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Der siebte Tod

Thriller. Deutsche Erstausgabe. Originaltitel: The Cleane…
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Produktdetails

Titel: Der siebte Tod
Autor/en: Paul Cleave

ISBN: 3453432479
EAN: 9783453432475
Thriller. Deutsche Erstausgabe.
Originaltitel: The Cleaner.
'Heyne-Bücher Allgemeine Reihe'.
Übersetzt von Martin Ruf
Heyne Taschenbuch

2. April 2007 - kartoniert - 432 Seiten

Mein Name ist Joe. Ich bin ein netter Kerl. Aber manchmal bringe ich Frauen um.

Joe hat sein Leben scheinbar fest im Griff - tagsüber jobbt er als Putzmann bei der Polizei, abends geht er anderen Tätigkeiten nach. Er denkt daran, seine Fische zweimal täglich zu füttern und seine Mutter mindestens einmal pro Woche zu besuchen, obwohl er ihren Kaffee ab und zu mit Rattengift verfeinert. Er stört sich kaum an den Nachrichten über den Schlächter von Christchurch, der - so wird behauptet - sieben Frauen umgebracht hat. Joe weiß, dass der Schlächter nur sechs getötet hat. Er weiß es ganz einfach. Und Joe wird diesen Nachahmer finden; er wird ihn für die eine Tat bestrafen und ihm die anderen sechs Morde anhängen. Ein perfekter Plan, denn er weiß bereits, dass er die Polizei überlisten kann. Das Einzige, was noch getan werden muss, ist, sich um all die Frauen zu kümmern, die nicht aufhören, ihm im Weg zu stehen.

Paul Cleave wurde am 10. Dezember 1974 in Christchurch, Neuseeland geboren, dem Ort, wo auch seine Romane spielen. Dem Fan von Stephen King und Lee Child gelang mit seinem Debütroman Der siebte Tod auf Anhieb ein internationaler Erfolg, der in Deutschland monatelang auf den ersten Plätzen der Bestsellerlisten stand.
Ich steuere den Wagen in die Auffahrt. Lehne mich zurück. Versuche mich zu entspannen.
Ich schwöre bei Gott, heute hat es mindestens fünfunddreißig Grad. Christchurch-Hitze. Schizophrenes Wetter. Schweiß rinnt mir über den ganzen Körper. Meine Finger sind wie feuchter Gummi. Ich beuge mich vor, schalte den Motor aus, greife nach meinem Aktenkoffer und steige aus dem Wagen. Hier in der Gegend funktionieren immerhin die Klimaanlagen. Noch ein paar Schritte bis zur Eingangstür, dann fummle ich am Schloss herum. Und stoße einen Seufzer der Erleichterung aus, als ich eintrete.
Ich schlendere durch die Küche. Wie ich höre, ist Angela oben unter der Dusche. Ich werde sie später stören. Jetzt brauch ich erst mal etwas zu trinken. Der Kühlschrank hat eine Edelstahltür, aus der mich mein Spiegelbild anstarrt wie ein Geist. Ich öffne die Tür, gehe in die Knie und bleibe fast eine Minute lang so hocken, während ich mich mit der kühlen Luft anfreunde. Der Kühlschrank bietet mir Bier und Coke an. Ich gebe dem Bier den Vorzug, drehe den Verschluss auf und setze mich an den Tisch. Eigentlich trinke ich nicht besonders viel, aber diese Flasche schütte ich innerhalb von zwanzig Sekunden in mich hinein. Der Kühlschrank offeriert mir noch eine Flasche. Wer bin ich schon, dass ich dazu Nein sage? Ich lehne mich auf dem Stuhl zurück. Lege die Füße auf den Tisch. Denke darüber nach, die Schuhe auszuziehen. Kennen Sie das Gefühl? Sie arbeiten den ganzen Tag bei glühender Hitze. Acht Stunden Stress. Dann hocken Sie sich mit einem kühlen Bier in der Hand hin, legen die Füße hoch und ziehen die Schuhe aus.
Ein absoluter Hochgenuss.
