In Über den Begriff der Zahl untersucht Edmund Husserl die genetischen Bedingungen, unter denen Zahl als Gegenstand des Denkens entsteht. Ausgehend von der Analyse von Vielheit, Einheit, Zählen und symbolischer Bezeichnung entfaltet die Schrift eine präzise, noch vorphänomenologische Theorie mathematischer Begriffsbildung. Ihr Stil ist streng argumentativ, begriffskritisch und von der zeitgenössischen Logik und Psychologie geprägt; zugleich bildet sie den philosophischen Auftakt zu Husserls späterer Auseinandersetzung mit Arithmetik, Bedeutung und Intentionalität. Husserl, 1859 in Proßnitz geboren, kam von der Mathematik zur Philosophie. Studien bei Karl Weierstraß und Leopold Kronecker schärften sein Verständnis formaler Exaktheit, während Franz Brentanos Lehre von den psychischen Akten ihm den Weg zu einer Analyse der Erkenntnisvollzüge eröffnete. Die Schrift, aus seiner Habilitationsarbeit hervorgegangen, zeigt diesen doppelten Ursprung: mathematische Strenge verbindet sich mit der Frage, wie abstrakte Gegenstände im Bewusstsein konstituiert werden. Empfohlen sei dieses Buch allen, die die Entstehung der modernen Phänomenologie nicht erst bei den Logischen Untersuchungen beginnen lassen wollen. Es bietet keinen bloßen historischen Vorläufer, sondern ein Schlüsselstück zur Philosophie der Mathematik: anspruchsvoll, konzentriert und fruchtbar für Leserinnen und Leser, die verstehen möchten, wie Husserls Denken aus dem Problem der Zahl erwächst.