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Dämmerung des Herzens

Drake-Schwestern 01 und 02. Originaltitel: Magic in the W…
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Produktdetails

Titel: Dämmerung des Herzens
Autor/en: Christine Feehan

ISBN: 3453811615
EAN: 9783453811614
Drake-Schwestern 01 und 02.
Originaltitel: Magic in the Wind (1 - Sarah) + The Twilight before Christmas (2 - Kate).
'Heyne-Bücher Allgemeine Reihe'.
Deutsche Erstausgabe.
Herausgegeben von Birgit Groll
Übersetzt von Ursula Gnade
Heyne Taschenbuch

1. April 2008 - kartoniert - 448 Seiten

Die Königin der Romantic Mystery!

Nach längerer Abwesenheit kommt Sarah nach Sea Haven zurück. Der menschenscheue Damon, der erst vor Kurzem in den kleinen kalifornischen Küstenort gezogen ist, fühlt eine seltsame Anziehungskraft und möchte Sarah unbedingt kennenlernen. Ihr Haus öffnet sich ihm bereitwillig, und auch Sarah fühlt sich zu dem rätselhaften Fremden hingezogen. Doch kann sie Damon, der von schwer bewaffneten Männern verfolgt wird, trauen?

Inzwischen trifft auch Sarahs Schwester Kate, eine erfolgreiche Schriftstellerin, in Sea Haven ein und sucht einen ruhigen Platz zum Schreiben. Sie kauft die alte Mühle des Ortes, und ihr Jugendfreund Matt, der sie seit Jahren verehrt, bietet ihr seine Hilfe beim Umbau an. Da erschüttert ein Erdbeben die Küste und legt eine gefährliche Gruft unter der Mühle frei.

Christine Feehan wurde in Kalifornien geboren, wo sie heute noch mit ihrem Mann und ihren elf Kindern lebt. Sie begann bereits als Kind zu schreiben und hat seit 1999 mehr als siebzig Romane veröffentlicht, die in den USA mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet wurden und regelmäßig auf den Bestsellerlisten stehen. Auch in Deutschland ist sie mit den »Drake-Schwestern«, der »Sea Haven-Saga«, der »Schattengänger-Serie«, der »Leopardenmenschen-Saga« und der »Shadows«-Serie äußerst erfolgreich.
Sarah ist wieder da. Sarah ist nach Hause gekommen. Das übertrieben laute Flüstern war überall zu hören und darin schwang etwas mit, das an Furcht grenzte. Oder an Respekt. Damon Wilder konnte sich nicht recht entscheiden, was es war. Schon seit Stunden hörte er, wie die ganze Kleinstadt darüber tuschelte, und jeder, der diese Mitteilung weitergab, sprach mit gesenkter Stimme. Seine Neugier war geweckt, auch wenn er es sich ungern eingestand und gar nicht daran dachte, sich zu Fragen herabzulassen. Schließlich hatte er seit seiner Ankunft im vergangenen Monat die Abgeschiedenheit gesucht und im notwendigen Umgang mit anderen strikt darauf beharrt, seine Privatsphäre zu wahren.
Als er über den schmalen pittoresken Gehsteig aus hölzernen Planken lief, schien selbst der Wind zu flüstern: Sarah ist wieder da. Er hörte es, als er an der Tankstelle vorbeikam und der stämmige Jeff Dockins ihm zuwinkte. Er hörte es, als er unnötig lange in der kleinen Bäckerei herumstand. Sarah. Der Name hätte nicht geheimnisvoll klingen sollen, doch er tat es.
Er hatte keine Ahnung, wer Sarah war, aber sie nötigte den Einwohnern des Städtchens so viel Interesse und Ehrfurcht ab, dass er gegen seinen Willen restlos fasziniert war. Dabei wusste er aus Erfahrung, dass sich die Leute in dem verschlafenen kleinen Küstenort nicht so leicht beeindrucken ließen. Mit Geld, Ruhm und Titeln erwarb man sich hier keine Achtung. Alle wurden gleich behandelt, von den Ärmsten bis hin zu den Reichsten, und Vorurteile gegen bestimmte Religionen oder sonstige Vorlieben schien es hier nicht zu geben. Gerade deshalb hatte er sich diese Kleinstadt ausgesucht. Hier konnte man sein, wer man wollte, und keiner störte sich daran.