Während ich der Dusche oben lausche, nippe ich entspannt an meinem zweiten Bier in diesem Jahr. Für das hier brauche ich ein paar Minuten, dann kriege ich Hunger. Zurück zum Kühlschrank und dem Stück kalter Pizza, das ich vorhin erspäht habe. Ich zucke mit den Schultern. Warum nicht? Ist ja nicht so, als ob ich auf mein Gewicht achten müsste. r/>Ich setze mich wieder an den Tisch. Die Füße hoch. So schmeckt auch die Pizza, nur die Schuhe wäre ich gerne noch los. Bloß hab ich im Augenblick nicht die Zeit dazu. Ich schlinge die Pizza runter, nehme meinen Aktenkoffer und gehe nach oben. Aus der Stereoanlage im Schlafzimmer dröhnt ein Lied, das ich kenne, dessen Titel mir aber nicht einfällt. Ebenso wenig wie der Name des Sängers. Trotzdem ertappe ich mich beim Mitsummen, als ich den Aktenkoffer aufs Bett lege; sicher wird mir die Melodie noch stundenlang im Kopf rumgehen. Ich nehme neben dem Aktenkoffer Platz. Öffne ihn. Hol die Zeitung raus. Auf der Titelseite prangen lauter reißerische Schlagzeilen. Oft frage ich mich, ob die Medien nicht die Hälfte von diesem Zeug erfinden, nur um die Auflage zu steigern. Offensichtlich gibt es einen echten Markt für solche Meldungen.
Ich höre, wie die Dusche abgedreht wird, ignoriere das aber und lese lieber weiter in der Zeitung. Einen Artikel über einen Kerl, der die Stadt terrorisiert. Frauen umbringt. Folter. Vergewaltigung. Mord. Der Stoff, aus dem man Filme macht. Ein paar Minuten vergehen, und ich hocke noch immer da und lese, als Angela, umgeben von weißem Dampf und dem Duft ihrer Körperlotion, aus dem Bad kommt. Sie trocknet sich die Haare mit einem Handtuch.
Ich lasse die Zeitung sinken und lächle.
Sie sieht zu mir rüber.
Scheiße, wer sind Sie denn?, fragt sie.


Die Sonne steht hoch am Himmel und blendet sie. Unter ihrem Kleid rinnen ihr Schweißperlen den Körper hinab und befeuchten den Stoff. Der polierte Grabstein aus Granit funkelt, und sie muss blinzeln, doch sie weigert sich, den Blick von den Buchstaben abzuwenden, die vor fünf Jahren dort eingraviert wurden. Das helle Licht treibt ihr das Wasser in die Augen - was nicht weiter ungewöhnlich ist; ihre Augen sind immer feucht, wenn sie hierherkommt. Sie hätte eine Sonnenbrille aufsetzen, ein leichteres Kleid anziehen sollen. Mehr tun sollen, um seinen Tod zu verhindern. r/>Sally greift nach dem Kruzifix an ihrem Hals, und die vier Spitzen bohren sich in ihre Hand. Sie kann sich nicht daran erinnern, wann sie es das letzte Mal abgenommen hat, und fürchtet, wenn sie es täte, würde sie sich zu einer kleinen Kugel zusammenrollen und bis in alle Ewigkeit nur noch weinen. Sie hatte es bei sich, als die Ärzte in der Klinik ihrer Familie die Nachricht überbrachten. Sie hielt es fest umklammert, als man sie bat, sich zu setzen und ihr mit düsterer Miene mitteilte, was sich wohl schon zahllose andere Familien hatten anhören müssen, deren Angehörige im Sterben lagen und die dennoch die Hoffnung nicht aufgeben wollten. Es hing über ihrem Herzen, als sie ihre Eltern zum Beerdigungsinstitut fuhr, sich mit dessen Inhaber zusammensetzte und bei Kaffee und Tee, den niemand anrührte, Sargbroschüren durchsah. Als sie die Seiten voller Hochglanzbilder umblätterte und versuchte, etwas zu finden, in dem ihr Bruder gut aussehen würde. Die gleiche Prozedur fand dann auch noch für den Anzug statt. Sogar der Tod war modebewusst. Auf den Fotos in den Katalogen hingen die Anzüge an Schaufensterpuppen; es wäre wohl zu geschmacklos gewesen, hätten unbeschwert lächelnde Menschen sie getragen und dabei versucht, sexy auszusehen.
Seither hatte sie das Kruzifix keinen einzigen Tag mehr abgelegt. Es half ihr dabei, Orientierung und Hilfe zu finden; es erinnerte sie immer daran, dass sich Martin jetzt an einem besseren Ort befand; dass das Leben nicht so schlecht war, wie es schien.
