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Selim oder Die Gabe der Rede

Roman.
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Produktdetails

Titel: Selim oder Die Gabe der Rede
Autor/en: Sten Nadolny

EAN: 9783492957922
Format:  EPUB
Roman.
Piper ebooks

17. Juli 2012 - epub eBook - 512 Seiten

Der eine will um jeden Preis ein großer Redner werden, obgleich ihm
nichts schwerer fällt als das freie Sprechen. Der andere träumt von
einem sorglosen Leben inmitten einer Schar von Freunden. Nichts
scheint Alexander, den neunzehnjährigen Studenten aus Rosenheim, und
Selim, den einundzwanzigjährigen Amateurringer aus der Südtürkei, zu
verbinden - bis Alexander in Selim den geborenen Erzähler und seinen
möglichen Lehrmeister entdeckt.
Sten Nadolny, geboren 1942 in Zehdenick an der Havel, lebt in Berlin und am Chiemsee. Für sein Werk wurde er unter anderen mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis 1980, dem Hans-Fallada-Preis 1985, dem Premio Vallombrosa 1986, dem Ernst-Hoferichter-Preis 1995 und dem Weilheimer Literaturpreis 2010 ausgezeichnet. Nach seinem literarischen Debüt »Netzkarte« erschien 1983 der Roman »Die Entdeckung der Langsamkeit«, der in alle Weltsprachen übersetzt wurde, und inzwischen zum modernen Klassiker der deutschsprachigen Literatur geworden ist. Danach veröffentlichte Sten Nadolny die Romane »Selim oder Die Gabe der Rede«, »Ein Gott der Frechheit«, »Er oder ich«, den »Ullsteinroman« und zuletzt der gemeinsam mit Jens Sparschuh verfasste Gesprächsband »Putz- und Flickstunde«. Für seinen Familienroman »Weitlings Sommerfrische« bekam er 2012 den Buchpreis der Stiftung Ravensburger Verlag.

3.

Mesut gehörte nicht zu denen, die sich von Besorgnissen anderer anstecken ließen. Im Gegenteil, wenn er selbst einmal unsicher war, beruhigte ihn nichts zuverlässiger als die Nervosität der übrigen. Gewiß, er war keine besonders gütige Seele, aber er gedachte als erster durchs Ziel zu gehen. Wenn ihn etwas nervös machte, dann war es ein gemütlicher, behaglich erzählender Selim.

»Beim Boxen«, sagte Selim gerade, »brauchst du schnelle Muskeln und Augen. Beim Ringen auch, aber da mußt du auch noch einen schnellen Kopf haben.« Schon ging das Erzählen wieder los, er schilderte zwanzig Minuten lang einen Kampf, der zwei Minuten gedauert hatte.

Den Kurden Niyazi kannte Mesut schon von der Gesundheitsuntersuchung in Istanbul. Der hatte sich schrecklich aufgeregt: »Sie prüfen unsere Zähne wie bei Pferden auf dem Markt! Sollen wir mit den Zähnen arbeiten?« Niyazi konnte eben nichts sportlich nehmen. Ein Schafhirt nur, aber er lebte und starb für seine Ehre. In Deutschland würde er vor Heimweh sterben oder an der Liebe, er war der Typ dazu.

Mevlut würde nur an seine Ochsen denken. Dabei war Landwirtschaft zur Zeit nur ein anderes Wort für Hungerleiden. Und Ömer? Er zeigte jedem die Photos von seiner runden Frau und seinen zierlichen Kindern und träumte von einem Friseurladen in Bursa. Für diese Ziele würden sie zittern und schuften. Er, Mesut, war anders. Ich weiß, was ich will, dachte er. Bestimmt keine Ochsen oder Frisiersessel. Vor allem wollte er in diesem Leben nie mehr geprügelt werden, sondern selbst austeilen. Er hatte die Prügel fürs ganze Leben schon als Kind bezogen, jetzt waren die anderen an der Reihe. Die mit der glücklichen Kindheit und den sanften, lieben Vätern. Wie dieser Selim, der soeben ausdauernd und strahlend davon erz&a
uml;hlte. Ein wunderbarer Vater mußte das gewesen sein!

»Er hat mir zwei Hennen geschenkt, als ich fünf war, und einen Hahn, ein Prachtstück der Minorca-Rasse, mit breiter Brust, gut drei Kilo schwer. Und stolz! Er wußte, wie schön er war. Schwarze Federn hatte er mit einem wunderbar gebogenen Sichelschweif, und einen hohen Kamm und große, weiße Ohrenscheiben. Und wie der böse werden konnte, wenn er einen anderen Hahn sah!«

Bei Selim mußte man aufpassen, er ging von einer Begeisterung ohne Pause zur anderen über – erst der Vater, jetzt der Hahn.

