"Monsieur Nicolas' Abenteuer im Lande der Liebe" entfaltet in episodischer Form die amourösen Initiationen, Irrwege und Selbstbefragungen eines Ich-Erzählers, dessen Begehren stets auch soziale Erkenntnis hervorbringt. Restif verbindet galante Erzählung, Bekenntnisliteratur und moralistische Beobachtung zu einer Prosa von dokumentarischer Genauigkeit und nervöser Sinnlichkeit. Im Kontext der französischen Aufklärung steht das Buch zwischen Rousseaus Selbstprüfung, libertiner Tradition und dem großstädtischen Tableau des vorrevolutionären Paris. Nicolas-Edme Restif de la Bretonne (1734-1806), aus burgundisch-ländlichen Verhältnissen stammend und zum Setzer ausgebildet, schrieb aus der Perspektive eines Autodidakten, der Milieus, Berufe und Körper mit beinahe ethnographischem Eifer registrierte. Seine Erfahrungen als Handwerker, Flaneur, Chronist nächtlicher Pariser Straßen und rastloser Selbstbeobachter nähren die Spannung dieses Werks: Lust erscheint nie isoliert, sondern als Symptom von Herkunft, Macht, Erziehung und moralischer Ordnung. Empfohlen sei dieser Klassiker Lesern, die erotische Literatur nicht bloß als Reiz, sondern als kulturgeschichtliches Dokument begreifen möchten. Die Ausgabe eröffnet einen Zugang zu einem exzentrischen Aufklärer, dessen Offenheit, Widerspruchsgeist und erzählerische Detailfülle noch heute irritieren und faszinieren.