Unfähig sich zu rühren, betrachtet sie nun schon seit vierzig Minuten das Grab. Die Schatten der nahen Eichen sind ein wenig länger geworden. Gelegentlich reißt der Nordwestwind eine der reifen Eicheln von den Zweigen und schleudert sie auf einen Grabstein, mit einem knackenden Geräusch, als bräche ein Finger. Der Friedhof besteht aus einer weitläufigen, üppige Rasenfläche, die von Wegweisern aus Zement unterteilt wird und im Augenblick größtenteils verlassen daliegt; vor den Gr
absteinen stehen nur eine Handvoll Menschen, alle in ihre eigene, persönliche Tragödie vertieft. Sie fragt sich, ob im Laufe des Tages noch mehr Leute kommen werden, ob es auch auf dem Friedhof eine Art Hauptverkehrszeit gibt. Sie hofft es. Ihr gefällt die Vorstellung nicht, dass Menschen sterben und einfach vergessen werden. In einiger Entfernung fährt ein Kerl auf einem Aufsitz-Rasenmäher um und über die Gräber. Er steuert das Gerät wie einen Rennwagen; wahrscheinlich will er so schnell wie möglich mit seiner Arbeit fertig werden und von hier verschwinden. Der Wind trägt den Lärm des Motors bis zu ihr. Eines Tages wird dieser Kerl, der Hausmeister, auch hier begraben sein. Wer mäht dann den Rasen?
Sie weiß nicht mal, warum sie solche Dinge denkt. Sterbende Hausmeister, Hauptverkehrszeiten, Menschen, die die Toten vergessen. Sie ist immer so, wenn sie hierherkommt. Morbid, völlig durcheinander, als hätte jemand ihre Gedanken in einen Cocktailshaker gesteckt und sie wie verrückt durchgeschüttelt. Sie kommt gerne her, wenigstens einmal im Monat - wenn gerne das richtige Wort ist. Immer, absolut immer schafft sie es, an Martins Todestag hierzusein, und der ist heute. Morgen hätte er Geburtstag. Oder hat er Geburtstag. Sie hat keine Ahnung, ob es noch zählt, wenn man unter der Erde liegt. Aus irgendeinem Grund, den sie nicht erklären kann, besucht sie ihn nie an seinem Geburtstag. Das hätte genau die gleichen Folgen, wie wenn sie das Kruzifix abnehmen würde, da ist sie sich sicher. Ihre Eltern waren bereits früher am Nachmittag hier; das sieht sie an den frischen Blumen, die neben ihren eigenen stehen. Sie ist nie gemeinsam mit ihnen da. Das ist auch so was, dass sie nicht erklären kann, nicht einmal sich selbst.
Sie schließt kurz die Augen. Warum bringt dieser Ort sie nur immer dazu, über unlösbare Fragen nachzugrübeln? Sobald sie den Friedhof verlassen hat, wird es ihr wieder besser gehen. Sie kniet sich hin, streicht zärtlich über die Blumen, die vor dem G
rabstein stehen, und fährt dann mit den Fingern über die Inschrift. Ihr Bruder war fünfzehn, als er starb. Einen Tag vor seinem sechzehnten Geburtstag. Ein Tag Unterschied zwischen Geburts- und Todestag. Wahrscheinlich nicht einmal das. Eher ein halber Tag. Sechs oder sieben Stunden. Was für einen Sinn hat es, dass er mit fünfzehn, fast sechzehn gestorben ist? Die Leute, die hier begraben liegen, sind durchschnittlich zweiundsechzig Jahre alt. Das weiß sie so genau, weil sie es ausgerechnet hat. Sie ist von Grab zu Grab gegangen, hat die Zahlen in einen Taschenrechner getippt und dann geteilt. Sie war neugierig. Wollte wissen, um wie viele Jahre Martin betrogen wurde. Seine knapp sechzehn Jahre auf dieser Erde waren etwas Besonderes, und die Tatsache, dass er geistig behindert war, in Wahrheit ein Segen. Er hatte ihr Leben reicher gemacht, und auch das ihrer Eltern. Er wusste, dass er anders war, dass viele Dinge eine Herausforderung für ihn waren, aber er empfand sein Anderssein nie als Problem. Für ihn ging es im Leben darum, Spaß zu haben. Was konnte daran schon falsch sein?
