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Christentum und Moderne

Werte für die Zukunft Europas.
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Produktdetails

Titel: Christentum und Moderne
Autor/en: Herman Rompuy

EAN: 9783766641366
Format:  EPUB ohne DRM
Werte für die Zukunft Europas.
Butzon U. Bercker GmbH

5. Januar 2012 - epub eBook - 192 Seiten

Herman van Rompuy, Präsident des Europäischen Rates und eine der profiliertesten christlichen Persönlichkeiten Europas, ist studierter Betriebswirt und Philosoph. Als schreibender Politiker steht er in der Tradition der großen Essayisten. In diesem Buch stellt er kritische Fragen an das moderne Europer, nicht wenige als provozierend empfinden werden: Was hat uns Europäern die Moderne gebracht? Wie leben wir unsere Werte? Sind wir glücklich? Van Rompuys pointierte Analysen decken die Widersprüche unseres Weltbilds auf. Gegen die Rastlosigkeit unseres Alltags, gegen die Ökonomisierung aller Lebensbereiche setzt er die inspirierende Kraft des christlichen Denkens und Handelns.
Herman van Rompuy, Präsident des Europäischen Rates und eine der profiliertesten christlichen Persönlichkeiten Europas, ist studierter Betriebswirt und Philosoph. Als schreibender Politiker steht er in der Tradition der großen Essayisten.

II. Weisheit als Lebensziel


Auf der Suche nach Weisheit

Heutzutage herrscht große Nachfrage nach „Weisheit“, nach einer Art Lebenskunst und Gleichgewicht. Das lässt auf ein Defizit schließen. Unsicherheit, sogar Angst, herrschen vor. Sie verengen unser Bewusstsein und stehen einem guten und ausgewogenen Urteil über uns selbst und andere Menschen im Weg. So gerät das Gute am Leben aus dem Blick.

Anders ausgedrückt: Die größte Hürde auf dem Weg zur Weisheit ist der Egoismus. Wer sich vor allem mit sich selbst beschäftigt, sieht Menschen und Dinge nur aus seiner Perspektive. Er projiziert seine eigenen Wünsche und Sehnsüchte, seine Frustrationen und Träume auf die Wirklichkeit – das Gegenteil von Weisheit. Weisheit ist eher ein Lebensstil. Sie führt nicht zur Wahrheit schlechthin. Dem Weisen ist letztlich bewusst, dass solche Wahrheit nicht von dieser Welt ist.

Ein faszinierendes Experiment in diesem Zusammenhang war meine Teilnahme an etwa zwanzig Ausstrahlungen der Fernsehsendung „Das Recht auf Antwort“. Ich saß auf dem Podium der „Weisen“ und musste nach einer kontroversen Diskussion über ein meist heikles oder delikates Thema ein Urteil abgeben. Meist ging es in der Diskussion hoch her; darauf war das Ganze angelegt. Die Weisen mussten dann entweder ein salomonisches Urteil fällen oder entschieden Partei ergreifen. Man kann seine Antwort vorher detailliert vorbereiten, inklusive der kurzen Slogans, die gut beim Zuschauer ankommen. Ich versuchte, den Argumenten beider Parteien zu folgen und mir während des Hickhacks der zwanzigminütigen Auseinandersetzung meine Meinung zu bilden. Meist fand ich dann, dass ich eigentlich mehr Zeit gebraucht und am liebsten keine Meinung zum Besten gegeben hätte.

Zuhören und sich in andere hineinzuversetzen – das ist die e
rste Voraussetzung für „Weisheit“. Mit anderen Worten: Abstand nehmen von den eigenen Vorurteilen, herausfinden, was das „Gute“ war, nach dem man streben sollte, und welcher der Opponenten diesem Guten am nächsten kam.

Der „Weise“ sollte sich auch nicht durch Sympathie, Talent oder Attraktivität der Disputanten ablenken lassen. Auch davon muss er sich freimachen. Der Weise muss tatsächlich alles ablegen und zum Kern der Sache kommen. Aller Schein muss verschwinden, nur das „Sein“ darf bleiben.

Wir müssen versuchen, die Wirklichkeit so zu sehen, wie sie ist, nicht so, wie wir sie uns erträumen oder wie sie einmal war. Der Weise ist weder Utopist noch Nostalgiker.

