eBook.de : Ihr Online Shop für eBooks, Reader, Downloads und Bücher
Connect 01/2015 eBook-Shops: Testsieger im epub Angebot, Testurteil: gut Die Welt: Kundenorientierte Internetseiten Prädikat GOLD
+49 (0)40 4223 6096
€ 0,00
Zur Kasse

Schloss aus Glas

Sofort lieferbar (Download)
eBook ePub

Dieses eBook können Sie auf allen Geräten lesen, die epub-fähig sind. z.B. auf den tolino oder Sony Readern.

Häufig gestellte Fragen zu epub eBooks und Watermarking

eBook € 9,99* inkl. MwSt.
Verschenken
Machen Sie jemandem eine Freude und
verschenken Sie einen Download!
Ganz einfach Downloads verschenken - so funktioniert's:
  1. 1 Geben Sie die Adresse der Person ein, die Sie beschenken
    möchten. Mit einer lieben Grußbotschaft verleihen Sie Ihrem
    Geschenk eine persönliche Note.
  2. 2 Bezahlen Sie das Geschenk bequem per Kreditkarte,
    Überweisung oder Lastschrift.
  3. 3 Der/die Geschenkempfänger/in bekommt von uns Ihre Nachricht
    und eine Anleitung zum Downloaden Ihres Geschenks!

Produktdetails

Titel: Schloss aus Glas
Autor/en: Jeannette Walls

EAN: 9783455810516
Format:  EPUB
Übersetzt von Ulrike Wasel, Klaus Timmermann
Hoffmann u Campe Vlg GmbH

19. April 2012 - epub eBook - 382 Seiten

Jeannette Walls ist ein glückliches Kind: Sie hat einen Vater, der mit ihr auf Dämonenjagd geht, ihr die Physik erklärt und die Sterne vom Himmel holt. Da nimmt sie gerne in Kauf, immer mal wieder mit leerem Bauch ins Bett zu gehen, ihre egomanische Künstlermutter zu ertragen oder in Nacht-und-Nebel-Aktionen den Wohnort zu wechseln. Mit den Jahren allerdings werden die sozialen Verhältnisse schlimmer, die Sprüche des Vaters schaler und das Lügengebäude der Eltern so zerbrechlich wie das Schloss aus Glas, das der Vater jahrelang zu bauen versprochen hatte.

II Die Wüste


Ich stand in Flammen.

Das ist meine früheste Erinnerung. Ich war drei Jahre alt, und wir wohnten in einem Wohnwagenpark in irgendeiner Stadt, irgendwo in Südarizona. Ich trug ein rosa Kleid, das meine Großmutter mir gekauft hatte, und stand auf einem Stuhl vor dem Herd. Rosa war meine Lieblingsfarbe. Das Kleid hatte einen kurzen Rock, der abstand wie ein Tutu, und wenn ich es anhatte, drehte ich mich gern vor dem Spiegel im Kreis und stellte mir vor, ich wäre eine Ballerina. Doch in dem Augenblick trug ich das Kleid, um Hot Dogs zu kochen. Ich sah zu, wie sie im kochenden Wasser nach oben trieben und tanzten, während die Vormittagssonne durch das winzige Küchenfenster des Wohnwagens drang.

Ich hörte Mom nebenan singen, während sie an einem ihrer Gemälde arbeitete. Juju, unser schwarzer Hund, schaute mir zu. Ich spießte eins von den Hot Dogs mit einer Gabel auf, bückte mich und hielt es ihm hin. Das Würstchen war heiß, deshalb leckte Juju zögernd daran, aber als ich mich aufrichtete und wieder im Topf rührte, spürte ich einen Hitzeschwall an meiner rechten Seite. Ich wandte den Kopf und merkte, dass mein Kleid brannte. Starr vor Schrecken sah ich zu, wie die gelbweißen Flammen eine gezackte braune Linie durch den rosa Kleiderstoff fraßen und an meinem Bauch emporstiegen. Dann sprangen die Flammen hoch und erreichten mein Gesicht.

Ich schrie. Ich roch Brandgeruch und hörte ein grässliches Knistern, als das Feuer meine Haare und Wimpern versengte. Juju bellte. Ich schrie wieder.

Mom kam ins Zimmer gerannt.

»Mommy, Hilfe!«, kreischte ich. Ich stand noch immer auf dem Stuhl, schlug mit der Gabel, die ich zum Rühren benutzt hatte, nach dem Feuer.