Sie hatte nie eine Antwort auf ihre Fragen gefunden, nicht hier, nicht beim Verlassen des Friedhofs. Und daran würde sich wohl auch nie was ändern.
Nach einer Stunde wendet sie sich vom Grab ab. Sie möchte ihrem toten Bruder von dem Mann erzählen, mit dem sie zusammenarbeitet und der sie in mancherlei Hinsicht an Martin erinnert. Er hat ein reines Herz und eine kindliche Unschuld, die derjenigen Martins gleicht. Sie möchte ihrem Bruder davon erzählen, doch sie verlässt den Friedhof ohne ein Wort.
Noch bevor sie ihren Wagen erreicht, hat das Kruzifix begonnen, ihren Schmerz zu lindern.


Die Zeitung interessiert mich nicht mehr. Warum Nachrichten lesen, wenn ich derjenige bin, der sie macht? Also falte ich sie einmal zusammen und lege sie neben mir aufs Bett. Ich habe Druckerschwärze an den Fingern und wische sie an der Tagesdecke ab, während ich Angela mustere. Sie
hat diesen bestimmten Gesichtsausdruck, als versuchte sie, eine wirklich schlimme Nachricht zu verdauen, wie etwa, dass ihr Vater von einem Auto angefahren wurde, oder dass ihr das Parfüm ausgegangen ist. Ich beobachte ihr Handtuch. Es rutscht an ihr runter. Sie sieht verdammt gut aus, wenn sie so halbnackt vor mir steht.
Ich heiße Joe, sage ich und lange nach meinem Aktenkoffer. Ich wähle das zweitgrößte Messer, das ich darin aufbewahre. Eine Klinge von feinster Schweizer Machart. Ich halte es hoch. Wir können es beide sehen. Für sie sieht es größer aus, obwohl ich näher dran bin. Hat irgendwas mit der Perspektive zu tun.
Vielleicht haben Sie schon von mir gelesen. Ich bin die Nachricht auf den Titelseiten.
Angela ist eine große Frau mit endlos langen Beinen. Blondem Haar, offensichtlich naturblond, das ihr bis zum Hintern reicht. Sie hat eine gute Figur mit all den Formen und Kurven, die mich überhaupt erst hierhergeführt haben. Ein attraktives Gesicht, das in Zeitschriften für Kontaktlinsen oder Lippenstift werben könnte. Blaue Augen voller Leben und, im Augenblick, voller Angst. Die Angst in ihren Augen erregt mich. Die Angst in ihren Augen verrät, dass sie in der Tat schon von mir gelesen hat, dass sie im Radio von mir gehört oder die Geschichten über mich im Fernsehen gesehen hat.
Sie fängt an, den Kopf zu schütteln, als beantwortete sie eine ganze Reihe von Fragen mit Nein, obwohl ich sie noch gar nicht gestellt habe. Wassertropfen fliegen nach rechts und links, waagerechter Regen mitten im Zimmer. Ihr Haar wirbelt nach hinten, die nassen Spitzen streifen über die Wände. Es schwingt wieder nach vorn und bleibt auf ihrem Gesicht kleben. Und sie bewegt sich rückwärts, als hätte sie woanders was zu tun.
Was - was wollen Sie?, fragt sie. All die selbstsichere Empörung ihrer ersten Frage ist ziemlich genau in dem Augenblick verschwunden, als sie das Messer gesehen hat.
Ich zucke mit den Schultern. Ich kann mir mehrere Dinge vorstelle
n, die ich gerne hätte. Ein nettes Haus. Ein nettes Auto. Ihre Stereoanlage, die immer noch dasselbe Lied spielt - das jetzt unser Lied ist. Ja. Zu einer netten Stereoanlage würde ich nicht Nein sagen. Aber es steht nicht in ihrer Macht, mich damit auszustatten. Ich wollte, es wäre anders, aber das Leben ist nicht so einfach. Ich beschließe, das im Augenblick nicht zu erwähnen. Wir werden uns später noch unterhalten können.
Bitte, bitte. Gehen Sie einfach.
Ich habe das schon so oft gehört, dass ich fast gähne, aber das mache ich nicht, denn ich bin ein wirklich höflicher Mensch. Sie sind aber eine schlechte Gastgeberin, sage ich. Höflich.
