Die Kegelschnitte Gottes entfaltet ein gedanklich reiches Panorama, in dem mathematische Ordnung, religiöse Vorstellung und menschliche Erfahrung aufeinander bezogen werden. Bertha Eckstein-Diener nutzt den titelgebenden geometrischen Begriff nicht bloß als Schmuck, sondern als poetisches Modell für Schicksalslinien, Perspektivwechsel und verborgene Zusammenhänge. Stilistisch verbindet das Buch präzise Beobachtung, aphoristische Zuspitzung und essayistische Beweglichkeit; im Kontext der deutschsprachigen Moderne erscheint es als eigenwillige Antwort auf die Krise überlieferter Sinnsysteme. Die Autorin, 1874 in Wien geboren und später auch unter dem Namen Sir Galahad bekannt, bewegte sich zwischen Literatur, Kulturgeschichte und emanzipatorischem Denken. Ihre Reisen, ihre Auseinandersetzung mit historischen Frauenbildern und ihre Distanz zu konventionellen bürgerlichen Gewissheiten prägten einen Blick, der Erkenntnis nicht als Dogma, sondern als kühne, vergleichende Bewegung versteht. Empfohlen sei dieses Buch Leserinnen und Lesern, die philosophische Prosa schätzen und in literarischen Bildern mehr suchen als Handlung. Wer sich auf Eckstein-Dieners gelehrte, zugleich imaginative Denkweise einlässt, entdeckt ein Werk, das Naturwissenschaft, Metaphysik und Kulturkritik zu einer ungewöhnlich klaren, nachwirkenden Form verbindet.