In den Cordilleren führt Karl May seine südamerikanische Reiseerzählung in die dramatische Hochgebirgswelt der Anden, wo persönliche Bewährung, politische Unruhe und moralische Entscheidung ineinandergreifen. Der Roman verbindet Abenteuerhandlung, Verfolgungsszenen und Landschaftspathos mit jener idealistischen Ethik, die Mays Werk prägt: Mut, Treue und Gerechtigkeit behaupten sich gegen Habgier und Gewalt. Stilistisch steht das Buch zwischen Kolportage, Reiseroman und erzieherischer Abenteuerliteratur des 19. Jahrhunderts. Karl May, 1842 in Ernstthal geboren, schrieb aus der Perspektive eines Autors, der ferne Weltgegenden zunächst vor allem aus Lektüre, Karten und Imagination erschloss. Seine schwierige Jugend, seine Erfahrungen sozialer Ausgrenzung und sein späteres Streben nach moralischer Selbstrechtfertigung erklären viel von der Intensität seiner Heldenfiguren. In den Cordilleren spiegelt sich zudem Mays Interesse an außereuropäischen Kulturräumen, auch wenn es zeittypisch von europäischen Vorstellungen geprägt bleibt. Empfohlen sei dieses Buch allen Leserinnen und Lesern, die Karl May nicht nur als Lieferanten spannender Abenteuer, sondern als kulturgeschichtlich bedeutenden Erzähler kennenlernen möchten. Es bietet packende Unterhaltung, zugleich aber Einblick in die Sehnsüchte, Vorurteile und Ideale seiner Epoche.