Wächtler berichtet spannend, fundiert und mit einer gepfefferten Prise Ironie von den ersten Verfahren während der 68er-Studentenproteste, von Prozessen gegen "Rädelsführer" wie Rolf Pohle, gegen Feministinnen wie Ingrid Strobl, Bürgerinitiativen (Wackersdorf), antiautoritäre Zeitschriften (das BLATT), gegen Kollegen, die Berufsverbote bekommen sollten, gegen Studenten, die sich mit der heftig braunen Vergangenheit ihrer Professoren beschäftigten, oder West- und Ostspione nach der Wiedervereinigung. Manche dieser Prozesse liefen bis zum Bundesverfassungsgericht. In fast allen Fällen waren es "Gesinnungen", also nicht in erster Linie Taten, um die es ging, sondern um unbequeme oder radikale politische Haltungen, die dem konservativen Gesellschaftsbild von Polizei und/oder Gerichten zuwiderliefen.
"Justizgeschichte ist Kulturgeschichte. Ein Blick in die Gerichtssäle zeichnet oft ein schärferes Bild der Gesellschaft als es ein ganzer Zirkel angesehenster Soziologen zustande bringen kann. In diesem Buch schreibe ich über Menschen, die seit dem Ende der 60er Jahre bis heute mit der Justiz aneinandergerieten und zu >Fällen< wurden, die ich vor Gericht ausgefochten habe."
Inhaltsverzeichnis
Vorwort von Christian Ströbele
Warum ich Strafverteidiger wurde
Woher ich komme
Universitäten Berlin und München 1965 bis 1968
APO, Springer und ein Praktikum im Knast
Schellingstraße 52
Der Prozess gegen Rolf Pohle
Gertraud Will
Ulrike Meinhof
Staatsfromme Justiz in München
Das Verfahren gegen Hanns Marzini und andere
Das Verfahren gegen Rechtsanwalt Fritz Gildemeier
Der Tenno-Prozess in Bonn
Gegen Panzerknacker und das BLATT
Das Werkstattkino
Freizeit 81
Andrea Wolf
Gert Bastian
Der Widerstand gegen die WAA
Ingrid Strobl
Deutch-deutsche Spionage
Epilog: 1968 und die Folgen