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Gott

Eine kleine Geschichte des Größten. Originaltitel: Gott.
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Produktdetails

Titel: Gott
Autor/en: Manfred Lütz

ISBN: 3426781646
EAN: 9783426781647
Eine kleine Geschichte des Größten.
Originaltitel: Gott.
Knaur Taschenbuch

1. Februar 2009 - kartoniert - 320 Seiten

»Gott sei Dank, Gott existiert nicht. Wenn aber, was Gott verhüten möge, Gott doch existiert?«

Unter der Feder von Bestsellerautor Manfred Lütz wird aus der Frage nach Gott ein spannendes Lesevergnügen, das aufgeklärte Skeptiker wie nachdenkliche Gläubige gleichermaßen bereichert und klüger macht.
Immer wieder unterbricht Lütz seine eigensinnige Reflexion mit hinreißenden Geschichten über Menschen, die es mit dem lieben Gott aufnahmen. Und er nimmt Elton Johns Auftritt auf der Trauerfeier für Lady Di ebenso unter die Lupe wie die Argumente »der besten Atheisten der Welt« oder die Debatten um Evolutionstheorie und Hirnforschung. Nach der Lektüre legt man ein reiches, kluges Buch aus der Hand - und fühlt sich bestens unterhalten. Mit Gott.
Manfred Lütz ist Facharzt für Nervenheilkunde, Psychiatrie und Psychotherapie, außerdem Diplom-Theologe. Seit 1997 fungiert der Autor mehrerer Bestseller (u.a. "Der blockierte Riese") als Chefarzt des Alexianer-Krankenhauses in Köln-Porz. Er ist als streitbarer, witziger Vortragsredner und Interviewpartner gefragt. Trotz seiner hohen beruflichen Beanspruchung und seines Erfolgs als Autor, Redner und Diskussionspartner in Talkshows betreut er auch heute noch eine Selbsthilfegruppe von 200 Behinderten und Nichtbehinderten, die er vor 25 Jahren gegründet hat.
Manfred Lütz:
Gott


Elton John setzte sich ans Klavier. Nicht für die Massen bei einer seiner spektakulären Welttourneen, nicht in einer gigantischen Konzerthalle, nicht bei einem vor Lebensfreude strotzenden Musikfestival. Er spielte für einen einzigen Menschen, in einer Kirche, in Westminster Abbey, und Elton John sang vom Tod dieses Menschen. Doch das Lied war zugleich der Höhepunkt der gewaltigsten Totenklage seit Bestehen der Menschheit, es war das Requiem für Lady Diana, the Princess of Wales.
Es war eine Totenklage ohne Gott. Zwar wurden bei den Trauerfeierlichkeiten traditionelle christliche Formen gewählt, doch die Verzweiflung rund um den Erdball war ohne Hoffnung. Man hat sich gefragt, warum eine so unglaubliche Explosion des öffentlichen Entsetzens durch eine so mittelmäßige Frau ausgelöst werden konnte, die sich selbst nicht als ausreichend schön empfand, die sich kaum königlich verhielt und deren viel gepriesenes soziales Engagement keineswegs dazu geführt hatte, dass sie ihr
Vermögen oder auch nur Teile desselben für die Armen dahingab.
Doch vielleicht war das Geheimnis ihrer Wirkung gerade diese Mittelmäßigkeit, die sie jedem so nahe brachte und zugleich die königliche Entrückung. Vor allem aber war es wohl der Schock, dass eine ganz offensichtlich lebensdurstige vitale junge Frau schlagartig - zur Leiche wurde. Die Drastik dieses Todes angesichts des unzählige Male abgebildeten prallen Lebens, das war zu viel für eine Gesellschaft, die den Tod fein säuberlich verdrängt. »Der von uns Gegangene« sagt man wohlerzogen bei uns, als hätte sich da jemand irgendwie verlaufen. In Wirklichkeit handelt es sich um nichts anderes als um eine verwesende Leiche.
To be or not to be: that is the question. Zu sein oder nicht zu sein, das ist hier die Frage. Aus den Urgründen der Weltliteratur steigt diese eindringliche Frage Hamlets auch zu jedem von uns auf. Sind wir am Ende nur flüchtige Existenzen auf dem Weg zu einem alles verschlingenden Tod? Material für Würmer und anderes Getier, das sich unserer Skelettierung annimmt? Bleibt uns nur zu leben - tapfer, zynisch, gedankenlos - im Angesicht der unabwendbaren Katastrophe unserer selbst? Oder gibt es noch irgendetwas über den Tod hinaus?
Der Text Elton Johns vertrat eindeutig die zynische Variante in Sachen Leben: »Wie eine Kerze im Wind ...«, »Sterben - schlafen - nichts weiter!« (Hamlet) Aber Elton John sang. Da war Musik und diese Musik erhob sich in diesem Moment über Ozeane und Kontinente und einte eine trauernde Menschheit. Nichts übersteigt so sicher und selbstverständlich die rein materielle Basis unserer Existenz wie Musik. Selbst in äußerster Verzweiflung kann Musik uns über den Moment hinausheben - nicht gleich zu Gott, aber wenigstens weg von einer simplen Sicht der Dinge, die nur Messbares, Wiegbares, Betastbares kennt, die also nur Physik und Chemie, Verwesung und Würmer zu sehen vermag. Die Sphäre der Musik ergreift die Menschen aller Zeiten und aller Länder und sie erhebt sie über sich selbst hinaus - ins Land der großen Illusion?
Vielleicht. Massenkonzerte erinnern häufig an religiöse Veranstaltungen. Feuerzeuglichter werden geschwungen, rituelle Handlungen vollzogen, und im großen gemeinsamen Gefühl strebt die Masse über sich hinaus ... nach Nirgendwo?
Vielleicht.