Sie sind wahnsinnig. Ich rufe die Polizei.
Ist sie wirklich so dämlich? Glaubt sie wirklich, dass ich ruhig zusehe, wie sie den Hörer abnimmt und die Nummer eintippt? Dass ich mich auf dem Bett zurücklehne und das Kreuzworträtsel in meiner Zeitung löse, bis sie kommen, um mich festzunehmen? Ich fange an, den Kopf zu schütteln wie sie vorhin, nur dass meine Haare trocken sind.
Sie könnten es versuchen, sage ich, wenn der Hörer noch in der Halterung hinge. Was nicht der Fall ist. Ich habe ihn rausgenommen, während ich meine Pizza aß. Ihre Pizza.
Sie dreht sich um und rennt in Richtung Bad. Ich bewege mich auf sie zu. Sie ist schnell. Ich bin schnell. Ich werfe das Messer. Klinge über Griff, Griff über Klinge. Der ganze Trick beim Messerwerfen ist einzig und allein die Balance ... wenn man ein Profi ist. Wenn nicht, läuft alles auf pures Glück hinaus. Wir beide hoffen in diesem Moment auf Letzteres. Die Klinge streift seitlich ihren Arm, trifft die Wand und fällt klirrend zu Boden, während Angela hinter der Badezimmertür verschwindet. Sie knallt sie zu, verschließt sie, und ich krache mit voller Wucht seitwärts in die Tür. Sie rührt sich kaum in ihrem Rahmen.
Ich trete ein paar Schritte zurück. Ich kann immer noch nach Hause gehen. Mein Zeug zusammenpacken. Den Aktenkoffer schließen. Meine Latexhands
chuhe ausziehen. Verschwinden. Aber so einfach ist das nicht. Ich hänge an meinem Messer und an meiner Anonymität. Das bedeutet, ich muss bleiben.
Sie ruft um Hilfe. Aber die Nachbarn werden sie nicht hören. Ich weiß das, denn ich habe meine Hausaufgaben gemacht, bevor ich hergekommen bin. Das Haus liegt weit zurückversetzt, dahinter beginnt eine Wiese; wir befinden uns im obersten Stockwerk, und keiner ihrer nächsten Nachbarn ist zu Hause. Die Hausaufgaben sind das Entscheidende. Wenn man mit irgendwas im Leben Erfolg haben will, muss man sie ordentlich erledigen. Das kann man gar nicht oft genug betonen.
Ich gehe durchs Schlafzimmer und wähle ein weiteres Messer aus. Es ist das größte. Gerade will ich zum Bad zurückgehen, als eine Katze ins Zimmer kommt. Das verdammte Vieh ist auch noch freundlich. Ich beuge mich runter und tätschle es. Es schmiegt sich gegen meine Hand und fängt an zu schnurren. Ich hebe es hoch.
Zurück an der Badezimmertür rufe ich laut: Kommen Sie raus, oder ich breche Ihrer Katze das Genick.
Bitte, bitte, tun Sie ihr nicht weh.
Das ist Ihre Entscheidung.
Also warte ich. Wie alle Männer, wenn die Frauen im Bad sind. Wenigstens schreit sie nicht. Ich kraule Fluffy unter ihrem weichen Hals. Sie schnurrt nicht mehr.
Bitte, was wollen Sie?
Meine Mutter, Gott schenke ihrer Seele Frieden, hat mich immer ermahnt, ehrlich zu sein. Aber manchmal ist das einfach nicht der richtige Ansatz. Nur mit Ihnen reden, lüge ich.
Werden Sie mich umbringen?
Ich schüttele ungläubig den Kopf. Typisch Frau. Nein.
Das Schloss gibt ein deutliches Knacken von sich, als sich die Badezimmertür öffnet. Sie wird also eher ihr Glück mit mir versuchen, als zuzulassen, dass ihre Katze getötet wird. Vielleicht ist die Katze ja wertvoll.
Langsam geht die Tür auf. Ich rühre mich nicht von der Stelle. Ich bin viel zu erstaunt über ihre Dummheit, als dass ich mich bewegen würde. Als die Tür weit genug offen steht, lasse ich
Fluffy fallen. Sie landet als wirrer Fellklumpen mit seitlich verdrehtem Kopf und in sämtliche Richtungen abstehenden Beinen, die auf denjenigen zu deuten scheinen, der dafür verantwortlich ist. Angela sieht die Katze fallen, hat aber keine Gelegenheit zu schreien. Ich drücke mit dem ganzen Körper gegen die Tür, und sie ist nicht stark genug, um mich draußen zu halten. Die Tür gibt nach, als Angela das Gleichgewicht verliert. Sie knallt gegen die Duschkabine, und das Handtuch rutscht ihr aus den Händen.
