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Der dunkle Spiegel

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Produktdetails

Titel: Der dunkle Spiegel
Autor/en: Andrea Schacht

EAN: 9783894808754
Format:  EPUB
Random House ebook

27. Juli 2005 - epub eBook

Fesselnd, originell und wunderbar detailgenau: Andrea Schacht ist eine Meisterin des spannenden historischen Romans! Lassen Sie sich in das Köln des 14. Jahrhunderts entführen und begleiten Sie Almut Bossart bei ihrem ersten Fall!

Köln im Jahr des Herrn 1376. Sind die selbstbewussten Frauen des Beginen-Konvents am Eigelstein etwa Ketzerinnen und Giftmischerinnen? Die junge Begine Almut Bossart, Witwe eines Baumeisters, macht sich kühn an die Aufklärung des Giftmords im Haus eines Weinhändlers. Doch nicht nur die Neugier treibt sie - es steht zu befürchten, dass die Inquisition sie selbst für die Tat verfolgen wird ...



Alle historischen Romane um die Begine Almut Bossart

Band 1 - Der dunkle Spiegel

Band 2 - Das Werk der Teufelin

Band 3 - Die Sünde aber gebiert den Tod

Band 4 - Die elfte Jungfrau

Band 5 - Das brennende Gewand
Andrea Schacht (1956 - 2017) war lange Jahre als Wirtschaftsingenieurin und Unternehmensberaterin tätig, hat dann jedoch ihren seit Jugendtagen gehegten Traum verwirklicht, Schriftstellerin zu werden. Ihre historischen Romane um die scharfzüngige Kölner Begine Almut Bossart gewannen auf Anhieb die Herzen von Lesern und Buchhändlern. Mit »Die elfte Jungfrau« kletterte Andrea Schacht erstmals auf die SPIEGEL-Bestsellerliste, die sie auch danach mit vielen weiteren Romanen eroberte.
13. Kapitel (S. 124-125)

Bruder Johannes war ganz zufrieden mit seinem Erfolg. Die Sünderin war bereit, sich dem Urteil Gottes zu stellen. Und anschließend konnte man die weiteren Schritte einleiten. Aber irgendwie war die Unterredung anders verlaufen, als er erwartet hatte. Nicht nur, dass die ketzerische Begine selbst nicht zugegen war, sondern wieder nur die Meisterin Magda von Stave, deren selbstsicheres Auftreten ihm ein leichtes Unbehagen verursachte. Mit ihr zusammen war allerdings der Herr de Lipa erschienen. Und dann war auch noch dieser Benediktiner-Pater aufgetaucht, an den sich Bruder Johannes aus einer anderen Angelegenheit erinnerte. Nicht besonders gerne allerdings. Er hatte den dreien klar zu verstehen gegeben, dass seine Vorwürfe gegen die Begine Almut äußerst stichhaltig waren. Hatte sie sich nicht gegen die Kirche und ihre Institution in diesem Fall Bruder Notker versündigt? Natürlich, die Kirche war, wie Jesus selbst, selbstverständlich auch bereit, den Sündern zu vergeben und sie wieder in ihre liebevollen Arme zu schließen. Vorausgesetzt, sie sahen ein, welchen Vergehens sie sich schuldig gemacht hatten, und waren bereit, ihre Gedanken, Worte und Taten zu bereuen und eine gerechte Buße auf sich zu nehmen. Bruder Johannes war durchaus bereit gewesen, der Ketzerin im Namen der Kirche zu verzeihen, so sie sich denn zum Schuldbekenntnis bereit erklärt hätte. Er hatte sich schon die eine oder andere passende Buße überlegt, doch an dieser Stelle war ihm Pater Ivo in die Quere gekommen. Dieser vermaledeite Priester hatte doch in seiner Eigenschaft als Beichtvater der Begine für eben diese Sünde die Absolution erteilt! Natürlich hatte Bruder Johannes versucht, die Schwere des Vergehens noch einmal deutlich zu machen und die Notwendigkeit einer eingehenden Untersuchung vor allem auch im Lebensumfeld der Beginen hervorzuheben, aber damit stieß er auf taube Ohren. Ja, die Meisterin hatte sogar auf ihre familiäre
n Beziehungen angespielt, und das Letzte, was Bruder Johannes wollte, war, sich mit dem einflussreichen Patrizier von Stave anzulegen. Dass er noch einen derben Rüffel von dem unsäglichen Weinhändler bekommen hatte, erboste ihn zusätzlich. Doch unternehmen konnte er in dem Zusammenhang nichts, denn für den zweiten Teil seiner Anklage war er auf die Zusammenarbeit mit ihm angewiesen. So hatte er denn versucht, den groben Einwurf: Mann Gottes, das Mädchen hat doch nur die Bibel zitiert! Das macht ihr Pfaffen alle naselang!, zu überhören. Aber ein saurer Geschmack war ihm aus dem Magen aufgestiegen, als er die angemessene Entgegnung unterdrücken musste!

Mit de Lipa hätte der Inquisitor lieber schon zuvor und alleine gesprochen, aber der Mann war ja nicht erreichbar. Erst hieß es, er sei auf dem Weingut, dann war er im Lager beschäftigt, und schließlich, am späten Freitagabend, war er zu einem Essen ausgegangen. Aber er hatte sich einverstanden erklärt, am Samstag zur Sext in den Beginen- Konvent zu kommen, um an der Aufklärung des Mordes an seinem Adlatus Jean de Champol mitzuwirken. Nur de Lipa glaubte inzwischen, Jean wäre eines natürlichen Todes gestorben, und er war auch nicht bereit, die Anschuldigung der Giftmischerei zu wiederholen. In Wut und Trauer habe er diese unbedachte Äußerung getan. Aber hier hatte Bruder Johannes mehr Argumente vorzubringen. War es dem jungen Mann nicht zunächst besser gegangen? War er nicht sogar bereit gewesen, am Dienstag wieder seine Arbeit im Lagerhaus aufzunehmen? Und war nicht erst, als die Beginen ihn besuchten, die dramatische Verschlechterung eingetreten? De Lipa musste ihm Recht geben, er selbst hatte Jean am Morgen seines Todestages verbieten müssen, das Bett zu verlassen, und ihm befohlen, sich noch ein paar Tage zu schonen. Er musste auch zugeben, dass er wie vom Donner gerührt war, als die Magd ihn am Nachmittag zu Jeans Krankenlager rief. Es traf auch zu, dass die Begine Almut eine lange Zeit ganz alleine mit dem
Leidenden im Zimmer verbracht hatte. Befriedigt bemerkte der Inquisitor, wie sich Zweifel in dem Gesicht des Weinhändlers abzeichneten. Mit beredten Worten vertiefte er diese, ohne sich an dem ungläubigen Schweigen der Meisterin und dem nachdenklichen Stirnrunzeln des Benediktiners zu stören.

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