Den ganzen Tag nun hatte er die Menschen miteinander flüstern hören. Und nicht ein einziges Mal hatte er die mysteriöse Sarah auch nur flüchtig zu sehen bekommen, aber er hatte gehört, sie sei einmal an einer der Steilklippen über dem Meer hinaufgeklettert, um einen Hund zu ret
ten. Eine undurchführbare Aufgabe. Er hatte diese abbröckelnden Klippen gesehen. Dort konnte niemand hinaufklettern. Die Vorstellung, jemand könnte sich an einem derart aussichtslosen Kunststück probieren, entlockte ihm ein Lächeln, obwohl es so gut wie nichts gab, was ihn amüsierte. Oder gar faszinierte.
Das einzige Lebensmittelgeschäft weit und breit befand sich im Zentrum der Kleinstadt. Dort wurden die meisten Gerüchte in Umlauf gesetzt und breiteten sich dann wie ein Lauffeuer aus. Damon beschloss, er bräuchte noch ein paar Kleinigkeiten, bevor er sich wieder auf den Heimweg machte. Er war noch keine zwei Minuten in dem Laden, als er auch dort hörte: Sarah ist wieder da. Die üblichen gesenkten Stimmen, in denen sich dieselbe Ehrfurcht und derselbe Respekt ausdrückten.
Inez Nelson, die Besitzerin des Lebensmittelladens, hielt Hof und plauderte, wie sie es sonst auch tat, die neuesten Nachrichten aus, statt die Preise der Lebensmittel in die Registrierkasse einzutippen. Normalerweise machte es ihn verrückt, wenn er warten musste, aber diesmal ließ er sich Zeit und trieb sich länger als nötig am Brotregal herum, weil er hoffte, er würde mehr über die geheimnisvolle Sarah erfahren.
Bist du ganz sicher, Inez?, fragte Trudy Garret und zog ihren vierjährigen Sohn so eng an sich, dass sie das arme Kind mit ihrer Umarmung fast erwürgte. Sind ihre Schwestern auch da?
Ja, gewiss. Sie ist gleich in den Laden gekommen, in voller Lebensgröße, und hat eine Menge Lebensmittel eingekauft. Sie hat gesagt, sie wohnt wieder im Haus auf der Klippe. Die anderen hat sie mit keinem Wort erwähnt, aber wenn eine von ihnen auftaucht, dann lassen die anderen nie lange auf sich warten.
Trudy Garret sah sich um und senkte erneut die Stimme. War sie immer noch ... Sarah?
Damon verdrehte die Augen. Er konnte seine Mitmenschen nicht ausstehen, weil sie ihn ständig bis aufs Blut reizten. Er hatte sich eingebildet, der Umzug in eine Kleinstadt würde es ihm ermöglichen, in
einem gewissen Maß mit den Leuten auszukommen, aber die meisten Menschen waren nun mal nichts anderes als Vollidioten. Natürlich war Sarah noch Sarah. Wer zum Teufel hätte sie denn sonst sein sollen? Sarah war vermutlich im Umkreis von fünfzig Meilen die einzige Person, die Verstand besaß, und daher hielten alle sie für etwas ganz Besonderes.
Was könnte das zu bedeuten haben?, fragte Trudy. Sarah kommt doch nur zurück, wenn Gefahr droht.
Ich habe sie gefragt, ob alles in Ordnung ist, und sie hat lächelnd ja gesagt. Du kennst ja dieses Lächeln, das so typisch für sie ist. Aber du erwartest doch gewiss nicht von mir, dass ich meine Nase in Sarahs Angelegenheiten stecke, oder, meine Liebe?, sagte Inez scheinheilig.