2. Ein Steinhaufen vereinigt die Menschheit

Doch auch anderswo kann sich plötzlich der Himmel öffnen. Der Parthenon in Athen ist eigentlich ein kaputter heidnischer Tempel, der Göttin Athene geweiht, an die man bei Erbauung kaum noch glaubte, ein Haus, das bei kultischen Handlungen vor Regen schützen konnte, jetzt ruiniert von der Zeit und von der Explosion eines türkischen Munitionsdepots.
Doch gehen Sie einmal zu diesem antiken Tempel hinauf. Sie schreiten den feierlichen Aufgang zur Akropolis hinan. Rechts von Ihnen der exquisite Niketempel, dann der Eingang zum Heiligen Bezirk, der Säulenwald der Propyläen und dann . ein unglaublicher
Anblick: der Parthenon. Ein schwebendes Gebäude in gleißendem mittelmeerischem Licht. Sie haben gewiss schon viel bedeutende Architektur in Ihrem Leben gesehen: kraftstrotzende, erdverbundene mittelalterliche Burgen, himmelstürmende gotische Kathedralen. Doch dieses Schweben über die Erde hinaus, aber dennoch nicht bis hinauf zu Gott - zu welchem auch! - das können Sie wohl nur beim Parthenon erleben. Das war
es, was ihn zu allen Zeiten zum bewunderten Glanzstück griechischen Geistes machte.
Es gab einige künstlerische Tricks, mit denen die genialen antiken Architekten diesen unvergesslichen Eindruck erzielten. Die Säulen hatten eine Entasis, eine leichte Wölbung mit dem größten Umfang im unteren Drittel. Und die Tempelfront war ein wenig nach oben gebogen, so dass die mittleren Säulen größer waren als die Ecksäulen. Wer es nicht weiß, dem fällt es nicht auf. Doch die überirdische Wirkung ist kein bloßer Trick, sonst gäbe es solche Wunderwerke in Serie. Es ist vielmehr der einmalige künstlerische Entwurf, die Gesamtkomposition, die Menschen aller Jahrhunderte und aller Religionen im Angesicht des Parthenons ergriffen hat.
Der Parthenon ist kein Gottesbeweis. Ob der große Phidias, der die Arbeiten beaufsichtigte, die krude griechische Götterwelt ernst nahm, kann man mit Gründen bestreiten. Aber das Erleben der Wirkung dieser genial angehäuften Steine, die wir Parthenon nennen, vereinigt die Menschheit in der Gewissheit, dass es über Steine, architektonische Tricks und Kosten für die Erbauung eines Hauses für kultische Handlungen hinaus etwas gibt, was man nicht messen und berechnen kann, das aber Menschen über das rein Irdische erhebt. Doch wohin?
Darauf antwortet die griechische Kunst nicht.
Die Fähigkeit, der Materie zu spotten, zeichnet die Kunst des klassischen Griechenland aus, macht sie zu großer Kunst. Auch die Bildhauer vermochten, der Materie ihre eigene Überwindung zu entlocken. Warum in aller Welt sollte man dem Menschen, diesem Säugetier, diesem Organismus, diesem Materiehaufen überhaupt eine herausragende Rolle zuschreiben? Die Antwort darauf war der stolze Wagenlenker von Delphi, waren die schönen selbstgewissen Mädchengestalten des Athener Erechteions, die mühelos auf ihrem Haupt eine Welt zu halten vermöchten, war der Diskuswerfer, dieses unsterbliche Kunstwerk des Myron.
Immer wieder erstaunt die scheinbare Leichtigkeit dieser genialen Kunst. Da ist keine schweißtreibende Mühe, ehrgeizige Protzerei, kein geschwätziges Bildungsbürgertum. Da ist Kunst, von Menschen geschaffen, aber über diese Menschen doch irgendwie hinausweisend. Nicht jeder versteht das, der bei so genannten Studienreisen seine Begeisterung nach der Zahl der Sternchen im Reiseführer dosiert. Auch die alten Römer, die die alten Griechen sehr bewunderten, aber eher ein bisschen nach dem Motto »Europe in fi ve days pope included«, hatten etwas Mühe mit großer Kunst. Sie waren ein Volk von Bauern und Soldaten und hatten einige Erfahrung mit wirksamer Machtpolitik.