Der Weg zur Weisheit erfordert also einen gewissen Mut, vor allem, wenn die Entscheidung für diesen Weg nicht die ist, welche die eigenen Freunde von einem erwarten. Das ist oft noch das größte Problem. Einen wildfremden Menschen ins Unrecht zu setzen ist nicht so schwierig. In meinem beruflichen Leben musste ich oft verhandeln. Der schwierigste Moment eines Unterhändlers ist der, in dem er nach Hause kommt und seiner Gefolgschaft erklären muss, was seiner Ansicht nach die beste Lösung ist. Diese Leute stehen schließlich außerhalb der Dynamik der Verhandlung, sie waren nie mit der Meinung der anderen konfrontiert und beharren meist auf ihrer eigenen Sicht und darauf, dass sie recht haben. Natürlich darf der Unterhändler selbst niemals den Kontakt zu seiner Gefolgschaft verlieren. Auch hier ist es wichtig, zuzuhören – aber er muss auch den Mut haben, eine Entscheidung zu treffen, wenn er die beste Lösung für das große Ganze im Blick hat.

Der Weise sollte wissen, dass es viele „Wahrheiten“ gibt, viele Interessen, viel Einseitigkeit und „Ich“-Sucht. Er sucht nach der Lösung, mit der jeder am besten l
eben kann.

Weisheit ist nicht der scheinbar perfekte Kompromiss, der zwar beiden Seiten suggeriert, sie kämen zu ihrem Recht, die Dinge aber nicht voranbringt. Keine Vereinbarung ist besser als eine schlechte Vereinbarung.

Der Weise darf auch keiner sein, der auf dem Status quo beharrt und nicht in der Lage ist, einen radikalen Standpunkt einzunehmen. Weisheit ist nicht Schwäche, im Gegenteil.

Der Weise darf sich über ein Unrecht oder eine Lüge empören. Allerdings geht es dann um Dinge, die anderen angetan werden. Er bleibt freilich nicht beim Gefühl der Empörung stehen. Der Weise ist nicht gefühllos, wohl aber leidenschaftslos.

Der Weise strebt danach, unabhängig von allem Eigeninteresse zu sein – von seinem eigenen, aber auch von dem anderer. Eigeninteresse ist der größte Feind des Guten oder des Allgemeininteresses.

Der Mann oder die Frau auf der Suche nach Weisheit ist auch nicht überheblich, nach dem Motto „es gibt nichts Neues unter der Sonne“, alles sei bloß ein „Déjà-vu“. Diese Haltung ist falsche Weisheit. Wer sie einnimmt, bleibt letztlich passiv und unternimmt nichts.

Der Weise muss die Menschen lieben, sonst kann er sich nicht in ihre Lebenswelt hineinversetzen und sie dazu bewegen, sich für das Gute zu entscheiden. Er ist ja kein Weltfremder, kein Misanthrop. Er gibt nicht nur kluge Ratschläge wie eine Art moralisierender Weltverbesserer. Er möchte Menschen bewegen, nicht nur Ideen. Er ist ein Mann der Praxis.

Um Weisheit zu suchen, muss man nicht „alt“ sein – was auch immer das heißen mag. Meine Definition von „älteren Leuten“ war immer „die, die älter sind als ich“! Erfahrung jedoch hilft natürlich, und die kommt mit dem Alter. Es ist typisch, dass man nach dem Wahn des Neuen und der Jugend nun immer stärker zur
Weisheit aufblickt. Diese Tendenz wird noch zunehmen, da unsere Gesellschaft sich in eine Sackgasse begibt, wenn sie keine wirkliche Gesellschaft mehr ist, sondern eine Ansammlung freier Elektronen. Eigensinnig ist nicht gleich sinnvoll. Ältere Menschen haben es weniger nötig, ihrem Geltungsdrang Raum zu geben; sie müssen sich nicht beweisen. Eigentlich sollten sie eher in der Lage sein, unabhängig zu denken und zu handeln.

