Dieser erste, von achtzehn historischen Krimis rund um Sebastian St. Cyr, Viscount Devlin, von denen bislang sechs auf deutsch erschienen sind, entführt uns in das London von 1811.
In seinem ersten Fall wird St. Cyr gleich einmal hart auf die Probe gestellt, wird er doch des Mordes an der Schauspielerin Rachel York verdächtigt, die brutal ermordet und grotesk in einer Kapelle in Westminster ausgestellt worden ist, denn immerhin findet die Polizei eine von St. Cyrs Duellpistolen neben der Toten. Um seine Unschuld zu beweisen, beginnt St. Cyr, der nicht irgendwer in der High Society von London ist, sondern der (letzte) Sohn des einflussreichen Earl of Hendon, selbst zu ermitteln.
Dabei wird er von seinem Freund, einem kriegsversehrten Arzt unterstützt. Ein Zusammentreffen mit dem Gassenjungen Tom beschert dem Adeligen, der spezielle kognitive Fähigkeiten besitzt, noch einen Helfer, der seine Augen und Ohren in den Gassen von London hat.
Bald hat St. Cyr einen Verdächtigen im Auge, doch es ist nicht leicht, an den Mann heranzukommen, denn der verkehrt in allerhöchsten Kreisen. St. Cyr wird immer tiefer in ein Geflecht von Spionage, Intrigen und Politik verstrickt, in das auch seine ehemalige Geliebte Kate verwickelt ist.
Wird es Sebastian St. Cyr gelingen, den Mörder zu fassen? Und welche Konsequenzen ergeben sich dann daraus?
Meine Meinung:
Politik ist seit je her ein schmutziges Geschäft. Das war auch zu Beginn des 19. Jahrhunderts, das durch die Napoleonischen Kriege erschüttert wird, nicht anders. London ist, wie zahlreiche andere Hauptstädte, Mittelpunkt von zahlreichen Spionen, in deren Kielwasser auch der eine oder andere sadistische Mörder sein Unwesen treibt. Genau diese historische Kulisse ist der Hintergrund der Reihe. Ich persönlich hätte mir nur ein wenig mehr Details über St. Cyrs Kriegseinsatz gewünscht, die nur sehr vage angedeutet werden.
St. Cyr wirkt an manchen Stellen wie ein gelangweilter Sohn eines mächtigen Adeligen, der ein wenig ziellos durch das Leben geht. Doch seine besonderen Fähigkeiten, er sieht und hört besser als gewöhnlich, machen ihn sensibel und wecken seinen Gerechtigkeitssinn.
Viele der Mitspieler sind Intriganten, Hochstapler, Spione und/oder degenerierte Adelige, die ihr eigenes Süppchen um Macht und Geld kochen und für die ein Menschenleben nicht zählt. Gut sind die historischen Fakten rund um den geistig umnachteten König und den Regenten in die Handlung eingebunden.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem Reihenauftakt, der uns in das London des 19. Jahrhunderts entführt, 4 Sterne.