Damon schnaubte entrüstet. Inez hatte es sich zur Lebensaufgabe gemacht, ihre Nase in anderer Leute Angelegenheiten zu stecken. Weshalb hätte sie da bei der besagten Sarah eine Ausnahme machen sollen?
Als sie das letzte Mal hier war, wäre Dockins beinah gestorben, erinnerst du dich noch?, fragte Trudy. Er ist vom Dach seines Hauses gefallen und Sarah kam zufällig gerade vorbei und hat . Sie ließ ihren Satz abreißen, sah sich im Laden um und senkte ihre Stimme zu einem verschwörerischen Flüstern. Der alte Mars, der den Obststand betreibt, hat gesagt, Penny hätte ihm erzählt, dass Sarah .
Trudy, meine Liebe, du weißt doch, dass auf die Dinge, die Mars sagt, nicht der geringste Verlass ist. Er ist ein netter und gutmütiger Kerl, aber manchmal geht seine Phantasie mit ihm durch.
Der alte Mars war mürrisch und konnte ziemlich fies sein. Und er war dafür bekannt, dass er mit Obst nach Autos warf, wenn er schlecht genug aufgelegt war. Damon wartete darauf, dass ein Blitz aus heiterem Himmel Inez treffen würde, um sie für diese offenkundige Lüge zu bestrafen, aber nichts passierte. Das Schlimmste war jedoch, dass Damon wissen wollte, was der alte Mars über Sarah gesagt hatte, selbst wenn es eine offenkundige Lüge war. Und das war es, was ihn
wirklich erboste - seine eigene Neugier.
Trudy beugte sich noch weiter zu Inez vor und sah melodramatisch nach rechts und nach links, ohne seine Anwesenheit auch nur zu bemerken. Damon seufzte tief und hätte die Frau am liebsten an den Schultern gepackt und sie geschüttelt. Erinnerst du dich noch daran, wie der kleine Paul Baily damals in dieses Loch im Eis gefallen ist, in dem die Wale Luft holen?
Jetzt, wo du es sagst, fällt es mir wieder ein. Er war hoffnungslos eingekeilt und so tief runtergerutscht, dass keiner an ihn rankommen konnte. Und die Flut war am Einlaufen.
Ich war da, Inez, ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie sie ihn rausgeholt hat. Trudy richtete sich auf. Penny hat gesagt, sie hätte von ihrer Friseurin gehört, dass Sarah für einen Geheimdienst arbeitet, und die haben sie als Geheimagentin ins Ausland geschickt, in irgendein fernes Land, damit sie dort den Anführer einer Terroristengruppe ermordet.
Oh, nein, Trudy, das glaube ich nicht. Sarah könnte nichts und niemanden töten. Die Ladenbesitzerin schlug sich ihre zitternden Finger auf die Kehle. Das kann ich mir einfach nicht vorstellen.
Damon reichte es von dem dummen Geschwätz. Wenn diese Frauen ohnehin nichts Hörenswertes sagten, war es wohl das Beste, wenn er fluchtartig von hier verschwand, bevor Inez ihn in die Mangel nehmen konnte. Er knallte seine Lebensmittel auf die Theke und gab sich so gelangweilt wie möglich. Ich habe es eilig, Inez, sagte er in der Hoffnung, sich das Leben zu erleichtern. Vielleicht gelang es ihm ausnahmsweise, sich ihren Versuchen zu entziehen, ihn routinemäßig zu verkuppeln.
Na, so was, Damon Wilder! Wie schön, Sie zu sehen. Haben Sie schon die Bekanntschaft von Trudy Garret gemacht? Trudy ist eine wunderbare Frau. Sie ist hier geboren und arbeitet im Grillroom der Salt Bar. Waren Sie da schon mal zum Essen? Der Lachs ist sehr empfehlenswert.
