Die Schule gefiel ihm nicht, an der Akademie überwarf er sich mit seinem Meister. Heinrich Vogeler (1872 - 1942) war schon früh ein Revoluzzer. Dementsprechend verlief sein Leben und künstlerischer Werdegang.
In einem schön gestalteten Buch aus dem renommierten Hirmer-Verlag erfahren wir ausführlich davon.
Zu Beginn seines Schaffens orientierte sich Vogeler an den Präraffaeliten Rosetti und Burne-Jones. Sie beeinflussten den Jugendstil mit biblischen und märchenhaften Themen. Neben Gemälden schuf Vogeler auch Wandteppiche ("Dornröschen").
Klassische Themen verlegte er in die heimatliche Landschaft, so z.B. die Heiligen Drei Könige ins winterliche Worpswede. Hier hatte der Künstler aus Bremen ein bäuerliches Anwesen erworben, den Barkenhoff, den er zu einem repräsentaren Wohn- und Ausstellungsgebäude ausbaute. Der Epoche der Künstlergemeinschaft und dieses Hauses widmet der Katalog ein umfassendes Kapitel. Höhepunkt Vogelers Schaffen ist zweifellos das monumentale Gemälde (175 x 310) "Das Konzert" mit Ansicht der Eingangsfront des Prachtbaus. Die Deutsche Post gab 1989 zum hundetjährigen Bestehen der Kolonie eine Sonderbriefmarke mit diesem Motiv heraus.
Sodann wirft der Katalog einen gesonderten Blick auf die grafischen Arbeiten des Künstlers, die seinen Ruf als Jugendstilmeister begründeten. Berühmt sind seine Arbeiten für den Insel-Verlag.
Die aktive Teilnahme am Ersten Weltkrieg und die Entbehrungen danach weckten offenbar das soziale Engagement Vogelers. Er trat der Kommunistischen Partei bei, reiste nach Moskau und wanderte 1931 dorthin aus. Hie arbeitete er engagiert durch Flugblätter und Radiobeträge gegen den Nationalsozialismus. Seine Darstellungsweise wandelte sich stark und wurde von staatlichen Vorschriften geprägt. Dennoch sind seine Arbeiten weiterhin sehr eigenständig und sehr einprägsam. Nach Einmarsch der Deutschen Armee in die Sowjetunion wurde er nach Kasachstan in ein Internierungslager zwangsevakuiert, wo er - gesundheitlich stark geschwächt - im darauffolgenden Jahr einsam verstarb.
Das breitgefächerte Werk des Künstler ist im Museum Barkenhoff und anderen Museen zu bewundern. Der Katalog führt uns knapp 160 Werke vor Augen. Sehenswert!
Karlheinz Schmiedel