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Australien

Ein Länderporträt.
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Produktdetails

Titel: Australien
Autor/en: Esther Blank

EAN: 9783862842810
Format:  EPUB
Ein Länderporträt.
Ch. Links Verlag

12. Juni 2014 - epub eBook - 224 Seiten

Australien fasziniert Besucher aus aller Welt. Der fünfte Kontinent hat alles: gewaltige Korallenriffe und schneebedeckte Berge, tropische Dschungel und kühle Regenwälder, rotsandige Wüsten und weiße Strände, lebendige Großstädte und abgelegene, verschlafene Country Towns. Als Journalistin, die seit Jahrzehnten in Australien lebt und arbeitet, hat Esther Blank die unendliche Vielfalt des Landes und seiner Bewohner erlebt. Sie hat die Kultur und das Leben der Ureinwohner kennengelernt, hat mit starken Frauen in abgelegenen Bergbausiedlungen gesprochen oder ist mit Mountain Men über Hochebenen galoppiert. Die Autorin führt uns durch die reiche Natur und Kultur des Kontinents, lässt uns am Leben der Menschen teilhaben und erklärt die historischen, politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen Australiens. So entsteht ein ebenso sympathisches wie informatives Bild des Sehnsuchtsortes vieler Europäer.
Esther Blank arbeitet seit über 30 Jahren für deutsche Rundfunkanstalten, Fernsehsender und Magazine. Von 1987 bis 2010 arbeitete sie als Reporterin für die australischen Sender SBS TV und SBS Radio. Seit Ende 2000 leitet sie die Vertretung der Deutschen Welle in Sydney. Esther Blank lebt in Sydney und ist mit einem Australier verheiratet. Sie hat schon einige Bücher über Australien veröffentlicht.

Landschaft und Tierwelt


Ein Paradies für paläontologische »Entdeckungsjunkies«


Der Asphalt der schmalen, schnurgeraden Straße flimmert in der Hitze bis zu einer langgezogenen Hügelkette weit am Horizont. Rechts und links zieht sich eine endlos scheinende rotsandige Ebene mit flachen Sanddünen, Geröll, Inseln von spitzigem Spinifexgras, vereinzelten stacheligen Büschen und kleinen schwarzstämmigen Bäumen entlang. Dies ist die Pilbara im westaustralischen Outback. Seit Stunden habe ich kein anderes Auto, keinen anderen Menschen mehr gesehen – ein berauschendes und gleichzeitig ein wenig beängstigendes Gefühl. Ich halte neben einem dürren Busch, um meine Beine zu strecken. Die Kühle aus dem klimatisierten Wagen hält noch für einige Sekunden, dann trifft mich ein trockener, heißer Wind, eine dörrende Hitze, die jede Feuchtigkeit auf der Haut in Sekunden aufsaugt und die Lippen in Pergament verwandelt. Im grellen Licht zeichnet sich jeder Busch, jeder Felsbrocken scharf gegen den violetten Himmel ab. Ich höre nur das Säuseln des Sands, den der Wind über Asphalt und Gräser treibt.

Dies ist eine uralte Landschaft, entstanden über Jahrmillionen, von der Erosion rund und flach geschliffen, mit tiefen versteckten Schluchten und einer in Isolation entstandenen einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt. Nach dem Zerfall des Riesenkontinents Gondwana vor über 60 Millionen Jahren wurde Australien allmählich von allen anderen Kontinenten getrennt. Nach dem Untergang der Dinosaurier setzten sich in Australien die Beuteltiere durch. Sie erreichten Riesengröße. Paläontologen, wie Professor Mike Archer von der Universität von New South Wales in Sydney, haben unter anderen die Fossilien eines drei Meter großen fleischfressenden Ries
enkängurus, eines auf Bäume kletternden Urkrokodils und eines überdimensionalen Beutellöwen gefunden. »Ursprünglich gab es in Australien auch sehr viele plazentare Säugetiere. Doch sie wurden von den Beuteltieren verdrängt. Wir denken immer, weil wir selber zu den plazentaren Säugetieren gehören, dass diese den Beuteltieren irgendwie überlegen sind, aber das stimmt nicht. Beuteltiere können ihren Nachwuchs regulieren. Die Babys werden winzig geboren und leben im Beutel. Und wenn das Muttertier feststellt, dass die Lebensumstände zu schwierig sind, dass es sie zu viel Energie kostet, zu diesem Zeitpunkt ein Baby aufzuziehen, dann schmeißt sie es einfach aus dem Beutel. Daher sind Beuteltiere viel widerstandsfähiger und anpassungsfähiger, vor allem in einer immer feindlicheren, immer trockeneren Umwelt, in der die Nahrung keineswegs gesichert ist.«

