Egmont Colerus' "Leibniz" entfaltet das Porträt eines Geistes, der zwischen Metaphysik, Mathematik, Rechtswissenschaft, Politik und Technik keine starren Grenzen kannte. Das Buch verfolgt Leibniz' Lebensweg als Geschichte einer europäischen Vernunftidee: von der Infinitesimalrechnung und der ars combinatoria bis zur Monadologie und den Plänen einer wissenschaftlichen Akademiekultur. Colerus schreibt anschaulich, doch mit begrifflicher Disziplin; sein Stil verbindet biographische Erzählung, ideengeschichtliche Einordnung und populärwissenschaftliche Präzision im Kontext der großen Gelehrtenbiographien des frühen 20. Jahrhunderts. Colerus selbst war für eine solche Darstellung besonders geeignet. Als österreichischer Schriftsteller mit mathematisch-naturwissenschaftlicher Bildung suchte er wiederholt, abstrakte Erkenntnisformen einem gebildeten Publikum zugänglich zu machen. Seine Beschäftigung mit Zahl, Ordnung und geistiger Konstruktion erklärt sein Interesse an Leibniz, dessen Denken die Einheit von Kalkül und Weltdeutung verkörpert. In Colerus' Darstellung erscheint Leibniz daher nicht bloß als Philosoph, sondern als Modell schöpferischer Universalität. Dieses Buch empfiehlt sich Lesern, die eine gelehrte, zugleich lesbare Einführung in Leibniz' Werk und Epoche suchen. Es bietet keine trockene Spezialstudie, sondern eine konzentrierte Annäherung an den Zusammenhang von Leben, Denken und historischer Wirkung.