Ich trete ins Badezimmer. Der Spiegel ist noch immer beschlagen. Der Duschvorhang ist mit ein paar Dutzend Gummienten verziert, die mich allesamt anlächeln. Sie sind alle genau gleich ausgerichtet und sehen aus, als zögen sie übers Meer in einen Krieg. Angela fängt wieder mit dem üblichen Gekreische an, das ihr bisher überhaupt nichts gebracht hat und ihr auch jetzt nichts bringen wird. Ich schleife sie zurück ins Schlafzimmer, wobei ich ihr ein paar verpassen muss, um sie zum Mitspielen zu überreden. Sie versucht, mich abzuwehren, aber ich habe mehr Erfahrung damit, Frauen gefügig zu machen, als sie, sich selbst zu verteidigen. Sie verdreht die Augen und besitzt die Frechheit, in meiner Gegenwart ohnmächtig zu werden.
Die Stereoanlage läuft noch immer. Vielleicht werd ich sie mitnehmen, wenn das hier vorbei ist. Ich ziehe Angela hoch, werfe sie aufs Bett und rolle sie auf den Rücken. Dann gehe ich durchs Schlafzimmer, nehme die Fotos ihrer Familie von den Wänden und klappe diejenigen um, die noch auf den Regalen und der Fensterbank stehen. Das letzte Bild, auf das ich einen Blick werfe, zeigt ihren Mann und zwei Kinder. Ich vermute mal, dass er problemlos das Sorgerecht erhalten wird.
Der nächste Schritt unserer Romanze besteht darin, dass ich meine Glock 9 Millimeter Automatik auf den Nachttisch lege, wo ich sie leicht erreichen kann. Ein hübsches Exemplar. Ich habe sie vor vier Jahren gekauft, als ich mit der Arbeit anfing. Hat mich dreitausend Doll
ar gekostet. Waffen auf dem Schwarzmarkt sind immer teurer, aber dafür anonym. Ich habe das Geld von meiner Mutter gestohlen, die den Nachbarskindern die Schuld gab. Sie ist eine dieser verrückten Frauen, die sich davor fürchten, auf die Bank zu gehen, weil sie den Angestellten dort misstrauen. Die Waffe hab ich für den Fall, dass der Ehemann früher nach Hause kommt. Oder wenn ein Nachbar vorbeischaut. Vielleicht hat Angela ja auch eine Affäre. Vielleicht fährt ihr Liebhaber gerade in diesem Augenblick vor dem Haus vor.






Was für ein großartiges Talent!


Kundenbewertungen zu Paul Cleave „Der siebte Tod“
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Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll - von woodwoman - 05.12.2010 zu Paul Cleave „Der siebte Tod“
Joe arbeitet also als Putzhilfe bei der Polizei und bringt Menschen um. Auf dem Revier spielt er einen zurückgebliebenen jungen Mann, der von jedem gemocht wird. Doch in seinem Kopf und in seiner Freizeit sieht alles anders aus. Der siebte Tod ist aus Joes Sicht geschrieben und man merkt schnell, dass dieser Mann gehörig einen an der Klatsche hat und gänzlich unsymphatisch ist. Die Außenstehenden sehen das natürlich nicht, da er dort immer den Netten und Tollpatschigen von nebenan mimt. Er beteuert immer wieder, dass er menschlich und nicht verrückt sei. Er sei anders als andere Serienkiller. Letztendlich merkt man als Leser aber schnell, dass sich wohl jeder Serienkiller für etwas Besonderes hält und so solche Gedanken entstehen. Joe ist selbstsicher, wahrscheinlich sogar intelligent und brutal. Diese Fassade fängt erst an langsam zu bröckeln, wenn eine