Weisheit wird im gleichen Maß an Bedeutung zunehmen, in dem die Flüchtigkeit und Oberflächlichkeit der Medienkultur zum Sättigungspunkt gelangt. Der Druck des „Jetzt“ ist so gewaltig, dass oft Nonsens produziert wird. Jedes Ereignis, ob klein, ob groß, ob hier oder anderswo auf der Welt, muss binnen Minuten von Politikern oder Meinungsmachern eingeordnet werden. Die Meinung muss binnen weniger Sekunden in Worte gefasst werden. Das Ergebnis ist oft entsprechend. Hinterher möchte keiner sein Gesicht verlieren, und so klammert man sich so lange an vorher hastig formulierte Ansichten, bis der Krug zerbricht. Die Konsequenz ist, dass man eine andere „Wahrheit“ auftischen muss. Die neue Wahrheit ist dann manchmal die noch nicht entdeckte Lüge. Eine Vierundzwanzigstunden-Wahrheit! Beim Bürger bleibt ein Gefühl der Unglaubwürdigkeit zurück. Weisheit also braucht Zeit und Abstand. So steigt die Chance auf Konsistenz und Nachhaltigkeit zusehends. Will die Demokratie glaubwürdig sein, bedarf sie der Weisheit. Der Mangel an Glaubwürdigkeit ist das größte Problem der heutigen Demokratien.

Der Weise hat also den Nutzen der anderen im Blick, mit anderen Worten: sein Glück und das Wohl aller, das Allgemeininteresse. Er strebt nicht nach Geld, Macht oder Erfolg. Diese Perspektive lässt sich indes gut in der Mikrostruktur einnehmen: In der Familie, im menschlichen Miteinander. Sie scheint kaum geeignet für di
e „harte“ Welt des Berufslebens oder der Politik. Wer die harten Gesetze dieser Kreise nicht anerkennt und anzuwenden weiß, hat normalerweise nicht die geringste Chance. Der andere ist dort schließlich vor allem Konkurrent oder Gegner. Die Beziehungen der Menschen untereinander sind funktional: Ich brauche dich oder nicht; heute bin ich auf dich angewiesen, morgen nicht mehr. Selbst diejenigen, die noble Ziele haben, wollen diese selbst erreichen und versuchen Mitbewerber, die das gleiche edle Motiv haben, auszuschalten oder zu überholen. Egoismus im Altruismus! Macht ist ein enormes Faszinosum für Menschen. Deshalb geben sie diese nie aus freien Stücken ab. Macht muss meist genommen werden. Die Tugend des Cincinnatus, der nach einer kurzen Zeit als Diktator im 5. vorchristlichen Jahrhundert wieder zu seinen Feldern zurückkehrte, ist eher selten.

Weisheit kann daher nicht losgelöst von Güte oder Glück betrachtet werden. Der Weise selbst ist deshalb noch kein guter Mensch. Wer das Gute sieht, tut es darum noch nicht. Das wussten schon Ovid und Paulus vor zweitausend Jahren. Doch wer das Gute nicht einmal sieht, der tut es auch gewiss nicht.

Weil es ein Zuwenig an Gutem gibt, einen ethischen Mangel, steht Weisheit wieder hoch im Kurs. Ein Paradox der modernen Gesellschaft ist es, dass die öffentliche Moral große Fortschritte macht, ohne dass die private Moral folgen würde. Ich gehöre zu einer Generation, die den Krieg nicht am eigenen Leib erlebt hat und von der stärksten sozialen Absicherung profitiert, die es je gab. Der Wohlfahrtsstaat ist eine Erfindung der letzten Jahrzehnte. Die technischen Entwicklungen haben das Leben komfortabler denn je gemacht. Weltweit gibt es weniger Armut und Hunger als in den Sechzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts, ausgenommen ein großer Teil von Schwarzafrika. Auch wenn die Entwicklungszusammenarbeit noch nicht ausreicht, war
sie doch nie intensiver als heute. Altruismus oder Solidarität waren im Großen noch nie so verbreitet. Ob die Menschen allerdings höflicher, gastfreundlicher, selbstloser und freundlicher zueinander sind als vor einigen Jahrzehnten, das ist sehr fraglich. Es ist bezeichnend, dass sich das Glücksgefühl umgekehrt proportional zum Pro-Kopf-Einkommen verhält. In Europa steigt das Glücksgefühl seit 1975 sehr leicht an, doch ist diese Steigerung deutlich kleiner als die Zunahme des Wohlstands. Die große Ausnahme scheint Belgien zu sein, wo...


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