Griechenland zu erobern war ihnen ein besonderes Anliegen, denn wenn man schon selber nicht sonderlich kultiviert war, war es doch schön, wenigstens ein kultiviertes Land zu erobern. Der Konsul Mummius machte seine Sache gut und gründlich. Er eroberte
Griechenland nach allen Regeln der soldatischen Kunst, zerstörte Korinth nach Strich und Faden und wollte ganz gerne auch noch etwas für das eigene Marketing tun.
So ließ er seine Soldaten einpacken, Kunst natürlich, griechische Kunst. Er wollte sich in Rom als kunstsinniger Weltbürger darstellen, der Senat und Volk von Rom mit reichen Kulturgütern beschenkte. Und vor der Überfahrt nach Italien hielt er eine flammende Ansprache an seine Soldaten, in der er nachdrücklich auf pfleglichen Umgang mit den Kunstschätzen drang. Sollte jemand irgendein griechisches Kunstwerk kaputtmachen, was die Götter verhüten mögen, so müsse er es eigenhändig wieder neu machen.
Die Soldaten müssen sich da auf eine Weise ratlos angeschaut haben wie die Römer bei Asterix und Obelix. Man stelle sich vor: Ein echter Phidias von der Hand eines römischen Legionärs! Merke also: Nicht jeder hat Sinn für Kunst und niemand behauptet, das sei schlimm. Aber wer die Fähigkeit besitzt, sich von echter Kunst wirklich berühren zu lassen, der hat Zugang zu einer erhebenden fruchtbaren Irritation, die ein allzu spießiges
Weltbild unmöglich macht.
Das Römische Reich ging unter und manche traditionsbewussten Römer behaupteten, die Christen mit ihren Schwärmereien seien schuld an diesem Desaster. Augustinus, der größte christliche Denker der Antike, musste eigens noch am Ende seines Lebens eine ausführliche Widerlegung dieser Beschuldigung verfassen, seinen »Gottesstaat«: Doch der war mehr als die Widerlegung einer missgünstigen These. Er war der große Entwurf
einer christlichen Welt, in der es Sinn, Ordnung, eine zielgerichtete Geschichte - und eben Gott gab. Der »Gottesstaat« des Augustinus wurde das große Lehrbuch des christlichen Mittelalters.
Man wandte nun den Blick wirklich mehr dem Himmel zu als der Erde. Kunst mit direktem Zeigefinger nach oben wurde üblich. Die alten Griechen wurden vergessen und auch ein bisschen gefürchtet. Lenkte die Befassung mit irdischer Schönheit nicht ab vom Eigentlichen, von der Bestimmung zum Himmel? In Ravenna kann man sehen, wie im Untergang des Weströmischen Reiches das tiefe diesseitige Blau als Bildhintergrund im
christlichen Grabmal seiner letzten großen Kaiserin Galla Placidia nur wenige Schritte entfernt übergeht in den jenseitigen Goldhintergrund der Bildwerke der Kirche San Vitale. Sie war eine Schöpfung des Kaisers Justinian, der mit der Auflösung der platonischen Akademie in Athen im Jahre 529 in gewisser Weise die Antike beendete.
Dieser Goldhintergrund sollte nun tausend Jahre lang die Kunst bestimmen. Die Faszination des Himmels wirkte so stark auf die Menschen dieser Zeit, dass der Schönheit der Welt kaum mehr Beachtung geschenkt wurde. Herrliche Kunstwerke entstanden, die den Menschen in ihren schwierigen Lebensverhältnissen die Hoffnung auf den Himmel sinnlich gegenwärtig hielten.

© Knaur Verlag
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