weitere Leiche auftaucht und man sie ihm in die Schuhe schieben will. Joe macht sich an die Arbeit und stellt eigene Ermittlungen an. Durch einen seltsamen Fund am Tatort muss es jemand von der Polizei selbst gewesen sein und Joe macht sich, ganz ritterlich, wie er ja ist..., auf die Suche nach dem Täter. Der siebte Tod ist ein Buch mit gewaltigen Höhen und Tiefen und man wird grundsätzlich überrascht. Die Charaktere entwickeln sich und die Handlung nimmt immer nur bis zu einem gewissen Punkt ab um dann wieder nach oben zu schnellen und den Leser total aus den Socken zu hauen. Letztendlich gibt es sogar drei Killer in dem Buch und erst zum Schluss klärt sich alles auf... Ich gehöre zu den Lesern, die sich selbst so ihre Gedanken machen und auch gern mal mitraten, wer es denn nun gewesen ist. Hier war es ein wenig schwierig und immer dann wenn ich dachte ich hätte den Täter, wurde meine Spur auf jemand anderen gelenkt. Oder eine neue Handlung trat ein, die mir ganz andere Sorgen bereitete. Mit einem Charakter fieberte ich ganz besonders mit und zwar war es eine Katze, die Joe verletzt am Straßenrand aufgegabelt und zum Tierarzt gebracht hat. Nachdem der Kater aber seine geliebten Freunde und Goldfische Pickles und Jehovas gefressen hat, war Joe nicht sehr erbaut und wollte seine ganze Wut an dem armen Tier auslassen. Hier will ich etwas spoilern. Dem Kater geht¿s gut ;) (und das ist auch gut so. Es wäre wahrscheinlich ein Grund für mich gewesen, das Buch wegzulegen...) Fazit: Gutes Buch, ohne allzu viel blutige Details, spannend bis zum Schluss und eine tatsächliche Entwicklung aller Charaktere.
Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Lesefutter - von bücherwurm - 02.07.2010 zu Paul Cleave „Der siebte Tod“
Spannend, man ist gut unterhalten und hatte ein paar nette Lesestunden. Nicht mehr, nicht weniger. Eben Lesefutter.
Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Nicht mein Fall - von sternthaler75 - 20.10.2009 zu Paul Cleave „Der siebte Tod“
Joe, ein junger Mann, arbeitet bei der Polizei als Putzkraft. Er wohnt nicht mehr bei seiner Mutter, wird aber von ihr mächtig unterdrückt. Ab und zu mischt er ihr ein wenig Rattengift ins Essen. Und nebenbei bringt er Menschen um- hauptsächlich Frauen, und zwar auf ziemlich widerliche Art und Weise. Er trägt immer einen Aktenkoffer bei sich, in dem sich alle notwendigen Utensilien befinden. Joe bricht dazu in die Häuser ein, um seine Opfer zu überraschen. Er ist davon überzeugt, dass die Polizei ihn nie kriegen wird, da er sich in der Öffentlichkeit als Behinderter ausgibt, und weil er dort arbeitet, kommt er an ziemlich vielen Informationen, und ist den Ermittlungen immer etwas voraus. Doch dann geschieht ein Mord, mit dem er nichts zu tun hat, er wird ihm aber untergeschoben... und das passt Joe verständlicherweise überhaupt nicht. Er macht sich auf die Suche, bei der es zu einigen unerwarteten Begegnungen kommt. Insgesamt recht langatmig geschrieben, das eingebildete Getue von Joe geht mir zwischendurch ziemlich auf die Nerven, man möchte den Typen am liebsten mal schütteln, und ihm sagen, er soll endlich aufwachen.
