Philip Pullman nimmt uns mit "Über den wilden Fluss" wieder mit in die Welt seiner His Dark Materials-Bücher. Hier erfahren wir die Vorgeschichte von Lyra Belacqua. Das ist ein Abenteuer, das einen sofort packt, voller Magie und so mancher Gefahr. Und das Beste daran: Man muss die früheren Bücher gar nicht kennen, um sofort reinzukommen. Pullman zieht einen behutsam in diese ganz eigene Welt, ohne dass man sich überrumpelt fühlt.
Es geht um den elfjährigen Malcolm Polstead, der mit seinem Daemon Asta im Gasthaus seiner Eltern in Oxford wohnt. Malcolm ist ein neugieriger und hilfsbereiter Junge, der für sein Alter ziemlich clever ist. Am liebsten verbringt er seine Zeit im nahegelegenen Kloster. Eines Tages wird dort ein Baby aufgenommen, von dem niemand erfahren darf, Lyra Belacqua. Malcolm merkt aber schnell, dass etwas nicht stimmt, seit sie da ist. Komische Männer tauchen auf, und im Hintergrund agieren irgendwelche geheimnisvollen Organisationen. Und immer wieder fällt der Begriff Staub. Als dann ein gewaltiges Hochwasser über das Land hereinbricht, beginnt für Malcolm und Alice eine gefährliche Reise, um Lyra in Sicherheit zu bringen.
Ich war sofort mittendrin in der Geschichte. Pullmans Schreibstil ist wirklich eindringlich, voller Atmosphäre und dabei trotzdem leicht zu lesen. Die ganze Welt fühlt sich lebendig und greifbar an, von den ruhigen Szenen im Gasthaus bis zu den gefährlichen Momenten auf dem wilden Fluss. Besonders die Daemonen und diese leicht düstere, fast märchenhafte Stimmung geben der Geschichte einen ganz eigenen Charme.
Malcolm war für mich der absolute Mittelpunkt des Buches. Er ist mutig, liebenswert und wissbegierig, aber eben auch nur ein Kind. Gerade das macht viele Szenen so intensiv, weil man immer wieder spürt, wie sehr diese Aufgaben ihn eigentlich überfordern. Trotzdem wächst er über sich hinaus und trifft Entscheidungen, die eine unglaubliche Stärke beweisen. Auch Alice habe ich mit ihrer direkten, oft grummeligen Art immer mehr ins Herz geschlossen. Zwischen ihr und Malcolm entwickelt sich eine Beziehung, die sich sehr echt anfühlt.
Nach einem eher ruhigen Anfang nimmt die Handlung schnell Fahrt auf und wird zu einem packenden Abenteuer. Es stecken viele Gefahren darin, politische Machenschaften und Geheimnisse. Klar, bleiben am Anfang einige Fragen offen, vor allem was dieser geheimnisvolle Staub betrifft. Aber genau das macht die Geschichte nur noch faszinierender. Die Ereignisse überschlagen sich immer wieder, sodass man einfach nicht aufhören konnte, weiterzuhören.
Als Hörbuch war die Geschichte wirklich hervorragend umgesetzt. Rufus Beck weiß genau, wie er mit seiner Stimme dem Hörbuch so viel Lebendigkeit geben kann.
Also, mein Fazit ist: Über den wilden Fluss ist ein Hörbuch, das einen mit seiner Atmosphäre, Spannung und den vielen Emotionen komplett packt. Philip Pullman hat eine wirklich faszinierende Geschichte voller Magie, Gefahren und Geheimnisse erzählt. Und Rufus Beck rundet das mit seiner grandiosen Stimme einfach perfekt ab. Ein absolutes Highlight für alle Fantasyfans, egal ob man die älteren Bücher kennt oder nicht.