Mike Archers Beobachtungen zufolge sind die meisten australischen Beuteltiere daher auch »opportunistische Allesfresser«. »Katzen fressen keine Gurken, nicht wahr? Aber mein Quoll, ein Beuteltier, das in Australien die Rolle einer kleinen Raubkatze einnimmt und eigentlich ein Fleischfresser ist, frisst genauso gern Gemüse und Obst. Und mein Swamp Wallaby, ein kleines pflanzenfressendes Känguru, hat mich mal vor dem offenen Kühlschrank fast umgerissen, weil es unbedingt an mein Brathähnchen wollte!« Ein Nymphensittich hüpft auf Mike Archers Kopf herum, während er spricht. Als ich ihn zum ersten Mal interviewte, kroch ein spitzköpfiges, gesprenkeltes Quoll aus seiner Schreibtischschublade und schmiegte sich liebevoll an seinen Hals.

Der Tierliebhaber und begeisterte Wissenschaftler verbringt jedes Jahr mehrere Monate bei Ausgrabungen in »Riversleigh«. Die ehemalige Rinderfarm im Lawn Hill National Park in Queensland ist ein Mekka
für Paläontologen aus der ganzen Welt. Der Nationalpark liegt unweit des Savannah Ways, einer 3700 Kilometer langen alten Viehtreiberroute zwischen Cairns und Broome. Zwischen den schroff aufragenden Kalksteinfelsen, in Höhlen und tiefen Schluchten mit kühlen, klaren Wasserlöchern haben Paläontologen bereits über 250 Fundstätten mit Fossilien bisher völlig unbekannter Tierarten gefunden. Einer der neuesten Funde, der Schädel eines 80 Zentimeter langen Schnabeltiers, mit spitzen Zähnen im Schnabel (!), ist 15 Millionen Jahre alt. Das ist für Mike Archer »schon fast keine Überraschung mehr«. Sein von der australischen Sonne gegerbtes Gesicht leuchtet, er fuchtelt enthusiastisch mit den Armen, wenn er über sein Lieblingsthema spricht: »Manche der Tiere, die wir gefunden haben, sind so seltsam, dass wir sie erst einmal ›Thingodota‹, ›Dingsdadonta‹ oder ›Weirdodonta‹, ›Seltsamtier‹, genannt haben, weil es keine vergleichbaren Arten gibt, weil man so etwas noch nie gefunden hat. Wir sind hier richtige Entdeckungsjunkies, wir sind ständig high, weil wir ständig etwas Neues und Seltsames finden!«

Unter den Sensationsfunden der australischen Paläontologen befinden sich die versteinerten Überreste mehrerer Arten von Beuteltigern. Der letzte seiner Art war 1936 in einem Zoo in Tasmanien gestorben. Mehr als 50 Jahre später wurde auf den verstaubten Regalen eines Naturkundemuseums ein alter Glasbehälter mit einem in Flüssigkeit bewahrten Beuteltigerbaby gefunden. Archer hat fragmentierte DNA des Tiers sichergestellt und möchte damit den Beuteltiger wieder zum Leben erwecken. Über 50 Tierarten sind seit der Ankunft der ersten weißen Siedler auf dem fünften Kontinent ausgestorben. Über 180 Tierarten gelten als bedroht. Ein enger Verwandter des Beuteltige
rs, der tasmanische Beutelteufel, ist besonders gefährdet. Mike Archer glaubt, dass die Wiedereinführung des Beuteltigers seinen scheuen, aber mit scharfen Zähnen bewaffneten, schwarzfelligen Cousin vor dem Aussterben retten könnte. »Wir brauchen den tasmanischen Beuteltiger, um das biologische Gleichgewicht in Tasmanien wiederherzustellen.«

Zurzeit arbeitet Professor Archer mit einem Team internationaler Wissenschaftler an dem »Projekt Lazarus«. Die Wissenschaftler haben eingefrorene Zellkerne des 1983 ausgestorbenen Gastric Brooding Frog, der seine Kaulquappen im Magen ausbrütete, in die Zellen einer verwandten Art eingesetzt. Es bildeten sich Embryos, die das genetische Material des ausgestorbenen Froschs aufwiesen. Mike Archer ist überzeugt, dass damit der erste Schritt zum Klonen der Amphibie getan ist. Die Wiederbelebung des tasmanischen Beuteltigers ist für ihn nur eine Frage der Zeit und der Entwicklung der Gentechnologie.