Bewertungsstern, voll Müder Tod - von Polar - 25.11.2007 zu Paul Cleave „Der siebte Tod“
Auf dem Papier erscheint manche Idee oft so überzeugend, dass ein Autor der Meinung ist, einen spannenden Plot daraus entwickeln zu können. Leider ist das nicht immer der Fall, und auch Paul Cleave mag beim Schreiben gedacht haben, dass ein Thriller aus der Sicht eines Serienkillers zu schreiben, ein Selbstläufer ist, wenn nur genug Morde und grausame Schilderungen darin vorkommen. Sein Anti-Held überzeugt nicht. Er weiß alles, er kann alles und er stellt sich dumm. Ausgerechnet als Putzkraft im Polizeipräsidium, an der Quelle sozusagen. Natürlich dürfen nicht die hysterische Mutter, die einen Sohn in den Wahn treibt, und auch nicht die abgeschmackte drastische Beschreibung sexueller Abartigkeiten fehlen. Wenn dann auch noch Melissa auftaucht, Joes Folter, sein Verlust eines Hodens minutiös geschildert wird, driftet das Ganze in ein krudes Gespinst ab, das überraschen soll, aber einen nicht zu fesseln versteht. Hitchcock hat einmal behauptet, der Unterschied zwischen seinen Filmen und denen anderer Regisseure bestehe darin, daß er sich nicht auf die Überraschung verlasse, die nur von kurzer Dauer sei. Spannung erzeuge man durch die spärlich verstreute Information, die ein Zuschauer erfährt und die wie eine Saat aufgehen müsse. Zwar wissen wir alles über Joe, aber er langweilt uns. Auch die Arbeitskollegin Sally überzeugt nicht wirklich. Das gesamte Personal ist zu eindimensional der Sicht der Hauptfigur unterworfen. Selbst Melissa nimmt niemand ihre scheinbare Überlegenheit ab. So fließt die Geschichte in einem behäbigen Redestrom dem Showdown zu und hat ihren Leser längst verloren.
Bewertungsstern, voll - von Anonym - 07.11.2007 zu Paul Cleave „Der siebte Tod“
Mir hat der Roman überhaupt nicht gefallen und nach einem Drittel habe ich das Buch weggelegt und aussortiert. Einer Freundin habe ich dann den Roman überlassen, aber auch sie war davon überhaupt nicht begeistert und hat es auch nicht zu Ende gelesen. Das zeigt mal wieder, dass Geschmäcker sehr verschieden sind und man sich nicht immer auf eine Beurteilung verlassen kann.
Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Da bleibt einem der Mund offen stehen - von Schreiber - 12.09.2007 zu Paul Cleave „Der siebte Tod“
Und auch heute noch, wenn ich darüber nachdenke, ist Joe jemand, den man unbedingt kennenlernen muss als Frau... Komisch irgendwie, aber man hat immer das Gefühl, dass man genau auf so jemanden wie ihn reinfallen würde. Man würde in seine Falle tappen. Denn man würde ihn einfach begehren, wenn man ihm begegnet. Als Frau die absolute Horrorvorstellung, und dennoch bekommt man einen etwas schnelleren Puls, wenn man sich erstmal in Joe hineingelesen hat. Er ist sympathisch und gleichzeitig gefährlich. Scheint gut auszusehen, und man stellt sich schon für die Verfilmung die bestaussehendsten Hollywoodschauspieler vor. Den Typen Mann, dem man keine Morde zutrauen würde. Jedes Klischee von "Ach, der nette Mann von nebenan? Niemals! Der doch nicht, der war doch immer so höflich und ruhig!" Und dann gelangt man auf die letzte Seite, hat das Bild des Autors plötzlich vor sich liegen und denkt nur: "WOW!" Das könnte Joe selbst sein. Attraktiver Mann, etwas verwegener Blick, Verschlossenheit nach aussen, einfach nur super interessant, ja, das könnte er selbst sein. Und schon hat der Roman wieder etwas authentisches mehr. Schock! Wirklich? Ja, wirklich. Es könnte alles genauso passiert sein, wie Paul Cleave es beschreibt. Bis ins kleinste Detail - ich würde wetten, die Polizei durchleuchtet das Putzpersonal seit diesem Roman etwas genauer. Mich fesselte die Story, die Beschreibung Joes, die Handlung selbst, der Ablauf, das Wettrennen mit der Polizei und auch immer und immer wieder die Wendungen, die das Buch mit sich führt. Und man fragt sich auch gleich, wie ein Autor auf solche krassen Gedanken kommt. Krimi hin oder her - hierfür muss man schon etwas "anders" sein, denke ich. Phantasie, die doch wieder realistisch ist. Sehr erschreckend. Cleaves Schreibstil: Packend. Eine bessere Umschreibung fällt mir dazu nicht ein. Man will es nicht aus der Hand legen, das Buch wird ständiger Begleiter, trinkt den Morgenkaffee mit und badet sogar in der Badewanne, von der Zugfahrt ganz zu schweigen. Locker und leicht ohne Windungen und Spitzfindigkeiten, einfach so, wie man gerne lesen will! Für mich der Schocker des Jahres. Spannung pur, Unterhaltung total, Sexappeal auf jeden Fall - volle Punktzahl, mein bisheriger Bestseller!!!!!!
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