»Eines Tages wurde er krank, aber wie! Krähte nicht mehr, pickte nicht, fraß nicht und ging nicht auf die Hennen – nichts! In der Nähe wohnte ein Rentner, der alles über Hühner wußte. Er hatte selber dreißig, und dazu einen schnellen russischen Hund, um die Katzen fernzuhalten. Der sagte mir: ›Dieser Hahn stirbt. Er hat unverdauliche Blätter gefressen, die seinen Kropf aufblähen. Sofort schlachten!‹ So lautete das Urteil. Ich habe erst mal geheult. Der Hahn konnte nicht richtig atmen und wurde von Stunde zu Stunde schwächer und trauriger. Da sagte ich zu ihm: ›Keine Angst, ich operiere dich!‹ Das tat ich dann auch, leicht war's nicht!«

Dieser Selim war kaum ernst zu nehmen, aber er war immerhin Sportler und fürchtete sich, wie er sagte, nur vor Hunden, weil er mit denen weder ringen noch reden konnte. Einen Moment lang dachte Mesut an Karaba?, einen zwei Wochen alten Jagdhund mit schwarzem Köpfchen, ein tapsiges Hundebaby, das er bei den Verwandten hatte zurücklassen müssen. Zu Menschen hatte Mesut nicht viel Vertrauen. Was er liebte, waren Hunde.

Ewig würde das Abenteuer nicht dauern. Es gab einen Zwölfmonatsvertrag mit der Kieler Werft, der Grundlohn betrug zwei Deutschmark und neunzig Pefn
ik – so hießen hier die Kuru?.

»Wir sind in Deutschland schon fast hunderttausend«, warf er ins Gespräch. Die anderen sahen ihn an und rätselten, was das wohl heißen sollte. Nein, er sagte nichts weiter, das war seine Taktik. Er merkte, wie Ömer ihn zu bewundern begann, weil er so kurz die wichtigen Dinge sagte und dann darauf verzichtete, sie für irgendwelche Idioten nochmals zu erklären. Wer nicht verstand, was Mesut sagte, war eben zu langsam und zählte nicht. Mevlut zum Beispiel. Der konnte nur meckern, beten und vielleicht noch Fahrrad fahren. All das lernte in der Gegend von Konya jeder. Selim erzählte schon wieder von einem anderen Kampf.

»›Den schlägst du nicht‹, sagten sie mir, ›der ist Weltmeister, und das ist die harte Wahrheit.‹ Ich fragte: bitte wieso? Das ist ein Mann mit Armen und Beinen wie ich! Ich mache die Wahrheit selbst, ich bin Ringer!«

»Und?« fragte Niyazi, Selims bester Zuhörer.

»Gewonnen habe ich! Leider war es nur ein Trainingskampf.«

Mesut ahnte, daß Selim zu der Sorte gehörte, die ihm Schwierigkeiten machen konnte. Wenn Selim Erfolg hatte, dann auf andere Weise als er: mit den anderen, nicht gegen sie. Mesut fühlte sich unfähig zur Bewunderung von Eigenschaften, die er nicht selbst besaß. Mißgünstig betrachtete er Selims Bewegungen. Starke Muskeln hatte er wie alle Ringer, war aber dabei zierlich und beweglich. Noch waren ihm auf der Matte die Ohren nicht breitgerieben worden. Bei erfolgreichen Ringern hatte Mesut bisher immer die traurigsten Blumenkohlohren festgestellt.

»Gut, ich habe also in der Brücke ausgehalten, bis die Zeit um war. Dem fiel einfach nichts mehr ein, ich war Sieger nach Punkten. Dabei bin ich normalerweise kein Held, sondern ein Techniker.« Es war sofort klar, daß bei Selim Techn
iker höher rangierten als Helden.

Irgend etwas in Selims Wesen war massiv wie ein Haus. Den brachte keiner so leicht vom Fleck, wenn er es nicht selbst wollte.

Regentropfen liefen waagrecht übers Fenster. Draußen zog das kalte, windige Europa vorüber, drinnen erzählte sich Selim ins helle Licht seiner Punkt- und Schultersiege hinein, und alle durften sich dran wärmen. Daß er wirklich Ringer war, konnte der Kundige sofort an der Halspartie erkennen. Selim fand kaum ein Hemd, bei dem er den obersten Knopf schließen konnte, und wenn er es doch tat, blieb man besser in Deckung.

