Viele deprimierende Themen werden in dieser schwedischen Familiengeschichte aufgeworfen: Armut, Hunger, Gewalt gegen Frauen und Kinder, Depression, Abtreibung, Außenseiter gesetzt in eine fast unberührte Waldgegend Hälsinglands in Schweden.
Auf zwei sehr verschieden stark wirkenden Erzählebenen geht es um die charakterlich divers geprägten Frauen Unni und Kåra. Mit der Flucht aus Trondheim 1897 zusammen mit ihrem Sohn Roar und Armod beginnt für Unni ein sehr karges, Leid geplagtes Leben in rauer Natur, doch stets voller Liebe und Hoffnung in einer unwirtlichen Kate.
Neben diesem starken weiblichen Charakter zeigt sich mit Kåra auf der zweiten Erzählebene ca.70 Jahre später ein bedrückendes Familienleben voller Depression und Schweigen rund um üble Geheimnisse.
Die verbindende, sehr interessante Figur ist Roar, zunächst als Unnis liebenswerter, tatkräftiger Sohn und später als Kåras alternder Schwiegervater.
Die Lebens- und Naturbeschreibungen wecken durch viele Details starke Bilder, mit dem Symbol der Krähe mal als Unnis Vertraute, mal als Kåras Botin der Angst. Manche logische Ungereimtheit fern möglicher Realität springt ins Auge: Der 4-jährige Roar kann keinen erlegten, ausgewachsenen Dachs zur Kate transportieren, auch kann seine jüngere Schwester Rehfleisch nicht einsalzen. Bettwäsche (mit oder ohne Unnis Monogramm) kann nicht bei der total überstürzten Flucht eingepackt worden sein. Und wie sollte der schwer misshandelte elfjährige Roar mit gebrochenem Arm und verletztem Wangenknochen dem gewalttätigen Waldbauern mit heruntergelassener Hose den Schädel zertrümmert und bis zum Halbmeilenstein im Handkarren geschoben haben? Als dementer Greis, angewiesen auf Gehhilfe, konnte er sicher auch nicht einen Hochsitz erklimmen nach Durchquerung von durchwachsenem Waldgelände. Auch die Szene mit Tone-Amalie im abgebrannten Wald mit ihrer vergessenen Puppe stimmt nachdenklich, da sie nicht einfach ersetzbar ist durch eine andere.
Insgesamt gefallen die meisten atmosphärischen Beschreibungen, auch der finale Twist ist gelungen. 4*