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Ende einer Dienstfahrt

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Produktdetails
Titel: Ende einer Dienstfahrt
Autor/en: Heinrich Böll

ISBN: 3423005661
EAN: 9783423005661
Mit einem Essay des Autors: Einführung in 'Dienstfahrt'.
'dtv Taschenbücher'. 'dtv Literatur'.
dtv Verlagsgesellschaft

April 1997 - kartoniert - 224 Seiten

Ein kurioser Fall macht Schlagzeilen Eine Tat ohne Reue. Bei einem kleinen rheinischen Amtsgericht wird ein kurios erscheinender Fall verhandelt. Es könnte sich um einen Sabotageakt handeln, aber seltsame Begleitumstände lassen alles wieder anders erscheinen, zumal das Bild des Saboteurs nicht auf die Angeklagten paßt. Es sind zwei Handwerker, Vater und Sohn, die einen Jeep der Bundeswehr in Brand gesteckt haben.
Heinrich Böll, geb. am 21. Dezember 1917 in Köln, gest. am 16. Juli 1985 in Langenbroich, war Sohn eines Tischlers und Holzbildhauers, in dessen Hause in Köln ab 1933 Zusammenkünfte verbotener katholischer Jugendverbände stattfanden. Nach einem gerade begonnenen Studium der Germanistik und klassischen Philosophie wurde Böll 1939 zur Wehrmacht eingezogen. Er desertierte 1944 und kehrte 1945 aus der Kriegsgefangenschaft nach Köln zurück, wo er sein Studium wieder aufnahm und in der Schreinerei seines Bruders arbeitete. Ab 1947 publizierte er in Zeitschriften und wurde 1951 für die Satire 'Die schwarzen Schafe' mit dem Preis der Gruppe 47 ausgezeichnet. Fortan war er als freier Schriftsteller tätig. Außerdem übersetzte er, gemeinsam mit seiner Frau Annemarie, englische und amerikanische Literatur (u.a. George Bernard Shaw und Jerome D. Salinger). Als Publizist und Autor führte Heinrich Böll Klage gegen das Grauen des Krieges und seiner Folgen, polemisierte er gegen die Restauration der Nachkriegszeit und wandte er sich gegen den Klerikalismus der katholischen Kirche, aus der er 1976 austrat. In den 60er und 70er Jahren unterstützte er die Außerparlamentarische Opposition. 1983 protestierte er gegen die atomare 'Nachrüstung'. Insbesondere engagierte sich Böll für verfolgte Schriftsteller im Ostblock (Reisen in die UdSSR und CSSR). Der 1974 aus der UdSSR deportierte Alexander Solschenizyn war zunächst Bölls Gast. Ab 1976 gab er, gemeinsam mit Günter Grass und Carola Stern, die Zeitschrift 'L 76. Demokratie und Sozialismus' heraus. Der Verband deutscher Schriftsteller wurde 1969 von ihm mitbegründet, und er war Präsident des Internationalen PEN-Clubs (1971-74). Böll erhielt zahlreiche Auszeichnungen, so den Georg-Büchner-Preis (1967), den Literatur-Nobelpreis (1972) und die Carl-von-Ossietzky-Medaille (1974).
»Wie Böll die Gerichtsverhandlung einerseits zu einer Art von turbulentem rheinischem Familientreffen ausbaut, wie er ihr andererseits aber doch jenen Beisatz von Unheimlichkeit erhält, der ja auch die zur Beurteilung stehende Tat kennzeichnet, das ist erzählerische Regie großen Formats.«
Süddeutsche Zeitung

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Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll -- - von Christina Wolf - 19.02.2013 zu Heinrich Böll „Ende einer Dienstfahrt“
Heinrich Böll beschreibt diese Gerichtsverhandlung, welche an einem Tag stattfindet mit sehr viel Liebe und Humor. Fast alle Beteiligten kennen sich schon ewig, wie es nun einmal in einem kleinen Städtchen oft der Fall ist. Einzig fremd ist der neu hinzugezogenen Staatsanwalt, dem auch so manches Mal die Nerven bei dieser durch aus merkwürdigen Verhandlung abhanden kommen. Man hat auch irgendwann das Gefühl, dass irgendwie jeder mit jedem verwandt und verschwägert ist, und das Ganze erscheint vielmehr wie ein Treffen im kleinen Bekanntenkreis, als eine offizielle Gerichtsverhandlung. ¿Böll verzichtet darauf die Charaktere und Umgebung allzu detailgetreu in ihrem äußeren Erscheinungsbild zu beschreiben, aber das stört auch nicht weiter, denn vielmehr das Unsichtbare ist relevant, wie zum Beispiel die Einstellungen und Gedanken der Beteiligten und die einzelnen Abläufe im Ort selbst, in den Pausen der Verhandlung. Die Verhandlung an sich bringt einen des Öfteren zum schmunzeln ohne dass jedoch einen der Beteiligten in irgendeiner Weise lächerlich dargestellt wird. Die Angeklagten sind einfach nur sympathisch und der Richter, dessen letzte Verhandlung vor seiner Pensionierung mit diesem Fall abgeschlossen wird, verkündet ein wahrhaft salomonisches Urteil. ¿Die Dienstfahrt, um die es im Titel geht, wird erst in der Mitte des Buches genauer erklärt und man erkennt die mitschwingende Ironie des Autors über gewisse Verfahrensweisen öffentlicher Institutionen wie hier, die der Bundeswehr, welche einfach nur lächerlich und verschwenderisch sind. Die Erklärung jedoch, dass die Tat der Sachbeschädigung doch eher ein Kunstwerk sei, ist das I-Tüpfelchen der Verhandlung. ¿Heinrich Böll hat in dieser Erzählung sehr viel Humor an den Tag gelegt, aber auch gleichzeitig sanft mahnend den Finger erhoben, was die sinnlose Verschwendung von Arbeitszeit, Arbeitskräften und Geld in hoch angesehenen Institutionen anbelangt. ¿Ich habe schon lange nicht mehr bei einer Lektüre so oft geschmunzelt. Ein durch und durch vergnügliches Buch. ¿
Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll In freier Fahrt - von Polar - 03.09.2008 zu Heinrich Böll „Ende einer Dienstfahrt“
Was die Literatur der Bundesrepublik ausmachte, was Autoren wie Andresch, Lenz, Kaschnitz, Grass, Walser oder Born auszeichnete, war vor allem das Einmischen. Geschichten wurden zum Spiegelbild einer leeren Gesellschaft, die wirtschaftlich glaubte, auf gesunden Füßen zu stehen, aber ihren Menschen kein Zuhause bot. Um den Begriff Heimat nicht zu verwenden, der geschichtlich vorbelastet ist. Vater und Sohn Gruhl setzten in Bölls Roman ein Fanal und zünden einen Jeep an, was sogleich beurteilt und abgeurteilt wird. Böll zeigt zwei Menschen, die aus der Bahn geworfen werden, Anweisungen zu folgen haben, die keinen Sinn ergeben, und gleichzeitig von einer Obrigkeit - sei es bei den Steuerschulden, sei es bei der Wartung eines Jeeps - überwacht werden. Das familiäre Aufbegehren der Familie Gruhl wird als Happening bagatellisiert. Wo kein Widerstand sein darf, wächst auch keiner. Böll besaß für derlei Verwerfungen ein feines Gesprür. Obwohl seine Geschichten längst in die Moderne Klassik abgewandert sind, bleibt er doch eines: Chronist der inneren Revolte und der politischen Komik.
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