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Wir haben Raketen geangelt

Erzählungen.
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Produktdetails

Titel: Wir haben Raketen geangelt
Autor/en: Karen Köhler

EAN: 9783446246843
Format:  EPUB
Erzählungen.
Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG

25. August 2014 - epub eBook - 240 Seiten

Es gibt diesen Moment, in dem das eigene Universum zerbricht und weit und breit kein neues in Sicht ist: Eine junge Frau sitzt mittellos und nahezu dehydriert vor einer Tankstelle im Death Valley. Als plötzlich ein Indianer vor ihr steht und ihr das Leben retten will, glaubt sie zu phantasieren. Doch das Universum setzt sich nach seinen eigenen Regeln wieder zusammen. Schon bald teilen sich die beiden einen Doppelwhopper, gehen gemeinsam ins Casino und stranden schließlich in einem dieser schäbigen Motels, die es eigentlich nur im Film gibt. Karen Köhlers Erzählungen sind getragen von einer fröhlichen Melancholie und einer dramatischen Leichtigkeit. Ihre Figuren sind wahre Meisterinnen im Überleben.
Karen Köhler wurde 1974 geboren. Sie wollte Kosmonautin werden, hat Fallschirmspringen gelernt und in Bern  Schauspiel studiert. Nach einigen Jahren in Festengagements als Schauspielerin lebt sie heute wieder in Hamburg und schreibt Theaterstücke und Prosa. Sie erhielt verschiedene Preise, unter anderem 2011 den Hamburger Literaturförderpreis. Wir haben Raketen geangelt ist ihr erstes Buch.

 

 

Vor mir steht ein Indianer. Ich bin nicht in der Einkaufsstraße einer mittelgroßen deutschen Stadt. Ich höre auch keine Panflöten, kein El Condor Pasa. Ich bin im Death Valley und sitze auf einem Stein neben einer Tankstelle, der einzigen an diesem Highwayabschnitt, und vor mir steht ein Indianer. Er trägt eine Federhaube, ein Gewand mit einem Brustschmuck aus Knochenstäbchen, die ein Muster ergeben, er trägt perlenbestickte Mokassins und eine Pilotensonnenbrille, in der ich mich spiegeln kann. Ich denke, dass ich spinne, ich denke, dass der Indianer nur in meinem Kopf ist. Ich schließe meine vom Wüstenstaub wunden Augen.

Verschwinde, Indianer, sage ich, du bist nur in meinem Kopf.

Aber der Indianer verschwindet nicht, der Indianer spricht. Er sagt, dass mein Kopf krank von der Sonne ist, und dass ich trinken soll. Ich öffne die Augen und der Indianer hebt seine Hand, ich erwarte ein Howgh, aber er reicht mir nur eine kleine, halbvolle Wasserflasche.

 

Trink es langsam, sagt der Indianer.

Okay, sage ich.

Wo willst du hin?, fragt der Indianer.

Nach Hause, sage ich.

Wo ist das?, fragt der Indianer.

Das wüsste ich auch gerne, sage ich.

Bist du allein hier?, fragt der Indianer.

Ja, sage ich.

 

Dann schweigen wir. Ich im Sitzen, langsam trinkend, der Indianer im Stehen, schauend. Heißer Wind weht. Ein Dornengestrüpp wird über die Ebene gerollt. Kakteen stehen in der Landschaft. Irgendwo schreit ein Raubvogel. Der Highway kommt zu uns ins Tal gekrochen wie eine flimmernde Schlange. Ich habe mit ihr gerungen und bin ihrem Würgegriff entkommen.

 

Als die Flasche leer ist
, möchte der Indianer, dass ich meine linke Hand öffne. Ich gehorche, und er legt etwas hinein, schließt meine Finger darüber und sagt: Das ist eine Träne von Mutter Erde.

Eine Träne. Von Mutter Erde. – Es gibt diesen Indianer nicht. Und nicht die Mutterträne in meiner Faust. Ich will, dass ich jetzt aufwache und in meinem Bett liege, ich will, dass Winter ist, ich will, dass der Indianer und diese Scheißwüste nur ein Traum sind. Ich öffne die Hand, aber da liegt tatsächlich dieser Stein, diese Mutterträne. Es ist ein dunkler Quarz, so groß wie eine Kaffeebohne.

Okay, sage ich, warum weint Mutter Erde schwarze Steine? Aber der Indianer ist weg, und mein Kopf, dieser pumpende, pulsierende, schmerzende Klumpen, ist krank von der Sonne.