Mom rannte hinaus und kam mit einer von den Armeedecken zurück,
die ich nicht ausstehen konnte, weil die Wolle so kratzte. Sie warf die Decke um mich und erstickte die Flammen. Dad war mit dem Auto unterwegs, deshalb packte Mom mich und meinen Bruder Brian und lief zu dem Wohnwagen nebenan. Die Frau, die dort wohnte, hängte gerade Wäsche auf. Sie hatte Wäscheklammern im Mund. Mom erklärte ihr mit unnatürlich ruhiger Stimme, was passiert war, und fragte, ob sie uns bitte zum Krankenhaus fahren könnte. Die Frau ließ ihre Wäscheklammern und die Wäsche an Ort und Stelle auf den Boden fallen und rannte wortlos zu ihrem Auto.

 

In der Notaufnahme wurde ich auf eine Trage gelegt. Die Krankenschwestern sprachen in lautem, besorgtem Flüsterton, während sie mit einer glänzenden Schere alles abschnitten, was von meinem schönen rosa Kleid noch übrig geblieben war. Dann hoben sie mich hoch, legten mich auf ein großes Metallbett voller Eiswürfel und verteilten auch noch Eis über meinen Körper. Ein Arzt mit silberweißem Haar und schwarzer Brille führte meine Mutter aus dem Zimmer, und als sie hinausgingen, hörte ich ihn sagen, dass es sehr ernst sei. Die Krankenschwestern blieben da und kümmerten sich weiter um mich. Ich merkte, dass ich alle in Aufregung versetzt hatte, und war ganz still. Eine von ihnen drückte mir die Hand und sagte, ich würde wieder gesund werden.

»Ich weiß«, sagte ich, »aber wenn nicht, ist das auch okay.«

Die Schwester drückte mir noch einmal die Hand und biss sich auf die Unterlippe.

Das Zimmer war klein und weiß, mit hellen Lampen und Metallschränken. Ich starrte eine Zeit lang auf die Reihen winziger Punkte in den Deckenpaneelen. Eiswürfel waren über meinen Bauch und den Brustkorb verteilt und drückten gegen meine Wangen. Aus den Augenwinkeln sah ich, wie eine kleine, schmutzige Hand dicht neben me
inem Gesicht nach oben griff und eine Hand voll Eiswürfel nahm. Ich hörte ein lautes, knirschendes Geräusch und blickte nach unten. Mein Bruder Brian kaute Eis.

 

Die Ärzte sagten, ich hätte großes Glück gehabt. Sie nahmen Hautteile aus meinem Oberschenkel und pflanzten sie auf die am schlimmsten verbrannten Stellen an Bauch und Brustkorb. Sie sagten, dass nenne man Hauttransplantation. Als sie fertig waren, bandagierten sie die gesamte rechte Seite meines Körpers.

»Kuck mal, ich bin eine Halbmumie«, sagte ich zu einer der Schwestern. Sie lächelte und schob meinen rechten Arm in eine Schlinge, die sie am Kopfende des Bettes befestigte, sodass ich ihn nicht mehr bewegen konnte.

Die Schwestern und Ärzte stellten mir viele Fragen. Wie hatte ich mich verbrannt? Haben deine Eltern dir schon mal wehgetan? Woher hast du die vielen Prellungen und Schürfwunden? Meine Eltern tun mir nie weh, sagte ich. Die Schürfwunden und Prellungen hatte ich vom Draußen-Spielen und die Verbrennungen vom Hot-Dogs-Kochen. Sie fragten, wieso ich mit nur drei Jahren schon allein Hot Dogs kochte. Weil es leicht war, sagte ich. Du tust einfach die Hot Dogs ins Wasser und kochst sie. Ohne eins von den komplizierten Rezepten, die man erst verstand, wenn man schon in die Schule ging. Wenn der Topf voll Wasser war, konnte ich ihn nicht mehr heben, erklärte ich ihnen, deshalb schob ich einen Stuhl ans Waschbecken, stieg drauf und füllte ein Glas Wasser, dann stieg ich auf einen Stuhl am Herd und goss das Wasser in den Topf. Das tat ich so lange, bis genug Wasser im Topf war. Dann machte ich den Herd an, und wenn das Wasser kochte, warf ich die Hot Dogs rein. »Mom sagt, ich bin schon reif für mein Alter«, erzählte ich ihnen, »und sie lässt mich oft allein kochen.«

Zwei Schwestern tauschten Blicke, und eine von ihnen schrieb irgendwas auf
ein Klemmbrett. Ich fragte, was denn los sei. Nichts, sagten sie, nichts.