Ja, das habe ich schon gehört, murmelte er und würdigte Trudy kaum eines Blickes, obwohl sie i
hm gerade vorgestellt worden war. Aber das änderte auch nichts. Sie hatten alle längst eine vorgefasste Meinung über ihn und ihm eine Vorgeschichte angedichtet, da er sich weigerte, ihnen Anhaltspunkte zu geben. Er verspürte einen Anflug von Mitleid mit dieser gerade erst zurückgekehrten Sarah. Auch ihr dichteten sie Dinge an. Vielleicht könnten Sie mir etwas über dieses wunderschöne alte Haus auf der Klippe erzählen, sagte er zu seinem eigenen Entsetzen. Wie konnte ihm so etwas passieren? Er war schockiert. Inez war ebenfalls schockiert. Er hatte noch nie jemandem Gelegenheit gegeben, mit ihm ins Gespräch zu kommen. Er wollte in Ruhe gelassen werden. Der Teufel sollte diese verfluchte Sarah holen, und sei es auch nur, weil sie derart mysteriös war.
Inez sah aus, als würde sie jeden Moment ohnmächtig, und sie war ausnahmsweise sprachlos.
Sie wissen doch bestimmt, von welchem Haus ich rede, hakte Damon gegen seinen Willen nach. Dreistöckig, überall Balkone, ein runder Turm. Um das Haus herum ist alles wüst überwuchert, aber es gibt einen Pfad, der von dem Grundstück zum alten Leuchtturm führt. Ich bin dort oben herumgelaufen, und da alles so verwildert ist, habe ich damit gerechnet, das Haus in einem schlechten Zustand vorzufinden, baufällig wie die meisten leer stehenden Häuser in dieser Gegend. Aber es war wunderbar erhalten. Ich wüsste gern, welch besonderes Baumaterial oder welche Farbe man hier verwendet hat.
Das Grundstück ist Privateigentum, Mr. Wilder, sagte Inez. Das Haus ist seit weit mehr als hundert Jahren im Besitz derselben Familie. Ich weiß nicht, welche Zusätze sie der Farbe beigeben, aber sie ist wetterfest. Und niemand lungert in der Nähe dieses Hauses herum. Inez erteilte ihm eindeutig eine Rüge.
Ich lungere keinesfalls dort herum, Inez, sagte er aufgebracht. Wie Sie selbst sehr gut wissen, setzt die salzige Meeresluft der Farbe und dem Holz der Häuser zu. Dieses Haus ist in einem auffällig guten Zustand. Es sieht tatsächlich aus, a
ls sei es gerade erst gebaut worden. Da fragt man sich natürlich, womit sich das erreichen lässt. Ich würde mein Haus gern mit demselben Mittel schützen. Er strengte sich an, einen vernünftigen Eindruck zu erwecken und sich seine Gereiztheit nicht allzu sehr anmerken zu lassen. Ich verstehe selbst etwas von Chemie und ich komme nicht dahinter, wie man ein Haus über so viele Jahre in einem neuwertigen Zustand erhalten kann. Es gibt keinerlei Anzeichen für Schäden durch das Meer oder Abnutzungserscheinungen durch das Alter des Hauses. Noch nicht einmal für Schäden, die durch Insekten verursacht worden sind. Das ist ganz bemerkenswert.
Inez schürzte ihre Lippen. Das war immer ein schlechtes Zeichen. Ich kann Ihnen nur sagen, dass ich keine Ahnung habe. Ihre Stimme klang so steif, als hätte er sie grob beleidigt. Sie tippte die Preise seiner Lebensmittel mit beachtlicher Geschwindigkeit in die Kasse, ohne ein weiteres Wort zu verlieren.
Damon nahm die Tüten in einen Arm und bedeutete Inez mit seinem Gesichtsausdruck, sie solle sich unterstehen, ihn zu fragen, ob er Hilfe bräuchte. Er stützte sich schwer auf seinen Gehstock und wandte sich an Trudy. Der Mann, der den Hund der Friseurin ausführt, hat dem Straßenkehrer erzählt, er hätte gesehen, wie Sarah übers Wasser gegangen sei.