 

Als Kind war ich immer auf der Seite der Indianer. Auch, als alle Nachbarjungs Cowboys waren und mit ihren Colts nach mir ballerten: Peng! Peng! Peng! Du bist tot! Auch noch, als ich die einzige mit Pfeil und Bogen war, und mein großer Bruder meinte, ich solle jetzt doch endlich Cowboy werden, letzte Chance, außer mir gäbe es keine Rothäute mehr in der Nachbarschaft, auch da blieb ich Indianer und schnitzte weiter Pfeile mit Papas Taschenmesser, die nicht so weit flogen, wie ich wollte, schlich geräuschlos durch Hecken und las Spuren im Sand. Die roten Patronenhülsenringe der Cowboys sammelte ich an einem dicken Wollfaden und trug sie als Schmuck um den Hals. Für jedes gefallene Bleichgesicht einen Ring. Ich schnitzte Muster in meine Pfeile, bemalte mein selbstgebautes Tomahawk, sogar mit meinem Blut, Papas Messer war sehr scharf, und hatte Feuersteine, die in einem Lederbeutel an meinem Gürtel baumelten. Meine geflochtenen Zöpfe waren mit Taubenfedern geschmückt und Mamas Lippenstift, der gute, der sehr rote, der mit der golde
nen Hülle, leuchtete auf meinen Wangen. Die Bleichgesichter lachten über meine Kriegsbemalung, bis ich sie mit Pfeilen und Geheul vertrieb. Ich entfachte kleine Feuer, kokelte mit trockenen Blättern und schrieb mit Rauch in den Himmel. Nur für den Fall, dass da draußen noch ein Indianer war, der Verstärkung brauchte. Und als sie mich fingen und mich erst bis auf die Unterhose auszogen und dann durch die Brennnesseln stießen, und als sie mich nackt an den Marterpfahl fesselten, der in Wirklichkeit eine Wäschespinne war, und als sie ihrer Gefangenen Backpfeifen gaben und sie anpinkelten, auch da war ich immer noch Indianerherz und kannte keinen Schmerz. Und als meine Mutter mich am Abend fand, gefesselt und geknebelt, und mich losband und wissen wollte, wer das war, habe ich die Cowboys nicht verraten, Indianerehrensache, und bekam dafür noch mal eine Strafe.

 

Ich weiß, dass man nicht Indianer und Eskimo sagen soll. Ich weiß, dass das hier eine Scheißwüste ist, in der ich gestrandet bin, und ich weiß, dass da eben jemand war, mit Federhaube, der mir zu trinken gab und eine Träne von Mutter Erde. Weil ich aber nicht weiß, wie dieser Traum weitergeht, stecke ich das Steinchen in meine Hosentasche und warte.

 

Du musst in den Schatten.

Der Indianer ist zurück, nur hat er seine Federn abgelegt. In der Hand hat er eine riesige Flasche Gatorate. In der anderen eine billige, knallgrüne Sonnenbrille und ein Baseballcap, auf dem der Name der Tankstellenkette steht. Jet. Der Indianer sieht mich an, jedenfalls gucken die Sonnenbrillengläser in meine Richtung. Vielleicht bin ich für ihn auch nur eine Fata Morgana.

 

Mir ist kalt, sage ich.

Ich weiß, sagt der Indianer, dein Körper spielt dir einen Streich. Setz die hier auf<
/span>.

 

Ich verkleide mich als Provinz-Amerikanerin, setze die Plastiksonnenbrille und das Baseballcap auf, dann hilft er mir hoch, schiebt mich unter das Tankstellendach und reicht mir die große Gatorate-Flasche.

 

Bevor du nicht die halbe Falsche ausgetrunken hast, passiert gar nichts, haben wir uns verstanden?

 

Mit einem Knacken öffne ich den Verschluss, da ist eine Gallone drin, eine Gallone sind fast vier Liter, wie soll ich davon die Hälfte schaffen, ich habe gar keinen Durst.

Ich hab gar keinen Durst, sage ich.

Trink, sagt der Indianer.

Ich lasse die eiskalte Flüssigkeit meine Kehle runterlaufen. Hastig nehme ich immer größere Schlucke, überhole mich selbst, bis ich mich in einem Schwall erbrechen muss, und zwischen meinen und den Indianerfüßen ein rosaroter, isotonischer See schimmert.

