Meinung: Cover hat mich sofort neugierig gemacht, und so habe ich eine neue Autorin für mich entdeckt. Die Geschichte spielt in einem ungewöhnlich heißen norwegischen Sommer und beginnt mit einer scheinbar harmlosen Situation: Die Studentin Sonja bemerkt einen Schatten im Haus ihrer verreisten Nachbarn und ruft die Polizei. Die junge Polizistin Snø geht dem Hinweis nach. Zwar wirkt zunächst alles unauffällig, doch dieses leise, ungute Gefühl bleibt. Als Sonja kurz darauf verschwindet, nimmt der Fall eine deutlich düsterere Wendung.
Der Schreibstil ist angenehm leicht und sehr flüssig. Besonders die extrem kurzen Kapitel sorgen für ein hohes Tempo und machen das Buch ausgesprochen spannend. Ich konnte es kaum aus der Hand legen. Die häufigen Perspektiv- und Szenenwechsel steigern zwar die Spannung, waren für mich zu Beginn jedoch etwas verwirrend, da viele Figuren eingeführt werden. Mit der Zeit fügt sich jedoch alles zusammen, und die Charaktere erweisen sich als gut ausgearbeitet.
Die Handlung startet ohne lange Einführungen direkt im Geschehen und entwickelt sich schnell zu einem intensiven Thriller. Cozy Crime darf man hier definitiv nicht erwarten. Leichenteile in einer Müllentsorgungsanlage, mehrere Vermisstenfälle und eine Ermittlerin, die sich nicht immer an Regeln hält, sorgen für durchgehenden Nervenkitzel.
Einige Beschreibungen sind nichts für schwache Nerven und gehen stellenweise deutlich unter die Haut. Besonders überzeugend fand ich Snø. Sie wirkt authentisch, mit nachvollziehbaren Motiven, Schwächen und Entscheidungen. Gerade ihre innere Zerrissenheit und ihr Drang, auf eigene Faust zu ermitteln, machen sie interessant. Weniger gelungen empfand ich hingegen die Nebenhandlung rund um ihren Bruder, vor allem deren Auflösung, die für mich etwas konstruiert wirkte.
Thematisch greift das Buch zudem ein aktuelles und brisantes Thema auf: Macht, Geld und die Energiewirtschaft rund um das Ölgeschäft. Gegen Ende spitzt sich die Handlung noch einmal deutlich zu, es wird gefährlich für Snø, und eine überraschende Wendung sorgt für einen insgesamt runden Abschluss.
Eine Leseempfehlung meinerseits.