Studienarbeit aus dem Jahr 2005 im Fachbereich Romanistik - Französisch - Literatur, Note: 1, 5, Universität Stuttgart (Romanische Literaturen I), Veranstaltung: Ecritures féminines, Sprache: Deutsch, Abstract: Erst sieben Jahre nach der Publikation ihres ersten Skandalromans Baise-moi, verfilmte Virginie Despentes, die zuvor in Massagesalons und Peepshows arbeitete, zusammen mit Coralie Trinh Thi, einer ehemaligen Porno-Darstellerin, ihr Erstlingswerk. Schon kurz nach der für Aufregung sorgenden Publikation des Buches eröffnete sich der Autorin die Möglichkeit, die Filmrechte zu verkaufen, sie dachte aber beim Schreiben in keiner Weise an eine etwaige Verfilmung. Nachdem für Despentes schnell klar war, dass nur sie selbst die Regie dieses Films übernehmen konnte, dauert es noch mehrere Jahre, bis sie die passenden Schauspielerinnen für die Besetzung der beiden Hauptrollen fand .
Im Juli 2000 war Baise-moi, eine Woche nach dem Kinostart, in Frankreich als pornografisch und gewaltverherrlichend eingestuft worden. André Bonnet - Richter, Mitglied einer rechtsextremen Partei und Vorsitzender des Elternverbandes "Promouvoir" zum Schutz christlicher Werte - hatte beim französischen Staatsrat Anzeige erstattet und auch Recht bekommen. Seitdem darf Baise-moi nur noch in Pornokinos gezeigt werden, was faktisch einem Verbot gleichkommt, da es nach dem Siegeszug des Videorekorders kaum noch Pornokinos gibt .
In mancher Hinsicht führt Baise-moi gewissermaßen nur das weiter, was andere bereits begonnen hatten. Allerdings geht der Film mit dem spekulativen und schonungslosen Einsatz von pornographischen Bildern nach dem Dogma 95-Film Lars von Triers' Idioten, Catherine Breillats Romance und, in geringerem Ausmaß, Patrice Chéreaus Intimacy bisher am weitesten.
Dennoch stellt sich die Frage, warum es gerade dieser Film schafft, die Gesellschaft so zu schocken und warum Baise-moi in den Filmkritiken fast einhellig zerrissen wird. Eine erste Antwort gibt der Filmanfang: Die dort dargestellte Vergewaltigungsszene ist an Brutalität und Grausamkeit sicherlich kaum zu überbieten und schlägt damit per se schon alles bisher Dagewesene und Gesehene. Aber warum schaffen es diese Bilder einer inszenierten Vergewaltigung vielleicht mehr als andere, den Ekel und den Drang des Zuschauers, wegschauen zu wollen hervorzurufen? Anders als bei Vergewaltigungen, die sonst in Filmen dargestellt werden, haben Despentes und Trinh Thi eine Methode angewandt, um den Realitätsfaktor der ganzen Handlung zu erhöhen. "Normale" Vergewaltigungsszenen deuten die Tat meist nur an. Sieht man je einmal etwas mehr, so ist von vornherein klar, dass diese Szenen tatsächlich nur nachgespielt werden. Das heißt, dass es während des Drehs nicht zu veritablen Geschlechtsverkehr kommt. Dies erscheint einleuchtend, denn andernfalls müsste jeder Film mit diesen eindeutigen Szenen zum Pornofilm deklariert werden und das kann nicht die Intention des Gros der Produzenten sein. Despentes aber bricht in ihrem Film mit geltenden Konventionen. Um diesen so real und hautnah wie nur irgend möglich wirken zu lassen, verwendet sie echte Porno-Darsteller und "echte" Sex-Szenen zugunsten einer realistischeren und authentischeren Verfilmung. In einem Interview erklärt Despentes auch den Grund dafür:
Die Sex-Szenen müssen echt sein, damit sie ein Teil des Ganzen sein können. Den Frauen endlich ihren ganzen Körper zugestehen, da ihnen das normalerweise nie erlaubt wird. Den Frauen endlich das Recht auf ihre eigene Sexualität zugestehen und es aus dem begrenzten Blickfeld der Männer reißen.
Baise-moi vermag zwar nicht, "den Frauen endlich das Recht auf ihre eigene Sexualität zuzugestehen und es aus dem begrenzten Blickfeld der Männer zu reißen", wie Virginie Despentes dies gerne hätte, trotzdem gelingt es ihr aber eine Art « nouvelle pornographie écrite par une femme, pour les femmes et du point de vue de la femme » zu erschaffen.
Die oben erwähnten "neuen" Methoden, die Despentes und Trinh Thi auf