 

Ich hab dir gesagt, du sollst langsam trinken, sagt der Indianer.

Tested in the Lab. Proven on the field, lese ich von der Plastikflasche ab. Der Indianer lacht.

Ich heiße Bill, sagt er.

Katharina, sage ich und finde, dass Bill kein guter Indianername ist.

Kat, sagt der Indianer, wohl, weil er findet, dass Katharina kein guter Name für mich ist.

Okay, sage ich. Kat. Mir egal.

Trink jetzt.

 

Schluck für Schluck würge ich mir das Gatorate rein. Mir ist übel. Ich will liegen. Aber der Indianer lässt mich nicht aus den Augen. Es dauert sehr lange, und nach der halben Flasche fängt mein Körper tatsächlich an, wieder normal zu funktionieren, mir wird langsam warm und ich beginne zu schwitzen.

 

Wie kommt es, dass du hier allein durch die Wüste spazierst?, fragt der Indianer.

Bin
gestrandet
, sage ich.

Wo sind deine Sachen?

Es ist alles weg, sage ich, geklaut.

Und jetzt?, fragt er.

Weiß ich nicht, sage ich.

Der Indianer dreht sich um und sieht in die Ferne.

Hier kannst du nicht bleiben, sagt er und geht in Richtung seines alten Pickup-Trucks, der neben der Tankstelle geparkt ist. Etwas an seinem Gang ist komisch. Es sieht aus, als würde seinem Gang das Gewicht von schweren Schuhen fehlen. Der Indianer öffnet die Beifahrertür.

Na, komm. Ich nehme dich mit bis Vegas.

 

Alles im Auto ist heiß. Die Luft, die Sitzbank. Der Anschnallgurt. Der Indianer steigt sehr amerikanisch ein. Ich denke: Ich sitze neben einem echten Indianer in einem klapprigen Pickup-Truck.

Keine Klimaanlage, sagt der Indianer, dafür Fahrtwind, dreht den Zündschlüssel, Motor und Radio springen an.

Im Handschuhfach ist Vaseline. Schmier dir das auf die Lippen, sagt er, steckt sich eine Marlboro in den Mund und drückt den Zigarettenanzünder rein.

Stört es dich?, fragt er.

Das sind Cowboyzigaretten, sage ich.

Ich weiß. Auch eine?

Ja.

Erst Vaseline.

Er wendet den Wagen. Ich öffne die sonnenheiße Klappe des Handschuhfachs und schmiere meine von der Wüstenhitze aufgeplatzten Lippen mit Fett ein.

 

Das Fenster hat tatsächlich noch eine Kurbel, wie geil, ein Hoch auf die Mechanik. Ich drehe, mein Fenster ist auf. Wir rollen vom Parkplatz und biegen auf den Highway, außer uns kein anderes Auto. Beschleunigung, Fahrtwind: Klimaanlage ist an. Gelbe Streifen jagen uns entgegen. Klack macht der Stöpsel neben dem Aschenbecher.

Der Indianer gibt mir eine angezündete Marlboro, ich nehme
den ersten Zug, meine Haare wehen in die Glut, ich stopfe sie unter das Tankstellen-Baseballcap, in meinem Schoß schaukelt der Gatoraterest, im Rückspiegel sinkt die Sonne, der olle Bulle, du hast deinen Zenit überschritten, ich hab dein Kackrodeo überstanden, hab dich besiegt, du gelbe Sau, langsam zur Bergkette hin. Ich bin erschöpft, ich bin ein Boxer, ich bin das Million-Dollar-Baby, mein Trainer sieht zufrieden aus. Wir rauchen und schweigen. Wir fahren. Wir fahren weg von der Sonne, wir...


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Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Mein neues Lieblingsbuch - von katzenminze - 15.09.2014 zu Karen Köhler „Wir haben Raketen geangelt“
Wir haben Raketen geangelt ist bisher mein Buch-Highlight dieses Jahr. Ich habe gelacht, ich habe geweint, ich bin einfach rundum zufrieden. Und besonders begeistert hat mich, dass mich ein paar schnöde Kurzgeschichten so umhauen können. Karen Köhlers Sprache ist modern, frech und einfühlsam. In jeder Kurzgeschichte geht es um ein Schicksal; um ein bestimmtes einschneidendes Erlebnis und den Umgang damit. Und jede Geschichte berührt auf ihre Weise.
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