Vor den Deutschen schien er auch keine Angst zu haben. Seine Istanbuler Großtante war mit einem vom deutschen Konsulat befreundet gewesen, Selim wußte also über dieses Volk so gut wie alles. Außerdem kannte er die Namen verschiedener deutscher Ringer, vor denen er ebenfalls keine Angst hatte. Und er war mit Ahmed, einem türkischen Ringer, in Hamburg verabredet – er wußte schon, wohin in diesem Land.

»Ich habe als Kind sogar noch Bilge und Do?u trainieren sehen. Und Atl? habe ich mal in der Straßenbahn getroffen – ihr kennt doch Atl?, den, der so geschielt hat! Sein Gegner Tahti hat sich darüber beim Ringrichter beschwert, er sagte: ›Man sieht ja nie, wo der hinguckt!‹ Das war Tahti der Perser – der Revolutionär, den sie später hingerichtet haben. Na gut, Atl? saß also in der Straßenbahn. Ich fuhr schwarz und kletterte bei jedem Halt in einen anderen Wagen – immer dorthin, wo der Schaffner nicht war, fliegen konnte er ja nicht. Atl? merkte das und grinste mir aufmunternd zu. Wirklich, der große Atl? hat mir in die Augen gesehen! Mit dem einen Auge natürlich nur, mit dem anderen sah er sich die Schaufenster an.«

Selim hatte die Gabe, sich durch nichts unterbrechen zu lassen. Er stahl allen andere
n die Zeit, aber er belohnte sie durch Geschichten und sein jungenhaftes Strahlen. Wie ein sonniges, kräftiges Baby, dachte Mesut, und das war es eben, was ihn ärgerte. Glückskinder mochte er nicht. Er tröstete sich. im Leben nützte das nichts, da gewann man nur mit Härte und Kälte, mit Disziplin und überlegener Taktik.

Mevlut nahm unbewußt Mesuts Gedanken auf: »Ich habe nichts Lustiges erlebt, aber ich bin weiß Gott ein harter Bursche. Keiner von euch ist so verprügelt worden wie ich! Mein Vater sagte zum Lehrer: ›Das Fleisch sei dein, aber die Knochen gehören mir!‹ Mein Vater war schon brutal, aber der Lehrer, das war ein Experte.«

»Na und?« fragte Mesut.

»In Deutschland gibt es das nicht«, unterbrach Ömer, der an die Deutschen glaubte wie an Märchenhelden. »Und das ist gut. Man soll Kinder lieben und nicht kaputtmachen.« Jetzt kam also eine pädagogische Diskussion, Mesut hörte gelangweilt weg. Überrascht nahm er wahr, daß Selim ohne weiteres das Thema wechselte, indem er von einem deutschen Ringer erzählte. Das war an Selim erstaunlich: er konnte bei jeder Unterhaltung blitzschnell auf das kommen, was er selbst mitzuteilen hatte.

Der Deutsche, von dem er sprach, war wohl wirklich ein Held gewesen; er hatte Adolf Hitler den Gruß verweigert und dafür mit dem Tod gebüßt. Halbschwergewicht, er hieß Veriner Selene Bineder. Allerdings Kommunist. Nie gehört den Namen. Im Deutschen waren vermutlich die Eigennamen das Schwierigste, der Rest lernte sich. Vor allem die wichtigen Schlüsselwörter mußte man lernen, die einen starken Eindruck machten. Jedenfalls bringt mich niemand um, wußte Mesut. Ich bin Stratege, die werden sich wundern.

Als sie die türkisch-bulgarische Grenze passiert hatten, begann Selim von der Zukunft zu
reden. Er sagte, daß er nicht lange Arbeiter bleiben würde. Er könne arbeiten, aber was er werden wolle, sei: unabhängig, Unternehmer, Kapitalist! Andächtig hingen alle an Selims Mund und waren ganz seiner Meinung. Das ärgerte Mesut erneut.

»Wenn wir nur an das verdammte Geld denken, sind wir so gut wie verloren!« sagte er großartig. Die Gefolgschaft wandte sich ihm wieder zu: Mesut, der Heilige. Er dachte für sie, er sprach das Wichtige und Rettende aus. Und er vermied es, auch nur eine Silbe mehr zu sagen, sondern trank in Ruhe einen Schluck Wasser. Ein bedeutender Mann.

»Wie wär's?« fragte Selim. »Spielen wir eine Runde Tavla?«

Was war das nun wieder? Die vaterländische Stimmung war dahin, und alle...


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