Kängurus, Echidnas und Schnabeltiere


Doch auch ohne einen wiederbelebten tasmanischen Tiger ist Australiens Tierwelt einzigartig: Über 130 Beuteltierarten leben in Australien, von der winzigen Pebble Mound Mouse, die kunstvolle Pyramiden aus Kieseln baut, bis zum zwei Meter großen roten Känguru Zentralaustraliens.

Kängurus sind ihrer Umwelt perfekt angepasst. Sie haben weiche Füße, die die kargen, empfindlichen Böden Australiens schonen, anstatt zu zerstören wie die harten Hufe eingeführter Rinder, Pferde oder Schafe. In Dürrezeiten regulieren sie ihren Nachwuchs. Sie können selbst harte Gräser, Rinden und junge Äste fressen. Sie meiden die Hitze des Tages und werden, wie die Mehrheit der australischen Tiere, erst in der Dämmerung aktiv.

Es gibt über 40 Känguruarten. Manche sind nur so gro&sz
lig; wie ein kleines Kaninchen, andere können sich mannshoch aufrichten. Im tropischen Norden Australiens können Kängurus gar auf Bäume klettern. Die Tiere sind selten scheu. In Nationalparks und auf Campingplätzen hüpfen sie oft zwischen den Zelten herum, lassen sich hinter den Ohren kratzen oder dösen im Schatten der Cabins, einfacher Holzhäuser oder Wohnwagen, in denen viele australische Stadtfamilien ihre Ferien verbringen und die Natur erkunden. Schweinsgroße wollige Wombats mit runden Ledernasen grasen vor den Zelten, Rieseneichhörnchen ähnelnde Possums lassen sich abends auf Balkonen oder Campingtischen mit Obst füttern. Goannas, bis zu zwei Meter lange Echsen, stehlen Eier aus der Küche und rasen, wenn aufgescheucht, den nächsten Baumstamm hinauf. In den Eukalyptuswäldern an der Ost- und Südküste Australiens können die Camper in Baumkronen und Astgabeln die auf der ganzen Welt beliebten, aber in einigen Gegenden stark gefährdeten Koalas beobachten, Beuteltiere, die wie kleine graue Teddybären aussehen und stark nach Eukalyptus duften.

Eines der seltsamsten Tiere Australiens ist der Echidna, oder Schnabeligel, der gar kein Igel ist, sondern zu einer ganz eigenen, uralten Tiergattung gehört, zu den Monotremata. Im Out-back, aber auch oft schon in Parks und Gärten an den Rändern der Städte, können einem die stacheligen, etwa fußballgroßen Tiere mit dem länglichem Schnabel auch mitten am Tage über den Weg watscheln. Sie sind auf der Suche nach Ameisen oder Termiten, die sie laut schnüffelnd mit ihren kräftigen Krallen ausgraben und fressen. Oft sieht man mehrere Echidnas in einer schön geordneten Reihe hintereinander herlaufen: Aufgeregte Männchen folgen dem stachligen Objekt ihrer Begierde, einem Schnabeligelweibchen. Echidnamütter gebären ledrige E
ier, die in einem Beutel gewärmt werden, bis die Kleinen ausschlüpfen. Die fast durchsichtigen Winzlinge mit noch weichen Stacheln beginnen sofort rosarote Muttermilch aus Drüsen am Bauch des Muttertiers zu saugen.

Der einzige Verwandte dieses faszinierenden Tiers lebt im Wasser. Der Platypus, oder das Schnabeltier, sieht aus wie eine Art kleiner Otter mit einem großen, ledrigen Entenschnabel und Biberschwanz. Als die ersten ausgestopften Exemplare und Zeichnungen dieses Tiers im 18. Jahrhundert Europa erreichten, dachten die ehrwürdigen Herrschaften der zoologischen...


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