Friedrich Schillers Turandot, Prinzessin von China ist eine kunstvolle Bearbeitung von Carlo Gozzis gleichnamigem Märchenspiel und verbindet exotisches Hofdrama, Rätselspiel und aufklärerische Reflexion über Macht, Ehre und Geschlechterrollen. Im Zentrum steht die stolze Prinzessin Turandot, die ihre Freier durch tödliche Rätsel prüft, bis Prinz Kalaf ihr intellektuell und moralisch ebenbürtig entgegentritt. Schillers Sprache veredelt den Stoff: Aus der commedia dell'arte wird ein streng gebautes, zugleich spielerisches Drama zwischen klassischer Form und romantischer Faszination für das Fremde. Schiller schrieb diese Fassung in seiner Weimarer Zeit, als er sich intensiv mit Theaterpraxis, Übersetzung und der Erneuerung dramatischer Formen beschäftigte. Seine philosophischen Interessen an Freiheit, Würde und Selbstbestimmung prägen auch dieses scheinbar leichte Stück. Die chinesische Kulisse dient weniger ethnographischer Genauigkeit als einer poetischen Versuchsanordnung, in der Leidenschaft, Vernunft und Herrschaftsanspruch sichtbar werden. Empfohlen sei dieses Werk allen Leserinnen und Lesern, die Schiller jenseits der großen Geschichtsdramen entdecken möchten. Turandot bietet geistreiches Theater, elegante Spannung und einen bemerkenswerten Blick auf die Verhandlung von Liebe und Macht.