 

Alle zwei Tage wechselten die Schwestern den Verband. Der alte Verband, der verklebt und voll mit Blut und gelbem Zeugs und kleinen Stückchen verbrannter Haut war, wurde entfernt. Dann kam ein neuer Verband, ein breiter Gazestreifen, auf die Verbrennungen. Nachts strich ich mit der linken Hand über die raue, verschorfte Oberfläche der Haut, die nicht von dem Verband bedeckt war. Manchmal pulte ich den Schorf ab. Die Schwestern hatten mir das verboten, aber ich konnte nicht anders, ganz langsam zog ich möglichst große Stücke Schorf ab, und wenn ich dann mehrere abhatte, tat ich so, als würden sie sich mit Piepsstimmchen unterhalten.

Das Krankenhaus war sauber und blitzblank. Alles war weiß – die Wände und Laken und Schwesterntrachten – oder silbern: die Betten und Tabletts und medizinischen Instrumente. Alle sprachen mit höflicher, ruhiger Stimme. Es war so leise, dass man die Gummisohlen der Schwesternschuhe über den ganzen Gang hinweg quietschen hörte. Ich war Ruhe und Ordnung nicht gewohnt, und es gefiel mir.

Mir gefiel auch, dass ich ein eigenes Zimmer hatte. Im Wohnwagen musste ich mir nämlich eins mit meinem Bruder und meiner Schwester teilen. Mein Krankenhauszimmer hatte sogar oben an der Wand einen Fernseher. Zu Hause hatten wir keinen Fernseher, also kuckte ich viel fern. Am liebsten Red Buttons und Lucille Ball.

Die Schwestern und Ärzte fragten mich dauernd, wie ich mich fühlte und ob ich Hunger hätte oder irgendwas brauchte. Dreimal am Tag brachten mir die Schwestern leckeres Essen mit Obstsalat oder Wackelpudding zum Nachtisch, und sie wechselten die Bettwäsche sogar schon, wenn sie noch ganz sauber aussah. Manchmal las ich ihnen was vor, und sie sagten, ich wäre sehr schlau und könnte so gut lesen wie eine Sechsjährig
e.

Einmal kaute eine Krankenschwester mit welligem gelbem Haar und blauem Augen-Make-up auf irgendwas. Ich fragte sie, was sie da im Mund hätte, und sie sagte, Kaugummi. Ich hatte noch nie etwas von Kaugummi gehört, deshalb ging sie los und kaufte mir eine ganze Packung. Ich zog einen Streifen heraus, machte das weiße Papier und die glänzende Silberfolie darunter ab und betrachtete den pudrigen, kittfarbenen Gummi. Ich schob ihn in den Mund und war überwältigt von der würzigen Süße. »Das schmeckt aber gut!«, sagte ich.

»Dann kau schön – aber nicht runterschlucken«, sagte die Schwester lachend. Sie strahlte übers ganze Gesicht und holte die anderen Schwestern, damit sie miterleben konnten, wie ich den ersten Kaugummi meines Lebens kaute. Als sie mir das Mittagessen brachte, sagte sie, ich müsse den Kaugummi aus dem Mund nehmen, aber ich könne nach dem Essen einen neuen nehmen, und wenn die ganze Packung alle wäre, würde sie mir eine neue kaufen. Das war das Tolle am Krankenhaus. Man musste keine Angst haben, dass man nichts mehr zu essen oder kein Eis oder Kaugummi bekam. Ich wäre furchtbar gern für immer im Krankenhaus geblieben.

 

Wenn meine Familie mich besuchen kam, dann hallten ihre Streitereien und ihr Lachen und Singen und Rufen durch die stillen Gänge. Die Krankenschwestern machten zischende Geräusche, und Mom und Dad und Lori und Brian waren ein Weilchen leise, und dann wurden sie allmählich wieder laut. Immer drehten sich alle nach Dad um und starrten ihm hinterher. Ich wusste nicht, ob es damit zu tun hatte, dass er so gut aussah oder dass er die Leute »Kumpel« und »Partner« nannte und beim Lachen den Kopf in den Nacken warf.

