Salambo führt in das Karthago des 3. Jahrhunderts v. Chr. , unmittelbar nach dem Ersten Punischen Krieg, und entfaltet den Aufstand der Söldner gegen die punische Metropole als düsteres Panorama von Macht, Religion, Gewalt und Begehren. Im Zentrum stehen die Priesterstochter Salambo und der libysche Anführer Matho, deren Begegnung politische Katastrophe und erotische Obsession verbindet. Flauberts Stil ist zugleich archäologisch präzise und visionär überhöht; der Roman steht zwischen historischem Realismus, exotistischem Tableau und symbolistischer Vorahnung. Gustave Flaubert, berühmt durch Madame Bovary, suchte nach dem Skandal und der ästhetischen Enge des bürgerlichen Gegenwartsromans einen radikalen Abstand zur Moderne. Seine ausgedehnten Quellenstudien zu Polybios, antiken Religionen, Waffen, Stoffen und Ritualen zeigen den Anspruch, eine verlorene Welt nicht bloß zu erzählen, sondern sprachlich zu rekonstruieren. Zugleich spiegelt Salambo Flauberts Misstrauen gegenüber Masse, Fanatismus und sentimentaler Vereinfachung. Empfohlen sei dieses Buch allen Leserinnen und Lesern, die historische Romane nicht als bloße Kostümgeschichte, sondern als Kunstform der Erkenntnis begreifen. Salambo verlangt Aufmerksamkeit für Klang, Detail und Grausamkeit, belohnt sie jedoch mit einer einzigartigen, fremden und beunruhigend modernen Vision der Antike.