Trudys Augen weiteten sich schockiert, doch ihrem Gesicht war deutlich anzusehen, dass sie ihm glaubte. Inez gab ein Geräusch von sich, das er nicht einordnen konnte. Damon machte angewidert auf dem Absatz kehrt und ging steifbeinig zur Tür. Seit er das erste Mal gehört hatte, wie die Leute Sarahs Namen flüsterten, war er alarmiert. Verstört. Aufgewühlt. Ein Gefühl, das ihm gänzlich unvertraut war, regte sich in ihm und wurde immer stärker. Vorfreude? Aufregung? Es war einfach lachhaft. Tonlos verfluchte er die abwesende Sarah.
Er wollte in Ruhe gelassen werden, oder etwa nicht? Er hatte nicht das geringste Interesse an der Frau, über die sämtliche Einwohner der Kleinstadt tusche
lten. Zwar glaubte er nicht, dass Sarah übers Wasser laufen konnte, aber ihr Haus war ihm ein Rätsel. Es sprach doch sicher nichts dagegen, ihr einen gutnachbarlichen Besuch abzustatten, um sich zu erkundigen, mit welchen Konservierungsmitteln das Haus behandelt worden war, denn das erzielte Ergebnis war einfach unglaublich.
Damon Wilder war ein Mann, der an den Rand des Wahnsinns getrieben worden war. Der Umzug in diesen kleinen Küstenort war seine letzte Anstrengung gewesen, sich an das Leben zu klammern. Er hatte keine Ahnung, wie er das anstellen würde oder warum er sich ausgerechnet diesen ganz bestimmten Ort mit all den Spinnern ausgesucht hatte, die sich hier angesiedelt hatten, aber diese Kleinstadt hatte ihn magnetisch angezogen. Nichts anderes kam in Frage. Als er zum ersten Mal den fruchtbaren Boden dieses Ortes unter seinen Füßen gespürt hatte, war ihm klar gewesen, dass er in Zukunft entweder hier zu Hause sein oder überhaupt kein Zuhause mehr haben würde. Es war verteufelt schwer, sich hier einzuleben, aber das Meer besänftigte ihn und die langen Spaziergänge über Millionen von Jahren alte Felsen und Klippen lenkten ihn ab.
Damon ließ sich Zeit damit, die Lebensmittel wegzuräumen. Die Gewissheit, dass dieser Ort seine letzte Chance war, war so stark gewesen, dass er tatsächlich ein Haus hier gekauft hatte. Sein Haus zählte zu den wenigen Dingen, die ihm Freude bereiteten, und mit Begeisterung nahm er die Umbauarbeiten daran vor. Er liebte das Holz, aus dem es gebaut war. Er konnte restlos darin aufgehen, die Räume kunstvoll so umzugestalten, dass sie exakt auf seine Bedürfnisse zugeschnitten waren. Stundenlang nahm ihn die Arbeit an dem Haus so vollständig in Anspruch, dass nichts anderes in sein Gehirn vordringen konnte und er eine Zeit lang Frieden fand.
Aus seinem großen Erkerfenster sah er aufs Meer hinaus. Es war das einzige Fenster, das einen ungehinderten Ausblick auf das Haus auf der Klippe bot. Damon hatte mehr Stunden, als er sich
selbst eingestehen wollte, damit verbracht, zu den dunklen Fenstern, hinter denen sich nichts regte, den Balkonen und den Zinnen aufzublicken. Es war ein einzigartiges Haus aus einem anderen Jahrhundert, das nicht in diese Zeit und nicht an diesen Ort gehörte. Jetzt brannten zum ersten Mal Lichter. Die Fenster leuchteten hell und einladend.
