Der Grossmeister des urbanen Mikrokosmos Marco Balzano erweckt das Café Royal zum Leben. Wie kein anderer verknüpft er die Schicksale seiner Charaktere mit den Orten, an denen sie leben und wirken.
In Café Royal entführte uns nach Mailand im Sommer 2020. Die Via Marghera ist ausgestorben, der Lockdown bringt Stille, gute Luft und flirrendes Pflaster. Das Café Royal aber ist geöffnet. Mit genügend Abstand sind menschliche Kontakte möglich, und so verlässt auch Michele seine Wohnung und findet Inspiration in seinen Begegnungen.
Marco Balzano ist ein begnadeter Geschichtenerzähler, und so folgt er seinen Figuren auf ihren irrlichternden Wegen, die sie alle früher oder später ins Café Royal führen. In der Tradition Muriel Sparks, Sherwood Andersons und Evelyn Waughs schreibt er über die Sorgen und Nöte der kleinen Leute. Unaufdringlich und dennoch nah in den Figuren erkundet er ihre Sorgen und Nöte, ihre Lieben und Geheimnisse, ihre Bedürfnisse und ihr Bedrängnis.
17 verschiedene Individuen treten ins Spotlight, manche kennen sich, manche gehören zur gleichen Familie, die meisten sind ein bißchen verloren. Die Figuren haben es schwer, aber ernsthafte oder existenzielle Dramen erleben sie keine. Ihre Leiden sind eher alltäglich und fast ein wenig banal. Doch gerade darin liegt der Zauber der Alltagsgeschichten.
In Zeiten einer Pandemie sind seine Protagonist*innen auf sich selbst zurückgeworfen, und so erscheint manche Unwegsamkeit überlebensgroß. Augenzwinkernd und stets mit einer feinen Ironie nimmt Marco Balzano die Großstadtdepression und verwandelt sie in einen wunderbaren Episoden-Roman.
Das Café Royal verspricht beste Unterhaltung, und es ist von Vorteil, dass die Stadtneurotiker wie einem Woody-Allen-Film entspringen und nicht zu lange nachhängen.
Eine ideale Begleitung für jede Reise, inhaltlich und äußerlich nicht zu schwer und dabei zutiefst menschlich und unterhaltsam.