«
»Okay, fünf Minuten«, stimmte Haemmerli zu. »Aber nicht länger! Die Wolken da hinten sehen böse aus.« Über einer Gipfelkette zogen sich Quellwolken zusammen.
»Hast du Schokolade?«
Haemmerli zog eine Tafel Vollmilchschokolade aus dem Rucksack und reichte sie Oliver, der sie auswickelte und Carolin gab. Zum Dank lächelte sie schwach und schob sich rasch mehrere Stücke in den Mund.
Oliver betete, dass ihr Puls unter hundert sinken möge. Dann fragte er ernst: »Haben Sie eigentlich Ihr Antibiotikum genommen, das Levofloxacin?«
Carolin senkte den Blick und biss sich auf die Lippe.
»Schon gut«, sagte Oliver, »Sie sind nicht die Erste, die was gegen Pillen hat.«
»Tut mir leid ich Verdammt, ich fühl mich so beschissen. Ich hab die Dinger zurück in den Schrank getan. Wegen der Nebenwirkungen.«
Oliver öffnete den Rucksack und kramte seine Reiseapotheke hervor, in der er ein weiteres Päckchen Levofloxacin verstaut hatte; sieben Tabletten, ausreichend für eine Woche Behandlung. Er drückte die erste Pille aus dem Blister.
»Das kann ich unmöglich annehmen.«
»Warum?«
»Was, wenn Annabel krank wird und Sie dann keine mehr haben?«
»Wir finden neue, in einer Apotheke unten in Davos.« Langsam, aber mit der Konsequenz des erfahrenen Arztes führte Oliver die Pille zu ihrem Mund. Nach kurzem Zögern nahm sie an und lächelte. Nachdem sie das Antibiotikum geschluckt hatte, taste er erneut ihren Puls, der jetzt bei 95 lag.
»Marius«, sagte Oliver, »wir müssen ihren Rucksack leichter machen. Ich nehme ihr ein paar Sachen ab. Kannst du auch «
»Nein, nicht mal mehr eine Büroklammer, alles voll. Frag Simpkins oder Adrian.«
»Ich kann was nehmen«, bot Annabel an.
»Lieb von dir«, lobte Oliver, »aber das wird noch n harter Marsch. Lieber nicht.«
»Kommen Sie, Bertram«, beschloss Hasso Simpkins, »wir regeln das.«
Die beiden Männer öffneten ihre Rucksäcke und packten Wasserflaschen, Konserven, ein Buch über Pädagogik und zwei Walkie-Talkies zwischen ihr eigenes Gepäck. Ihre Kleidung, ein Fotoalbum und einige andere Dinge musste Carolin selbst weitertragen. Dann halfen sie ihr auf, und die Gruppe setzte sich wieder in Bewegung. Der kleine Tross begann, sich zum Pischagrat hinaufzukämpfen.
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Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Rezension zu Der Weizen gedeiht im Süden - von Zsadista - 29.04.2020 zu Schulz Erik D., Erik D. Schulz „Der Weizen gedeiht im Süden“
Die halbe Welt wurde durch einen Atomkrieg zerstört. Ein paar Menschen haben es in einen Bunker in der Schweiz geschafft. Teuer bezahlt bietet der Bunker für rund 300 Menschen Platz. Seit ein paar Monaten wohnen die Menschen schon in dem Bunker. Stark kontrolliert von Wiegele, dem Erbauer der Anlage. Jeder hat seine Aufgaben, die er zu erledigen hat. Bis eines Tages die Leiche von Turtschi, dem Leiter des Trinkwassers, gefunden wird. Es wird schnell als Unfall abgetan, da er angeblich die Treppe herunter gefallen ist. Bald ist auch einigen klar, dass es sich um keinen Unfall handeln dürfte. Denn Turtschi hat ein Geheimnis aufgedeckt. Als sich die Situation im Bunker daraufhin verschlechtert findet sich eine Gruppe, die ausbrechen will. Lieber raus in die verstrahlte Umwelt und sich eine neue Heimat suchen, als noch länger in dem Bunker zu bleiben. Vor allen Dingen, da Wiegele anfängt durchzudrehen, andere bedroht und teilweise schon ins Gefängnis geworfen hat. "Der Weizen gedeiht im Süden" ist eine Dystopie aus der Feder des Autors Erik D. Schulz. Das Cover fand ich schon ziemlich genial. Die Maske auf dem Holzstück auf der verschneiten Wiese passt recht gut zum Inhalt. Wobei es wohl etwas zu wenig Schnee ist, im Gegensatz zum Geschriebenen. Der Schreibstil des Autors ist wirklich gelungen. Er schreibt spannend, bedrückend und doch flott. Trotz des düsteren, deprimierenden Inhalts lässt sich das Buch sehr gut lesen. Der Autor hat auch eine klare Sprache ohne umständliche Worte oder zu viel Dingen die umständlich erklärt werden müssten. Die Story selbst ist rund und man findet direkt ins Geschehen rein. Die Personen der Fluchttruppe sind soweit alle sympathisch. Die Bösen auch schön unausstehlich. Auf der Flucht muss die Truppe recht viel durchmachen und mehr als einmal über ihre Grenzen gehen. Ob sie je an ihrem Ziel ankommen, bleibt ein Geheimnis. Was mich noch so nebenbei etwas interessiert hätte, wäre der Fortgang im Bunker gewesen. Ich hätte gerne, so als kleine Nebenstory, etwas über den großen Knall erfahren. Da hat der Autor aber ganz die Aufmerksamkeit auf die flüchtende Truppe gelassen. Ein paar Fragen bleiben mir natürlich offen. Ich bezweifle zum Beispiel, dass ein paar Monate ausreichen, damit die Strahlung so herunter gefahren ist, dass man draußen herum laufen kann. Egal ob es mega kalt ist oder nicht. Der Kälte kann man entgegenwirken, der Strahlung eher nicht. Auch so blieb mir der ein oder andere Punkt fraglich. Was mir im Gesamtpaket allerdings nichts ausmacht. Man muss ein Buch auch nicht bis aufs letzte Wort auseinander nehmen. Und eine Dystopie ist eben eine Dystopie, die darf das. Mir hat das Werk wirklich gut gefallen. Ich kann es an die apokalyptischen Leser auf jeden Fall weiter empfehlen. Es ist allerdings nicht so blutrünstig wie andere Werke, dafür aber realistischer.
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