Sein Bein tat teuflisch weh. Er musste sich dringend hinsetzen und sich ausruhen. Es kam überhaupt nicht in Frage, dass er jetzt durch die Gegend latschte. Damon starrte das Haus an und fühlte sich von seiner Wärme angelockt. Es erschien ihm fast wie ein Lebewesen, das ihn anflehte, näher zu kommen. Er trat auf die Veranda hinaus, denn er hatte die Absicht, sich dort auf den Stuhl zu setzen und den Meerblick zu genießen. Stattdessen humpelte er unbeirrbar den Pfad zu den Klippen hinauf. Der Drang war unwiderstehlich. Der schmale Fußweg führte steil bergauf und war stellenweise steinig, kaum mehr als ein Trampelpfad und noch dazu überwuchert. Sein Stock glitt auf dem Kies aus und zweimal wäre er beinah hingefallen. Als er die Grenze des privaten Grundstücks erreicht hatte, fluchte er schon seit einer Weile leise vor sich hin.
Plötzlich blieb er schockiert stehen und starrte den Anblick an, der sich ihm bot. Es waren noch keine zwei Tage vergangen, seit Damon das letzte Mal hier gewesen und um das Grundstück, auf dem das Haus stand, herumgelaufen war. Es war wüst überwuchert gewesen, die Büsche in die Höhe geschossen und allseits von Unkraut umgeben, die Sträucher und Bäume unter ihrem winterlich dunklen Laub gebeugt. Aber so richtig schaurig und gespenstisch hatte der Ort vor allem durch seine auffällige Stille gewirkt. Kein Laut war zu hören gewesen. Jetzt aber blühten Blumen, die reinste Farbenpracht schlug ihm entgegen und unter seinen Füßen fühlte er einen dichten Teppich aus Gras. Er konnte die Insekten surren und Frösche munter quaken hören, als hätte von einem Moment zum anderen der Frühling Einzug gehalten.
Da
s Tor, das bisher fest verschlossen gewesen war, stand einladend offen. Alles schien ihn willkommen zu heißen. Ein Gefühl von Frieden begann sich in sein Herz einzuschleichen. Am liebsten hätte er sich auf eine der verlockenden Bänke gesetzt und die Atmosphäre tief in sich eingesogen.
An den Spalieren zogen sich Kletterrosen hinauf und überall blühten üppige Rhododendren, die wie ganze Wälder wirkten. Nie hatte er derart hohe Rhododendren gesehen. Als er sich auf den Weg zum Haus machte, fiel Damon auf, dass nirgends eine Spur von Unkraut zu sehen war. In jeden der Trittsteine auf dem Fußpfad war ein anderes Symbol eingemeißelt. Es musste große Mühe darauf verwandt worden sein, das jeweilige Symbol so tief in den Stein einzuritzen. Damon beugte sich hinunter und bewunderte die Kunstfertigkeit, mit der hier bis ins kleinste Detail gearbeitet worden war. Die Kunsthandwerker in dieser Kleinstadt schienen sich alle durch handwerkliche Geschicklichkeit und Präzision auszuzeichnen, ein Charakterzug, vor dem er große Achtung hatte.
Als er sich dem Haus näherte, kam über dem Meer eine Brise auf, die kleine Tröpfchen Gischt und eine liebliche Melodie mit sich zu tragen schien. Sarah ist wieder da. Sarah ist nach Hause gekommen. Freudig erklangen diese Worte nah und fern. Erst jetzt hörte er die Vögel und sah sich um. Sie waren überall, zahllose Vogelarten, deren Flügel über seinem Kopf flatterten, während sie von einem Baum zum anderen flitzten. Eichhörnchen plapperten und huschten von Ast zu Ast. Über dem Meer ging die Sonne unter und der Himmel verfärbte sich und nahm leuchtende Rosa-, Orange- und Rottöne an. Am fernen Horizont traf Nebel auf das Meer und vermittelte den Eindruck einer Insel in den Wolken. Einen so schönen Anblick hatte Damon noch nie erlebt. Er stand einfach nur da, stützte sich auf seinen Stock und starrte voller Erstaunen die Verwandlung an, die sich um ihn herum vollzogen hatte.




»Christine Feehan ist die Königin des übersinnlichen Liebesromans.«
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