Eines Tages beugte sich Dad über mein Bett und fragte, ob die Schwestern und Ärzte auch nett zu mir wären. Wenn nicht, s
agte er, würde er hier mal ordentlich auf den Tisch hauen. Als ich erwiderte, dass alle lieb und freundlich zu mir waren, sagte er: »Kein Wunder. Schließlich wissen sie, dass du die Tochter von Rex Walls bist.«

Als Mom sich erkundigte, was die Ärzte und Schwestern denn Nettes machten, erzählte ich ihr von dem Kaugummi.

»Igitt«, sagte sie. Sie war gegen Kaugummikauen, erklärte sie. Es sei eine widerliche Angewohnheit der Unterschicht, und die Schwester hätte sie fragen sollen, ehe sie mir etwas so Vulgäres beibrachte. Sie sagte, sie würde der Frau ordentlich...


Dieses eBook wird im epub-Format geliefert und ist mit einem Wasserzeichen versehen. Sie können dieses eBook auf vielen gängigen Endgeräten lesen.

Sie können dieses eBook auf vielen gängigen Endgeräten lesen.

Für welche Geräte?
Sie können das eBook auf allen Lesegeräten, in Apps und in Lesesoftware öffnen, die epub unterstützen:

  • tolino Reader
    Laden Sie das eBook direkt auf dem Reader im eBook.de-Shop herunter oder übertragen Sie das eBook auf Ihr tolino Gerät mit einer kostenlosen Software wie beispielsweise Adobe Digital Editions.

  • Sony Reader und andere eBook Reader
    Laden Sie das eBook direkt auf dem Reader im eBook.de-Shop herunter oder übertragen Sie es mit der kostenlosen Software Sony READER FOR PC/Mac oder Adobe Digital Editions.

  • Tablets und Smartphones
    Installieren Sie die tolino Lese-App für Android und iOS oder verwenden Sie eine andere Lese-App für epub-eBooks.

  • PC und Mac
    Lesen Sie das eBook direkt nach dem Herunterladen mit einer kostenlosen Lesesoftware, beispielsweise Adobe Digital Editions Sony READER FOR PC/Mac.

Die eBook-Datei wird beim Herunterladen mit einem nicht löschbaren Wasserzeichen individuell markiert, sodass die Ermittlung und rechtliche Verfolgung des ursprünglichen Käufers im Fall einer missbräuchlichen Nutzung der eBook-Datei möglich ist.

Bitte beachten Sie: Dieses eBook ist nicht auf Kindle-Geräten lesbar.

Ihr erstes eBook?
Hier erhalten Sie alle Informationen rund um die digitalen Bücher für Neueinsteiger.

Kundenbewertungen zu Jeannette Walls „Schloss aus Glas“
Noch keine Bewertungen vorhanden
Zur Rangliste der Rezensenten
Veröffentlichen Sie Ihre Kundenbewertung:
Kundenbewertung schreiben
Unsere Leistungen auf einen Klick
Unser Service für Sie
Zahlungsmethoden
Bequem, einfach und sicher mit eBook.de. mehr Infos akzeptierte Zahlungsarten: Überweisung, offene Rechnung,
Visa, Master Card, American Express, Paypal mehr Infos
Geprüfte Qualität
  • Schnelle Downloads
  • Datenschutz
  • Sichere Zahlung
  • SSL-Verschlüsselung
Servicehotline
+49 (0)40 4223 6096
Mo. - Fr. 8.00 - 20.00 Uhr
Sa. 10.00 - 18.00 Uhr
Chat
Ihre E-Mail-Adresse eintragen und kostenlos informiert werden:
* Alle Preise verstehen sich inkl. der gesetzlichen MwSt. Informationen über den Versand und anfallende Versandkosten finden Sie hier.
Bei als portofrei markierten Produkten bezieht sich dies nur auf den Versand innerhalb Deutschlands.

** Deutschsprachige eBooks und Bücher dürfen aufgrund der in Deutschland geltenden Buchpreisbindung und/oder Vorgaben von Verlagen nicht rabattiert werden. Soweit von uns deutschsprachige eBooks und Bücher günstiger angezeigt werden, wurde bei diesen kürzlich von den Verlagen der Preis gesenkt oder die Buchpreisbindung wurde für diese Titel inzwischen aufgehoben. Angaben zu Preisnachlässen beziehen sich auf den dargestellten Vergleichspreis.
eBook.de - Meine Bücher immer dabei
eBook.de ist eine Marke der Hugendubel Digital GmbH & Co. KG
Folgen Sie uns unter: