Cecilia, genannt Lia, stürzt nach dem Tod ihrer Mutter ins Bodenlose. Sie arbeitet ein paar Stunden die Woche als Online-Nachhilfelehrerin. Das reicht nicht zum Überleben. Als zweites Standbein hat sie das Housesitten. Auf einer privaten Ostseeinsel steht eins der Häuser der Waldners, für die Cecilia schon öfter gearbeitet hat und mit dessen Sohn Johannes sie ein Verhältnis hat. Über das Wochenende hat sie mit dessen Zustimmung drei ihrer Freunde eingeladen. Für Johannes ist einer davon eine große Gefahr. Doch welcher? Und wer ist für Lia die größte Gefahr?
Von Anfang an weiß man, dass Cecilia ein Geheimnis haben muss. Schnell stellt sich heraus, dass sie damit nicht die Einzige ist. Bleibt also herauszufinden, wer die größte Gefahrenquelle darstellt. Mir ist bewusst, dass es ein Stilelement sein soll, das für das Bild der entsprechenden Figuren eine Rolle spielt, dennoch finde ich die Sprache an vielen Stellen unnötig vulgär. Die Spice-Szenen finde ich in einem Thriller, zumal in der Häufigkeit, nicht passend. Lasst die in ihrem eigenen Genre!
Die vielen verschiedenen Erzählstränge durch die einzelnen Figuren und die Zeitsprünge machen die Story auf weite Strecken ein wenig anstrengend und verwirrend. Es ist schon herausfordernd, sich durchzuwursteln, um zum Kern der Sache zu gelangen. Das zieht sich für meinen Geschmack einfach zu lange, es gibt zu viele halbgare Andeutungen und man wird zu schnell dazu gebracht, gewisse Figuren nicht zu mögen.
Auch bleibt man zu lange im nebulösen Zustand, bis man die Zusammenhänge erkennen kann und versteht, worauf alles hinauslaufen soll und wird. Ab da laufen die Stränge quasi von der Vergangenheit zur Gegenwart aufeinander zu. An vielen Kapitelenden sind Cliffhanger platziert, die weitere dramatische Vorfälle quasi ankündigen.
Die Figuren überzeugen anfangs wenig, im Laufe der Story aber wachsen sie über sich hinaus und man versteht schlagartig, was zuvor Fragezeichen aufgeworfen hatte. Das führt an einigen Stellen zu heftigen Gefühlsbewegungen, zumindest bei mir. Gut wird zu böse, böse wird zu gut und alles dreht sich, bis es einem ganz schwindelig wird. Es sind eher Abzweigungen denn Wendungen. Sehr gut gemacht! Das Ende ist ein echter Knaller, der vielleicht ab einem gewissen Punkt nicht überraschend, aber doch fulminant der Story das Krönchen aufsetzt.
Bis auf die anfänglichen Längen und die unnötigen vulgären Ausdrücke und die unnötig detailliert beschriebenen Sexszenen wurde ich richtig gut unterhalten. Bei den Stimmen konnte ich die beiden Herren leider nicht so gut unterscheiden. Ansonsten waren die Sprecher alle richtig gut. Ich gebe sehr gute vier Sterne.